Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 22 (28.5.1891)
- Date
- 1891-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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>&ו«׳ ^14ma -H- VUifllffTs. der ES ist unS hochersreulich, nochdcm wir Jahre hindurch den Versuch einer dogmatischen Formulirung der jüdischen Sittenlehre duich den" deutsch - israelitischen Grmrindrbund, bekämpft haben, der neuen Bearbeitung, welche der Bor» spende deS Gemeindebundes unter seiner persönlichen Brr» aniwortung vrrvffcinlicht hat, unsere Zustimmung geben zu können. Tiefe Zustimmung wird wesentlich erleichtert, weil aus dem Titelblatt der.Rome de« .Tr. Samuel Kristrller" figurirt. Tamil schwindet der Anspruch, den die früher vom Gr» »eindebund veröffentlichte Arbeit für sich erhoben hat, als der Ausdruck, als der unbestrittene Ausdruck deS jüdischen Gesammtbewußtseins zu gelten. Daß Herr Geheimrath Kristeller unter den, Beistand s» vieler ausgezeichneter Männcr etwas Gutes leisten wird. War kaum zu bezweifeln: natürlich wird cS trotz alledem erlaubt sein, in dem und jenem Punkte eine abweichende An» ficht zu haben; cS ist eine Arbeit besser als viele, aber sie Hot keine Kanonizitüt; rS ist das highst schäyenSwcrthe Werl de« Herrn Samuel Kristeller, dem unsere Verehrung gehört. Weil er, obgleich er aus einem der Religion fremden Gebiete ru Achtung und Ansehen aufgestiegen ist, dennoch am Abend seines Lebens sich dem Dienst deS Judenthums mit Treue «nd Eifer widmet. Sehr gut verwert Hel ist die Mifchna Sota 8,7, für Mt ft, dem Vaterland» zu dienen. Die oft citirtr Stellt auS Maleachi Eap. 2 B. 10: Haben wir nicht alle einen Vater u. s. w. hat bekanntlich nicht den umfassenden koSmo» politischen Sinn, den man ihr jetzt giebt. Aber sie drückt, von ihrem Zusammenhang losgelöst, den geistigen Gehalt des JudenthumS sehr aut aus. Würde sie dogmatisch in diesem allgemein menschlichen Sinne vrrwerthrt, so müßte man im Interefte der Wahrheit protestiren. Die Achtung der religiösen Ueberzeugungen Anderer, die der S.1א au- Berachot citirte Satz uns lehrt, wird nur eine mäßige sein, überhaupt hat der Sammler an manchen Stellen dem Text ein wenig nachgrholfcn, damit er den erwünschten Sinn gebe, so S. S in dem ersten Satze, wo! Tora mit ״Pflichtgrsetz" wiedergegeben wird. Der Werth der 15 Sätze für die Schule ist von uns nie bestritten worden und der Verfasser dieses Aufsatzes hat ' schon im Jahre 1889 den Herausgeber eine- ReligionSbuchc» veranlaßt, die- Elaborat in sein Buch hineinzunehmen. Me Auswahl der Sprüche aus der religiösen Litteratur der Juden ist sehr geschickt und wenn Herrn Dr. Kristeller an unserm Beifall etwas gelegen ist, so stehen wir nicht nunmehr an, seinem Büchlein unser», durch einige Ausstellungen wenig geschmälerten Beifall zu zollen. Gerichte «nd T»rresp«ndr«?e». Deutschland. Einen entscheidenden Vorzug hat die neue Ausgabe durch die Hinzufügung der Belegstellen, einer stattlichen Reihe von Sprüchen auS Bibel, Talmud und Midrasch, die als Beweis dienen sollen, daß die fünfzehn Sätze keine neue Berliner, sondern alte jüdische Weisheit sind. Der pädago gische Zrveck der Sammlung wird im Vorwort besonders hervorgehoben; keine Dogmatik, kein Kanon soll die Sammlung sein, sondern ein Lehrbuch, in dem die Subjektivität des Vrrf.'S getrost zum Vorschein kommen kann. Für den erziehlichen Zweck hat eS nicht viel auf sich. Wenn hin und wieder ein Satz der alten Schriften in einem ganz andern Sinne gebraucht wird, als in dem ursprüng- «chen. Lin solche homiletische Umdeutung thut, wenn sie »icht zu oft vorkommt, dem Werth deS Büchleins keinen Abbruch, dagegen wäre sie bedenklich, wenn es sich um eine dogmatische Fixirnng der jüdischen Sittenlchre handelte. Greifen