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Israelitische Wochenschrift · 1891-04-22 · 17/18 (22.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
17/18 (22.4.1891)
Date
1891-04-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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verchlguugen mit dem Augenblick beginnen, wo der Katho» licismuS Staatsreligion wird? Nein, Fritsch hat, wir lassen -unentschieden ob wissentlich oder unwissentlich. Uustun geschrieben, indem er sagte, daß die Juden im Mittelalter nicht ihrer Religion wegen verfolgt seien*) ,Nur war man zu jenen Zeiten sich nicht klar darüber, daß man in den Juden mit einer fremden Nation und fremdem Nasse zu Ihun hatte, und deshalb mutzte die »Rel i g i 0 n» als Unterfcheidungsonerkmal dienend Demgegcnül>er wollen luir ein Urteil des berühmten christlich-deutscl)t11 GeschichtS und Rcchtssorschcrs L. Stobbc stellen tRcchtsvcrhältnlfsc S. 140): .Die Juden einer Stadt bildeten nicht blos eine religiöse (Gemeinde, welclfe in der Synagoge ihren Mittelpunkt fand, sic waren nicht blos in lokaler Weise von den übrigen Einwohnern getrennt, indem sie ein besonderes Viertel bewohnten, sic bildeten auch an Diele» Orten eine (Rineinde in eoniutunalrr und rechtlicher Beziehung. Tie Iudengemcinde war von den städtischen He amten cximiert, stand unter eigener Obrigkeit und besaß auch, allerdings in verschiedenen Orten in verschiedenem Umfange, die Gerichtsbarkeit, und zwar oft nicht allein über ihre An fhörigen, sondern auel) beim Streit derselben mit dritten rsoncn". Wir raten Herrn Irisch ernstlich, sich zu beschränken, und sich nicht in da» (Gebiet der l^eschichtsforschung ferner ן .Änauszuwagen. Er hat jedeSmal das Unglück, sich mit den j Thatsachen' in Widerstreit zu finden, und wird jedesmal die j entgegengesetzten Aeußerungen der bedeutendsten Fachgelehrten gegen sich haben. 4. fB«4 »alle« bi» «uttsemike» eigentlich? .Sie wolle» den jüdischen Einslutz auf verschiedene» («*bieten Durch gesetzliche Mittel beschränkt sehen, weil sie denselben gr verderblich halten. Sie erstreben deshalb eine Revision der «ejgebung ln dem Sinne, datz die Juden gewisse (rinschränkungen erfahren sollen». Wieweit diese Mittel gesetzlich sind, ersehen wir am besten aus den zahlreichen gerichtlichen Verurteilungen des Bersassers selbst, sowie an den unter 1 'beiläufig envähntcn Thatsachen. Gesetzliche Mittel sollen wohl auch die Fritzsch'schcn Flugblätter sein: — ein Verteiler derselben /wurde dafür aus staatsanwaltliche Klage in Görlitz wegen groben Unfuges mit 1 •'>0 Mark Geldstrafe belegt. Die »gewissen Einschränkungen" bestehen in Ausschluß der Juden von der übrigen menschlichen Gesellschaft, Aufhebung der Emancipation. Stellung der Jsra- «litrn unter ein Frcmdengesetz, Abschließung und Absonderung, Verbot de» Haltens christlicher Dienstboten und Gesellen und Beschränkung aus zwei Ge» werbszweige.**) — Der Katechismus fährt dann im unschul- Hgstrn Tone von der Welt fort: .3« weiteren wollen sie ,»,schft nur aufttäreud wirken: über die wahre Natur de» Judentums, vor dessen geschSstlichen Kniffen und Rinken warnen und alle Reformen unterstützen, Die zur wirtschaftlichen, geistigen und sittlichen Biedergesundung unsere« Bolkstuw« beitragen». Wir haben dieser frommen Auseinandersetzung vorderhand .nichts weiter hinzuzufügen; wir werden im weiteren Verlauf« Ä, mit welchen ,Kniffen und Ränken" die Herren miten .auftlärend" wirken. (Fortsetzung folgt.) 