Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1891-05-28 · 22 (28.5.1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
22 (28.5.1891)
Date
1891-05-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492344-5935076-5959662--0647-5374417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tnf1|a1t1■ _. ^. ... ffti bw Behandumg brr Zeit Itr VufHIjaMnc. An deabef»«tzrr« psychologische Fragen betreffenden Disstifstonen betheiliatt sich a«h in hervorragender Weise HerrProfeffor LazaruS-Berlin. M«§d«ß»rß, 20. Mai. Im deutsch-soclalen Reform, verein sprach Herr Dr. Paul Förster über deutsch« Klugheit und jüdische Intelligenz. Wir theilen den Inhalt de« ziemlich geistlosen Bortrages, über den die hiesigen Blätter nicht» brachten, nach einem Referat im Berliner ״Volkmit: Die jüdische ״Intelligenzhabe es jetzt bereits soweit gebracht, daß gute Leute und schlechte Musikanten an diesttbe glaubten. Der ״deutsche- Heine werde immer als bedeutendes Licht unter dem ״jungen Deutschlandgefeiert. LS sei aber leicht zu beweisen, was es mit dieser jüdischen Größe aus sich Hab«. Die deutsche Intelligenz bestehe einfach darin, daß die Juden verstehen, ohne viele Mühe große Reichthümcr zusammen zu schachern. Wer dem Deutschen zurufe, ebenso ״intelligentzu sein, der entehre den deutschen Mann. Eine hervorragende Charaktereigenschaft des Juden sei die Schamlosigkeit, des deutschen Mannes Stolz dagegen die Ehrenhaftigkeit. Man beschimpfe das Andenken unserer Bäter, wenn man meine, daß die Juden intelligenter seien, als wir. Die Kauflrute im Mittelalter seien auch intelligent gewesen, das beweisen noch dir herrlichen Kirchen in Magd«- bürg Und da wolle man sagen, daß die Magdeburger Kauflrute erst durch die Juden intelligent gemacht werden werden müßten. (DaS hat doch keiner behauptet! R.) Kein Volk, am allerwenigsten dir Juden, habe« so viel Erfindungen gemacht als die Deutschen. Buchdruckerkunst, Taschenuhren, Pulver, seien Erfindungen der Deutschen. Niemals kann ein Jude mit Göthe oder Beethoven, Bach oder Wagner verglichen werden. Alle (?) großen Männer aller (?) Zeiten seien überzeugte(?) Antisemiten gewesen, man befinde sich als Antisemit in der allerbesten Gesellschaft, (z. B. mit Alimcnten-Böckel, Pickcnbach und Liebermann von Sonnenberg, dem Ehrenname, der auf dem Scheine anderer steht, und wie viele von den Antisemiten befinden sich wegen Betrugs und anderen Verbrechen im Gefängniß, und gehören die Judenschinder in Rußland und die Judrnmörder in Korfu nicht auch zu diesen ״Allerbesten"? Eine nette Gesellschaft, vie in den Pfingstwoche den unheiligen Geist: Hasset einander! über diegeduldige Bürgerschaft der alten, toleranten Stadt Magdeburg ausgießt. Welcher Hohn auf die Grundlehren des Christrnthums, dessen Stifter im Geiste de» Judenthums lehne: ״Liebet einander.- A«K», 2'. Mai. (Or.-Corr.) Die Candidatur Klemperer's für die Reform erregt hier peinliches Aufsehen: jetzt wird es klar, wie so das Gerücht, Klemperer's Söhne feien zum Christenthum übergetreten, vor einigen Jahren so leicht bei denen, die den Vater kannten, Eingang finden konnte und auch, als Kl. asv. auf der Kanzel m,t einem großen Aufwand von Feierlichkeit dies Gerücht für unwahr erklärte, nicht ganz geimchen ist. Man kann die Grundsätze der Berliner Reform noch so schroff abweisen, und wird ihr 'doch nicht eine gewisse Berechtigung der Existenz abstreiten. Es giebt nun einmal in Berlin eine Menge Juden, die sich auf das letzte Bollwerk des Judenthums auf das ״Sch'nr" zurückgezogen haben, alles Andere haben sic ausgegel.i: warum sollen diese Leute nicht auch einen Gottesdienst hak n! Aber wenn schon für jeden Geistlichen, so ist besonders für de« Prediger der Reform, der Moral und Religion nahezu identisch sind, die Integrität ves Charakters unentbehrlich. Die Reform hat sich vor Zeiten in ihrer Propaganda sehr geschadet, als sie Holdheim zu ihrem Sprecher wählte. Und Holdheim hatte doch wenigstens ein gediegenes Wissen. Holdheim ist auch nicht wie Klcmpercr ein Vierteljabrhundert als Rabbiner alten Stiles thätig gewesen; Holdheim hat nach wenigen Jahren, nachdem