Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 17/18 (22.4.1891)
- Date
- 1891-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Lonstsfionsschulgemeinde gewählt ttxtbtn (feinen. Die Gvchl «ins 3 Jahre geschieht durch Gemeinderath und Vürgerausschuß Für jede Konfession besteht «» besonderer EHakfonds mit einem besonderen Rechner. Art. 4 sagt: Bei freiwilligen Konfessionsschulen (wenn die Familienzahl unter 50 beträgt und die KonfessionSgemeinde die Kosten zu bestreiten hat, wie das bei den meisten »ürtl Elementarschulen der Fall ist) wird die OrtSschul- -«Hörde au» dem geistlichen Vorstand der Ortskirchengemeinde, te^ehungSweise dem Schulausseher, den Schullehrern der Donstssionsschule und der entsprechenden Zahl gewählter Monstsstonsgenossen gebildet. Die Wahl der letzteren erfolgt Hchtch die kirchliche Gemeindevertretung. — — Der Antisemitenführer Bvckel hat nun doch unser Württemberg mit seinen Agitationen beglückt und in Ehlingen einen Bortrag über .Mißstände in Handel und Gewerbe' gehalten. In fand am Montag, den 13. eine große Dmn Schriftsteller Welcker einberusene Antisemiten«!- sammlung statt, in welcher Bvckel seinen allbekannten Vor- *ro£: .Der Antisemitismus und die sociale Reform" zum so und so vielten Male hielt. Er sprach über die vielen Eon- «urst und Ausverkäufe und empfahl für Bankerotteure die Dwortation nach Kamerun. Er geißelt die Humanität unserer Zeit (.die Zuchthäuser seien ja die reinsten Sommerfrischen" — lautete sein geflügeltes Wort) und «rurtheilt die ganze Reichsgesetzgebung als ein ungesundes Produkt Don Juden und Advokaten. — Aber mit solchem Schimpfen auf die bestehenden Gesetze untergräbt ja der Reichstags- Abgeordnete das Rechtsbewußtsein im Volke und erregt Un- Zufriedenheit in der Bevölkerung, das ist doch wahrlich weder vreichStreu noch conservativ, sondern ״aufwieglerisch",!:.rebellisch" und daS nennt er .arbeiten für die Wohlihrt de- Vaterlandes" — Von einer Diskussion sah der Vorsitzende .des Friedens halber" ab. Nachdem man die .:Llammen der Zwietracht tüchtig geschürt und die Saat des " Rnsnedens wacker ausaestreut hat, läßt man .des Friedens ׳-halber" Niemand zu Wort kommen. J>*n»|UM, 16. April. Gestern hat der Schriftführer tk• Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, Lic. Graebner, seinen Bortrag über den Antisemitismus gehalten, der einen ׳, glänzenden Erft lg hatte. Die Antisemiten bildeten rin -^Dslles Drittel der etwa 700 bis 800 Personen zählenden :^Versammlung, zu drr die Sozialdemokraten ein weiteres l Drittel gestellt hatten. Die Antisemiten waren, in der ausr. gesprochenen Absicht gekommen, dir Versammlung zu stören und untrrbrachcn im Beginn des Vortrages den Redner Mehrfach durch »llden Lärm. Dieser ließ sich aber dadurch [ tA&H berrren und wußte durch seine ruhigen streng sachlich halten« Ausführungen einen immer lebhafte!« Beifallsarm zu entfesseln, dem gegenüber der antisemitische Wider- Hptwh allmälig vollständig verstummte. Für den Eindruck 7«er Gräbnerschen Red« ist es bezeichnend, daß die Antise- ^Mitten, obwohl sie dazu ausdrücklich aufgefordert wurden, ^und obwohl sie sich den Mitgliedern des Bereias gqenüber 1« entschiedener Ueberzahl befanden, es nicht wagten, das Wort zu ergreifen und Herrn Graebner entgegenzutreten. De« Danke, den der Vorsitzende Herrn Graebner im Name« der Versammlung aussprach, schloß sich aus der Mitte der -Letzteren ein Redner in warmen Worten an. jwfcl») 12. April. (Or^Eor.) Endlich wurde gestern der hiesige bisher verwaiste Post« eines Rabbiners und Predigers durch den Herrn Dr. I. Lar o, Rabbiner in Pilsen, endgültig besetzt. Dies« Wahl wird hier allseitig mit Freuden begrüßt. Unser neugewählte Rabbiner macht den Eindruck eines Manne«, der auf der Höh« seiner Aufk steht, der edle» Wollen »ad bedeutendes Können in 1 vvcemigt, eines Mannes, der von einem höheren Thatrn- -estckt ist. Di« Predig», die er am jüngst« Samstag tfot tintm distmguirtea Publituuh das aus