wir eiuigcS heraus. Die Futurform bedeutet m Hebräischen bekauntlich nicht nur du wirst, sondern auch du kannst, du darfst, du sollst; welche Bedeutung die richtige ist, ergiebt der Zusammenhang; wenn man ungebührlich die Im verativ-Bedeutung vorzieht, so käme man dazu,zzVV והיית (ü. Buch Mose Eap. 28 V. 34) auch für rin Gebot zu halten »nd mit .Du sollst verrückt sein" zu übersetzen. So ist: .Im Schweiß Deines Angesichts wirst Tu Drin Brod essen", eine Strafe, aber kein Gebot, wenn auch der Talmud (Berochoth V7 d) den Segen der Arbeit preist mit der Bemerkung: der Schzveiß ist ein Zeichen des Segenfür den Kranken. Aber für den Echulgebrauch läßt man sich die Anwendung: .Du allst im Schweiße Deines Angesichts Dein Brod essen", durch welch« ein richtiger, sittlicher Gedanke in eine knappe Form gebracht wird, sehr gern gefallen. Einem gleiche» Kunststück begegnen wir, wenn Herr Krifteller aus dem vierten Gebote citirt: sechs Tage sollst Du arbeiten; offenbar will di« Schrift nur da« Gebot, am Sabbath sollst du ruhen, un» einschärfen, wir wissen, daß schon vor Herrn Kristeller geistreiche Leute zur Empfehlung der Arbeit das schlichte Wort so witzig umgedeutet habest »nd wir haben nicht» dagegen, wenn die gute Lehre: erst nach gethaner Arbeit ist gut ruhen, durch diesen Witz in da« Bibelwort hineingestellt «nd dadurch dem Kinde fester wird. Der pädagogische Zeck rechtfertigt das 8p. Magdeburg, 22. Mai. Die in den Psingsttagen dieses Jahres in Mannheim stattgefundenr Allgemeine deutsche Lehrerversammlung, die seit ihrem Bestehen stets von dem Geiste wahrer Gewissensfreiheit und echter Glaubens» bildung getragen war, ruft uns ein herrliches Wort des auSgezeichneten, wackeren Schulmannes Riecke, das dieser vor 28 Jahren ebenfalls in Mannheim in der erwähnten Lehrer- Versammlung sprach, ins Gedächtniß zurück. ״Ich erlaube mir, bloß zwei Gedächtnißtagc zu bezeichnen, sagte der vor» trefflich Mann, deren Datum ich leider nicht angeben kann. Der erste ist der Tag, an welchem alle Eonfessionen in gairz Deutschand, von welcher An sie seien, ihre volle politische und sittliche Berechtigung erhalten und not» bau» an welchem die Zusage dieser Berechtigung eine Wahrheit geworden ist, und 2. der Tag, an welchem die Liebe die äußerliche Ungleichheit vollständig ausgleicht." Etz War natürlich, daß diese Worte eine stürmische Begeisterung heroorriefen. Eine uxiterc ReminiScenz: Als zur Zeit des Kulturkampfes in den 7üger Jahren die Allgemeine deutsche Lehrer- Versammlung in BreSla» tagte, begrüßte Fürst Bismarck die dort versammelten Lehrer als .wackere Kampfgenossen". Und dieser selbe Fürst Bismarck lvinerkt in einer Zuschrift an den Herausgeber des 20״. Jahrhunderts", eineantisemitischen Monatsheftes, in dem jede Zeile Zeugniß einer schmutzten Gesinnung ablegt: .Ihre neue Zeitschrift habe ich mit Interesse gelesen und wünsche derselben gutes Gedeihen." Die Wahrnehmung, daß die allermeisten größeren Lehrervecsammlunaen denselben Geist, den Geist echter Religiösität, edlen Menschenthums athmrn und über engherzt confessionelle Schranken erhaben sind, konnten wir auch in der vom 18. bis 20. Mai hier abgehaltencn Versammlung des .Vereins für wissenschaftliche Pädagogik machen". Der Verein, der die pädagogischen Anschauungen HerbartS dertritt und diese durch Schrift und Wort zu verbreite» sucht, zählt circa 800 Mitglieder unv kennt keine Unterschiede d«S Stande- oder der Religion. Lehrer der verschiedenen Schulgattungrn und Eonfessionen gehören zu seinen Mitgliedern BoltSschullehrer »nd UniversitätSprofrssoren. Den Ver- Handlungen lagen dieses Mal die im Jahrbuche des Ber» Verein» gedruckten Abhandlungen zu Grunde u. a.: Der Pessimismus und die wissenschaftliche Pädagogik von dem