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Israelitische Wochenschrift · 1891-04-16 · 16 (16.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
16 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Versprechen für Verwehrung vo» Synagoge« und Religiousschulen einzutreten, zuwider. gegen okng« Petition stimmte, die bekanntlich mit einer Stimme Majorität abgelehnt worden war. M«ot«n, S. April. (Or.-Cor.) Vorigen Montag hat der Rechts-Anwalt C. Josl unter allgemeinem Beifall in der ״Lessing-Loge" einen, seines berühmten Vaters würdigen Bortrog über Christian v. Dohm gehalten, und ein vortreffliches Bild über die Verhältnisse der Juden der vormendelssohn'schen Zeit, besonders in Deutschland, entworfen. Er hob in demselben die Bedeutung Dohms hervor, der, mm dem traurigen Schicksal der Verfolgten ergriffen, sich veranlaßt fühlte, ,die Geschichte der jüdffchcn Natron seit der Zerstörung ihres eigenen Staates" zum Gegenstand seines Studiums zu machen, und es wagte mit der Fackel seine- Gefftes jene düstere Zeit zu beleuchten, indem er, nicht bloß als Christ, sondern als Mensch, vom politischen und volkSwirthschaftlichen Standpunkt aus, seine Schrift: ״lieber die bürgerliche Verbesserung der Juden" in die Welt zu schicken Den Inhalt des Vortrages brauche ich Ihnen nicht mitzutheilen, er ist ja geschichtlich; aber eine Bemerkung kann ich nicht unterdrücken, welche ich fast immer bei Borträgen in jüdischen Vereinen gemacht habe, und zwar: daß wir zu wenig danach streben unsere Freunde und unsere Feinde kennen zu leruen und uns zu wenig mit der Geschichte unserer Vergangenheit vertraut machen, was ja allein geeignet wäre, uns gegen die Angriffe der Gegenwart zu schützen. Erkundigt man sich beispielsweise nach dem Namen Dohm, so wird, außer den Männern von Fach, selten jemand etwas darüber zu sagen wiffen, und doch hat er einen unvergeßlichen Einfluß auf unsere Verhültnisseausgeübt. Für uns Breslauer hat er ein doppeltes Interesse, da zu seiner Zeit, und ihm zu Ehren, eine hiesige jüdische Familie sich seinen Namen beiteote. Der Redacteur des ,Kladderadasch", Dohm, war ein Abkömmling dieser Familie. . M. 8 In» Hserschkeke», 10. April. (Or.-Cor.) Der Sy» uagogen-Gemeinde-Berband des Regierungsbezirkes Oppeln, welchem — mit Ausnahme der Gemeinde Oppeln — nunmeh» fast alle oberschlesischen Gemeinden angehören, entfaltet eine rührige Thätigkeit für seine vielgestaltigen Ausgaben. Nicht ohne Wirkung ist sein Ruf verhallt, Liebesgaben als Bausteine für die Errichtung eines israelitischen Waisen» Hauses in Oberschlesien zu spenden Unseres Wiffens hat die Sammelrate dieses Winters in Oberschtesien den Betrag von etwa 15000 Mark ergeben Bei aller Anerkennung der Opferwilligkeit unserer oberschlesischen Glaubensgenossen tonnen wir doch mst dem Bekenntnisse nicht zurückhalten, daß wir immer noch vor dem bescheidenen Beginne des Anfanges stehen, lieber die hochherzige Schenkung des Herrn Hasse in Rvbnik, welcher vekanntlich außer dem Bauplatze einen Fonds von 20000 Mark dem zu errichtenden Waisenhaus« zur Verfügung stellt, wenn der Sitz des Waisen- Hauses nach Rybnit verlegt wird, kann erst in der im Mai ». o. erfolgenden ordentlichen Generalversammlung Beschluß gefaßt werden. Stimmen werden laut, welche sich gegen die Wahl de- Ortes aussprechen, weil die kleine Stadt Rybnik keine höheren Lehranstalten, wie Gymnasium, Realschule u. dergl aufzuweiseu hat. Wir vermögen dieses Bedenken «übt zu theilen. Nach unserer Auffassung soll die Waffenasstali in erster und letzter Weffe ihre Zöglinge .einem praktischen Lebensberufe, einem lohnenden und ehrenhaften Handwerke oder Kunstgrwerbe zuführeu. Die Zöglinge, »elche den immens überhäuften, sogenannten gelehrten Berufen sich bei besonders auSaesprochener Neigung und geistiger Befähigung widmen, sollten nur die Ausnahme van der Rqel bilden. Für sie würde sich von Fall zu Fall schon Rath schaffen »affen. Gravirender ist in unseren Augeu daS Bedenken, daß die Gemeinde Rybnik seit Jahr und Tag eines Rabbiners ermangelt Damit die religiöse