Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 17/18 (22.4.1891)
- Date
- 1891-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959658--0613-5374387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»״rben״, Beschlich hierüb«' gefaßt werden. An kr Spitze stehen die Herren Banqmer Thost-Zwickau, Dr. ^»erster-Friedenau, Dr. König-Witten und laat not loaac— Ingenieur Th. Fritsch - Leipzig (Windmühstnstr.) Nun folgen die Unterzeichner de- Aufruf», die wir fast alle mit Löwin», ooni bezeichnen müssen. Alte Magdeburger, di« rege- Interesse für öffentliche Angelegenheiten bekunden, versichern, daß sie von 16 au- Magdeburg Unterzeichneten Herren nicht zwei auch nur dem Namen nach kennen. Ja, der erste Unterzeichner existirt hier gar sicht unter den Namen ״M. Albert". Al» Bekannte treffen wir in der Liste: Stöcker,fOttoGlagau undLiebermann von Sonnenheiß; andere Herren vom Adel und der Geistlichkeit sind werteren Kreisen gänzlich unbekannt; wir vermiffen zu unserem Leidwesen den gewiß deutschgestnnten und moralisch tüchtigen Böckel. Wohl verdient H. v. F, der für Wahrheit und Sittlichkeit unentwegt und mit echtem Manne-muth eintrat, unsere volle Sympathie und er ist wcrth, daß ihn di« Deutschen durch ein Denkmal ehren, doch von Leuten gedachten Schlagegeehrt zu werden, erschein uns mehr als Jweifelhast. Und wir rührend gar, daß antisemitische Heißporne audem Adelsgeschlecht und dem Geistlichenstand durch ihre Namensunterschrift bekunden wollen, daß sie dem, der so wuchtig dem Adel und der Geistlichkeit zu Leibe gegangen, verziehen haben. In seinem einleitenden Gedicht zu den erwähnten ״Unpolitischen Liedern" vergleicht sich H. mit Walter von der Vogelweide folgendermaßen: ״Er hat gegeißelt Pfaff' und Edelmann, des Kaisernicht, noch Papsteselbst geschont, und keinem ist cS eingefallen je, daß er rin schlechter Dichter deshalb war, weil er sich in die Politik verlor und sprach von seine- Vaterlandes Leid. Wie albern, daß man unser Einem nie verzeiht, waS man an Walter ehrt und rühmt, daß er ein schlechter Dichter wird genannt, der nicht verschweigt, was faul in Kirch und Staat und ihren Frömmlern, ihrem Heuchlerpack ganz vngescheut die volle Wahrheit geigt." Wie wahre- Verdienst erst nach dem Tode Anerkennung findet, so auch bei Dir, edler Hoffmann von Fallersleben. M. Spanier. Herr Rabbiner Dr. M a y b a u m hatte beim Udgeordnrtenhausr um Gleichstellung der Rabbiner mit den Geistlichen der christlichen Kirche bezüglich der.'kommunal- Besteuerung petitionirt. Tie Petitionskommissio» beantragt Nun Tagesordnung, weil in der bestehenden tzstsetzgebung dienicht begründet sei und, wenn auch mancherlei Billigkeitsgründe für eine Gleichstellung der Religion wiener der sogenannten )wivilrgirten Kirchengesellschaffen mit den Religionsdienern der übrigen geduldeten Religion-gemeinschaffen sprächen, so strebe die Petition doch lediglich eine Gleichstellung der Rabbiner an, nehme aber auf die Religion-- di-uer anderer Religionsgesellschasten keine Rücksicht. (Daist doch aber eine eigenthümliche Begründung. Der Rabbiner petitionirt für seine StandeSgen offen, er kann doch unmöglich für die Religion-diener anderer Religion-- «fellschaften eintreten, hätte er's gethan, so würde man es ffcherlich und mit Recht für ^jüdische Anmaßung", für eine ,»befugte Einmischung in die Verhältnisse anderer ReligionSarsellschaften ausgelegt haben. Bedürft» letztere einer jüdischen Bevormundung? Jeder weiß doch am Besten, ob und wo ihn der Schuh drückt.) Stoff«. (Ol>Eor.) Wenn Prof. Berner in seinem so merkwür- 2>e» Bortrage vom 30. Jaouar die wesentlich« Gleichheit der »gissen Grundlage des Judentums mit dem Ehristentum behauptet und daher das Mahnwort an Alle gerichtet hat, rm große« BerföhuunHtfest mit Israel zu feiern, so wird «ach einer anderen Sale hin in einem jüngst erschienenen Aufsatze di« eigentliche Wesensaleichheü auf der socialen Gnmdlage beidrr verfochten. Dieser Aufsatz rührt her audu Feder Franz Held 'S •), der nicht energisch genug dafür eintrrte« zu müflrn glaubt, daß die innerste Bestim« __ de- Judentumnicht der materielle Gewinn, sonderv^ der wessianische Drang sei. Die jüdisch« Raffe, sagt «/-י habe dr» Monotheismus und auch da-Ehristentum de-/ gründet. Würde nur der Nachwuchs de« heutigen thum» von dem lähmenden Einfluß dedeutschen GymnastnnG ״.v befreit, so würde die Welt den Hellen, messiasspiegelndvft Ä Keru jüdischen Wesenwohl bald wieder hervorfunkrlu sehe». - Leider «he mancher gut beanlagt« Sohn reicher jüdischer^ Eltern stumpffiuntg Über philosophische Komma-Statistik»^, oder auch im Räderwerk einer bureaukratischeu Maschinerie, A unter und hätte doch ein brauchbarer Mensch werden können^, wenn er in einen Beruf hineingekommrn wäre, wo «an, sich ftlbst btthätigrn kann au« eigener Initiative, dem herbere LebenSelement der jüdischen Rasse. Statt de- Kapitali-m«-. jj müsse der SocialiSmus das Judenthum beherrschen. EoctaleS- H Judenthum sei dem Ohre zugänglicher als socialer KapitaliSmu» wegen de« messia-gläubigen Grundtou» im jüdisch«« 3 Eharakter.~ Daher würde im Hinblick auf die praktische Politik die Gründung einer jüdisch-sozialen Partei für alle Theile gleich förderlich sein." So schöir der hier ausgesprochene Gedanke einer Au» sammrnfassung aller Kräfte zu einem Partriganzen klinge« mag. so ist doch die Undurchführbarkeit desselben nur. z» einleuchtend, so lange es nicht gelingt, innerhalb des Jude»- thums das Banner der Liebe aufzupflanzen und die getrennte»״ gegen einander gleichgiltigen Teile der Gesamiytheit durch- ן die Macht der Idee, die Weckung des Pflichtbewußtseins, die. % Verkörperung der heiligen Liebe zu einen. י A»s Hlßet»tzeffe». In dem schönen Leitartikl der Nr. 15 wird mit Recht auf da-Mißliche hingewiesrn, daß die Prediger bei traurigen und freudigen Gelegenheiten für, 'י׳ ihre Casualreden mit klingender Münze bezahlt werden^ wodurch der nachhaltige Effekt verloren geht. Diesem Hebeli stände wäre leicht abzuhelftn, wenn die Gemeinden sich dazu. ' verständen, das fixirtc Gehalt entsprechend zu erhöhen, den« s dir Easualirn, ebenso freie Wohnung rc. werden bei Aus» .־ schreibung und Anstellung dem jährlichen Einkommen zugerechnet, sogar gewöhnlich überschätzt. Die Aenderung liegt also bei den Vorständen, den LultuSbeamten wäre damit gedient. Aber weder die Vorstände, noch dir Gemeind«» :1 1 ד Tocullk» J^LeMhum. (Bon Anniz Held. Zeitge»«ff«, Februar- Heft l»L) wollen diegeändert sehen, obgleich, wenn sie zahlen müssen, sie über solche Extrabesteuerungen selbst Klage führen. Marc: will nämlich die Beamten in Abhängigkit von sich erhalte«^ sie durch solche Gratifikatiouen willig und untertkänig mache» und auch vermeintlich bewirken, daß bei Grab- und Trauung»»- reden daetwaige Lob und die gewüuschkn Schmeichele«, für sie und Angehörige stärkr au-fallen. Auch in der Vorzeit wurden frerwillige Abgaben, die man sich selbst auf-- erlegte, höher bemessen und lieber bezahlt, als octroyirte und zwangsweise beigetriebene Sttuern. Ich kenne au« eigener Erfahrung ein Beispiel, daß der angeworbene Rabbiner de« Wegsall der Purim- und Rosch-Haschono-Geschenke, wie der in alten Gemeinden üblichen sogenannten Nechasch, (Abgabe für Raw. Ehasan, SchammeS) erbat und beantragte, dafür, das fixirte Gehalt entsprechend zu erhöhen, di« Gemeinde ging daraus ein, da-Gehest wurde erhöht, und di« Geschenk wurden dennoch beibehalten. Di« Gemeinde ließ sich diese»- Herkommen au» besagten Gründen nicht nehme«. Ma» weiß da» Kämpfen gegen alk Gewohnheiten nützt schwerlich nur zwingende Verhältnisse ändern die Menschen sticht. & Zn» WSrtlemßerg, 10. April. (Or.-Eorr.) Die, Königlich« Regierung hat de» Ständen einen Gesetzesentwurf' vorgelegt, betteffend die'OrtSschulbrhördeu, der den einzelne« . Konftssionen, so weit emöglich ist, rntgegenkommt. Attikl S lautet: In Gemeinde», in welchen Bolk-schnlen verschiedener Konftssionen bestehen, wird für die Schulen jeder Konfession' >jj eine besondere׳ Ort-schulbchürde gebildet. In dieselbe siuh^ die Geistlichen der Konfession der Schuft, die Lehrer derfttbm^. der Ort-vorstrher und die entsprechende Mitglieder zu vernfen, welche nur aude«