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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-21 · 21 (21.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
21 (21.5.1891)
Date
1891-05-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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«Be* neuschSffen müßte? Palästina wiederum kann Grüße« Menschenzahl ««»Ihren und die Schwierigkeiten ro ^« gttabfju unüberwindlich sein: sie sind politisch ind volkswirthschaftlich unabsehbar. Indessen bleibt es -charakteristisch für die amerikanische Anschauungsweise, daß!,ר« Versuch unternommen wird, eined« heikelsten Probleme ־ der Gegenwart mit bewußt« Absicht von dem geschichtlich ^Akwordenen und, in neuer Frische mit rein mechanischen Mitteln zu lösen. Wrswlsrg, den 16. Mai. (Lr.-Cor.) Das hier erscheinende »Brombng« Tageblatt', eine angesehene, der streng konserdativen Richtung angehürrnde Zeitung, bespricht in einem "Leitartikel, betitelt: .Die angeblichen rituellen Worte d« :Juden' den (oben angedeuteten) Artikel der Kreuzzeituna: ittiiie europäische Intervention zur Beschönigung eines jüb. verbrechen«'. Nachdem da- Tageblatt den Inhalt diese« hmu-a» titelt kurz wieder gegeben, fährt eS fort: »Die Redattion diese« Blattelegt gegen diese extreme de« Konservativismus offenkundigen Einspruch ein. aufgeklärte christliche Duldsamkeit gegen Andersgläubige, he einen der Hauptpunkte im Programm unsere« ge- ^mäßigten Konservativismus bildet, vcrurtheilt ganz entschieden r jebe Art von Hetzereien gegen unsere jüdischen Mitbürg« ,und ganz besonder« die von Zeit zu Zeit wiederkehreude -ariindlose Behauptung von Christenmorden zu Opfern, l Rituelle Morde zu jüdischen ReligionSzwecken giebt ׳««durchaus nicht. Dieist durch die gelehrten ge-schichtlichen und kritischen Forschungen über die jüdische "Relmion und Theologie längst festgestellt.׳ Wie immer Jo ist auch aus Korfu jene- Gerücht darüber nur in der Boshaften Absicht ausgesprengt, um die bornirte Volksmasse ^gegen friedliebende Bürger auszuwiegeln. Die P«sse sollte es für ihre Pflicht halten, diesem unheilvollen Borurtheil mit aller Bestimmtheit entgegenzuarbeittn. Dasselbe ab« im Jntereffe de« Parteistandpunktes auSzunutzrn, »«dient lauten und unumwundenen Tadel. In unserer sozialpolitisch aufgeregten und unzufriedenen Zeit sollte der Friede zwischen den verschiedenen Konfessionen »ns ganz besonders am Herzen liegen.' Wie wohlthuend wirken nicht solche, von einem verhnlichen Geist durchwehten Worte, namentlich wenn sie ks von ein« Seite entgegentünrn, wo wir sonst Toleranz id Wohlwollen zu finden nicht gewöhnt sind. 18. Mai. (Or.-Torr.) D« He« Rabbiner Dr. lemperer hi«selbst ist zum Prediger der Berlin« Reform- »eind« gewählt worden, und hat derselbe die Wahl auch ange- «men. Als die Kund« von derAauahme dieser Wahl heut« hl« wurde, bemächtigte sich d« Gemeindeglieder all« eine hochgradige Aufregung. Der Vorstand ««bitte Herrn Dr. Kl. sofort vom Amtt und »vurde jede amtlich« Thätigleit untersagt. Eine der Zeitung für heute angekündigtc Predigt fiel au«, d hat H«r Dr. Kl. noch vor Beginn des Margengottesnstes de» Teu»pel verlassen. Wie man hört, hat der Borstand i Herrn Dr. K>. untersagt, fern« in d« Synagoge zu ^gen. D« Vorstand hat hierbei sehr weise gehandelt, es wäre wahrscheiulich, wenn Dr. kl. die Kanzel been hätte, su arge» Ausschreitungen gekommen. Dr. Kl.' _ hier, wie einstmals Holdheim in Frankfurt, sich thr für Regelung und Beaufslchtigung des ich ächten« iuteressirt und überhaupt altjüdische Dmmufleit zur Schau gettagen. Umsomehr war man diese« Schritte überrascht und «rlrtzt. Als Kl. vor n Jahren hi« gewählt wurde, glaubt« man üb« ,and Gerüchte hinwegaehe» zu dürfm. die den Tharakt« in «in»« güustigem Lichte darstrllten — und dies Ber- » war »ich» gerähtfettigl. Kl. hat sich hier den Ruf rben, daß n sei« Amt möglichst lukrativ zu gestalten ««den. einstigen Hörer« eine schwere Schädigung in seine« Ansehen.*) Auch der Reformgemeiude wäre ein and«« Mann zu gönnen gewesen. Mo» der Oder, IS. Mai. (Or.