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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-14 · 20 (14.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
20 (14.5.1891)
Date
1891-05-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Ifktf «. M. Er liegt »«» der 13. und 14. ^Jahresbericht de- Mädchenstifts zu Frankfurt a. M. für die ׳Jahre 1889 und 1890 vor. Das Mädchenstift hat bekanntlich den Zweck, herangewachsenen und einer geeigneten hiesigen Häuslichkeit entbehrenden Mädchen, welche sich einem mch« als Elementarbildung erfordernde» Berufe widmen, den »Schutz eines geordneten und gesitteten Hauswesens zu gezwähre», sowie auch, falls die Mittel dazu auSrciche», die ^^Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. Bis auf Weiteres werden nur Mädchen israelitischer Cvnfcssivn berücksichtigt, die nicht unter 15 Jahre alt sind und welche das 24. Lebens fahr noch nicht überschritten haben. Tie Anstalt zählt . augenblicklich 24 Zöglinge, von denen jedock» nur drei aus!,Frankfurt selbst stammen, die übrigen sind aus der Provinz Hessen Nassau, aus Baden, Bayern und dem Großherzogthum (Hessen. Das Mädchenstift tägt also durchaus keinen lokale» ,Charakter. wie eS nach dein Wortlaut des Statuts scheinen Mimte, sondern Dank der humanen (Besinnung des Porstandes >dcr Anstalt finden auch solche Mädchen Aufnahnie, die nicht '-ihr Tomicil in Frankfurt habe». Wir heben diesen Umstand . Mnz besonders hervor, um weitere Kreise auf die segensreiche Wirksamkeit des Instituts aufmerksam zu mack»en, denn der allergrößte Theil der Jahresbeiträge leistenden Mitglieder rekrutirt sich aus Frankfurt. Die Mitgliederbeiträge pro 1890 belaufen sich aus Mk. 3604. Die gesammten Einnahmen »varen Mk. 15313.7; die Ausgal>en Mk. 14342,43. Tic Mchreinnahmc von Mk. 970,64 wurde dem Reserve fonds überwiesen. M §■401, 10.Mai. Ein um das hiesige gesammte Armenwesen hochverdienter Mann, Herr Eommerzienrath Rentier I. L. Kohn. ist. wir man in der ganzen Stadt mit Bedauern wahrnchmen wird, nach längerem Leiden im Alter ־von 76 Jahre» gestorben. Er war nicht nur für seine ׳sPr,son ein großer Wohlthätrr der Armen, sondern er lieh »auch jedem Unternehmen.' das sich in den Dienst der Armen stellte, freudig und voller Aufopferung seine Kräfte. Ihm und dem schon vor zehn Jahren dahingcschicdrnrn Julius Knorr ist in erster Linie die Gründung des segensvoll -wirkende» Vereins für freiwillige Armenpflege zu danken und mit seltener Gewissenhaftigkeit versah er bis in die letzte Zeit noch die Stelle eines Kassircrs des Vereins; bei Leu, alljährlich stattfindenden Armcnball fungirte er ebenfallals Kassircr und war bekannt als eineder thätigsten Komitee-Mitglirder. Kurz, er sehlte bei keiner Gelegenheit, ivo es galt, den armen Mitmenschen zu dienen und zu Helfen. Seit einiger Zeit kränkelte Eommerzienrath Cohn aind suchte deshalb Linderung seiner Leiden in einem südsichen Kurorte: leider fand er die gehofft« Besserung nicht, und als er vor 14 Tagen in die Heimath zurückkehrte, stellte sich ein rapider Verfall der Kräfte rin. der jetzt den!Tod des beliebten Mannes Herbeisührte. Bon allen maß. -gebenden Stellen wurden die Verdienst« des Dahingeschirdenen um das Armenwesen vollauf gewürdigt und Se. k. Hoheit der Prinz-Regent hat ihn im vorigen Jahr durch Berlnhung des Titel» Kommerzienrath ausgezeichnet. Da- Andenken des Verewigten wird ein gesegnetes sein. Er ruhe in Frieden! A As« Hlies (Württemberg). (Sr.