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Israelitische Wochenschrift · 1891-04-16 · 16 (16.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
16 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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wollen. Hierfür will ich einen Fall erzählen, der sich vor wenigen Tagen in Landsberg a. W. zugetragen hat. Dort wvrde eine socialdemokratische Bersammlung abgeholten. zu der ein Redner aus Berlin verschrieben war. der seine Rede gegen die Religion mir vielen Aussprüchen des ״Nazareners״, wie er Christus beharrlich nannte, verbrämte. Al« er geendct, wagte keiner von den Anwesenden daS Wort zu einer Entgegnung zu ergreifen, Schließlich erhob sich ein Herr und sagte: .Zufällig bin ich hier in diese Bersammlung gerathen und kann nicht umhin drm Redner zu erwidern, daß sich die Juden von ihm und seiner Parthei den ״Gott Abrahams, Jsaak's und Jakobs" ebensowenig au« dem Herzen reißen lassen, wie die Christen das schöne Lied: ״Jesus meine Zuversicht" — und wissen Sie, wer dieser Mann war, der hier die Religion vertheidigt hat? ES war der jüdisch« Amtsrichter Dr. Peyser aus Königsberg in der Neumark. Ich wünsche wohl, daß dem Herrn Stöcker diese Thal eines Juden bekannt würde/' So weit di« Erzählung des evangelischen Pfarrers, die ich hiermit wahrheitsgetreu wiedergebe. Ta der andere Herr seinem Busenfreunde Stöcker schwerlich davon Mittheilung machen dürste, so übergebe ich d׳rses Gespräch der Oesientlichkeit,׳ vielleicht gelangt es aus diese Weise an die gewünschte Adresse. Dem Tr. P. aber sei hiermit ein ״Jascher koasch" für seine ״Kidusch haschcm" gesagt. P l ocki. Kikdeshet«. Das hiesige ״Tageblatt" bringt einen Nachruf, aus dem ein Auszug auch weitere Kreise interessiren dürste. Es heißt darin: ״Ein Original im besten Sinne des Wortes ist mit drm gestern beerdigten Kaufmann David Popper aus unserer Mitt geschieden. Derselbe war ein eifriges, stets gern gejehenes Mitglied der Freiw. Feuerwehr, das durch seine oft bewährte Tapferkeit, Selbstlosigkeit und Aufopferungsfähigkeit sich große Berdienste erworben; trotzdem er vor eine» Jahr bei seinem edlen Rettungswerk au» Aeuersgrfahr schwer ver» «glückt war, so daß er viele Wochen das Bett hüten mußte, so wollte er sich dennoch nicht schonen, wo «4 gal», seinem Mitmenschen hilfreich beiruftehen, jo oft das Signal ertönte. Die treuen Kameraden eegletlrlen Ihn fast vollzählig zu Grab«, an welchem Herr Landrabbiner Dr. E u t t m a 1, n eine tiesergreisende Trauerrede hielt. Seine zahlreichen Freund«, ohne Unterschied d«S Glaubens und Standes, von denen jeder etnzelne behauptet, daß es einen gutmütigen», gemüthvollern Menschen niemals gegeben habe, werden ihm ein gute« Sudenken in ihrem Herzen bewahren." DaS Leben und die segensreiche uneigennützige Thätigkeit dieses biedern einfachen und doch in allen Kreisen beliebten und hochgeschätzten Manne« verdienen besonder« in heutiger Zeit hervorgehoben zu werden, weil sie in erster Reihe geeignet sind, die Angriffe unserer Feinde zurückzuweisen und zu zeigen, was ,praktisches Judenthum" heißt, denn es läßt sich doch nicht bestreiten, daß es überall solche wackere, thatkräftige jüdische Mitbürger giebt, die durch ihr patriotisches Wirken und Schaffen sich die schönsten Lorbeeren erringen und uns allen zum Heil gereichen. A. Z. #u zSestfnle», 1. April. Aus Einladung de« Borstände« der Eynagogen-Gemeinde zu Bielefeld traten dastlbst am 20. v. M. die Vertrrter einer Reihe von iSraelitilchen Gemeinden Westfalens zur Gründung eines Gemeinde-Berdandes für die Provinz Westfalen zusammen. Zweck des Verbandes ist laut tz 2 der Statuten vornehmlich: Ersirebung eines einheitlichen Gottesdienstes unter Zugrundelrgmig eine« einheitlichen Gebet- und Gesangbuches (unter größerer Berücksichtigung de« deutschen Gebetes, Gesanges und Borttages); Abhaltung von Wanderpredigten in solchen Gemeinden, Mlch« eines eigenen Prediger« entbehren; Ausarbeitung einheitlicher Lehrpläne für Religionsunterricht in den Schulen der BerbandSgemeinde und Einrichtung d«S Religionsunterrichtes in solchen kleinen (nicht organisirten) Gemeinden, in denen kein regelmäßiger Religionsunterricht ertheilt wttd, Schaffung von