Erziehung der Waffenkinder gewissenhaft, rationell und «Ethiänsch überwach! werde, dürfte es sich empfehlen, die Waffeuaustalt nur da zu gründe», wo einem grwiffenhaf pädagogisch erfahrenen Rabbiner Gelegenheit geboten wird^ »um Besten der Anstalt und zum Heile der Waisenkinder seinen bestimmenden Einfluß gellend zu machen. Einen herben Verlust hat der oberschlesische Gemeinde» bund durch den nach kurzen, schweren Leiden erfolgten Tod des Herrn H. G. Hahn in Gleiwitz erlitten. Herr S. G. Hahn, ein »elf made man in des Wortes bestem Sinn«, Hit es verstanden, das Vertrauen der Stadt- und Synagogen» gemeinde in seiner Eigenschaft als Stadtrath und Synagogen- Gemeindevorsteher in vollem Maaße zu rechtfertigen. Den Wohlsahrtseinrichtungen und humanen Bestrebungen des oberschlesischen Gemcindebundes hat er ein sehr werkthätigeS Berständniß und daS regste Jntereffe entgegenaebracht. Nicht minder verliert daS Komitee für das israelitische Kinderheim KönigSdorff-Iastrzemb in ihm einen seiner eifrigsten Förderer und Mitarbeiter. Dieses Kinderheim ist nun über das erfte BersuchSjahr hinaus. Es besteht die Absicht, eiu eigenes Grundstück zu erwerben, um in der bevorstehende« Badesaison die Segnung dieser humanen Stiftung kranken, israelitischen Kindern in noch ausgiebigerem Maaße zu Theil werden zu lassen. Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen wird am 17. und 18. Mai seine 13. ordentliche General» Versammlung abhalten. Der officielle Bericht zählt 98 ordent« liche Mitglieder auf, darunter 2 Lehrerinnen. — Ein eigenthümliches Factum waltete über der letzten Versammlung der ״freien Bereinigung der israelitischen Ächrer Oberschlesiens" Die Versammlung tagte dieses Mal in Kattowitz. Rabbiner und Gemeindevertretung mußten sich der Versammlung gegenüber alle Reserve auferlegen und konnten sich nicht ofstriell daran betheiligen. In Kattowitz und Umgegend besteht nämlich ein katholischer Lehrerverein mit erzultramontanen Aspirationen, ein Verein, welcher die Aufmerksamkeit und zum Theile das Mißfallen der staat» lichen Aufsichtsbehörde erregt. In ultr>1momanen Blättern suchte dieser Verein seine Existenzberechtigung nachzuweisen und exrmplificirte mit Geschick auf den Verein der sogen, fteien Vereinigung der israelitischen Lehrer Oberschlesiens, welcher von der Regierung unbehelligt Jahr sür Jahr seine Versammlung abhalte. Um sich und den israelitischen Lehrerverein den unkundigen Thebanrrn und der größeren öffentlichen Meinung gegenüber nicht in ein schiefes Licht zu setzen und um jeder unliebsamen Verquickung dieser zwei heterogenen Lehrervereine von vornherein wirffam ,u begegnen, hielten es die Organe der Gemeindevertretung für angemessen, jede officielle Betheiligung an der Lehrerversammlung abzulehnen, ein Verfahren, welchewir aus Gründen einer besonnenen Taktik und des angemessenen Taktes nicht nur begreifen, sondern auch billigen. Ueber den Verlauf dieser Versammlung ist unS nicht« Näheres bekannt geworden. Hk«««», 9. April. Wie in vor. Nr. augezeigt, faud die Gruadsteinleguog zur neuen Synagoge heute Vormittag 10 Uhr unter zahlreicher Betheiligung der jüdische« Gemeiad« und christlichen Bevölkerung statt. Den einleiteude« Theil des Programms bildete der Gesang de» Psalm 95 von Mendelssohn. Nachdem hierauf Herr Kantor Fränkel den Ps. 26 recitirt hatte, hielt Herr Rabb. Dr. Rippner folgende Rede: .Als König David zu Milcht und Anseheu aufgesttege» war uud sich einen Palast errichtet hatte, den man weg«» seines Glanzes und seiner Höhe das Haus der Erdern nannte, sprach er zum Propheten: Sieh' ich wohne in einem hoch» rageuden Hause, und die Lade Gottes weilt uatrr einem Zelte. Dieses SnstSzelt, das «iustmals die Israelit«« in der Wüst« errichtet hatten und das damals ein Zeugaiß ihre» Opfermuthes und ihrer Kunsffertigkeit gewesen war. paßt es noch^ so erwog David, für diese Zeit, wo die Israeliten ein« Heimach haben und in ihrem Wohlstand erstarkt sind? und der König bereitete Alles vor zum Aufbau des prächtige»

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