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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-07 · 19 (7.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
19 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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geriete «nt G*tvtfr*nbtnitu. De»tschil«u»». IkMgb«A«rß, 1. Mai. Während man in Israels Art- U;: ~n, am letzten Tage des Freiheitsfestes die herrliche ׳^'-janische.Haftara (Jes.c.ll) von der messianifchen :seit las, fr! Recht und Gerechtigkeit, (Gottesfurcht und Menschenliebe a! ׳ -er ganzen Erde herrschen und man eiimnder nicht schaden und verderben werde auf meinem ganzen heiligen Berge", hen dir Wände des Abgeordnetenhauses wieder von den liet.osen Reden des ehemalige» Horpredigers, der — wie er ׳"י.■'* zugestand — noch heute Hof »nd Tvmprediger wäre, wenn er mit den Juden nicht angesangen lsiittc. Wir wollen oie ganze regelrechte Jndcndebatte. die bei Berathung des Ja zetats sich entspann, hier nicht tviederholen, sondern nur kur - «rüder rescrire». DerAltgRickert, der in nicht hich genug nnzuerkenncnder Weise stets gerüstet als Paladin sür die den Zuvcn gewährleistete Rechtsgleichheit basteln, erhob Beschwerde darüber, daß die vorjährige Verfügung des Oberlandsgerichts prir'drmen von Breslau gegen die Zulassung von Juden zu 7 ' <״worenen trotz ihrer offenkundigen (Gesetzwidrigkeit noch im!.׳,er nicht redressirt worden in. (Rheimrath Lueas ver su^le in sehr gezwungener Weise das Berfahrcn des >7der!an ׳Gerichtspräsidenten damit zu entschuldigen, das, die Berü1zn״g nicht mit Ausschließung aller Jude», sondern nur der ,nicht geeigneten" jüdischen Elemente ins Auge gefaßt ha, gab aber selbst zu, daß dieselbe in der Form durchaus sn׳»lässig sei, und sagte zu, daß in Folge dessen auch vom In izminister eine Zurücknahme derselben werde veranlaßt rr-cr -cn. Aus dem .Hause marf sich nun der Abg. Stöcker zu Anwalt des Breslauer Präsidenten auf, indem er dem Unmuth über die vor (Bericht selbst erfahrenen Rektifizirungcn, ouid; die Behauptung Ausdruck gab. daß den Juden die Ob; ^rimtäl zur Rechtsprechung abgehe, und daß mit jüdischen Richtern und jüdischen Schöffen ül>crhaupt kein vernitnftiges Urtyeil zu Stande kommen könne. Abg. Mnnkel wies eine der-׳.rtige ungeheuerliche Anschauung auf das Entschiedenste .;nt״ck und exemplificirte aus antisemitische Schöffen denen sicherlich jüdischen Angeklagten gegenüber die Objektivität fehle; oir Stöcker im Weiteren sich als Apostel der Wahrheit und Peru,«nster Eiertreter der christlichen Nächstenliebe aufzuspielen suchte, beleuchtete er mit glücklicher Ironie und beißendem SerruSmus die eigenartige Wahrheitsliebe Stöckers am Prozeß 4^1-rer. und seine christliche Nächstenliebe an dem Streit Si^kerWitte. Am selben Tage spielte sich auch im Reichstage eine kU״!-׳- Judendebatte ab, hervvrgerufen durch Abg. Liebermn v. Sonnenberg bei einer Petition betr. Revision der Wuchergesetze. .Hier waren es wieder Rickert und der Ab,. Münch, die dem Antisemitenhäuptling eine schmähliche Niederlage bereiteten. Aus Rickcrt's Rede seien hier einige :!!׳ kante Stellen wiedcrgegebrn: .Die Anlijemilen untergraben mll ihren Agitationen die Ruh« unt -:a Ai irden In der Bevölkerung, wissen aber bei allen Jnvekliven di« jüdischen Mitbürger positive Borschlögc nicht zu machen. TU Wuchergcietze sind am Ende der Stier Jahre vo» echten Nonieenarivrn und Christen aufgehoben, vo» de» Ministern Gras zur sippe und Gras Jtzenptitz. Auch Herr v. Cleist-Retzow hat s. ׳{. zugeg. ben. daß der Bauer tüelcgenheit dabe müsse, sich Geld aiich gegen hohe zu leiden. Tie Zahl der Ludhastationc» ist seit dem Jahre I8xt bedeutend zurückgegangcn. Unter den Juden giebt es genau so an, .,Mer de« Christen Leute, die den Wucher vrrabjcheue». Der badiiche Verein gegen Wucher verdankt seine Entstehung einem Juden. Wie mit der von den Antisemiten vorgebrochte» angeblichen Thalsuche aussrhe. zeigen die im vorigen Jahre hier verlesenen Listen der «uieischiächter, welche nach der Bescheinigung der Lrtsvorfteber und Gerichte zum größten Tbeil aus Unwahrheit beruhen. Daß viele Juden seien, Hab« seinen Grund in der inneren deutschen dieichspolitik »er früheren Jahrhunderte, wo kaiserliche Edikte sie direkt zu Wucherer» aepreßt habe«, um mehr Geld aus ihneu heraudprrffen Cs ist wunderber, mit dir Juden trotz dieser Auspressungcn Erfolg»n«n sich geistig und moralisch erhalte» dabeu. Di« Andaß