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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-07 · 19 (7.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
19 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sprache der Lehre, denn die Thora wird in der Ur- ׳'. ,he in allen Synäg»gen verlese»; alle Bersuche, Ueber- ׳'׳ -gen vorzutragrn, Hoden sich nicht bewährt und nicht er» Der Aufgerufmr selbst segnet ihre Vorlesungen in - -äischer Sprache. Da» Borlesen derselben wie da» Beten -ft sicht Sache einer gewissen Laste, sondern Sache eines c den, der e» versteht, würdig ist und der Gemeinde zusagt. -äisch sind die Gebete in den heiligen Augenblicken, in d ncn rin Knabe in den Bund der Bätrr ausgenommen d, hebräisch, wenn er seine?Keife erreicht hat, hebräisch, -!n er seine Gattin heimführt, hebräisch, wenn er seine :ct! zur Ruhe bettet, hebräisch, wenn die Gemeinde in >h ist, hebräisch, wenn sie julelt. Und diese Sprache . eine todte sein? 2. Die klassischen Sprachen sind auch, was den Inhalt :*״ti Litteraturen betrifft, nicht mit der hebräischen zu ver« Es ist auzurrkenneu, daß die llunst und Wissenschaft ,' rer Zeit, besonder» aber die Rechtswissenschaft, die chsorschung und die WeltwciSheit auf dem Boden der ..^''ischen Litteratur erwachsen sind. AuS ihnen hat die ... nid, welche höhere Schulen besucht, Nabrung für Geist u.,v Herz empfangen; die Vaterlandsliebe, der Kampfcsmuth, -, 4inn für Staat und Gesetz, für edle Sitte und Wohl- , ständigkeit, sind durch das Lesen der klassisct>en Schrift- ׳er gepflegt und gefördert worden. Es ist aber erwiesen, alle diese Tugenden auch in den Volks- und latcinlosen 5.»rgerfchulen ebenso gepflegt wurden. ES ist jetzt zugegeben, ' das Beschäftigen mit der Volksgeschichte, das Lesen der ,׳isterwerke ,n der Muttersprache, ganz besonders aber daS neu der biblischen Geschichte, der 10 Worte und ihrer isheit Bürger heranbilden hilft, welche in all' diesen!׳!Mden den klassisch Gebildeten nicht nachstehcn. Vor . Litteraturen der Welt hat aber die Hebräische nach ^r Richtung einen bedeutenden Vorzug, Sie fordert aus r Seite zur Pflege nationalen Sinnes, hingebensten srrmutheS, ganz besonders aber keuscher Sitte und unhörbarer Gesetzes treue auf. Und alle diese Tugenden b ut sie auf einen Grund, der all jenen Litteraturen >׳,gelt; das ist die Gottesfurcht, dir Erlösung der Ge-!---chtrten, das Erbarmen 17 it den Sündern, der Segen i!?r ganzen Welt. 3. Die klassischen Sprachen sind auch in der Art, wie " gelehrt 1 verden, mit der hebräischen Sprache nicht zu verichen. Seit Jahrhunderten lehrt man Lateinisch und Griechisch, » -m man den zarten Knaben vor den Pflug grainmatischer •ein spannt, mit denen er seinen jungen Verstand zerörtern muß. Nachdem man jahrelang trockene Sätze oder f . sie Fabeln übersetzt hat, das Regelwerk eingedrrllt ist, , man an da» Uebersetzen von Schriftwerken, die weder :7>, nationalen Empfinden noch dem täglichen Leben der ' .-»der nahe stehen. Ganz anders verfährt man fast seit zwei Jahr- ‘ ׳!senden mit dem Erlernen des Hebräischen, inußte man ״derS verfahren. Das Sind sollte ja die hebräische nrache sofort gebrauchen können, um die Worte Gottes zu 7strher^ selbst in ihnen zu lesen und sie zu begrciien. an müßte dem Kind« sofort den Inhalt, den Weift ge eit, 7 ganze Wort, den ganzen Satz, den Abschnitt, das Gebot .d Verbot, die Verheißung und die Ersüllnng, die Mahnung -cd dir Strafe, da» ist— Leben. Da» Sind hört das Ge-! >rte in der Synagoge vorlesen, sieht den Vater, die Mutter!mit beten, hört damit Wichtiges im Leben de- .Hauses m!d der Arbeit benennen, sieht in Lust und Leid damit -brln, klagen, :rösten. Was nützte da langes Regelwerk, ■« sollte da das Schnitzeln und Meißeln, das Zimmern nd Kleistern von kleinen Sätzen und Sätzchen? Wa« nützte -:.