Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 19 (7.5.1891)
- Date
- 1891-05-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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״W trta, daß rt de» taktet fern* feiata.Gefchicht« ühne alle ktlbschSndig» Forschuaa «mfach au« ,ebenen anderen Oeschichtikwmen avqeschrieben hat), vor einem halben Jahn in der ״Storni Wnmje" «ine fteße von Artikeln über di« .Berjudnng Mo-kaus' vrr- Wenilicht hat, worin er auLführte. wie das .heilige rusf. Moskau« immer mehr in de« Besitz der Inden -erathe und mit fanatischem Haß dafür eiferte, daß Moskau von ihnen gereinigt werden müsse. Die Regierung, die auf die Presse ז" Allgemeinen mit großer Geringschätzung herabsieht nnd doch vollständig am Gängelband« der »Nationalisteu'-Partei in dieser Presse sich bewegt, griff dies sofort aus. und der allmächtige Oberprokurator PobedonoSzew unterstützte beim Aaren tan Eifer für die Reinigung Moskau'» von tan Juden, durch deren Anwesenheit die alte Zarenstadt, der Hort des Russenthums, geschändet würde. Die Folge war di« eben veröffentlichte Maßregel, wouach jüdischen ^Mechanikern. Vranutweinbrenneru, Bierbrauern und über- - Haupt Werkmeistern und Handwerkern verboten wird, sich in Moskau, und im Gouvernement Moskau ständig auszuhalten und sich daselbst niederzulassen. Diese neue Gewaltsamkeit sintat natürlich tan vollen Beifall der nationalistischen Presse, während der andere Theil absolut zum Schweigen ^»ecurlheilt wird. Entzückt schreibt die ,Nowoje Wremja״: .Man kann nicht umhin, in dieser Regierungsverordnung ein «sreniiches Symptom zu erbliiken Die Eroberung des Handels und Her Industrie in Moskau durch die Juden ist leider eine unzwrisel» haste Thatsache, und zwar eine Thatsache nicht blos von localer, sondern von allgemein-russischer Bedeutung. Moskau bildet ein Eentruin, dessen - Einfluß sich im ganzen innere» Handel Rußlands zeigt, namentlich in wrotzrubland. Der Eingriff de» Judenthums in die Handelskreise ^Moskau« eröffnet ihnen einen Einfluß aus den ganze» inneren Handel. .Natürlich kann man dabei nicht stehe» bleiben, denn jener Theil der Inden, gegen den sich die Verordnung richtet, ist wohl an Zahl .größer, aderber findet sein« Stütze bei den Juden stärkere» Kaliber», sich in Moskau ein sichere« Res» gebaut haben. So lange diese Rester sich halten, wird «an die Befreiung Moskau'» von den Juden nicht für erzielt Hallen könne», denn sie bilden, mit unsaßbarrn Fäden mit dem ganzen Judenthum verbunden, die Grundlage dcr jüdische» -HerrsHfft in Moskau. Rücksichtslos muß man danach streben, daß dies« Rester au« Moskau weggrschoift werden . . .'. Vermischte und neueste Nachrichten. fltMtctair«, 19. April. Heute Bonnitlog von st bis 12t Uhr fand die öffentliche Prüfung sämmtlicher Klaffen der RcligioaSschule stnn, welche 180 Schüler und Schülerinnen (in 4 Knaben und 4 Mädchen klaffen» zähl«; außer der Eonfirncandenklaffe. — Reu war dsesmol die Prüfung in der Religion in Berbindung mit Ucbersttzungsiwcken aus dem Gebetbuch. An di« Fleißigen wurde» Bücher als Prämien vertheilt. Die Confirmotion sanb am 26. statt; es Halle» 11 Mädchen daran thrilaenounnea. MNSdeHnrg, 1. Mai. Am 7. Tage des Pesjachseste», dem Tage Her Beisetzung der Leiche des Genrralseldiaarschall« Moltke in der ׳Familiengruft, fand in der hiesigen Synagoge «Ine Gedächtnlßftikr für anseren großen Ehrenbürger statt. Herr Rabbiner Dr Rahmer legte sttner relstüösen Betrachtung die beiden rur Verlesung gelangten Lieder zu Grunde, aus der