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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-07 · 19 (7.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
19 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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?ז. Pryst, zu rinn Erwiderung ■nl (n Redner dir Anwestuden mit der höhnenden «emeriung 1>au1 aufforderte, es würde ihm Vergnügen machen, einen ׳^scner sanft .auf den Sand zu setzen." Noch einer sehr eindrucksvolle» Neplik de» Herrn Tr. Peqser ,sicher der s«soltsttsche Agitator zu entkräfte» sich offenbar außer ׳ :ende zeigte, snchtt Leptrrrr, der in seine« Gegner riehtia de» Liberalen *nnk, Me Tebatte a»f andere GenenffSnde überzülenteu Während in seinem erstereu Bartrag« ilhriftu« unter dem Romen der ^Sjurener" sür seine Theorie» in'» Feld führte und oft noch hiuiu, At: .Der Mann hatte Recht" — nia» sür all« nichtiozialistiichen Zuirr rnoat ganz besonder» Berlepeude» Hane - verspottet« er nun Ht Freisinnigen, indem er dehaupecte, daß diese selbst auch auf reli- %« G«diele sich nicht mehr von den ilouservative» unterschieden, -cher», nachdem sie srüher die freireligiös« Bewegung unterstütz» hätten, imt fromm in die Sirche liesen. »Ader" — septe Redner seinen aus- ,-u/»dr» Vortrag s»N — »da« Bott hat sich geändert. Al» 1848 die wichen der März-Gesavenen vor Friedrich Wilhelm IV. vorbeigesührt i^ikde», und derselbe aus Verlangen de» Bolle» sein Haupt entblößte. . a saug da» Volk: «Jesu», meine Zuversicht!" Wa» aber würde «s singen? — ik» würde die Arbeiter-Marsellaise singe» oder da» .schön«"Lied: »Wer holt da» Gold au» der Erde Zchacht?" — so meinte der Redner Aber auch hier blieb ihm Herr Doktor Peyscr die ieessend« tkntgegnuug nicht schuldig, da sori^sept kein Anderer da« darl ergriff und hier war e», wo >«ne Worte neien, welch« im Berichte Alaro» besonder» hervorgehoben wurden. In seiner ausführlichen Replik 'kam Herr Tr. Penser zum -chiuffe auch auf den angegriffenen religiösen Liandpunkt zu sprechen 1-G eatgegaete unter stürmischem Beifall aller Richlsozialisten etwa .Irkgeade«: »Vorredner ist auch auf die Religion gekommen. Run, v Religion ist unsere deiligste Prlvatsache. Wa» wir glauben oder -.-chl glauben, ob wir fromm sind oder nicht, das geht Lie aus der , Hiki'cheir Tribüne gar nicht» an. Ter Gon lebt in der Brust de» i enjchen. Ander« mag ihn sich der Philosoph vorstellrn, der auf der ->.qe de« «eiste» wandelt, ander» der einfache Mann, der übrigens — ח' können Sie versichert sein — bei ähnlicher Gelegenheit heute noch?־,’ derselben Inbrunst sein »Ze,u», meine Zuversicht" singen würde, 1848. Sir werden uns unser» *Mott wahrlich nicht au« der Brust -.׳-,usreißen. Ader al» alter politischer Praktikus gebe ich Ihnen »״e« guten Rath. Wenn Sie in der Thal ihre Agitation aus da» Land Instanzen «ollen: — rühren Sie unserem guten, deutschen Bolle 1:oe» Gott nicht an! Ich, von meinem Standpuutte au», würde dä» ja ׳-rikich wünschen müssen, denn das Volk würde dann bald erkennen, 4י י t* in und vo» Ihrem Zuknnstsstaate zu erwarten habe.״ Langer anhaltender allgemeiner ׳L eifall folgte diesen Morien und wurden Herrn Dr. Prqser cnth asiastische Tonkrsäiißerungen nicht nur au» der Versammlung selbst, ׳andern auch aus weiteren Kreisen, in ganz Landsberg und nlcrall, wo derselbe erschien, sür seine wackere und glänzende Verlhridigung des Glaubens und der guten dürgnlichen Ordnung entgegengrbracht. X. Kchwersenz, 27. April. Durch Verzug vieler wohllabenderen Mitglieder unserer jüdischen Gemeind« nach ,;;Stzeren Städten ist die Korporationssteuer eine drückend« Last für die zurückgebliebene geringe lsahl Zahlungsfähiger ,mvsrden und es mußte darauf Bedacht genommen werden, im Gemeindeausgaben zu beschränken, damit nicht noch weiter den Wohlhabenden Veranlassung gegeben werde, »oegen der ,:4 lästigen Korporationssteuer unseren Ort zu verlassen. Da ״m 1. Mai et. die Amtsperiode unseres Rabbiners abläuft, so hat der Vorstand in einer gemeinschaftlichen Sitzung mit en Repräsentanten beschlossen, die hiesige Radbinerstelle icht mehr zu besetzen, wodurch die Gemeinde eine bedeutende Lusgade ersparen wird. Ja unserer Provinz sind jetzt schon über SO Städte ohne Rabbiner. Co berichtete die »Posener Zeit." von hier. Nach einer erichtiarnden Mittheilung ist da» Sachverbültmß folgendes: Du Gemeinde besteht aus 78 steuernden Mitgliedern, errn