׳!uischeu in der katbolische» Lieche tzerabzudrülte», ln der ja dl« -!ende» da» vom Geistlichen gebrochene Lateinisch auch nicht ver- 7-: -»en, so schlügt sich mit einer solchen Aaedernng die Reform geradezu 7 ׳ ä **.'־ Mngestcht. eAed.) i«»J[noto«tftm1 der von ׳Sprache, sondern pm kbräge, weihevolle, Dewaltige und süße genießen sollte? Ein solche« Verfahre« wäre p das thürichste der Welt gewesen; denn es hätten ja Jahre vergehen müssen, ehe da- Kind nur da» Sch'ma verstehe« lernte. Es ließe!! sich der Gegensätze zwischen den klassische» Sprachen und der hebräischen noch viele andere Nachweise«. Aber diese genügen, um zu zeigen, daß die heutige Bewegung gegen die Stellung, die Bedeutimg. die Lehrform her klassischen Sprachen auf unseren Schulen auf da» Hebräische gar keinen anderen Einfluß ausiiben kann, als un» nur in all dem zu bestärken, was wir seit Jahrtausenden thu». Jetzt konimt die Lehrrrwelt unseren Gedanken näher. Jetzt sängt man au, daS zu ahnen, was wir seit je üben; wa» uns Gewohnheit ist, worin unsere Lehrer Meisterhafte» geleistet, darin sängt sich die moderne Unterrichtskunde an z« üben. Um so fester müssen wir uns an unser Heiligthu» schließen. Die hebräische Sprache und ihre Litteratur ist aber die einzige wahre Heimat, die unser Geist und Herz kennt. Ja ihr sind wir zu Hause, sie eint uns vom Nordpol bi» zu« Südpol, voin großen Ocean bis zum Atlantischen Meer«. Die hebräische Sprache ist eine Weltsprache, sie ist die Sprache, in der jetzt Juden aller Staaten der Erde bete« und Gott verehren. Sie eint die Menschen, wie keine andere. Sie ist das Gesäß, in!velchem das Heiligthum der ganzen Menschheit ausbewabrt ist. Sie zu pflegen '.st nicht nur Pflicht der Selbsterhaltung, gebietet nicht nur die Zerstreuung über die ganze Welt, nicht nur die Treue gege« unsere Väter, die Dankbarkeit gegen unsere Propheten und Weisen, nein, wir Juden sind das der ganzen Welt schuldig. Wir haben alle die Quelle zu behüten, aus der Millionen ihre Seele gelabt, veredelt, geläutert haben und dies in aller Zukunft thun werden. Der Religionsunterricht kann und darf sich also nicht auf Geschichte der Juden, auf Pflichtenlehre beschränke«; da» Hebräische darf nicht einmal auf ein kleine» Maaß herabgedrückt werden, denn eS ist die Sprache de» religiösen Gemeinde- und Familienlebens. Eine Belastung ist nur dann vorhanden, wenn der Unterricht nicht da» frische Lebe«» sondern die Gelehrsamkeit, nicht das Ueben, sondern nur da» Wissen im Auge hat. Aber gerade der Unterricht u« Hebräischen ist Leben, ist Uebung. Ganz besonder« trifft dies bei dem Unterricht in Thora undThefiüa zu, denn die Hauptstücke aller religiösen Belehrungen bleiben Bibel u«d Geb»t buch. Sie gewähren den Einblick in die ganze Geschichte de» Judenthums, sie sind die Denkmäler der göttliche« Führung Israels. Gründliche Widerleg««- de» ״Antisemiten- Lkntechi-m«»". (Fortsetzung.) 1. Stnt« (*Un <tn M« 3«M1 nUfct kUfe(M> Recht« habe«, wie vtr ft»ei«ea Bit|nT .!restlich: weil sie dieselben nicht verdienen: zweiten»: weit sie dieselben mißbrauchen! «tine jede Ration hat da» Anrecht auf ihren «rund und Boden dadurch erworben, daß sie denselden durch Jahrhunderte lange» Fleiß urbar machte und cuiiivlenc oder durch überlegen« tri«aerische Kraft erkSmpfre und so mir ihrem Blute erkauft«. — Die Inden haben iveder durch die ein« noch, durch die andere Art da» Heimat»- recht ta imstrzn.Land erworben. > v - Dieser letzte 'Schwall von Worten soll für da» »Erst» lich" die Begründung sein, die zweite Behauptung wird nicht weiter mit Gründen belegt, wohl kaum der RaumersparniS (?) halber! Aber auch da» mit so vielem Pomp {» die Welt gesetzte .Erstlich' ist aicht so ganz sttchholtig. Um Anfänge ist vom Anrecht aus Grund und Bode«, bau« wieder vom Httmatsrecht, al» ob ha» ein uird derselbe Begriff wäre. Wir sehe« aber gar nicht-ein, warum der

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