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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-14 · 20 (14.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
20 (14.5.1891)
Date
1891-05-14
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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sic ungenau, um nichr^zu sHttl^Wllscht, wirdergegebeu. Herr Ar. weiß selbstverständlich nicht, daß di« Juden in lwmaliger Zeit bei ihrem Erwerb säst nur aus dos Geldgeschäft angewiesen tvaren, und christliche Geschichtsforscher gestehen, daß dieses geiadezu eine Nothwendigkeit war.' Bei den ewigen Hetzereien ist eS ja natürlich, datz der Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit abhanden kommt. Hterkiu, 10. Mai. Das Ereigniß der Woche ist die Ä!shebung des russischen Anleihevertrages. Otoitj kurz vor ׳ .•ה! Termin, für welchen die Emission in Aussicht genommen!•.■׳־!■, hat das Haus Rothschild seine Betheiligung an de» ^schäften und damit das ganze lyeschäft rückgängig gemacht. T: russische Regierung hat eine gründliche Schlappe erlitten, ־! sie kaum wett machen kann, auch wenn sie kapitulirt, l!■■■ ’ ihr bei der ausgesprochenen antisemitische» Tendenz der Jahre gewiß nickt leicht fallen dürfte. Ter .Allg. wird über den Sachverhalt Folgendes geschrieben: Die ganze Angelegeuheit hat nämlich den saigenden Hinlecgrnnd. 81? vor etwa drei Monaten die neue Anleihe negeeiirt wurde, brachte »er londoner Baron Rothschild die Frage der Judenausweisungen zur Sprache. Dies« Frage ist gerade sür England von allergrößter Bedeutung. da schon bi» heute gegen 20,000 südrussische und polnische Fuhr« in England sind, lauter gänzlich mittellose und in Folge ihrer M«,ne!vollen pekuniären Lage auch verwahrloste Individuen, di«, in der Notlage irgend etwa» zu ergrrisen, um sich durchzudringen, vielsach za «n allerbedenklichsie» Erwerdszweigeu gegriffen haben Die mächtige m: angesehene londoner Judenschast sürchtet nicht ohne tvrund, laß «ii: weiterer Anwachsen dieser Einwandererschaar antisemitische Be- 'wegungen nach sich ziehen könnte und ist daher bemüht, um jeden Preis die Auswanderer von England fernzuhalten und. wenn irgend denkbar, in Rußland Zustände herdeizusühren, die es den russischen Juden ermöglichen, in ihrer Heimat zu bleiben. Da nun trop der dünnigen Bersprcchungen Wpschnegradski'S die Berhältniffe sich eher versch'echwrr alr verbeffen haben und der Strom der Auswanderer von Woche' zu Woche anwächst, hat man beschlossen, Ernst zu machen. Tie durch tön Ebenfalls höchst bedenklichen südsranzösischen AntisenillismuS «ängstigten pariser Häuser haben ftch der londoner Führung ange- «bl»neu und so hat Rußland die ganze Stärke der Lapitalmacht zu bekommen, die es durch seine jüngsten Maßregelungen heraussvioerte. Es bleibt abzuwarten, welche» Erfolg die Rothschild'schen Maßregel haben werden. Es ist nicht unmöglich, daß uns Ueberraschung brvorstehi, und Rußland nachgirbt, aber es ist auch möglich, daß, l>al Wyschnegradski erst das Geld, die Judenverfolgungen auf's Rene in's Werk gesetzt werden. Aus Nachrichten, wie die über Bern aus Petersburg einlauten de, daß auf höheren Bcfthl die Judenausweisuilgen ans Moskau sistirt sind, ist daher in der Thal nicht viel zu geben. ES müßten schon Ga ran tien geschaffen werden, wc:'che die Wiederholung unmöglich machen. .Am besten 1vt.re es schon, wenn Rußland a» seiner einzig empfindlichen Scite, der finanziellen, gepackt und vollständig lahm gelegt würbe, damit es ein sür allemal aus seine Eroberungspolitik, die gleichzeitig eine Politik europäischer Beunruhigungen ist, verzichten müßte." Also schreibt dje hies. .Volkszeitung". Sir fWt noch hinzu: ,Dir würden es den Rothschild's sehr verdenken, ivenn Hunter solchen Umständen der russischen Regirrung noch ihre Finanzen ordnen helfen ivollte». Abgesehen von der Sympathie, dir jeder ehrliche Mann sür die geknechteten Juden in Rußland haben muß, kann auf die Dauer die Kreditfähigkeit eines Staates nicht Vorhalten, der durch brutale M aßregeln die Revolution heraufbeschwört." Ferner: ״Tie Nachricht, nach Moskau sei der Beseht ergangen, bei den Ausweisungen der Juden milder zu verfahren, nachden׳, Gurko erklärt habe, er vermöge die nach Polen abgesch Svenen mittellosen Juden nicht mehr unterzubringen, mag wobl auf Wahrheit beruhe», ater Rußland