Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 22 (28.5.1891)
- Date
- 1891-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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W^z« «rffttr Synagoge« '• Gemeinde ftttrige jüdische Framlie, bestehen au» einer 8Sjährige« Ktttwe, ihrem »0 jährigen Sohn« und einer Tochter. Nachdem der Sohn, ein braver, schlichter Handelsmann und einziger Ernährer der Familie noch am Peßachfeste die Synagoge besucht hatte, ILrfiel er plötzlich in eine schwere Krankheit, die da» Schlimmste .befürchten ließ. Ohne sofortigen jüdischen Zuspruch, da da» traurige Schicksal der braven Familie erst nach mehreren Tagen in unserer Gemeinde bekannt wurde, eilten die christ» -Uchen Bewohner de» Dorfe», Katholiken und Protestanten ohne Unterschied, an da» Krankenbett de» schwer Heimgesuchten, um denselben durch liebevollen Zuspruch aufzurichten. Nachdem nun auch ein Mitglied unserer Gemeinde an das -Krankenlager geschickt worden war, nährte auch die Scheidestunde mit raschen Schritten. Zu den zahlreichen Menschenfreunden, welche neben der -ehrwürdigen barmherzigen Schwester den Kranken wiederholt besuchten, gehörte auch der hochwürdige evangelische Geist» liche des Orte». Als dieser bei einem erneuten Besuche der Familie erfuhr, daß die letzte Stunde nahe sei, eilte er sofort an» Krankenbett und verweilte an demselbem an der Seite de» jüdischen Wärters betend, bis nach kurzer Zeit der Tod den nun Geschiedenen von seinen Leiden erlöst hatte. Während am folgenden Tage Männer unserer Ge- Meinde die Leichenwaschung Vornahme», begab sich dieser edelgesinnte Geistliche wieder in das Sterbehaus, um die trauernden Hinterbliebenen zu trösten. — Ehre diesem Priester der Menschenliebe! Bei der Beerdigung auf dem hiesigen Friedhöfe bemerkte man auch eine größerere Anzahl christlicher Einwohner de- Dorfes, die es sich trotz der l'|, Stunden Metten Entfernung nicht hatten nehmen lassen, dem Tobten die letzte Ehre zu erweisen und den Lebenden ein schönes Beispiel religiöser Toleranz und aufrichtiger Menschen- .liebe vor Augen zu führen. 6. Mad-O»». Der hiesige UnterstützungS-Berein für arine jüdische Kurbedürftige ,Emser Heilquelle- (,דני הישילד») veröffentlicht seinen 3. Bericht. An der Spitze desielben befindet sich der folgende sehr beherzigenswerthe Aufruf: »Edle Gönner und Freund«! - Der Verein »Lmser Heilquelle" blickt nunmehr auf eine drei jährige segensreiche Thatigkeit zurück. Bon Jahr zu Jahr wuchsen mit dem sich steigernden Ansprüchen auch die Zahl seine Freunde Vohlthäter und Stifter. Dies« erfreuliche Thatsache ermuthigt uns׳ jetzt dem Bedanken näher zu treten, welchen Herr Dr. Aam berger^ Königsberg schon bei Gründung des VereinauSsn-ach: daß ez gelingen möge, in (km s baldigst ein Kran, nhaus für diejenigen armen jüdischen Kranken zu errichten, »elch« die Lur da« gebrauchen müssen und einer besonderen Lrztliche» Pfleg« bedürfen. Da» zu errichtende Krankenhaus soll im Sommer geöffnet sein, Raum für etwa zwanzig Patienten haben, und auch besondere Zimmer für solche vermögende Kranke enthalten, bei denen Kranlenhans-Vehandlung erforderlich fei» wird. >» alle jüdischen Gemeinden, Wohlthätigkcits-Vereine und edle» Menschenfreunde richten wir daher unsere innige Bitte, uns dnrch reichliche Gaben in den Stand zu setzen, daß wir unser Wert zur Ausführung bringe» können. Mögen Im Herzen eines Jeden, da» war» für seine leidenden Brüder schlägt, jene Herrf- 1 ttchen SBor'i tirr lautes tzcho Elchen, >»«lche jüngst bei der Jub» läumsfelcr de» berühmten Leydene/Professor» Dr. Rasens Pein gesprochen worden: ״Aagi», eraä« oaiiü, ro» «at auccarrar• Up•!•“: .Königlich, glaub« mir Freund, ist'», Hils« zu bringen de» Kranken." Da» Lmser Loeal-Lomiie«: Dr: Aronsohn, pract. Arzt, Dr. Weingarten, Bezirkoradbtner, Mötnerstr. 