Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 21 (21.5.1891)
- Date
- 1891-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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M -k all -limrntation zu zahleni er heiratete nun seine neu« Brom. «14 aber die Unte«st«u>»4-rlber ISnaer« Zeit ausbliebe«, umrbe die Hillert beim Landgericht Marburg Nagbar und »urde «öckel znr Zahlung angrhalten. Zehn Monatsraten waren mittlerweile fäüig «worden, die mit 300 Mark nachbezahlt werden mutzten. Frau Böcke l wollt« jede weiter« Zahlung verweigern, zahlte aber doch aus de« Rat ihres Mannheimer Anwalt». Run strengt« Böckel eine Klage die HilkeN auf die Herou-gab« de» Kinde« an. — So weit die de» Prozesse». Sie ist eine intcreffanre Jstustrckiion zum, obigen Sitae au» dem AntisemitenkatechiSmu», wo es heißt: .Die Mädchen, di« in groben Städten in «in dienendes Perhälttii» zu den Juden treten, verfalle« meisten» der Prostitution!" «>. MSstt« «au nicht sch»» «n dies«« «rstsuulichsu Lha,fache» gedsrt Hede», «»»» sie auf Wahrheit »«ruhten? Ja, da fragcn wir wirklich: .Wenn die Juden wahr« -hastig so verworfen sind, wenn sie alle die ihnen von den Antisemiten angrdichteten Laster in der Thal besäßen, ja auch nur einen kleinen Teil von alle diescn moralischen Gebrechen, wie kann enur möglich sein, daß man nie etwa« davon gehört hat? Hören wir wörtlich Fritsch'« Antwort selbst: .Bon wem soll das Polt alle dies« Dinge ersahrcn? Der grötzt« T«U Ui Publikum» schöpft all sein Wissen au« den Zeitutigen. Diese aber stehen säst alle unter jüdischer Leimng und jüdischem «eldeinstutz. Las Judentum Hot die Wichtigkeit der öffentlichen Presse erkannt und deshalb bei Zeiten sich derselden bemächtigt. Wie der Major Lsman Bet» in seinem Buche: .Tie Welteroberung der Juden" berichtet, hat et« hervorragender Jude (man vermutet MontrRsre) aus dem Sanhedrin zn Krakau 1840 gesagt: ,So lange wir nicht die Zeitungen der ganzen Keil in de» Händen haben, um die Bölker zu täu'che« und zu be» ISnben, bleibt unsere Herrschaft ein Hi rng es pinn st". Und da« Ziel, da» sich die Judenschaft damal« steckte. Hot sie erreicht. Der wichtigste Teil der öffentlichen Blätter ln allen Ländern ist in den Händen der Juden und besorgt da» .Täuschen und Be» rsuben" der Völker mit überraschendem Erfolg." - Im Fxlgeriden werden wir nun zeigen, auf wessen Seite daS .Täuschen und Betäuben' ist. ,Major OSSlan Bey', wie schön da« klingt! Offenbar ein türkischer Offizier! Rur ist der Mann leider ein Russe au« Odrffa und ist wedrr Bey noch Major! Dies haben wir vorangeschickt, um 'die Quelle zu charakterisieren, au« der die deutschen Anti» semiten schöpfen. Hier haben wir aber ferner zugleich ein Beispiel» wie Fritsch mit seinen Quellen umspringt und hiazudichtet! Bei Osman Bey heißt es nämlich folgender» matzen: ,Um das Jahr 1840 wurde eine israrlitische Rat«. Versammlung nach Krakau rinberufen. Diese war eine Art von ökumenischen Konzil, worin die hervorragend» sie« Größen de« auserwählten Volke« zu Rate saß««. Der Zweck ihrer Berufung bestand dann, die geeignetsten Mittel ausfindig zu machen, um dem Judentume in seiner Au«» dehnnag vom Nordpol bis zum Südpole den Triumph zu sicher». Durch diese Vorlagen entspann» sich eine lchchafte Discussion; da erhob sich auf einmal eine Helle Stimme und gebot unwillkürlich Stillschweigen. Es war die Stimme einer anerkannten Autorität, eines Mannes von überwiegendem Geist, dessen 9t««( «»4 leider wk<f«n1t Ist!' Daß er unbekannt ist, lhut uns leid, obwohl wir anderweitig die Unwahrheit des Ausspruches nachzu» imstande sind. Denn es ist eine Lüge. daß im re 1840 ein Sanhedrin, wie Fritsch, oder eine allgemeine Rnisversammlung, wie OSman schreibt, in Krakau stattaesnnden hat. Eine solche hat nur einmal in diesem Jahr» huntzi.il, im Jahre 1807 in Paris statwehabt. Osman Bey, der für diese Nschricht Fritsch'- Gewährs- «nm ist» nennt den Urheber des famosen Ausspruches einen ftfetantea. Fritsch schreibt auf Seite IS .«atz »er» MWet Rnntefirre."