Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 16 (16.4.1891)
- Date
- 1891-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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יי .« _ r u«8n, bm ehrrnwerthe» Andnckn drS ver- -störbearn Herrn E. D. Sassoon. dessen Namen «ft der ^Synagoge und Schule so eng verknüpft ist, den Tribut der Anertrnanng z» zollen. Die von ihm gegründete Schule wurde am 8. November 1886 eröffnet und wird seitdem von seinem würdigen Sohne und Nachfolger, Herrn Jacob Sassoon, welcher die Förderung der wohlthätigen Absichten dem Testamente des Gründerentsprechend, fest im Auge behält, mit besonderem Interesse beaufsichtigt * Nachdem hierauf Madame Edward Sassoon die Preise verrheilt hatte, hielt der Vorsitzende eine Ansprache, welche sich über di« vorzüglichen Leistungen der Schule verbreitete, in welcher er u. a sagte: »Welch' schöner!» Beweis von dem Segen und der heilbringenden Wirksamkit dieses Central- Instituts können wir haben, als daS geiswolle, muntere hoffnungswahlende Aussehen dieser Knaben und Mädchen, die mit ihrem durch den Sporn der unerläßlichen Nothwendigkeit gebildeten und geschärften Verstände, mit Eifer und Liebe Sde Gelegenheit ergreifen, ihr Wissen zu mehren, ihre itdung zu fördern, um sich selbst eine gesicherte Lebensstellung zu schaffen und ihre Eltern in deren Alter unterstützen zu können; während diese Kinder vielleicht im andern Falle in Folge unzureichender Mittel und durch den Drang der Verhältnisse der Aussicht der Eltern entzogen sich aus den Straßen Herumgetrieben hätten, dem moralischen und geistigen Ruin preisgegeben, zum Nachtheil ihrer selbst, zur Rückenden Last für ihre Verwandten und zur verheerenden Pest für die menschliche Gesellschaft * Hierauf sprachen noch die Herren R. H. S. Jsaacs und Meyers, welche in geistreicher We>se auf die Personal» unio» zwischen den Rothschild'- de- Orients und des Cccilrtnt« anspielten. (Tie Gemahlin des Edward A. Sassoon /ist bekanntlich eine Tochter des Baron Gustave de Rothschild in Paris) Nach diesen Vorgängen erfreuten die Kinder, der Anstalt ihren hohen Besuch noch durch vortrefflich ausgeführte deklamatorische und GesangSvorträge. Vermischte «ich »e«eße N«chrichte«. MaDstesneg. dl ach einer Privatdepesche der .Magd. Ztg.' erlieg der neu« Gouverneur von Moskau, Großfürst Sergius, einen ' .־Skftty, durch den 14,000 jüd. Handwerker ausgesordert werden, innerhalb Jahresfrist die Stadl Mvsta» zu verlaffen. Zahlreich« Kausleule erhielten gleichfalls den Auswetsedefehl, doch ist ihnen eine 'zweijährige Frist zugestanden. Wärll«. Eine eigenthümlich« verleumdungsanNag« ist-äugenhticklich hier anhSngig gen acht worden Schlächtermeister M. ll ver- ' treite«« das Gerücht, dag die von der Firma M. Jacob zum verkauf gebrachten Fleischwoaren den rituellen Borfchrislea nicht rntfprächen Jacob hat nun den vermeintlichen Urheber und Verbreiter de» Gerücht« gerichtlich zur miii Verantwortung gezogen. 12. April. Berfa Her der anti semitische» ^Schmähschrift gegen Kaiser Friedrich, der vom Amte suspeudirte Betior Ahlwardt, stand gestern vor der Strafkammer unter der «»Nage der Unterschlagung. Derselbe hatte als Rektor an di« Lehrer dir Entschädigung für Ueberstuuden im Auftrag der Siadtkaffe - autzuzahlrn. Durch das eidliche Zeugnis der Lehrerin Dhümeke wird derselbe beschuldigt, den ihr schuldigen Betrag von 32 Mk. Himer sich behalten und unter allerlei Ansrrden in der Auszahlung verzögen zu haben. Es wird auch der Rachweis gesührt, das, A. sich in sehr miß» - Uche» Vermäacnsverhiltuisie» besunden hat. Ahlwardt versuchte sich s^.