verfolgt nicht ,n. ü, die Jude», sondern auch die Katholiken, die Protestanten 1: ׳ alle anderen Nationalitäten. Und diesem Rußland Geld >111' ׳, heißt, ihm die Mittel, i» die Hand drücke», das schändiu‘ ׳. unmenschliche Treiben sortzusetzen." -Das Stöckrr'sche ,Volk" dagegen sieht hierin einen m. iii Beweis von der weltbeherrschenden Macht der Juden, . iich Könige und Kaiser beugen müßten; ste fordert ' ' } halb zur »erring her die reichen Juden den arme« verfolgten Brüdern zu Hülfe kommen — wahrlich eine schön« ,höhere" M als die alttestamentansche, welche im 3. B. Mos. Eap. IS, uns zuruft: ״Stehe nicht unthätig bei der drohenden deines Rcbenmenschen.") a״n». Der Ausschuß der Studirrnden der technisi Hochschule in Charlottendurg hatte, wie wir z. Z. der! gemäß dem Beschluss« einer allgemeinen Studentenversam lung bei dem Kultusminister ein Gesuch eingerricht, m welchem gebeten wurde, daß bei der Aufnahme von Aus» ländern dieselbe Borbildung verlangt werde, welche die einheimischen Studirrnden nachzuweisen haben. Di« Spitze diese- Gesuches richtete sich vor allem gegen die Studirendnr auS Rußland, deren Mcbrzahl dem jüdischen Glauben angehört. Auf dieses Gesuch ist nunmehr die ministerielle Entscheidung erfolgt. Sie lautet, wie vorauSzusehen war, ablehnend; eine Aenderung der Bestimmungen, wonach bei ׳; bei der Ausnahme von Ausländern diejenige Ausbildung beziehungsweise Borbildung verlangt wird, welche dieselbe« bei der Aufnahme in ein Polytechnikum oder auch technische! Hochschule in ihrer Heimat vorzuweisen haben, wird daher nickt rintrrten, obgleich anerkannt wird, daß in vielen Länder» } diese Vorbildung durchaus nicht den Grad erreicht, der für. die deutschen Studirrnden maßgebend ist. Warm» «. £tf., 7. Mai ,Lr.-Eorr.) Ein Geschenk^ ganz besonderer Art wnrde dieser Tage der hiesigen Ge- ,:׳rinde von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Kaufmann Julius Goldschmidt, übergeben: ein stylvoll gearbeiteter Schrank, in ivelchem neben den wenigen im seitherigen Gemeindearchive befindlichen Kaiierbriesen re. . eine große Anzahl von Akte» enthalte» sind, die lediglich durch die überaus anerkennenSwerthe Mühewaltung und ' Umsicht des Genannte» ausgefunden wurden. Durch ein mit stauncnSwcrther Sachkenntniß und Klarheit angelegtes: - Register, welches den Hauptinhalt jeder einzeln verzeichnet«»׳ Urkunde kurz wiedergiebt, hat er dir Benutzung deS nunmehr wohlgeordneten Archive« für jeden Forscher außerordentlich > erleichtert — eine Arbeit, sür die ihm der vollste Dank nick ä die höchste Anerkennung ausgesprochen werden muß. Ei» Zufall ließ ihn die ersten zwanzig Urkunden ausfinden, als - im Jahre 1377 unter seiner Aufsicht die sogenannte Mehlstube, ein unschöner Anbau der Frauensynagoge, der auch mit dem Speicher des Gemeindehauses in Verbindung stoicky : niedergerissen wurde. Als er in dem bezeichnet«» Bau in den von anderen achtlos beiseite geworfenen Blättern Uvkünden entdeckt hatte, vermuthete er, daß möglicher Weife auch auf dem Gemeindespeicher unter den dort ausbewahtte« zahllosen Resten von Gebetbüchern und Wimpeln sich Akten befinden könnten, und fand, als er den Speicher bis auf den Boden räumen ließ, die seither von Niemande» dort gesuchten, durch ihn der Vergessenheit entrissenen Akten auf. Möglicher Weise wären dieselben in einigen Jahren ebenst» dem Untergang geweiht worden, wie dieses vernutthlich mi»< einer großen Anzahl anderer Aktenstücke geschehe« ist, als man im Jahre 1868 auS dem überfüllten Gemein despeichttr einen großen Theil der dort lagernden Papiere rc. in alte, unterirdische Frauenbad brachte, woselbst sie durch zuflieheode Ablauswafser längst verwest sind. Durch diese unbeabsichtigte Vernichtung von Urkunden, sowie durch die Thatsache, daß im Jahre 1615 die Juden aus der Stadt kurze Zeit vertrieben waren, und »aß nach Zerstörung der Stadt im Jahr« 1689 erst nach zehn Jahren hier wieder Juden ansässig wurden, wird eS leicht begreiflich erscheinen, daß trotz deS hohen Alters der hiesigen Gemeind« verhältnitzmäßig außerordentlich wenige Urkunden erhalten waren. Die Vermehrung derselben durch den Fund des Herrü Äoldschmidt ist deshalb von besonderem Werth«; wir iverde» vielleicht an änderet Stelle apsdenJnhaftrin stücke zurücklommea, die eiu

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