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Israelitische Wochenschrift · 1891-04-16 · 16 (16.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
16 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Hemghums, da« dann »Lager. al« vier Jahrhunderte der Mittltpuntt de« religiösen Äben« in Israel gewesen ist. Ein« ähnlich« Empfindung, wir sie einstmals den stammen König zu heiligem Werst gemahnt hat, ist die Ursache, daß st» unserer Zeit so viele prLchtige jüdische Gotteshäuser in deutschen Gauen erstanden sind. In sehr vielen Fällen be» üßen die Gemeinden ein Gotteshaus, das den nothwendigsten Ansprüchen genügte. Aber die Israeliten sind durch die Gnade Gottes, durch dir Weisheit und Gerechtigkeit der Fürsten und des Volkes hinausgeführt worden aus der Enge deS Ghetto, aus den, Elend der Rechtlosigkeit und der Einiedrigung. sic dürfen frei sich regen. Der Charakter hat sich gefestigt, der geistige Ausblick hat sich erweitert, der Wohlstand ist gewachsen, die ganze Lebensführung ist reich׳. und behaglicher geworden, wir haben uns allem bürgerlichem Streben m Stadt und Staat freudig angeschlossen, das GotnShauS ist da« öffentliche Wahrzeichen der rrligiSsrn Gemeinde, und da die jüdischen Gemeinden durch die Segnungen bürgerlicher Freiheit sich völlig gewandelt haben, so ist eS naturgemäß, daß auch die jüdischen Tempel ihren Ghettocharakter verloren haben, daß Neubauten sich erheben, die den, Kunstsinn »er neuen Zeit entsprechen. Diese schönen, twichgeschmückten Synagogen, die aller Orten aufgerichtet worden, sind glänzende Zeugnisse, daß Sott Israel aufge» richtet, sind Opfer des Danke« dem Gotte dargebrocht, der dir Zeiten änderte. Auch unsere Gemeinde hat sich, wenn- G«ch mit schwerem Herzen, dazu entschlossen, das alte Gotteshaus zu verlassen und ei» neues aufzubauen; mit schwerem Herzen denn an dies alte Hau», an die Stätte, auf der rS steht, knüpfen sich die schmerzlichsten und lheuersten Erinnerungen; jeder Stein predigt, daß die Väter in allem Drucke treu geblieben sind dem alten, am Sinai geschlossenen Bunde, in diesem alten, verwitterten Hause haben wir sodann die Feste der Erlösung gefeiert, haben wir uns als Deulsch« zusammengrfunden, um Gott zu danken für die Erneuung deutschen Ruhmes und deutscher Größe. Wie «inst daS StiftSzrlt den Vorfahren, ist nnS in dieser Grmrinde da» alte Haus heilig und theuer. dennoch ttotz der Verehrung, die König David dem Stiftszelt zollte, fühlte «r di« Verpflichtung, «inen neuen Tempel herzustrllrn, stattsicher und prächtiger al« da« Stistszelt, dadoch von Mose herrührt«, in dem Aron und Josua, Eli und Samuel zu Gott gebetet hatten. So ist auch diese Gemeinde bei aller Pietät für die Stätte, wo so viele Geschlechter durch Gebet sich grstärtt haben für den Kampf des Leben», dazu ge- " schritten, in diesem schönsten Theile unserer Stadt einen Tempel zu bauen, der in seiner Schönheit dafür zeugen soll, haß bessere Tage für uns gekommen sind. Wie wir mit unserer ganzen Seele zur Bürgerschaft gehören, so stehe fortan unser Heiligthum nicht mehr abgesondert, in einem -Entlegenen Winkel, sondern mitten unter den schönsten Bauten dieser Stadt und gereiche dem Ganzen zur Zierde. Unsere Gemeind« ist nicht groß an Zahl, um so größer ist das Merdienst, daß innerhalb wemger Tage nahtzu die Hälfte '^r Bausumme durch freiwillige Beiträge zusammengebracht worden ist. Hier zeigte es sich wieoer einmal, daß die ,׳'Begeisterung für daheilige Erbe der Väter noch nicht;'«loschen ist, daß auch diejenigen unter unS, die manch über- Mommenen religiösen Brauch abgestreist haben, treu zum FLudenthum halten. In erstaunlichem, unermüdlichem Eifer war die Verwaltung bestrebt, das heilige Werk zu fördern und ^»ackere, sachverständige Männer haben uns unterstützt. Der KAauplan, von künstlerischem Geiste entworfen, erweckt die daß der fertige Bau sich auszeichnen wird durch Schönheit, durch schlichte Würde. Aber noch stehen wir . am Anfang; jeder Hoffnung ist die Sorge zugesellt; der 1 Bau ist schwierig, wird kiu Unfall ihn treffe»? Werden alle diejenigen, die an chm beschäftigt stad, heil und gesund Baustätte verlassen? Es wird noch ei»r beträchtliche vergehen, bevor die Lrbest vollendet ist; werden alle ligeu, die deu Plan ersonnen haben und fast tä^.ich um ihn sich bemühen, die Vollendung dieses Tcnipels schauen? Manch« Gefahr zeigt sich für den Friede« der Welt; wird der Frieden dem theuern Vaterland« erhalten bleiben? Wir slhruchen die Sorgen und wir beleben unser Hoffen, indem wir zu Dir, Allgütiger Gott, unser Gebet