er in Frankfurt ein Bor׳ kämpfrr des Kaschrus beim Vieh gewesen, die Maske weggewarfen; sodann war er einige Jahre in Schwerin, dann erst kam er in die Berliner Reform. Klemperer aber steht noch sonst auf einem wissenschaftlichen Gebiete etwa* geleistet, de« Anfechtungen, die sein Charakter erfährt, irgend welche Autorität haben wird! Irgend ein tüchtiger, beredter Philologe der einige Kenntniß der Theologie besitzt, hätte sich sehr zum Reformprediger geeignet, vielleicht der Reformge««»- schaft aufgeholfen. Kl. wird nur di« Sache kompromittiren, zu deren Vertreter er gewählt ist. ES ist gefährlich, nachfünfundzwanzig Jahren rabbinischer Thätigkeit so urplötzlich ein ״Andererzu werden.*) Areaka«, den 22. Mai. (Or.-Lor.) Vom Inspektor de« iSrael. Waisenhauses, Herrn M. Silberstein, hier, ist eine vortreffliche Idee ansgegangen, die ihrer demnäch» stigen Verwirklichung entgegengeht, nämlich die Gründung eines ״Israelitischen MädchenSheims" für BreSlau und Umgegend. Es sind hierbei zu allererst solche Mädchen in'S Auge gefaßt, die zu 15 Jahren die Waisen-Anstalt verlasten, und elternlos, folglich auch Heimathslos sind. Dies» und auch andere, außerhalb der Anstalt erzogene Mädche» im obigen Alter, sollen nun in diesem Heim unentgeltlich« Ausnahme finden, daselbst ihrem künftigen Beruf entgegengeführt werden und bis sie denselben erreicht haben, in dem Heim verbleiben. Sie sollen auch später, wenn sie einmal slellungslos sind, vorübergehend dahin zurückkehren können, wo für ihr weiteres Unterkommen und ihre Beschäftigung in der Zwischenzeit gesorgt werden wird. Es solle» aber auch andere Mädchen, die bereits in Stellung sind, jedoch zu wenig verdienen um davon leben zu können, gegen Zahlung einer geringen Pension ausgenommen werden, damit sie nicht dem Laster in die Hände fallen. Es freut un«, mitthelle» zu können, daß die ganze Angelegenheit im besten Gauge ist und in kurzer Zeit ihrer Vollendung «ntgegegen sieht; man ist ihr hier allenthalben mit der größten Sympathie ent» gegen gekommen. Der hiesige jüdische Frauenverein hat 1000 Mark hierzu gegeben und außerdem einen jährliche» Beittag von 750 Mark bewilligt: einen gleichen hohe« Jahresbeitrag hat die Lessing-Loge dem Unternehmen znzuwenden beschlossen. Die Eröffnung des Heims wird wahrscheinlich gleich nach der Badesaison mit drei Mädchen stattfinden. Mögen derartige Bestrebungen auch in andere» größeren Gemeinden Nachahmung finden. A»s Hterschkste« Die Strafkammer in Ratibor hat den Rechtsanwalt und Notar Max Zülzer daselbst wegen Zweikampfes mit tödtlichen Waffen zu drei Monaten Festung»- hast verurtheilt. Da» Duell bat folgende Veranlassung gehabt: Eines Abends vor Weihnachten spielte Zülzer mit zwei Herren in einem Weinhause Karten. Anwesend war außerdem der Assessor Just aus Kätscher, welcher zu jener Zeit einen Amtsrichter verttat. Als dieser eingrladen wurden am Spiele theilzunehmen, lehnte er die» mit einer Bemerkung ab, welche auSdrücken sollte, daß eS ihm nicht Paste, mit Juden zu spielen. Zülzer erwiderte darauf: ״Ich verbitte mir das, ich bin ein Jude!- Affessor Just bestand auf seinem Recht, über den ihm passenden Verkehr seine eigen« Meinung zu hoben, ein Wort gab da» andere, und Zülzer versuchte schließlich, thätlich zu werden. Er wurde von Just auf Pistolen gefordert, und der Zweikampf fand am 4. Januar im Nendzaer Walde statt, verlies jedoch unblutig, weil die Kattellträger die ursprünglich schweren Bedingungen wesentlich gemildert hatten. N«e» «. 3M-, 14. Mai. (Or.-Lorr.) 'Eur Akt Scht religiöser Toleranz und aufrichtiger Menschenliebe möge durch dieses geschätzte Blatt auch weiteren Kreisen zei ,i in welch' friedlichen und freundschaftlichen gegenseitige» Beziehungen die verschiedenen Confesfionen in unserem gesegnettu Rheinlande neben und mit einander leben. k heinlande ») Der Herr «ed. d. Bl. hat ihn «i, vergliche», aber Ä. ist ei» Scher, der gar keinen «Sernhat. (Mr hatte» t» vvr. Nr. irrthümlich N. Melr »e» Lehrer — statt Schüler — Scher» genannt״. a» Mt Sach« Lndert da» nicht». Red.) ... ..jM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.