-att Opfer seiner antisemitischen Broschüre hinzusteUen. Er erzählte «ine lang« Geschichte, daß man ihm dt« Auflage seiner Schmähschrift hat« abtaufrn und ihn dann «ege» Erpreffongsversuch» habe »ollen "verhaften lasse». Di« Zeugin erklärte, daß sie in Bezug ans ihr Zeug- »i» von «iemaud deeinfiusg worden fei »rnd die Aussagen über da« Eingcüändniß des Ahlwardt schon bei ihrer Beraehmung im Diszip- Rnarversahren «gen Ahlwardt gemocht habe. Der Btrtheidiger de» Eknoeklagten bchanptek dagegen, baß in jeuer Aussage gerade der - Hast»» fehle, »ah der Angeklagte das Zugeständnis einer Unterschlagung .-gemacht habe. — Der Gerichtshof desHloh znnächst die Disziplinär- . -«btn de» «. von dem Provinzial-Schnltolle^um «inzusordern. Der Rektor Ahlwardt soll jetzt auch als Redner für de» Anniemitismu» Propaganda machen. Vor Kurzem hatte der «estsäUsche AnHsewftensührer Dr. König an« Mitten «ine Berfa«»», lnng hier einberusrn, in welcher ««Wardt über dt« »Machtmittel der Inden' sprechen sollte. «. mr indessen nicht erschienen, weil er, wie - er «elegräphtrte, erkrank» wäre. — Dr. Ktnig wurde von de« Pro- * ־ »er Geschichte an brr Akademie Münster Dr. K ausmanu , DEdsAbweg» Zn« hiesigen Land-Rabbiner ist der orthodoge Rabbiner Dr. Mannheimer in Lauenburg gewählt worden. Gnesr». Der Kaufmann Herr A. Radel mann hier, welcher seit viele» Zähren dem hiesigen Stadwrrvrdneten-Kolleaiam und Ge» «eindevarftand angehSrl und am 12 d. M. nach Berlin üdersiedelt. hat der Stadtoemeinde zu Änesen die Summe von 15tlO M als Stiftung überwiesen und bestimmt, dah davon der Bettag von 800 M. dem Grundstock der für die hiesigen städtischen Beamttn errichteten Wittwen- und Waisenkaffe zugesuhrl und die Zinsen von je 200 M. dem hiesigen »Vaterländischen Frauenverri»' und dem .jüdischen ׳Frauenverein' gezahlt werden. Herr Radelmann hm dadurch gezeigt, oah er ein Herz sür Stadt und Gemeind« hat, die ihm «ine dankbare Erinnerung bewahren werden. Gees«». Die hiesige Jacobson-Schule wurde in vergangenem Jahre von 231 Schülern besuch!, von denen 127 Juden und 104 Christen waren. Dieseiben uerlheilten sich aus 12 Lehrer (incl. Dir. Philippsohn). Im Alumnat befanden sich 122 Schüler. (Die vielfach an uns gerichteten Anscagen, ob der Haushalt rituell ist, und ob die jüdischen Schüler zur Beobachtung de« jüd. Leremoiiialgesetzes angchMteu werden, sind wir nicht in der Lage befriedigend zu beantworten.) Wotfenbüttel Aus dem Bericht der .Samson-Schule' entnehmen wir, daß diese Kklassige Schule, welche im Laufe des Jahres von US Schülern, daruntec 98 jüdische, besucht wurde, wovon 92 Hausschüler, 21 Freizöglinge und 14 zu halber Pension waren 10 Schüler wurden mit dem Reifezeugnis sür den einjährigen MUitärdienst «ntlasten ES wirken an der ׳Schule außer dem Direktor,Dr. Tacho») noch tl Lehrer. Jede Klaffe erhielt wöchentlich 4 Stunden in Religion und Hebräisch. Bon fremden Sprachen Französisch und Englisch «lehrt. bi. Hlng L»O»r» (Or.