Einrichtungen, welch« mehr das Berwalt»ng«wesen der Gemeinden berühren, namenttich Bekämpfung der Wanderbettelei. — Die durch den Borsitzenden des Bielefelder Gemeiude-Borstandes Herrn Banquier Katzen st ein rröffnete und geleite»« Basammluua war r cn cnra 80 Tcligttten dcr verschiedenen Gemeinden befncht. Es erfolgte die Durchberathang nad' schließliche'AmÜH der Statuten — Am Morgen de« SO. fand dann ber meindetag statt, auf welchen der Verband sich mit ca. 25'/ durch Deligirte vertretene Gemeinden koastituirte; außerdem' hatten ca. IS nicht vertretene Gemeinden ihren Beitritt an•'‘- gemeldet, sodoß von den 80 wirklichen Gemeinden Westfalens״ schon heute etwa dir Hälftt de« Berbande angehört. All-- - jährlich soll in einer noch näher zu besttmmende» Zeit rin Gemeindelag stattfinden. In den mit der Führung der Geschäfte betrauten Ausschuß, dem 3 Kultu;beamte ange-, hören müffen, wurden sodann gewählt die Herren: Katzen•' stein - Bielefeld (Vorsitzender), Soldschmidt - Dortmund,״' Stein b erg-Münster, Lieben selb-Bochum, Stern» Hagen, Ste in ber g - Selsenkirchen- Ncukamp-Soest,, Ema n el-Höxter, Tchö n be ck-Nieheim, sowie di« Knltu«^ beamten Eablenz-Bielestld, Laupheim-Bochum, Ost•׳ wald - Witten. Der Ausschuß wählte unter sich Kommiffione», denen die Arbeiten rach den verschiedenen Richtungen hin. überttagen wurden, darunter auch eine Schaffung sogenannter Centtal - Armenverbände nach dem Muster ,des Central- Armenvcrband»« Bochum". — ES verdient Hervorgeboben zu werden, daß sämmtliche Anwesend« von der Ueberzeugung beseelt waren, daß nur durch gemeinsam« Arbeit unp durch Hinstreben nach einem gemeinsamen Ziele etwa» Er• spricßliches und Bleibendes geschaffen werden könne. Oefterreieb U»O«r». Wie«, lieber den Ausfall der Semeinderathsivahlen des zweiten Wahlkörpers sind die hiesigen Blätter voll von Befriedigung. Die Banncttrüger des Antisemitismus habe« sich aber bei chrer Rechnung geirrt, sie haben mit der Intelligenz der Wähler zu rechnen vergessen. «Während in Berlin erwiesenermaßen unter der Bismarckschen Aera viele Beamte für die Stöckerianer stimmten, ist in Wien Vorzug«- weise den B r a m t e n und L e h r e r n dcr Lieg zu verdanken.) ׳ Die Beamten und Lehrer haben durch ihre -Haltung bewiesen, . daß in ihren Kreisen Sinn und Berständniß für die Bedeutung Wiens, für die steiheitliche Entwickelung dieses großen iÄcmeinwesens besteht. Die Prophezeihung, daß die antistmittschc Partei 71 Mann stark im Gcineinderathe vertreten sein werde, erweist sich als Hallucination. — Im ersten Wahl- 1 körper wurden heute 44 Liberale und ein Antisemit (in ׳ .Hernals) gewählt. In diesem Bezirke ist auch eine Stichwähl erforderlich. Der neue Gemeinderath zählt daher fn« - auf die erwähnte Sttchwahl i>6 Liberale und 41 Anttsemiten. Die Hoffnung der letzteren, im Wiener Gemeinderat bei den diesmaligen Wahlen die Mehrheit zu erlangen, ist daher ׳ lläglich gescheitert. (In dem bisherigen Gemeinderath zählte« die Anttsemiten 42, die Liberalen 78 Mitglieder.) — Eine Deputation jüdischer Kaufleute Galiziens ist hier eingettoffen, um den Handelsminister um Abhilst gegen ׳ die russischen Paßquälereicn zu bitten» 'd 3«Mca. Die zweite diesführiae Preisvertheiluug antue Schülerr deS E. D. Sassoon'schen Wohlrhätigstit«•^ instituts fand am Sonntag, den 7. März (Sabbath Wajakhel)ל' in Braganza Hall, Bycallo, dem Landsitze de« Gründer»/^ der Schutt statt. Herr Edward Saffoon, Sohn de« Gir^ Albert Saffoon, welcher sich zur Zeit mit seiner Gemahlin'.^ auf einer Tour in Indien befand, führtt den Vorsitz^ Unter den Anwesenden befanden sich auch deffen Mutter 2־ Lady Saffoon, Herr und Madame Saffoon und eine große -ij Anzahl Herren und Dame» au« der jüdischen Gemeinde. ".י־׳ י Herr E. Meyer», Ehrensekrrtär, «rstattrtt Bericht über ־.'? da» abgelaufene Schuljahr. Auf den Ursprung der Schutt 1 zurücvommend, fühtt der Bericht an: ״Auf Beispiele von ׳. Freigebigkeit stößt mau in allen Theikn der Welt; e» ge-׳'^ reicht aber diesem Land« zum besonderen Ruhme, intter deffen philanthropischen Bürgern der berühmten Fcnniltr / Sassoou zu begegne« und besonders auf dem Gebttte ״ Unterricht« und der Erziehung könne» dst Aumltt» "

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