Schirah die Worte: ,mein Sieg und Gang ist Gott', indem er einerseits daraus hinwie-, daß Rollte unbesiegt geblieben, und andrerseits, daß er ein Freund von Musik undGesang .war, und aus der Hastara dir Schlußworte: גלזל ישועות מלכו& -.tin Siegesthurm seines Königs" aus ihn aawendrnd. Snti■, 28. April. In der verfloffenen Nacht ist hier der Herr Nasdincr Oppenheim au» Thor» nach iangem schweren Leiden Verschieden. Sein Andenken sei gesegnet! Mttiiu. >l« Proteftor des Antisemitismus ist Fürst Bismarck , huch heut« »och rührig. Im .Buch^lndterbörsenblatt" ist der Verleger eiucr antisemitischen Zeitschrift, ein Herr Lüstenöder in Berlin, in dcr "Lage, als Empfehlung für dieselbe eine Zuschrift de« Fürsten Bismarck an den.Herausgeber adzudrucken, in welcher Fürst Bismarck sein Jnterrffc /pekunde« und vcrstlbrn »ante« Gedeihen" wünscht. Beel»». Hier kleben jetzt die Antisemiten auf jüdische Anzeigen a» den Litsaßsäulr» vielfach einen großen Stempel mit dcr Aufschrift: '»Lauft nicht bet dem Juden!" Namentlich ünd dlc Anzeigen der .Goldene» 110 diese» Slempclcien stark ausgesrtzl. (Goffenbubenftretche!) Bresla». Zur Abhaltung von Prvbepredigten sind s Rabbiner in Aussicht genommen, darunter auch einer der SchwiegcBöhuc de« sei. Dr. Jovi. Graraartz i. O., 4. Mai. W>« gewiß in den meisten Synagogen unseres Vaterlandes fand auch Ift der hiesigen Synagoge eine Sedächtmßstier "des Grasen v. Moltke statt. Die ytestgr Gemeinde fand sich um so nsthr tag» veranlaßt, als Moltte Ehrenbürger unserer Stadt und Chef teRtat I« •*Ößfan ßteudeu E^bewer GvmM1«»z,«en« Toötenstier' Biß«»» Herr ÄeMfeier Dr PpolfSssm« ßsest llstdÄchtnißsei er, die -n dst Borte der Schrift ««knüpfte: .O! daß ich stürbe brr Gerechten Tob, daß «ein Ende de« ihrigen gleiche." Die Feier machte auf bi« versammelte Gemeinde einen erhebenden Eindruck. In Vroß-Wartenborg (Ostpr.j, so schrribt man uns, hat. solang« Schöffengerichte bestehe«, niemals ein Jude als Beisitzer funglrt, obgleich in der Stadr 20 jüdische Bürger vorhanden sind. L. Dresden, 23. April. (Cc. *lion Unser seil 30 Jahren fungtrender ehrwürdiger Gemeindevorsteher. Banqyter Josef Boudt, deffen Familie seit Beginn de« vorige» Jahrhundert« Mitglieder in d« «cmeindeverivaltnng an erster Stelle vertreten waren, wurde anläßlich d«S «ednrtsftste« des Königs Albert zum Eommerztrnrath in Titel na» Rang ernannt. Herrn Bondi zeichnet ein ungemeiner Wohlthätigkrils- und Gemeinsinn au» und ist derselbe nicht-all ein unter seinen Glaubensgenoffen, sondern in allen Kreisen «er Bevölkerung hoch verehrt. Dosten Bei der letzten Ordensverleihung wurden auch meßreoe Israeliten mit dem Ritterkreuz bedacht, die Herren: Banquirr Rädert Haas, Bertagsbuchhändler und Eonsul Joses Bielefeld, Regstrynoß» rath Dr. David Hugo Meyer und Rabbiner 'Dr Löwenstet». Wie». Dieses Jahr bringt uns zwei bedcutnngsvolle-Jubiläen, zuerst om 26. Jnui den 70 löcdurtslag Jrlliuek« und tm August da» 2!>jtlhrigc AmlsjubUäum unsere« Rabbiners Dr. Güdeman«. Vor«. Unter dem Titel ,Hamebaffer" erscheint demnächst hier» selbst ein pattioiisch-litterarischeS Wochenblatt in hebräischer Sprache unter Redaction des Herrn Schmerlen, früher» Lehrer« an einer Schule der jüdischen Kolonien i» Palästina LkopettstaDru. Unser Obcrrabbiner Herr Dr. A. Wolfs wirb s. G. w. am 24. Mai sein 90. Lebensjahr erreichen. *>»>»11, 28 April. Tie Blätter veröffentliche» ein aussiihetichest Projekt des Baron Hlrjch bezüglich Errichtung jüdischer Kolome« in Anertka. Die erste derselbe״ soll in