-Corr.) (Bor fünfzig Jahren und heute.) Bekanntk, die da glaubten, daß mein Lebensweg und Bildungsgang einige« Interesse bieten, forderten mich auf, meine Autobiographie in Ihrer geschätzten Wochenschrist zu veröffentlichen. »vaS ich. zu den אנשי כדי שם gehörend, selbstverständlich ablehncn mußte. Doch ein Episode au« meinem Leben gestatten Sie mir, geehrter He« Rcdactrur, als Nutz- und Rückschau hi« mitzuthcilen. 1840, ich hatte bereit« seit 1'/, Jahren meine UniversitätSstudien beendet, wurde ich in der Stadt P. aufgefordett» in einer Privatsynagoge am Wochenfest einen religiösen Bortrag zu halten. Am Rüsttag d«S Festes — eS war ein Savbath — wurde ich vor das Polizei-Dirertorium geladen. »Sie sind der Cand. der jüdischen Theologie N. N.' — Ja.. »Sie wollen morgen in einer Nebensynagoge hier predigen'. Ja.— »Dadürfen Sie nicht, das ist eine Neuerung, die staatlich nicht genehmigt ist". Mein Widerspruch und Gegeneinwand fruchteten nichts. »Wenn Sie nicht versprechen, da« Predigen zu unterlassen, stehen Sie während Ihre« Feste« unter Observation'. Nach dem Feste wandte sich der Verein brschwerdeführcnd an die kgl. Regierung in P., worauf beschieden wurde: Es hat bei dem Polizeiverbot sein Bewenden, denn die jüdische Religion ist in Preußen nur tolerirt. welche Toleranz aufhör»׳, wenn die Judenheit aus ihrer bisherigen religiösen Verfassung ttete, was wohl der Fall ist, wenn sie in der Synagoge deutsche Predigten einführe. Die Borsteh« jenes religiösen Vereins nahm zu folgenden! Schritt Zuflucht, sie «nannten mich zu ihrem Ehrenmitgliede, und es mußte mir doch unverwehrt bleiben, die Predigt in die Form eines Dankes oder umgekehrt zu kleiden. Diese Umgehung gelang nur einigenial, auf erneuerte Denunciation aber wurde sie inhibirt. Auf meine Vorstellung, daß ja auch der Rabbin« nicht etwa in hebräischer, sondern ebenfalls in deutscher Sprache predige, nur daß er nicht ganz correct deutsch, noch eine Art Jargon spreche, während tue intelligenten Juden gern einen Borttag in correcter Sprache hören wollien, wurde mir erwidert, sie, die politische Behörde, «kenne diewohl an. sie sei aber hi«in nicht compettnt, es stehe ihr nicht zu, über die Sache zu befinden, sie habe nach dem Buchstaben des Gesetzes auf eingehende Denunciation Neuerungen in d« Synagoge zu inhibiren. Dann wurde mir das Protokoll vorgelesen, daß die Denuncition, um chr Auftrettn gegen mich zu rechtfertigen, folgende Beschuldigung gegen mich «hebe: »ck. 1 sah man mich am Sabbath einen Regenschirm tragen, aä. 2 hülle ich mich während des Betens nicht, wie e« doch Vorschrift sei, in den Betmantel (Tnlith) ganz ein, ad. 3 spreche ich das Hebräische unrichtig aus. (Ich hatte nämlich die Unklugheit begangen, da« .Hebräische nach portugiesisch« Weift zu sprechen.) Also zu lesen in dem Protokoll de« Polizeidirektoriums zu P. vom Januar 1841. Unter dem hochftligen König Friedrich Wilhelm IV. (der hochselige König Friedrich Wilhelm 111. war inzwischen, den 7. Juni 1840, 2. Tag des Wochenfestes, gestorben) erschien die Kabinetsordre, daß die politische Behörde sich in die intern* der Synagoge nicht einzumischen habe. Ab« in den theologische« Anschauungen des RabbinatS selb« müssen nach Jahresfrist doch auch Veränderungen vorgegangen sein. Der Nabbin« verlobte seine Tochter mit einem akademisch gebildettn Rabbin« Dr. H. und dieser hielt sogar in d« großen Gemeinde- *) Aas kann das Seminar dafür? Ebensowenig wie Rabbi Melr dafür, daß sein D<büler iklischa b. Abujah ein »Acher' geworden. Uebrigim» erfahren wir von zuoerlSssiger Seite, datz unter den Bewerbern um die Neformprediaerstelle sich auch einige Jünger befanden, die auf orthodoxen Rabdinerschulen ihre Ausbitdung erhielten; daß sie nicht gewühlt wurden, ist nicht ihr Verdienst. Die Probepredigten der zur engeren Wahl xugelaffenen Kandidaten sollen nur vor den Borstehern der Reform und zwar bei »erschlossener Thür gehalten worden sein, »Bkllpttche», Memmen der Prediger geheim!11 teilen.

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