Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 20 (14.5.1891)
- Date
- 1891-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959660--0631-5374403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9iMfrth|> EMich ocheßkw fich auch hier Stimmen gegen dü unmenschlich« Verfahren de» ,russischen Freundes" gegen dir Joden. So schreibt daS »Rational": .Zu oft haben wir unser« Sympathie« sür Rußland ausgedrückt, um nicht auch über die Verfolgungen der Juden in Rußland sprechen *s können. Sir protestiren mit aller »rast und die« im Verein mit $£:;1 aufgeklärten!Heistern gegen derlei Akt«, die nicht« Andere» find, aiö eine Rückkehr zur Barbarei. Wir glauben übrigen«, daß der Zar die Situation nicht kennt oder daß er von Fanatikern getauscht wird, *teer di« Vertagung noch eine Milderung der Maßregeln kann da« chirntliche Gewissen desriedigen. Li« Menschlichkeit ist verletzt und ge- Vtpon׳Xt durch diese abscheulichen Verfolgungen, und wir!vollen noch an!- innen, daß Alexander III., bester unterrichtet und ausmelksam ge» ■m t:! dnrch de« allgemeine« Nusschrei, di« Befehl« seine« Minister« de« Jokern ausheben werde E« wäre monströs, daß zu End« des neunjrtnir* Jahrhunderts Männer, Frauen und Linder verfolgt werde« an« dem rinsachen Grunde, weil sie dieser oder jener Religion angehören * (Line Berufung auf den .bester zu unterrichtenden Zarendürste t!a ־ den gemachten Erfahrungen wohl jchnerlich einen Zweck haben.) StwHlaod. MstRuu. Tic traurigen Mittheilungen über die barbür! che Behandlung der Moskauer Juden werden durch Bervy'c englischer Blätter vollständig bestätigt. Die Synagoge, welche nach vielen Chikanen und mit großen Losten vor Kurzem fertig gestellt, aber noch nicht eröffnet worden ist, «rd zuni Rauf auSgcbotcn und wird, wie man dem »Staudardberichtet, wahrscheinlich von den Tataren erworben und als Moschee eingerichtet. — Tic Petersburger Sysagoge ist sür 700,000 Ruivl uerfauft worden. I» einer Bersammlung auSgewiesencr Juden in Moskau ist beschlossen worden, zunächst die Angestellten und die nichtrussischen Gläubiger zu bezahlen; die Russen mögen sich dann aus dem Rest entschädigen. So verlieren durch die Schuld der russischen Regierung viele Russen Oleld, welches sonst ganz fi-r-7. war und man erwartet in Folge dessen viele Bankerotte. Lehr bezeichnend ist der Befehl, daß die jüdischen Kauslcutc d-e Vamen ans ihren Schilder» in der jüdisch-polnischen £-:-!1 schreiben müsse» — vermut hl ich, damit die Russen vri einer Juden Hetze gleich wissen, an wen sic sich zu halten haben. So darf z. B., ivic die .Timesmitthcilt, die Fi---ta Max Leopoldowiisch Cvlni nicht schreibe», sondern eö muß heißen: MoseS Lcibowirsch Cohen! Fremde Jrrportcurc Hallen derselben Quelle zufolge ihre Waaren an der Grenze zurück. Eine Schweizer Seidenfiima soll auf dieser Weise w einer Woche 200 000 Fr. verloren habe». — Ans Ral»ga, wo 300 jüdische ,Familien bisher in gutem Cinvernehmen mit ihren christlichen Rachbarn lebten, habe» mehrere Familien Beschl erhalten, binnen drei Tatzen die Stadt zu verlassen. Eine arme Wittwc mit 2 Kindern Hab« den Gouverneur gebeten, ihr einen ivcitrrrn Tag zuzugesreden, derselbe Hobe aber erklärt, daß er das Gesetz des Kaisernicht wegen ״jüdischer Bestien" brechen werde! Eine ähnliche Behandlung haben die Jude» in Kasan, Tula und anderen Städten erlitten. Ter .Kiewljanin" l>chauplet, daß seit dem Beginn der neuestcn Iutenvcisolgung S0000 Juden zur griechischen und liitherischrn Kirche übcrgetrelcn seien; Jedem zur griechischen Kirche Uebertretenden wurden 15 Rubel gegeben — wenn es wahr ist. Zwei russischen ,Bischöfen-, welche in ihre» öffentlichen Reden die russischen Juden getobt hatten, ist gerachen worden, dies nicht mehr zu lhun. Bier Bücher, welche den Beweis zu führen suchten, daß auch die Juden gute Bürger sein können, sind verboten worden. Eines dieser Bücher enthielt lediglich Briese de- Grasen Tolstoi und anderer hervorragender Russen. «l« welch' heezlofem barbarischen Raffinement di« Ausweisungen »er Handwerker und Gewerbetreibenden betrieben tueedeu. ist haarsträubend. Mi» Berbrechern zujammeugeseffelt. werden diejenigen, di« sk Reisekosten nicht besitze», zur Bühn gebracht und per Schub weiter tren»p«n»rt. ES werden bei'Rächt Razzia'» adgehalten, di« mm Inden bewohnten Häuser umzingelt. Jung und Akt an« de« 8*»יי ftrifftn, Mt Sinket durchs,Stert. Mt Ms« reotdirt, an» die Minder, Welche nicht ans dem Paß »er Eitern verzeichnet find, mü Gtwalr dt«' elterliche» Arme» enirifie». Le» Znchtigrdtiedeue» wurde' ' " van drei Lagen ^stellt. SfefdMi verkunstr» ihre «twen EMWwts» n« I- ־ hfm» einem »»bekannte» Flecke» u» erboste». Pantz p«hen in den benachbarten Sai»', wo viele «och «« mögen. Utk»■.. 