den Juden durch ihr Gesetz der Wucher geboten ist, ist schon widerlegt worden. An der Kucherfrag« haben di« Antiffmttnt vmfmtim tvoccn zu gowcf■ vnfcgtii oi. tgntii gcMHpct* י י Cs ist ein ftnwesm, daß «» in Deuffchiand Möaner gießt, welche auszutret»» wagen gegen eine ganze Klasse vo» Bst«rr». die ebeaso ehre»- wrrth und gleichberechtigt find wie die übrige» Bürger. Cs ist tr»»rig genug, baß es einzelnen Partelen überlassen wird, dageoe» ffront z» machen, es wäre die» die Psticht aller wohlmeinntden Männer, nütz wenn di« Herre» drüben (rechts» nicht «vollen, wir werden schon selbst mit dem Auswuchs des Antisemitismus fertig werden und den, deutsche» Bolle seinen Kulturcharaktcr zu brwahren wisien. Mögen di« Agtiatoren noch so sehr Hetzen, es wird eine Zeit geben, wo auch der geringste Mann «m Torfe dies« Agitationen verabscheuen wird." (Beifall linkst Ter Abg. Münch empfahl dem Herrn Liebermann dar Studium der Prozeßakten seines antisemitischen Genossen Picken bach und wies aus gewisse nicht eingelöste Ehrenscheine hin. .Herr Licberinanii trug bei der Fortsetzung der Debatte ain I. Mai eine rührende Geschichte vor, wie er als junger Lieutenant i» Wuchererhände gefallen sei durch die Schuld eines Kameraden, der natürlich jüdischer Abkunft war, tvic er aber fleckenlos daraus hervorgegangen. AuS den gerichtlichen Akten, die hierauf der schnell noch herbeigeholte Abg. Münch auf den Tisch des Hauses nicbmctytt, geht aber zweifellos hervor, daß die verfallenen Ehrenscheine des Herrn von Licberinann, die im Original Vorlagen, nneingelöst geblieben sind: und daß es nicht wahr ist, daß er für den Kameraden jüdischer Abstammung tne Verbindlich keilen eingegangen. (Aus den Akten ergab sich auch die interessante Tliaffache, daß -Herr Lieberinann zehn Jahre ״latitirt" lsiit. d. h. vom Gericht nicht aufgefunden werden konnte.) Am schönen 1. Mai gab es im Abgeordnetenhause wieder eine häßliche antisemitische Debatte. Herr von Hammerstrin, brachte den bekannten Fall znr Sprache, daß der Oberlandesgerichtspräsident v. Bardeleden in Eclle mehrere Referendare strafversetzt hat, die gegen dir Aufnahme eines jüdische» .Kollegen in eine Tischgesellschaft gestimmt hatteu. Der Justizminister v. Schelling gab darauf eine sehr korrekte Erlläruna ad. Die betreffenden Worte, die zugleich ein Berdikt des Antisemitismus enthalten, lauteten: ״Ich nehme keinen Anstand, im Princip durchaus dem. Ot>erlandesqerichtsprSsidenten beizustimmen. (Lebhaftes Bravo!) Ich inuß von den Referendaren verlangen, daß sie ihre« Kollegen gegenül'er ein kollegiales Verhalten ohne Rücksicht auf dir Verschiedenheit des Religionsbekenntnisse« deoliachten." «Bravo!) Er vermißte nur, daß Herr von Bardeletien nicht untersucht hatte, wie es der Oberstaatsanwalt mit dem ihm unterstellten Refendaren gethan hat, ob die Einzelnen ivirklich für den Ausschluß des jüdischen Referendars Bensch gestimmt haben. Stöcker und ״sein Freund" Hammerstein hatten die Freude״ daß ein Mitglied des EeittrumS, -Herr Brandenburg, sich entschieden gegen das Eindringen der Juden in die Justiz aussprach; allerdingSwurdcHerrBranden- ' bürg gleich daraus von seinem Fraktionsgenoffcn Bödiker, 1 der selbst Richter ist, wie er, im Namen der Mehrheit ׳ desavvuirt, und er selbst suchte dann auch seinen Worten eine inildere Deutung zu geben. — Die Nationalliberalen, die > sich sonst hüten, in solchen Debatten Farbe zu bekennen, traten heute durch die .Herren Lubrecht und Sattler } ganz entschiede» gegen den Antisemitismus auf. Lubrecht, der (Ristlicher ist, wandte sich namentlich gegen die besondere Art der Ltöckcr'schen Nächstenliebe, und Sattler, der den ausgeschlossenen Referendar persönlich kennt, wies nach, daß dieser sich korrekt benommen habe. Herr Stöcker spielte nun die Rolle eines verzweifelten Germanen, der .Civilisation, und Eultur" durch die von der Justizverwaltung protegirte« Juden bedroht und in, (leiste bereits den ״letzten christlichen Rejercndar" sieht. Mnnkel und Rickert griffen auch kräftig in die Debatte ein, die dem AntiscmittSmus eine ordentliche Niederlage bereitete. — Die Stelle für einen Senatsznäsidenten in Breslau wurde abgelehnt, und zwar ergab die Debatte unzweifelhaft, daß die Ablehnung ein Mißtrauens- Votum gegen den OberlandesgerichtSpräjidenten von AuuowSku ftin soll, der.sich durch seine Vorliebe für Dienstreisen. m»

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