all« PartrGchattirong« zusammengesetzt war. in de» hiesige» Tempä geholten hat, riß all« Herz« i« Sturm mit sich fort. Tie war auch in Form und Wesen ej» vollendete» Meisterstück, auSgyrrchnet durch die Pracht der Sprache und getränkt mit Gedanken und reichem Inhalte, die, mau könnt« beinahe sagen, da« knappe Sprachgewand mtt ihrer schwellenden Fülle zu sprmgen drohten. Es war eine Stund« geistigen Genusses und wahrer Erbauung, die un» dieft Predigt geboten hat. In gleicher Weise entzückte die Trauungsrede, die wir Tags darauf von ihm zu hören Ge» legrnheit harten, alle Anwesendr« durch die Lieblichkeit ihrer Form und die originelle Vortragsweise. Seiner oratorischea Begabung kommt sein herrliches, metallvolles Organ ganz besonderzu statten. Wir glauben mit Recht anzunehmerr, daß unser neuangesrellter Rabbiner alle Hoffnungen rechtfertigen wird, die wir an ihn knüpfen. H:rr Dr. Caro findet aber auch hier einen gedeihlichen Boden vor für eine segensvolle Thätigkeit Die hiesige Gemeinde ist ausgezeichnet durch ihre Intelligenz wie kaum eine audere, es fehlt ihr auch nicht an Sinn für Wohlthätigkeft, wofür die vielen humanen Anstalten sprechen; aber hier gilt es den beinahe׳ ringeschlafenen Funken der Begeisterung in den Herzen wieder wachzurufrn; wir brauchen einen geistigen Mittel- Punkt, um den die zerstreuten Glieder sich wieder finden sollen, wir brauchen einen Mann, der die Fahne des Lichtes hier entfaltet, und rin solcher kann sicher sein, daß man von allen Seilen sich um ihn schaaren werde; wir brauch« einen Mann, der nicht die kon«ntionelle Utilftät zum Ausgangspunkte nimmt, sondern zielbewußt da» Gemeinwohl anstrebt. Ein solcher Führer findet hier ein breite«, ausgiebiges Gebiet segensreicher Tyätigkeit und unsterblicher Verdienste. Wir hoffen ihn in Herrn Rabbiner De. Caro gefunden zu haben und begrüßen ihn in dieser Hoffnung mit dem Psalmzurufe:!nv» צלח רכב על 1בר N, S. 3t«ttF«rid>. Varls Die ״Revue de deax mondea“ vom 1. April enthält einen hochinteressanten Artikel von James Tarma st etter .Die Propheten Israels und ihr neuester Geschichtsschreibe!". Der Artikel ist eine scharfe Kritik des dritten Bandes der Geschichte Israels von Ränan und schließt mit der These: .Die Religion des IS. Jahrhunderts ist in ein«, gewaltigen Krisis, welche die Versöhnung der Wissenschaft mit dem Prophetismus 'erzeugen wird." (Wir werden der. Besprechung des Ränan'schen Werkes auf den Artikel zurückkommen.) — Ein geistreicher Witzling des ״Vviver« iareelite׳‘ erklärt den schönen Styl und die Schaffensfreude Rsnaa'S, dem das Leben bisher immer ko hold gewesen, durch Job 39,13 רננים נעלמה »H2 .die Feder Ränau's wird sich immer fröhlich regen". (Sollte damit vielleicht nicht eher das Flatterhafte seiner Hypothesen anaedeutet sein, indem er nur allzuleuht die Conjecturalflügel schießen läßt) Maris. Adolph Hinstin, ein geborener Pariser, 60 Jahre alt, bisher Offizier d« Generalstat»« ist zu« Divisionsgeneral ernannt worden. Derselbe ist rin Schüler der polytechnischen Schul«, kämpfte 1858 in den Passt» von Sebastapol und wurde zweimal verwundet. 1868 war er Bataillonsches, 1878 Oberst und 1881 Brigadegeneral. Hinstin ist der vierte jüdische Gmeral, der Dienstzett nach Brisac zur Reserve und Reträite. Frankreich, dessen Armee nach militärisch« Angaben deutscher Militärs ausgezeichnet sein soll, zählt vier aktive jüdische Generale und die Wckt geht noch nicht unter. ate un« da» uererartjmr varra» 4a [fyäriftci »rackeret (in Wtea, Mechikharisirnßaffe 4) Firmen grati« und franko eine «e« M« Im« tUtUtm bekannt, bit alle gewshnltchen Jnsera« an «trtfamkeit bedeutend übertrrffen fall. Inner» bichdrrtsche» »»« fchrislstrttrrttchra rate««, den «ro zur ltnerarffche» Laucha zu ebnen, scheint sich da« ltterarlsch» Burma »er Atechtlhariftrn-Vnchdr»«Irret in >i« (Mechtthartftengafie 4) zur Anfgabe gemacht zu habe«, da es denselben taut Inserat Tddrack ihrer Srzengnift« t» einer verbretreie» illustrierte« Zeitschrift verspricht.