-Corr.) Anläßlich Her Feier des?0. Geburtstages des Prinz-Regenten in Baiern im vorigen Monat wurde in Nördttngen, dieser Ausgesprochen konservativen Gemeinde, zum ersten Male ein 'Harmonium benutzt. Function de» Gesanges und Festrede vollzog Lehrer Weiler in vorzüglicher Weise. Derselbe rvurde auch für die gelangen« Loütposilion veü Psalm 21 om Prinzrrgenten mit einem Dankschreiben beehrt. — Solch schönen, harmonischen Gesang, wie man ihn hier krte, und wie ihn kürzlich Herr Rabbiner Tr. Perle» in kr. 17—18 anreate, vermissen wir leider in unserer Gemeinde O-, wa» besonders bei der Lonfirmationsfeier sich sehr 'An derselbe» hatten sich diesmal nur^steben ihrer Eltern in mißverstandener Auffassung von Levit 20, B 23, welcher Vers offenbar nur die Nachahmung schlechter Sitten der Heid« untersagt; etwa» Anderes ist eS mit der Confirmatio«, die doch zumeist nur in öffentlicher Prüfung und Religion»- lehre — Ablegung des Glaubensbekenntnisses — Gebet und deutschem Lied besteht, was doch keinBernünftiger als irrreligiss bezeichne» kann. Bielleicht stößt sich Mancher an dem fremdklingenden, .neumodischen" Name», dann müßte eja bei Synagoge, Synhedrion :c. ebenso der Fall sei». — In Riederstctten mar es vor Jahren ein orthodoxer Fanatiker, der ivegen der Confirmatio» Unfrieden in der Gemeinde stiftete und auch der Lberkirchcnbehördc dadurch viel Perlegenheit bereitete. — Derselbe siedelte später nmh K—n in Bayern über, von wo er wegen Betruges im Wem- Handel nach Amerika flüchten mußte. — Dieser eine Fall ist zur genüge charakteristisch. — Zum Schlüsse eine bezeichnende Miseelle ans einer Filiale unserer Gemeinde. Bei der jüngst in A. vorgenommenen deutschen Schulprüfung gab der geistliche Schulinspektor den Latz zur Analyse: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Er ließ in liebenswürdiger guter Laune einen kleinen jüdischen Knirps diesen Satz in die Mehrzahl umwandeln. Der erste Theil des Satzes geht ganz flott, aber beim ziveiten Theil« stockt das Kind. .Da geht eS doch nicht, denn von Gott giebt es keine Mehrzahl," antwortet eS dem beifällig lächelnden Seelsorger. Der Monotheismus liegt den Juden quasi im Blute. L. Presde«. (Lr.-Corr.) Dem foeben erschienenen BerwaltnngSbericht der hiesigen israelitischen Gemeinde entnehmen wir folgende allgemein interessireode Mittheilungen: Die Gemeinde zählt 477 stimmberechtigte Mitglieder. Die Stiftungen und Legate sind ansehnlich und stetig wachsend. Der Vermögensstand von 11 Wohlthätigkeitsvereinen be» ziffert sich zur Zeit aus 234856.50 Mk. Für das Hülfskomitee i» Memel (Rabbiner Dr. Rülf) gingen 2501 Mk. Sammelbeitrüge ein (darunter 60 Mk. von der Fraternitas- Loge und 86 Mk. vom Brüder-Berein). — Unter den zur Feier des 50 jährigen Bestehens der Synagoge am 25. April 1890 geladenen Ehrengästen hatte sich auch der, indeß leider nicht erschienene Baumeister Manfred Semper-Hamburg befunden. Für das dem Vater de» Genannten, dem berühmten Gottfried Semper, dem Erbauer der hiesigen Synagoge, hier zu errichtende Denkmal wurde» anläßlich der Jubelfeier 100 Mt. aus der Gemeindekasse gespendet. — Die Religion^ schule, an »velcher außerdem Rabbiner Dr.Winter noch die Lehrer M. Auerbach, Cantor Wolfssohn, M. Golde lind Frau Wolfssohn wirken, zählt 259 Zöglinge i» je sechs Knaben- und Mädchenklassen. Außerdem wird an einer An» zahl hiesiger Institute, sowie privatiui Religionsunterricht ettheilt. Für Solche, die höhere Schulen besuchen, hat Herr Rabbiner Dr. Winter eine» ReligionS-FortbildungS-llnterricht eingerichtet. Die drei Vorsteher hatten im Gemeinderath ein Gesuch an das Kultusministerium beantragt, den Beginn des Religionsunterrichts erst vom 8. Lebensjahre an zu gestatten. Die Gemeindedeputirten lehnten indeß diesen Antrag, um de« BolkSschul-Gesetz gegenüber keine Ausnahmestellung einzunehmen, ab. Dir Abschaffung der als nicht mehr zeitgemäß erachteten Mischeberachs ist leider noch nicht durchgeführt und bis auf die Zeit verschoben, wenn der hierdurch den WohlthätigkeitS- und den Gemeindekaffen erwachsende Ausfall auf aridere Weise gedeckt werden kann. (Einen störenden Mißbrauch beim Gottesdienst deshalb öeibehalten, weil er Geld einbringt, ist doch im wörtlichen Sinne ein tssdünoninna psupsrtatls und einer so gut situirten und der Reform huldigende» Gemeinde wie Dresden nicht würdig; der Geldausfall ist wie in andern Gemeinden durch Anlegung eines ,Gelübde-- Buches", däs den mt Thor» Antzerusenen im Laufe der Dvche vorMgt ' '

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