1 Datz die Juden im Mittelalter der Religion wegen verfolgt wurden, gesützt übrigen« der .Katechismus» aus Seite 153 selbst ein: ,629 befahl sogar Dagobert L, daß jeder Jude, welcher sich «ich« taufen lasse» wollte, getitet würde» Ebendaselbst ist zu finden, .,datz 120« und 1818 btt Juden au« Frankreich vertrieben wurde», und datz nur diejenigen bleiben dursten, dt« sich tansr» ltetzen. Sind als» dt« Judenverfolgungen im Mittelalter reitglöseu iharakters «der «tu Ausputz »er But de« «»»gewucherten «alle«? —1 Die» wird ausführlich brhmdelt werden unter Nr. 16, ^ihr «er»«,,» ist zu roufißcieren», sagtet» »uttsewitische« Flugblatt $ttitIfte ««> Dentschla»-. Msgdetzurg. Wir erhalten aus Dortmund die folgend« recht erfreuliche Zuschrift von H. Rektor Dietletn: .Für die Zusendung der Nr. 12 Ihrer geschätzten Zeitung (mit dem Leitartikel: ,Einträglicher Rätjrlbandel" voa . nächsten Auflage, die gegenwärtig gesetzt wird, das Lesestück ,Einträglicher Rätselhandel» von Hebel a uSgeschiedea werden wird. Es wäre schon früher geschehen, wenn Israel. Lehrer den Wunsch geäußert hätten. Wir haben allerdings keinen Anstoß an der Geschichte genommen und auch tu christlichen Schulen gefunden, daß Lehrer und Schüler bei der Behandlung des Lesestückes die Lehre ״und versündiget sich daran" gern daran geknchift haben. Biel» leicht nehmen Sie von dieser Mittheilung in Ihrem wcrkhen Blatte kurze Notiz. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebenster W. Di et lein." Mit uns freut sich wohl jeder jüdische Lehrer über den schönen Erfolg, den die ״Jsr. Wochenschrift» durch den trefflichen Leitartikel des Herrn Lehrers Abraham erzielt hat Magtzetzurg, 20 April. Es ist eine bekannte Manier der Antisemiten, jeden Dichter und Denker, jede» Schrift» stelle! und Politiker, der gelegentlich ein ungünstiges Unheil über Juden und Judenthum gefällt hat, iür ihre Partei zu reklainiren. Nichts ist lächerlicher, einfältiger und so beweiskrästtg von der Beschränktheit geistiger Qualifikation unserer Gegner, als dieses Gebahrrn, denn ein Leichtes ist es, aus den Schriften derselben Auroren eine uns güustige Blumenlese zu veranstalten So sollen Goethe. Schiller, Herder re. Bundesgenossen der Anlisemtten sein; Goethe» dieser deutsche Äeistesariftrokrat, der es nicht verschmähte, dem Juden Moses Mendelssohn einen Besuch abzustattcn, würde, wenn er Zeuge dieser schmachvollen antisem.ttschen Bewegung wäre, unverhohlen seinem Abscheu Ausdruck geben, daß man es nur wagte, von dem Gelichter citirt zu werden, nicht minder würde dieses von dem ideal-gesinnte» Schiller, dem tiefreligiös empfindenden Herder geschehen. In den jüngsten Tagen hat man nun auch in Hosfmann von Fallersleben einen würdigen Bundesgenossen entdeckt: m seinen .Unpolitischen Liedern", die wegen ihrer revolu» tionären Tendenz Veranlassung waren, daß der Dichter seines Amtes als Professor entsetzt und von verschiedenen Bundesregierungen des Landes verwiesen wurde, befind« sich nämltch ein Gedicht, betitelt: ״An Israel», das aller» dings keine judenfreundliche Gesinnung zeigt, aber jedensalls hat dies« nicht sein ganzes Leben vorgeherrschr und ist sie nicht ein maßgebender Faktor seiner ganzen Persönlichkeit gewesen, ganz abgesehen davon, daß viele seiner ,Unpolitische« Lieder» nach Form und Inhalt verfehlt sind, wie dievon angesehenen Littrraturhistorikern sestgestellt ist.*) Durch den erfreulichen Fund aufgemuntert, hat sich denn eine Anzahl .bedeutender» Snttsemiten zu einem Aufruf, dem selbstredend das obenerwähnte Gedicht beigedruckt ist, vereinigt, um .öffentlich zur Beisteuer für einen einfachen aber würdige« Gedenkstein" aufzufordern, den man dem begeisterten Säuger de- ,Deutschland über Alles" zu setzen gedenkt. Besondere Klarheit herrscht noch nicht über Art und Ort de» Er» innerungszeichens; es soll erst später in einer Bersammlung ,zu der alle Spender öffentlich eingelade» ", Bel dieser »«legenbeit «ollen wir hervorheben, datz Hoff««,«, der zu Ende der drettztger Jahre als Professor in Breslau lerne, tat Hause der Schwiegereltern Joseph Lehwann's, des Begründer« »es »Magazins für dl« Littrrarur des Auslandes», vertehne, w» diese« ihn beünen lernte und »st ihm befreundet wurde. Hoffwan» dstest ftsudtG« Mitarbeiter i*» Ma»»zin«.

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