24, Vrauaschtveig. Hof. Römerstr. SO, .Haus Mailand". I. Dhalheimer, Lodteuzerftr. 8. de Spenden zu diesem humanitäre« Zweck, pfa jede» Mitglied de» Eountä» in Empfang zu nehme» bereit ist, recht reichlich fließen, damit da» schöne Werk in nicht zu langer Zett feiner Verwirklichung entgegengehe. Durch einen Beitrag von 50—100 Mark wird man .Wohlthäter-, durch eine einmalige Gabe von wenigsten» 100 Mark .Snfter-. Bereit» sind 14 Wohlthüter und 10 Stifter zu verzeichnen. Unter letzter» eine holländische Gemeinde (Arnheim): die deutschen Gemeinden werden hoffentlich nicht zurückstehen. Die Einnahmen im vergangenen Jahre beliefen sich auf 2092 M, zu Unterstützungen wurden an 23 Kurgäste 1167 M. verausgabt, und an sonstige Unterstützungen 240 M- Der feste Fonds (incl. Zinsen) beträgt 2960 M. 55 Pf. Er wachse rasch empor! Ss—r L Kchk., 22. Mai. (Or.-Corr ) Am 3. d. M starb nach längerem Leiden am Tage seiner Silberhochzeit unser treues Gemeinde - Mitglied, der Kaufmann Moritz Cohn. Unsere Gemeinde hat durch den Tod desselben, welcher lange Jahre dem Repräsentanten-Collegium der Haupt- Synagogen-Gemeinde zu Liegnitz angehvrte, auch Vorstand»- Mitglied der hiesigen Filial-Gemeinde war, einen sehr herben Verlust erlitten. Als der Sohn eines Cultusbeamten und durch sein reiche» Wissen, zeigte derselbe das regste Interesse für die allgemeinen Interessen des JudenthumS, ganz besonder» aber lag ihm das Wohl der hiesigen Gemeinde am Herze», und ttotz seines langen, hartnäckigen Leidens nahm er an allen Berathungen fast bis zu seinem Lebensende den innigsten Antheil. Auch, waren dem Verblichenen mehrere Ehrenämter von unserer Stadt überttagen, so verwaltete ec lange Jahre hindurch das Amt eines SchiedSmanne», und stets ivaren seine Bemühungen von gutem Erfolg. Sett zwei Jahren gehötte er dem Stadtverordneten-Collegium au und dir allgemeine Achtung, die er sich im Leben zu erfreuen hatte, zeigte sich bei seiner Beerdigung, welche a« 5. ds. Mts. stattfand. Sämmtliche Stadtverordneten und Magistratsmitglieder unter Führung ihr-S ehrbaren Ober« Hauptes waren in Corpore erschienen, ebenso ließen e» sich die angesehensten Bürger der Stadt nicht nehmen, ihm da» letzte Ehrengeleit zu geben. Am Grabe machten die Wotte des Rabbiners Herrn Dr. Peritz au- Liegnitz auf sämmtliche Anwesende den tiefsten Eindruck Selten war rin so ansehnliches und große» Gefolge, wir bei unserm theuren Da Hingeschiedenen, hier zu sehen war. Akut««», 25. März. (Or.-Cor.) Wiederholt sind die Beamten unserer Synagogen-Gemeinden auf die im Jahre 1884 in Danzig gegründete und von der Staat-behörde bestätigte .HilfSkasie für Beamte iSrael. Synagoge«»Ge» meinden, deren Wittwen u :d Waisen in den Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußenaufmerksam gemacht worden, ohne daß indes ein namhafter Erfolg erzielt worden wäre. Der Borstand des genannten Verein», der seine» Sitz in Danzig und in der Person de» Herrn RechtS-Anwalt» Dr. Mayer einen umsichtigen und thatkräftigen Vorsitzenden hat, veröffentlicht soeben den 7. Jahrerbericht, au» dem ersichtlich ist, daß im Laufe de» Jahre» 1890 die Zahl der ordentlichen Mitglieder um 3 gewachsen ist, nämlich von auf 21; die der korporativen ist von 14 aus 12 gefallen, fdie der außerordentlichen ist dieselbe geblieben, nämlich 16. Die Beiträge aller dieser Mitglieder sind um 62,50 Mk. von 1032,50 Mt. auf 990 Mk. zurückgmangen. Der Kaffenbestand ist von 7506 Mk. aus 8369 Mk. gestiegen. Unterstützt wurden 2 Wittwen verstorbener Mitglieder mit 225 rrsp. 150 Mk. E» liegt im eigenen Interesse der betteffenden Beamten sich diesem Verein sobald al» möglich anzuschließe». Di« Beiträge richten sich nach dem Alter. Bor vollnidete« 30. Lebensjahr sind jährlich 10 Mt-, vor vollendetem 40. Lebeusjahr sind jährlich 15 Mk. und vor vollendetem 50. Lebensjahr 20 Mk. jährlich zu zahlen. Di« diesjährige