0|kt llntnWeb der Lrufrlstou. xtgt fich basleid ob »lese» schrecklichen Elends. Eine Anzahl hervorragender russischer Laufleut« »aitirt« an der Börse für ein« Petition an den, Saifer, diese hart« Maßregel rückgängig zn machen, doch — vergebens.-' Warum die civuisirten Staaten diesem barbarisches Treiben eine- Nachbarstaates ruhig Zusehen, ist unverständlich. ׳■ Mit dem Grundsatz der Nichtintervention kann mau sich solchen Gräueli« gegenüber nicht entschuldigen. ,Die gegen, die Juden verübten Grausamkeiten — schreibt . die ,Times״ — sind nur ein Theil des Reaierungssystem«, unter welchem ganz Nußland augenblicklich seufzt, und erst ' mit der Zerstörung dieses Systems dürfte auch die Betsolgung der Juden aufhören. Leider scheinen die übrigen m terdrückten Nationalitäten undConfessionen diese Solidantüt ih*r Interessen noch immer nicht zu begreifen." yrtmlit!, 10. Mai. Die Klagen der russischen Kauf- , leute in Moskau über die schweren (Heschäftsverluste infolge! der JudenauSwcisungrn dauern fort. Unter den ärmere» jetzt ausaewiesenen Juden befinden sich viele Hausirer, welche den Russe» fortlaufend deren minderwerthige Waaren zu hohen Preisen abnabmen und stets pünktlich bezahlten. Jetzt fühlen die Russen schmerzlich den ^ierlust dieser Abnehmer. Wie verlautet, hat General Gurko einen außerordentliche« Credit verlangt zur Weiterbeförderung der aus Moskau ausgewiesenen und jetzt vielfach ganz inittelloscn Juden in ihre . HeimatSorte. In Warschau und Wilna sollen deren jetzt . viele Tausende sein. Uete»t«r§, II. Mai. Der Finanziniiiister Wyschncgradski hatte bin dem -saren eine stundenlange Audienz, bei welcher lHelegenheit er sich i» erregter Weise über die von dem Minister des Innern Durnowo t>cranlaßte», Judenverfolgungen beklagte, wodurch der russischen Finanz- Politik unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet würden. Die Auseinandersetzung des Finanzmtnisters soll einen tiefe« Cindruck auf den Zaren gemacht haben. Mai« glaubt hier jedoch nicht, daß die Judenhetze eine Einschränkung erfahren werde. Amerika. <£Uc»r». (Stimmen über die russische JudenVerfolgung.) Folgendes Schreiben sandle Herr Jsaac Oppenheimer an Geistliche verschiedener Consessionen und an den Capellan des Repräsentantenhauses:, ״Hvchwürdigstrr -Herr! Der an ihren jüdische» Unterthanen verübte Despotismus der russischen Regierung, welche (besetze erläßt und mit äußerster Strenge ausführt, denen lne Barbarei des Mittelalters sich schämen würde, indem sie den Juden daS Recht der Existenz aberkannt, ihnen das Recht der Theilnahme an! öffentlichen Unterricht und das der Au» Übung eines ihr Leben fnstenden (Äewerbrs versagt, sic ihrer Besitzthümer beraubt und sie mittellos in andere Länder treibt, setzt die ganze civilisirte Welt in Bestürzung, ob solcher j Tyrannei. Laute und öffentliche Proteste lvurden deshalb de« Lzarcn und seinen Günstlingen unterbreitet; sie fanden jedoch ■) feine Beachtung. Ich möchte Sie nun ergebenst um Ihr«/' diesbezügliche Ansicht bitten u. j. w." Bon den eingelaufenen Antworten thcilen wir einig« mit:. .Geehrter Herr! In Erwiderung Ihn» Geehrte» bi» ich der Ansicht, daß die Lyranner nnd Bedrückung der russischen Regierung «in Schandfleck für di« Eivilisation de« U«. Jahrhunderts ist und daßalle christliche» Rationen gemeinsam dagegen protestiren müßte». Erst vor einigen Soun» erzählte «tr rin Vertreter meiner Gemeinde ein« Oerfolgungsgefchichtr, welche th« von russischen Beamte» mit» qetheiU worden war, di« ich in keinem Land« aus der Erd« für möglich^ gehalten hatte. Er sprach auch vou einer reichen ruffifchen FaniM«^" di« sich jetzt in Sibirien «findet und deren Eigrnthu» «an ans dem ׳ einfachen Grund« confisciN hol, weil sie behauptet«, daS, was sie -laut«,, sei Gotte« Wort. Im Jntrref« »er Hawanität nrntz etwas -etha» werden, damit der Bedrückungen de» hebräische» Belle» «t» End« gemacht »erb«. L. >. vtlltam», erster Pastor », der, Baptist di« Der »»L d«r