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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-14 · 20 (14.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
20 (14.5.1891)
Date
1891-05-14
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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na waent nr komme» «töglichst-Diel fit verdiene,'? So ließt die Rettung? Am« Behörde» uad BokkSvettrekuige« unthätig bleibe», oU-n in der Selbsthülfe. Gesellschaftliche und geschäftliche Jsoliruag d Juden — sei di« Loosung. Aufgabe der deutschen, insbesondere der akademischen Jugend ist es, den ״Berzwe!sluugskaarpf der arischen Völker mit dem Judentham", wie Uhlwart« c» so nesftad Riinat,;am guten Ende zu führen, auf bajj .La deraläre Batani*“ Drumonts zum Triumphe des Ehristenthum- und Deutsch» chums über talmudisch« Moral and semitische Brrderbniß rühre.״ In diesem Tone wird in jeder Nr. sortgehetzt, wir führen noch aus der Soautags-Nummer da» folgende Stückchen an. um zu zeigen, wie mit der rohen Gesinnung auch der cynisch« Ton gleichen Schritt hält: .Da» erst», um« der Fremd«, vom Bahnhof kommend, von Dessau er iidt, ist auf gelbem Pfeiler die droncen« Kolloffalbüste Mose» Mendelssohn«. Ja, wenn sie von ihren Postamenten herabstiegen dir Helden von T sau, was würde wohl der alle Herr mit dem Fcldherrnblick und »er strammen Haltung, zu dem mißgestalteten Genoffen sagen, oen ihm die Neuzeit zugrsellt Hot'? Mögen seine Stammesgenoffen ihm in cliem Ghetto, wo e# a, sei, das glänzendste Denkmal errichten, lutr werden da» ganz n-iiirlich finden. Die Residenz an der Mulde indessen dentt in diesem Punkte a,..vrs. Wie ans dem einen ihrer Zchmackplätze die Nachwelt den .^!dischen Buchhalter" verherrlicht hat, so wird sich, wie es heißt, ans eurem anderen in Bälde di« jüdische ikzcelleuz Lohn selber ei» Denkmal setzen, zu dem noch dazu unser geliebter tkaiser Wilhelm der Glorreiche den Namen hergeben soll. Verhülle Dein Angesicht «ermani«-! Vielleicht wachst mit der Zeit auch nvch ein Isidor PeUchenfeld, oder ein Beitel Jtzig, oder wie sie sonst heißen mögen di« talenwollen Losa« Asraels, aus der Dunkelheit empor, um in Dessau aus ein Postament zu steigen. Raum für Denkmäler ist aus diesen öde» Plätzen und weitläufigen Straßen noch genug vorhanden. Und wenn tr.vt Herren dann alle um di« Gespensterstunde answochen und sich zusommenchun — wird dar ein «eschacher und «emauschel geben von Procentchen, Wucher, «üterschlächterei, Irrsinnserklärungen, wie sie jetzt üblich sin» — ja, durch diesen Geisterchor dringt selbst de« alte» Deffauer'» »rastwort nicht mehr durch und als «orp» da btllat schließt si-d die .Judcntruppe" unter Führung ihres Bortänzers, de« .laugen Heinrich" (Rickert), de« Reigen an, daß sich Gott erbarm!" .Daß sich Sott erbarm'!- — rufen auch wir — über biefe Verrohung de» Deutschthum», deutscher Gesinnung, deutscher Gesittung -und deutschen Stil» unter diesen Antisemitenführern. CW•!eraaiiu , Könnte man mit guten Gesinnungen allein schon ein aute» Buch schreiben, so wäre vielleicht da» Heft de» unter dem in der Ueberschrist angegebenen Titel der «ilhelmi in Berlin anonhm herausgekommen ist, ein gute» Werk. Lcider ist da» Büchlein trotz de» guten Willen» nahezu ohne Werth. Der Berfaffer nenut sich auf dem Titelblatt einen .Jaden deutscher Ration.