Majorität einen Rabbiner wünscht Der Vorstand und 8 Repräsentanten wollen au» Sparnißrücksichten von einem Rabbiner absrhen. Aus eiue Beschwerde drS größt«» Dhrils der Gemeinde bei. der König(. Regierung verfügte dieselbe eine gemeinschaftliche Sitzung des Borstaudemit de» Repräsentanten zur Beschlußfassung über die Rabiner« frage. In dieser Sitzung war die Mehrzahl der Rrprästukanten für einen Rabbiner, stimmte jedoch der Vorstand ptf, 10 ergab sich d« Mehrheit gegen Anstellung eiue» MchkinerL Da der Lorstand uua daraus (wie uos scheint Sitzung) beharrte, mitzustimmen, so weigerte sich Majorrtät der Repräsentanten dSn Beschloß zu uutrrzeichuim und berichtete dieserhalb a» di« Regierung, deren Entscheidung man entgegensieht. Da auch dir Mehrheit der Gemeinheden Rabbiner wünscht, so dürste die Wiederwahl deS gegenwärtigen wohl" ist dir Ordnung sein. Der Hinweis auf! die 2V!leinen Gemeinden in der Provinz, di« ohne Rabbiner sind, paßt auf Schwersenz ganz und gar nicht, da jene nur eine sehr geringe Mitgliederzahl hülle». Oeflerttidlf-Uagam. Wien, 27. April. In der heutigen Sitzung des Abgcordnctenhauses wurde Abgeordneneter Siegmund währendseiner Rede von den antrsemitischen Abgeordneten durch Zwischenrufe unterbrochen. Namentlich der Abg. Schneider unterbrach ihn häufig mit den Zwischenrustn: .Juden", ״Mtv, glieder der Alliance iorselite" re., worauf ihm von »eist schieden«» deutschliberalen Abgeordneten zugeruien wurde:;! »Schweigen Sie", »Seien Sie anständig". Die Folge war nur, daß Schneider noch öfter dazwischen rief. Als nun inJ seiner Nähe der Aba. Bloch ihm zurief: ״Ruhig! Benehmen' Sic sich anständig" sagte Schneider: Sie gehören nicht hierher, Sic gehören nach Kolomea"., worauf Abg. Bloch replicirte: »Und Sie ins Zuchthaus, Sie verdanken es nur der Nachsicht des Staatsanwaltes, daß Sie hier im Haust sitzen." 38im, 28. April. Die gestrigen Aeußerungen der Abgg. Bloch und Schneider im Abgeordnetenhaus« hatten׳ heute beim Beginn der Sitzung ein Nachspiel. Der Präfidem erklärte nämlich, mehrere Abgeordnete hätten ihn aufgefordert, den Abg. Bloch wegen seiner gestrigen Aeußerung, daß der Abg. Schneider ins Zuchthaus gehöre, zur Ordnung zu rustn. Da aber die Aeußerung nicht im stenographischen Protokoll stehe, sei sic nicht richtig (Heiterkeit): er könne daher diesem Verlangen nicht Nachkommen. Bloch erklärt, daß im Abgeordnetenhause kein gleiches Recht existirr. Alle antisemitischen Beschimpfungen gegen die Juden verzeichne das Protokoll ge» treulich, aber nie werde dafür ein OrdnuagSruf ertheilt; er j halte d e Aeußerung, daß der Abg. Schneider ins Zuchthaus - i gehöre, ausrecht.. . (Entrüstung bei den Antisemiten.) Prä» sident: ״Nachdem Sie die Aeußerung sttzt wiederholt habe»,'־' £ I rufe ich Sie zur Ordnung". (Beifall bei den Antisemiten.)! Abg. Schneider: »Ich verzichte auf das Wut, es hat ja nur j ein Jude gesprochen". (Entrüstung links.) Der Präsident nifT | auch den A^. Schneider zur Ordnung. Damit ist der Zwischen^.( fall geschlossen. — Später sah man den Prinzen Liechtensteü».^ j eifrig mit Bloch verhandeln. Er verlangte, Bloch möge s,'; Aeußerung zurückziehen. Dieser erklärte dem Prinzen, lväre hierzu recht gern bereit, doch verlange er vorher, ihm gestattet werde, mit dem ihm zu Gebotes steh Material den Beweis zu erbringen, daß sein berechtigt war. In der That verlautet auch, daß ein der Abgeordneten den Vorschlag gemacht hat, eS sei aus der Mitte des Hauses ein Ehrengericht nieder »setzen, welches sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen hätte, doch hat man nicht erfahren, ob Abg. Schneider bereit wäre, sich dem Utfc thnl desselben bezüglich der Berechtigung der Aeußerung de«׳ Abg. Bloch zu unterwerfe». Xaflatk,?rfenhff» 25. April. Nachdem Fürst Dolgorucki,. dem man unter Anderem die Beschirmung der Jusru in Moskau vorwarf, vo« dort entfernt worden ist, um dem " Großfürst» Serget Platz zu mache«, hat man «u» mtt der »Säuberung" Moskau'« vo« den Juden begonnen. Die׳ ganze Geschichte ist ein äußerst lehrreiche« Beispiel zar Eharakteristtk der gegenwärtigen ttostlosta Zustünde, bei׳ denen jede uutrr dem Den kurante! de« . national-russischen" Patriotismus i« Sceue gesttze Hetze -egen russtsch« Staats«׳ bkrger anderen Glaubt»- uud anderen Stammes bei der " Rchwraug auf de« berüchtigte Professor er: stehmd

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