emporsenden. Wir t>eten für unfern geliebten Kaiser Wilhelm II., mögen alle die Pläne, die er zum Heile seine« Volkes sinnt, gelingen und das Bolkswohl wahrhaft fördern; halst Deine Hand über unser deutsches Vaterland, daß Friede und Wohlfahrt jeden seiner Bürger beglück-, schütze diese Stadt, daß, wie bisher rin steier Bürgersinn in ihr rvalte und ihre Insassen selbstlos dem Grsainmtwohl dienen; segne unser« Gemeinde, alle Diejenigen, die durch Rath und That und opferwillige Spenden den Bau des Heiligthums fördern; Deinen Segen zumal den Gönnern, die nicht zu unserer Gemeinde gehörig, uns steigiebig unterstützt haben, behüte Du, o Gott, alle Diejrnigrn, dir bei diesem Bau arbeiten, daß Niemand Schaden nehme; dem Serubabel. der c,nen Tempel planst, verhieß einst der Seher: Deine Hände haben dies Haus gegründet. Deine Hände werden es vollenden. Mögen auch oe» diesem Heiligthum alle Di-senigen, die jetzt Zeugen sind, wir wir den Grundstein einsenken, es in Gesundheit und Rüstigkeit erleben, daß der Schlußsstin eingefügt wird. יהי שלום בךילז־ן J ״lieber diese Mauern rufe ich Heil und Frieden!" Amen. 1 Hieraus folgte dir Borlesung der StislungSurtnnd« durch den! Vorsitzenden de» Borstand«», Herrn Bankier Landsberger. In der-! selben wird namentlich der Berdienste de» Borstandr», d«S Herrn Stadt»! dauraih» Wtilgen und der Architekten «besser und Kröger in Berlin, welche den Plan zum Synagogenbau entworftn, Erwähnung getan. Sodann geschah die Einsenkung der Urkundendüchse, welche auher den zeitigen Berichten über den Stand der jüdischen Gemeinde und der städtischen Verwaltung, der Beschichte der Juden in Gloaau re., auch di« oeaenwäntg cursirenden Geldwerthe von 20 Mark an bl» zum Einpfennigstück und je eine Nummer der beiden hiesigen Zeitungen enthält. Der nun folgend« Hauptaktu« der Feier, die Zumouermlg de» Grundstein» geschah unter, den üblichen Stnnsprüchen Herr Dr. Rippner that die ersten Hammerschläge und begleitet« den seieritche« Akt mit folgendem Stnnspruch: »Der Grundstein ist: Gott und den Nächsten innig lieben; die« Grundwort bleib' dem Grund der Herze« eingeschrieben!- Herr Landsberger sprach: »Den Gottlosen zur Bekehrung, der Gemeind« zur Belehrung und Gott zur Bekehrung:- Herr Recht»anwalt Friedmann: »De» Bösen Eckstein, de» Guten Grundstein, der Genieinde Edelstein!- Auch di« anderen Herren, dir durch ihr Amt dazu berufen waren, die Hammerschläge auSzusühren, begleiteten diese Handlung mit weihevollen und erbaulichen Worten. Den Schluß der erhebenden Feierlichkeit bildete der von der Gemeind« gesungene Choral »Lobe den Herren, den mächttgen König der Ehren.- An die religiöse Feier schloß sich «in Gabelfrühstück, bei welchem Herr Landsberger einen Trinkspruch aus die Architekten, Herr Recht»anwalt Friedman» auf den Stadtbaurath, der Borst Send« der Repräsentanten, Herr Levy, aus den Rabbiner, al» aus den »Grundstein de» religiösen Leben» in der GemeindeauSbrachte. Dieser wie« in seiner Ernstderung u. A. darauf hin, »ab Salomo sich beim Tempelbau, um da« Beste zu erreichen, Baumeister au» der Fremde, vom Könlg« Hierum in Tyru», ׳ hatte kommen lasten, so hätten di« Glogauer, obgleich e< jüdisch« Architekten und jüdisch« Baumeister gebe, um da» Beste zu erlangen, di« Hilf« von Rlchtjuden gern angenommen. Bon den Borsteher» wurden bäonder» die HH. Landsberger und Bei«st«in gefeiert. Der D. I. G. B. nahm die Gelegenheu wahr, zur Grundsteinlegung zu gratulieren. Akut»», Westpr., 13. April. (Or.-Cor.). In einem Eisenbahnwagen auf der Strecke Cüstrin-Berlin hatte ich vor einiger Zeit Gelegenheit, ein Gespräch mit anzuhören, das zwischen einem Herrn, der sich für einen mit dem verfloffenen Hofprediger Stöcker befreundeten und im intimen Verkehr stehenden Mann ausgab, und einem evangelischen Geistlichen aus Cüstrin oder aus der Nähe von Eüstrin geführt wurde. Auf die Frage des ersteren, wie letzterer sich zu Stöcker und seiner Ansicht stelle, antwortete der Geistliche: ״Ach bin ein sttengglänbiger Geistlicher, halte es aber für ein Glück, daß dieser Mann feiner geistlichen Würde entkleidet worben ist. Er hat mit seiner Hetze viel Unheil «»gerichtet und zu den vielen Tausenden, die schon der evangelichen Kirche entfremdet waren, noch Tausende hinzugefügt. Wenn ich auch zugeben muß, daß unter den Juden sich unlautere Elementt befinden, so sind solche doch aber auch unter Christen nicht selten und daß es viele ebrrnhafte Juden giebt, die uns als Muster dienen können, wird doch gewiß Niemand in Abrede stellen

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