Argentinien, die zweite, in Brasilien, zwei ivciirre in anderen südamcrikanIschen Staate» angei-gt iverde» Man will die Eolonien um deswillen in Südamrristt gründen, west die Strenge dcr Ltnwandcrergcsctzc Ser Bereinigte» «,aalen »on Nordamerika der Ausführung de» Plane« in der Union hinderlich ist. Die Kosten de» Projekt» werde» aus ISO Million«» Franc» berechuct. Baron Hirsch wird selbst 7S Millionen zeichne». Es wird ein Ausruf a» alle Israeliten erlassen werden, zur Ans» sühruna de» Plane» beizutragen. Mo« kau, 90. April. Biele Jude» erklärten sich bereit, um der Ausweisung zu entgehe», zum Ehristenthum überzutrrten. G» wurde dieses aber als gesetzwidrig bezeichne,. Okoefu. Am 13 April zeigte ein jüdischer Schneider der Polizei an. daß seine achtjährige Tochter vor Kurzem vrrschwunden sei. Sofort angesteUle Nachforschungen blieben ergrdnißlo«. Zeitlich am Marge» de« nächste» Tages erschien der Schiieider bei den Behörden und «ek':^ie, er habe Nach!» vor seinem Hause riuen Sack vorgesuuben, worin die Leiche seiner Tochier lag. Letztere war schrecklich zugcrichtet: der Körper wie zerhackt, die Stirne von Nägeln durchbohrt: die Augen warea mit Kalk cingerieben. Al» »un da» Bolk von der Unthat Kund« erhielt, wollte es nicht glaube», daß die Ermordete de« jüdische» Schneid»»« Tochter sei. sondern man behauptete, daß es ein Ehlistcnmädche» sei, da die Jude», ui» sich llhristenblu, zu verschaffen, riu Christkind i» ein mit Nägeln bespicktes Faß einzuschlirßen pflegten, »m es' so t» tödtru. Dir Nägeimalc an der Stirn der Leiche seien et» Beweist dafür, daß es sich hier um einen ähnlichen Fall handle. Mittwoch de» gannen dir Feindseliglritcn gegen die Juden, von deuen viele mit Fäusten und Stöcken geprügelt wurdcn: am selben Tage stürmte» BolkShaujen die Lokalitäten de» jüdischen!Verein» ,Harmoyle", «r» mundeten zwei Porstandsmitglicder und schleppten di« Berrinssohne »ach dem Platze, wo sie verbrannt wurde. Aus dies hin ließ der Nomarch da» jüdische Bierlel durch Militär und Gendarmerie umziugrlst, alle Jude» schlossen ihre Läden und es wurde den Ehrtften verbot«», da» jüdische Bierlel zu betreten. Selbstverständlich wurde eine strryge Unlcrsuchiuig cingeleitet. Da» dortige Rabdinat veröffentlichte in den Lokalblättern einen Auszug au« den Geburtsregistern, woraus hervorging, daß die Ermordete thutsächlich de» Schneiders Tochter gewest» wor. jCorsu hat 28,000 Einwohner, darunter 6 - 7000 Inden.) £a»r,1a. Die Polizei hat mehrere Griechen verhaftet, weil sie da» Gerücht ausgespreugt habe», die Juden hätten einen griechische» Knaben gestohlen, um deiistlben zu ihrem bevorstehenden OssttfDe abschlachten zu könne». Zugleich wurpen zwei Kisten mit Bildet» sisin. welch»׳ den Oderradblner von Smyrna darstellen, wst er Christenkinder adschlachtet Di« Bilder sollen in Wien angesertigt worden fest» Eltßen, 2. Mai. Hiesige Blätier berichten von Ruhestörungen aus Zante, lorlche anläßlich der Eharsrcitaas-Prozcffioo sich gegen die jüdischen Einwohner richteten. Zur Herstellung der Ruhr mußte« die Truppen von ihren Waffe» Gebrauch machen. Rrm-Nore, 21. April. (Or. Eor.) Dr. Alexander K oh« t, der erst vor Kurzem zum Mitglied der .America» Oriental Soeieth" ernannt wurde, crsuhr birst Woche dst selten« Ehre, als ,Examlner vf che Semitic Lanauages" im llolumbia - College, eine der höchstttzt wiffcuschasliichen Anstalten des Landes, gewählt worden zu'stiu. Hst ist dst erste Auszeichnung dlrstr Art, die -einem jüdischen ttstlehrti» hier zu Landezu Theil wird. 8?