Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 17/18 (22.4.1891)
- Date
- 1891-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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E5 ״cynische Frivolität-, wenn wir sagten, den Kirchen und den Gläubigen seien die Ereignisse, welche an den christlichen Festen gefeiert werden, heilige Geheimnisse, die der Sterbliche gläubig hinnimmt, und es sei darum Thorheit, sie zu widerlegen, Rohheit sie zu sckmähen. Aber der ge׳ lehrte Bischof Dr. Konrad Martin schreibt in seinem Lehrbuch: ״Die Lehre von der Dreifaltigkeit ist ein hohe- und uaergründliches Gehrimniß, dem sich der Christ in demüthigem Glauben unterwirft". Der Mann ist uns in Theologicis mehr Autorität als das Antisemitenblau. Wir hätten dieser ganzen Angelegenheit gar nicht mehr Erwähnung gethan, wenn nicht Dr. M. Horowitz, der Rabbiner in Frankfurt a. M. in einer jüngst veröffentlichten Predigt, es für nothwendig erachtete noch einmal sich gegen Maybaum zu erheben.*) Die Absicht des Frankfurter Rabbiner ist, das nehmen wir an, die allerbeste, er betont, daß schon im Talmud zu lesen ist: ״Die Frommen aller Völker haben Antheil an der ewigen Seligkeit". Also auch der Talmudjude, um das reizende Won unserer Widersacher anzuwenden, giebt zu, daß auch außerhalb d«S Judenthums Seligkeit zu erlangen ist. Darin hat Horowitz zweifellos Recht; aber ist Maybaum so talmudfeindlich, daß er den Satz leugnet? Spricht May» bäum den Christen die ewige Seligkeit ab? Berner leugnet die Weltmission des Judenthunis, weil wir keine Missionäre aussenden; von andern Gründen abgesehen ist schon der Umstand, daß nach unserer Anschauung auch der Andersüläubigc selig werden kann, eine Erklärung, wenn uns die MissionSarbeil minder wichtig erscheint. Aus diesen einen Punkt, allerdings den wichtigsten und entscheidenden, bezieht sich unsere Zustimmung zur Horowitz'schen Predigt. War schon die Maybaumsche Rede nichts weniger als ein Kunstwerk und waren sehr heterogene Dinge in ihr ineiuander gemengt, so ist Horowitz' Predigt ein Muster, wie man nahezu Alles in den Blbelvers hineinstellen oder vielmehr hineinpressen kann, und das nennt dann Herr Janhagel geistreich. Der Leuchter mit den sieben Lampen sind die sieben Gebote der Söhne Noa's. Weil es nun gerade so paßt heißt rS dann weiter: ״Aus diesen sieben Lehren bestand das ganze Religionsgesetz aller unserer Stammväter bis zur Offenbarung auf den Höhen des Sinai." Wenn das Maybaum geschrieben und das Gebot der Beschneidung und das Verbot die Spannader zu essen, weggelassen hätte! ״Das Allerheiligste ist uns das Bild unserer Religion, der für Israel gegebenen Lehre". In diesem Allerheiligsten war nur die BundeSlade, in dieser Bundeslade nur die beiden steinernen Tafeln mit den zehn Worten; in diesen zehn Worten sind nur Gesetze zu lesen, die alle civilisirten Völker angenommen haben, und nun soll gerade das Allerheiligste das Sinnbild einer Stammesreligion sein, die nur die Juden angeht! ״Wir tasten nie an das allen andern Söhnen Noa's gebliebene Recht, ihre Vorstellung vom Schöpfer des Weltall« »ach eigenem Ermessen sich zu blldeu." Was heißt das: wir tasteu nie; gewiß, wir zwingen die Menschen nicht durch Feuer und Schwert, durch Baun und Marter, aber wer die Wahrheit hat, soll sie verbreiten! sind nicht unsere täglichen Gebete Proteste gegen die Anschauuug der Söhne Noa's, Proteste gegen das Heidenthum? Uns wäre es nicht in den Sinn gekommen, well wir das Lhristenthum als eineu ungeheurru Fortschritt über da« Heidenthum bettachten, all« nicht jüdischen religiösen Meinungen in gleicher Weise in der Ansicht der ״Söhne Noa's״ zusammenzusaffen! Auch der Kampf