- Diese Bezeichnung muß, wem» - ft* mit solcher Absichtlichkeit gewählt wird, e» sich gefallen schief genannt zu werdeu. Wir Juden sind in ^atschlaod Deutsche jüdische» Glauben»; et ist fest»»-;JN**״, daß in Bezug auf staatliche Pflichten, auf nationale» nebensikchüH ist» daß begründ«!, ob wir nuo als SsEdaten ia der al« Bürger an derWÜhlarae odrt alsNichter, Ges oder Schöffen im SerkhtSsaake «hätig find. Der lateinisch* Titel und die Unklare Bezeichnung Autors erwecken keine große Zuversicht auf den Inhal! Und wer mit geringer Erwartung eintritt, wird nicht gev täuscht werden. Stöcker sagt, daß er die Emaricipation der Jude« nicht rückgängig machen wolle und Stöcker ist ein ehreuwerthrH Mann, da» sind sie All«, darum glaubt der oiTia SensauW : ihm; aber diese Versicherung des Herrn Stöcker »ird nicht j überall Glauben finden. Es ist immer nach rtma» Anderrch wenn Trritschke und wenn Stöcker etwas versichert. Ballend» jetzt werden wir dem Pastor diese Versicherung um sa weniger glauben, al» er in der Thal über den Antisemit!»»»»»? gestolpert ist, den man ihm vielleicht, wenn nur die Juden, in Betracht gekommen wären, verziehen hätte, den man ihm aber wegen de» -hristenthumS nicht «reihen konnte. Stöcker ist au» ganz anderen Gründen Antisemit al» Trritschke. Trritschke wurde es, al» La»kcr die Leitung der nativnalliberalen Patte! bekam und Trcitschk« zurückdrängte; natürlich warttte Trcitschke so lange mit der Aenßeruaa fttjler Gesinnung, bis der Judenhaß an maßgebender Stell« nicht auf Widerstand stieß. . Stöcker ist ein Mann der Kirche, er hat in Berlin, ia dem freisinnigen, unkirchlicheu Berlin den Sieg der Orthodoxie bn den Kircheawahlen durchgesetzt; da« war nur möglich,, weil er den Antisemiti-muzum Borspann nahm: denn der Antisemitismus ist populär wie die Sünde, wie jede Riederttacht, wie die Aufforderung, den Reichen die Fenster eiazuschlagen und die Geldschränk« zu plündern. Selbst unser Autor, der doch Jude ist, hält Jude und Millionär für nahezu identische Begriffe, er schreibt: .e» ist ein« unumstößliche Thatfache, daß die Juden sich große«- st Reichthum zu erwerben verstauben haben". .Die Jude»-, j da« heißt doch wohl alle, nun der Schreiber dieser Zeile« bildet eine unbescheidene Ausnahme und möchte gern feinett; Theil haben; einzelne Juden haben Bermögea, große» Ber-? mögen erworben, aber damit ist der Gesamnttheit wenig gedient sondern eher noch, weil diese Millionäre Neid erweckten und» die Illusion vom jüdischen Reichthum schufen. Dem Pöbel wird vorgeschwatzt, daß sogar der jüdische Bettler in seinen Lumpen eine Million verborgen hat mib - der süße Pöbel glaubt e» zwar nicht, aber stnlt sich, al» - ob er es glaube. Zola fühtt in seinem neuen Roman einen i christlichen Spekulanten der verwegensten und der verwerflichste» Art ein, der aber, al« er vor Rothschild sich beimek soll, siegen die Juden, als die Parasttea, al» die Müßige ׳ gänger sich so ereiferte, wie wenn er im Schweiße de» Aaj gesicht« auf dem Felde sein Brod verdiente. So betrügt .- sich mancher Judenfeind selbst, und redet sich in eine Wach- < hinein gegen dir Juden, während er alle die dem Judsn V vorgeworstnen Fehler im höchsten Maße besitzt. J * Diese Broschüre von oivia garmaau», der gen» mit Stöcker, Trritschke, womöglich mit dem Teufel selbst pakti«» möchte, wird au» wenig Helsen. Wenn er wirklich die Thatsache zu einer unumstößlichen machen will» bog die Juden in Deutschland reiche Leute sinh, so muß er ühG: Schätze verfügen und sie vertheilen, denen Lkgenüber RochschildS Vermögen eine Lappalie ist. Einen Rerchthma künatze der Autor daran geben, den ganzen Schatz an pathe» tischen, geschwollenen Redensarten; ״Ich bin ein Dentzsib«»:- klrngt mindesten» gerage so stolz und so innig al» elvi» geraanna •am.

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