-Cor.' Di« große Prster Relmionsgemeinde nicht nur, sondern auch die ansehnlich« Gemeinde in Baja sucht einen Ehor-Canlor. Ter bisherige Cantor Herr Jeremias Mandl wurde aus sein ausdrückliches Anjuchen aus (Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand versetzt und mit einer ehrenvollen Pension durch Bor» stand und Repräsentanten unter Uebcrrrichung einer Adreffe der Gemeind« freiwillig bedacht. — Die König!. Ungar. Akademie der Siffenschasten nennt unter den Wohlthätern derselben zwei Glaubensgenossen: Baron Siegmund Schoßberger und Sirgmund Brody. Der Letztere stiftete 20,000 Gulden zur Prämierung einer publizistischen Arbeit. A4»«», 7. April. (Lr-Cor) Der Dampfer .Utopia', welcher hier Aaaren verladet, ist bekanntlich aus seiner Reise nach Rew-Aort bei Gibraltar gestrandet. Ta» Comitee der israel. Gemeind« in Gibraltar sandle on die hiesige (Gemeinde folgendes Telegramm: .Dampfer Utopia hier gestrandet, ersuchen anzugeben, ob au» Fiume Israeliten aus dem Schiffe waren, eventuell die Ramen derselben uns dekannt geben zu wollen. Comitee Jsroeiile ' Unter den 238 Er» trunkenen befanden sich viele Auswanderer au» Ungarn, jedoch waren keine Israeliten darunter. Das obige Telegramm war das erste, welches Kunde von dem Unglückssalle brachte, und ist das lheitnahmsvolle Jutrrrff« der israe.. Gemeind« zu Gibraltar jedenfalls lehr lobenswerth. gpcrrts Der Äroß-Rabbiner von Brüffel, Dreysuß, ist von dem pariser Konsistorium einstimmig dem Centtal-Konsistorium als Groß-Robbiner von Paris vorgeschlagen worden, was einer endgiltigen Wahl gleichkommt. Rach der Bestängung de« Präsidenten Carnot erfolgt mc sofortig« Ernennung. — Der Baker d«S Herrn D ist Rabbiner im Elsaß, wo er schon vor der Anuezioa sungirte, so daß Pariser Blätter di« Frage erörtern, ob der Sohn eine» deutschen Untertanen pariser Groß-Rabbiner sein könne. Vrapfsrd. 6. Avril. (Lr -Cor.) Lin« besonder« Feier fand hier letzte» Freitag in der mit Blumen und Pflanzen verzierten Synagoge statt. Es waren l0 Jahr« seit der Einweihung derselben und da» gab die veranlaffung, diese Erinnernng zu feiern. Der Rabbiner Herr Dr. Strauß hielt die Predigt, welch« allgemeinen Anklang f»«A Er sprach über die Bedeutung eine» Gotteshausrs und »er Gottesvcrehrung in demselben sür den Menschen, besonders für den Inden. — Bradford war bislang von polnischen Juden frei, aber seil der russischen Bet» folgung Hoden sich auch hier ca 20 Fam lien niedergelassen, die nicht dazu beitragen, dem Ramen Jude Ehr« zu machen G. s D. man Knut hier keinen Antisemitismus und hofft, daß wir davon sür immer sreibletbr». <l»s Nrganttwien. Rach dem neuesten Bericht des österreich» ungarische» Confulat» zu Buenos-Ayre» hat die Regierung der argentinischen Republik Herrn Julius Popper, unseren Glaubensgenoffe« au» Rumänien, welcher sich bisher aus dem Feuerland« «ft Goldgrabunae» bejchästigtc, daselbst 80000 Hektar Land überwiese«, unter der Bedingung, daß cr dort die Indianer des Stammes Qua» ' civilisirr. Da» Gespenst der Esther Solymoffy, derüch- Hat durch den Mordprozeß in Tisza Eszlar im Jahr« 1882, ist hier wieder ausgetaucht, und zwar in Fleisch und Blut in der Person einer gewissen Roßt Kohlma >n. Während eine Partei, Coroner Levy an »er Spitze, ein« hiesig« Zeitung und einige der damals Augeschuldiakn, steif und fest behaupte» und zu schwören bereit ist, baß me bett. Per» son die damal» als ermordet ausgegedene Esther, sei, behauptet sie selbst, unterstützt von Zeugen und einer andere» Zeitung, »aß sic mit der Todtg«laubtr1» nicht identisch sei, u. nichts von der gan^n Assaire Witte. Einstweilen hat sie sich allen Br richterstattcrn durch schleunig» Flncht entzogen. (Das verbachktg» sie erst «che.)