des Geistes ist ein Antasteu, auch das Gebet, daß der Tag komme, an welchem Sott e inzig und sein Name einzig, ist ein solche- Antaftr». Niemand hat ein ״Recht" *) ״XM StistSM «i» «U» »er Kdifij«." auf Jrrthum, nur muß der Stteit mit geistigen Waffegeführt werden. Von den beiden Cherubim ist dem orthodoxen Manne der eine natürlich da- Sinnbild der schriftlichen Lehre, der andere das Sinnbild der mündlichen lleberlieserung: wäre t. .. Im Guten geht Alles. Die Rede hätte, um als eine Kundgebung des Juden« thums über unsere versöhnliche und durchaus duldsame Stellung zu Andersgläubigen und vollends zu unfern christliehen Mitbürgern zu gelten, alle Deutcleien und Düfteleien fallen lassen müssen. Der Wille war gut und ist anzu« erkennen. _! Gründliche Widerlegung de» ״Antisemitenj Sntechi»««»". j (Fonsetzung.) ». Hat man aber nicht Im Mittelalter sie Inden ihre» > Skeligi»» »e,«n »erfolgt? j ״Auch das Ist eine unrichtige Auffassung. Die Ursache der BolkSwut gegen die Juden im Mittelalter, wie zu allen Zeiten war — d.r | jüdische Wucher und die Ausbeulung aller Lolksklassen durch; jüdische Ränke und ikniff'e."! Sonderbarer Schwärmer! Sonderbare Anschauungen j vom Mittelalter! Wir raten dem Verfasser des Katechismus sich von einem Sextaner etwas über das Mittelalter erzählen zu lassen. Hat er denn nie etwas von den Hostienschändungen, den rituellen Kindermorden, von der I»« quifition und so vielen anderen schönen Erfindungen des Mittelalters gehört? Oder hält er etwa das ״Glaubensgericht" für eine Wucherconttole? Die ausgedehnteste Juden- Verfolgung des Mittelalters ist wohl diejenige, die ihren Abschluß in der Vertreibung der Juden aus Spanien findet. In dem Ausweisungsedikte findet sich nirgends erwähnt, daß dir Juden irgendwie Wucher getrieben, dem Volke das Mark ausgesogen, die Güter ausgeschlachtet, kurz sich übermäßig bereichert hätten. Und es wäre doch wirklich ein so schöner Vorwand dafür gewesen, daß man den Juden Hab' und Gut nahm, und sie nackt und arm zum Lande hinausjagte. Aber nichts von alle dem findet sich in dem Edikt, (es ist abgedruckt bei Miranda y Jangaaa, diooionario de Historia y Antiguades de Navarra, Art. Jadio* vgl. ferner das dioo. de Antigaadadee derselben Vers. Jadios II p. 117), sondern es setzt auseinander, daß der Rückfall der getauften Juden in den ״jüdischen Unglauben" im Umgänge und Verkehr mit den übrigen Juden seinen letzten Grund habe, und zwar jene Rückfälle seien eine Schmach für den katholischen Glauben u. s. w. u. s. w. ״Da« Edikt Ferdinand« und Jsabella's legt ein gutes Zeugnis für die spanischen Juden ab, daß ihnen kein anderes Berbrechen zur Last gelegt werden konnte, als daß sie tre» in ihrem Glauben blieben und ihre marannischen Glaubens« genossen darin zu erhalttn suchten." Ja de« 13 Jahre« allein von 1485 bi« 1498 wurden in Tastlliea «lehr «lS 8000 Jude» als uutußfertige Ketzer lebendig »ertnurat Torquemada« Nachfolger, Deza, der im Jahre 14V8 Großinquisitor wurde, errichtet« noch bei weitem mehr Scheiter» Haufen für die ״jüdischen Ketzer" als sein Vorgänger: I« Deutschland erklärte» Attch« und Staat den Ucherttitt vo« Christentum in'« Judentum für ei» Kapitalverbrechen während man durch Drohungen und Gewalt dea Uebertritt der Juden zum Christentum erzwang. Wir fragen ernstlich: ״Richtet sich da« gegen jüdischen Wucher oder gegen die jüdische Religio?" Im Jahre 1241 verhinderten in Frankfurt jüdische Eltern die Laufe ihres Kindes; die Folge war, daß 189 Juden lebendig verbrannt wurde«. Haben etwa Tauft und Wucher etwa« gemein? Gewiß doch uicht! Oder will Herr Früsch etwa mit de» Wucher der Jude» «» sam men bringen, daß die Jnvrnbeschränkuageuuud Iudch^,