*) Dagegen ist aus Seite 200 der» Ausspruch in der von Fritsch zurechtgeschusterten Ge» t abaedruckt mit der ganz einfachen Unterschrift: fr» Montefiorr, «ns 6m Lanhetzrt, -» Krakau 1840. Hier ist von einem .man vermutet' kein« Red« mehr, da ') Natürlich ist dieser »man", welcher dermulrl, der Bersasser IM .14.* ist <4 einfach al« ״jüdisch« Selbstbeurterlüng?'__ Mose« Montefiorr hat aber festgestrlltermahen inline«' ganzen Leben, auch im Iah« 1840 die Stadt Kraka« nicht betreten! Obwohl man ausführlich dem Fritsch diese Sach« widerlegt hat, obwohl eine besondere Brochüre das Lügengewebe des ,Osman" zerrissen hat, findet sie sich doch unverändert wieder in der neuen 13. Auflage oe« Antis.-Kat abgedruckt. Auf wessen Seite findet man also das ״Täuschen und Betäuben?' lA°«s. folg».) K-richlr Bit» Sorresp»R>e«ze». Deutsch!«»». Magtzesarß. Jedesmal, wenn die religiöse Bewcgu! stärkere Wellen treibt, wenn in ernsten Naturen der Wuns energischer äußert, mit den überkommenen Glaul'enssormen za brechen,macht sichdieErscheinungaeltend.daßkrankhastüberspamwe nervös überreizte Menschen sich berufen wähne««, als Re» forniatoren aufzutreten wie dem Lichte der Schatten, folgt dem religiösen Eifer der religiöse Wahn. Auch unsere Zeit ist, trotzdem das officielle Kircbenthu«, wie es scheint, ungebrochen dasteht, von dem Streoen nach religiöser Erneuerung tief ergriffen. Die Schriften Egidy'« haben, obgleich eine Menge von Pastoren den Mann al« in Glaubenssachen durchaus unwistend hinstellen, anregend» aufrüttelnd gewirkt. Neuerdings ist wieder eine stattliche Schrift erschienen: ״Unausgesprochene Gedanken vieler Millionen über di« Un» Haltbarkeit des christlichen Bekenntnisses in seiner jetzigen Gestalt.' Weil nun die religiöse Reform wieder in de« ׳Vordergrund -»getreten ift, ist ein offenbar gut unterrichteter und wackerer» aber leider geistig nicht fteier und krank» Hafter Mann, Namens Carl Hirschfeld, darauf gekommen, auch al- -Reformer sich zu zeigen und hat ein« Brochüre veröffentlicht: ,Offener Brief eine- Juden an Herrn von EgidH.'. Es kann natürlich nicht unseve Absicht, sein mit diesem kranken Mannc in eine Kontroverse einzutreten. Aber um jedem Mißbrauch vorzubeugen war e« nöthig, von dieser bedauerlichen Thatsache öffentlich zu rede«. Hoffentlich wird der Verfasser bald soweit hergestellt und von seinen Wahnideen befreit, um mit freiem Geist dem religiösen Leben dienen zu können. Merkt». Eine wunderliche Nachricht kommt aus Amerika. Der Präsident der Bereinigten Staaten soll durch ein Rund» schreiben an die europäischen Mächte eine internationale Konferenz angeregt baden, die darüber zu beratheu hätte, wie das heilige Land seine politische Unabhängigkeit zurück» bekommen könnte. Zugleich soll die Lage der Juden und ihr. Anspruch auf Palästina al» ihre alte Heimat eingehend ge» prüft werden. Wir werden abwarten müssen, ob man e« hier mit einer der bekannten amerikanischen Phantasieblütr« zu thun hat. Da indessen auch ernste englische Blätter die Nachricht besprechen, so machten wir sie nicht so ohne weitere« ablehnen. Die ungeheuren Schwärme armer russischer Jude», die durch die Gewaltpolitik des EzarenreichS vertrieben werden, müssen ooch irgendwo untergebracht werden, und die Frage, wie dies geschehen soll, berührt die meisten Staaten und jedenfalls die gesammte Kulturwelt sehr nahe. In England und den Bereinigten Staaten wird die Einwanderung dieser Leute begreiflicher Weise nicht gern gesehen, und namentlich im ersteren Lande sind bereits ernste Besorgnissc wegen de« Zustroms dieser Flüchtlinge aus Rußland ausgetaucht, Besoranisse, die nicht entfernt einen antisemitischen Charakter haben, sondern sich lediglich auf WrthsHastspolitische Ge» sichtspunkte gründen. Wie man weiß, will Baron Hirsch in Paris Millionen für die Ansiedlung russischer Jude« in. Argentinien hergeben. Der Plan ist nicht sehr aussichtsvoll. Denn wie sollen jene Bedauernswert hen. bei denen alle Vor bedingungen zum Betriebe der Landwirchschast fehlen, sich in Gebieten Lurechtfinden löumi^jvo ״ —'- 5$•