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Israelitische Wochenschrift · 1891-04-16 · 16 (16.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
16 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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der Jahres 1690 «!»Begründung an: »Weil sie (die Juden) den^Herrn" vervwrseu habm, so hat sie Gott auch verworfen." Ist da» keine religiöse Begründung? Die jüdische Religion will Fritsch nicht schmähen, kann sich aber nicht enthalten, auf «eite 14 Stellen der Bibü abergläubische Per- Heißungen zu nenne», kann sich aber nicht versagen, aus Seite 77 die bekannte Lüge aus dem Tißa-Eßlarer Prozeß »Andrucken: ״Daß dl« Jude« «eleaentlich zn ft»!«,*!»*«*»* tu >« C»■«»*•* Hl Mnaeck — im eigentlich«» Ginne de» Worte» — •baefdMaebtet Hütten.׳») Wenn Herr Fritsch auf Seite 6 schreibt: .ES verrät also ein« grobe Gedankenlosigkeit oder geringes Sprachverständnis, wenn jemand den Antisemitismus mit der R e l i g i o n in Zusammenhang bringt,' so zeigt er, daß er an großer GedächtniSfchwäche leidet. Er müßte doch wohl wissen, daß der Antisemiten-KatechiSmus am30.November 1888 konfisziert und der Verfasser von dem Leipziger Gericht wegen BeschlwPf»»» der jüdische» Religion vernrteilt wurde! Im Uebrigen scheint gerade ihm selber das .Sprachverständnis' abzugehen, denn sonst hätte er wissen müssen, daß nach der von ihm aus der Seite vorher für Antisemitismus gegebenen Deutung, Anttsemit nichts weiter bedeutet als Anti-Israelit oder Gegenjude. Um ihn aber nur zu trösten, wollen wir ihn zugleich erinnern, daß von antisemitischer Seite schon zu wiederholten Malei. gegen die Benennung Antisemiten Einspruch erhoben worden ist, teil» zu Gunsten des Wortes Gegenjuden, teils ״weil gegen den Namen a»ttse«ttisch sich viele Vorurteile in breiteren Volk»- schichten gebildet hatten", wie der Katechismus selbst aus Seite 295 beschönigend angiebt. »3« Utbrig«n aber wird diefe BegrMsälschung von gewisser Geil« absichtlich gepflegt, um da« Volk über da» wahre Wesen der Judensrage zu!Luschen. —* Wer diese gewisse Seite ist, getraut sich Herr Fritsch nicht zu sagen. Wir aber werden im folgenden Artikel noch genauer darstellen, ob diese BegrissSsälschung nicht eher auf antisemitischer als auf jüdischer Seite zu suchen ist. (Fortsetzungen folgen.) Gerichte »»- €*rrefp*«fcet1fe11. Deutsch!«»». HSerli«, 8. April. (Or.-Lor.) Gestern Abend tagte (wie m vor. Nummer bereits kurz berichtet) in dem Sa:le ״de» Verein« junger Kaufleute' di« General-Versammlung de» »Eenttal-BarinS zur Beförderung der Wahlen in der jüdischen Gemeinde Berlin'. ES war eine der interessantesten Versammlungen, der wir seit Jahren in der hiesigen Gemeind« beigewohnt, galt «» doch Abrechnung zu halten über einen Beschluß der Nepräsentantenversamnüung, der von einschneidender Wirkung für die jüd. Einwohner Berlin» ist. Nach einer kurze« Begrüßung de» Vorsitzenden, Herrn Oppenheimer, nahm der Referent, Herr Schayrr, da» Wort zn einem längeren Borttage über die Bestrebungen de» Verein», die bisherigen Erfolge bei der Wahl im November 1890 und über die späteren Schrittt, die geplant wurden. Bekauntlich hat da Ernttal - Verein vor Kurzem eine Petition an da» Repräsentanten - Collegium gerichtet um Vermehrung da Synagogen im Westen, Südwesten und Süden, sowie um Linrichtung von Religionsschulen in alle» fünf Stadtt Hellen. Da Vorsitzende de» Repräsmlauten»Tollchium», Herr Jnstizrach Matowrr, welcher *) Wörtlich so auf Keile 77 M Antisemiten-Aotechitzmu«. Da» Wort achgeschlachtel ist im Druck besonder» hervorgehoben. Der detreftende Poffn» ist 1» Zeile» lang, wir wolle, nur »och eine» Krtz daran» hervmchebe«: »Diese» Verbreche» konnte-sür Se»»er de» Hevr»er»um» eine sonderliche Ueberraschnng «ich» fetnl* Wir lamme» 0» der pp. Stelle kataaf znrSck. bat Vorsitz i» jener Sitzung seine« Stellvertreter übergab, führtt gegen die Forderung folgend« Zahlen an: Die jüdischen Einwohner Berlin» zählen 70,000 S«lm. Davon entfallen 40•/, auf Kinder unter 15 Jahren, die überhaupt keine Synagoge zn besuche» brauchen! Von den übrigen 40000 (?) Erwachsenen besuchen 60•/, weder an Sabbathen noch Festtagen den Gottes» dienst; e» bleiben michin 20000, für welche zunächst an den hohen Feiertagen Plätze zu beschaffen sind. Diese» Brdürfniß wird vollständig befriedigt, denn ») 7000 besuchen die Hauptsynagoae, d) 5000 . . Schule, welche die hiesige Gemeinde einrichtet, o) 2000 . ״ Schule in den Anstalttn, Schulen re, «) 3500 ״ ״ Privatsynagogen, d) 1700 ״ ״ MitthSlokale da Privatjpekulanteu. Für die noch fehlenden Plätze ist die Synagoge in da Lindenstraße errichtet. Nach dieser Statistik kommt auf vier jüd. Salm ei» ן Synagogenplatz, während bei der christlichen Bevölkerung j erst aus 28'/, Salm nur ein Kirchenplntz kommt. Diese ' Statistik wurde von dem Reserenttn rina vernichttndm Kritik! unterzogen. Er führte u. A. aus: Valin habe nicht 70,000, sondern mindestens 80,000, wahrscheinlich sogar 100,000 jüdische Seelen. ES sei ein ganz «igmartiger Standpunkt de» Justizraths Makowa, daß Kinder nnta 15 Jahren die Synagoge nicht zu besuchen brauchen. Wa bi» zu seinem 15. Jahre noch keinen Gottesdienst angehün, wird auch kaum in de» spätaen Jahren ein besondere» Interesse für di« kultuellen Einrichtungen bekunden. Daß von den Erwachsenen 50•/, überhaupt keinen Gottesdienst mehr besuchen, muß entschieden bestritten wadm. Eine Gcgrnstatistik kann hier freilich ebensowenig ausgestellt, wie für die obige Behauptung ein Beweis abracht wadm kann. Es giebt sich« in dm entfernten Stadtthellen Hunderte Famlliru, die allsabbachlich die Synagoge besuchen würden, wenn in dem betreffenden Stadttheile eine solche voryandea wäre. Viele geblloete Israeliten, die zn dm hohen Fei«, tagen selbst für groß« Summm keinen Platz in ein« da beftthmden Synagogen erwaben können, vazichttn lieba auf de« Gottesdienst, als daß sie em obskur«» Tau-lokal, das für einen Tag in einen GotteSttmpel umgewaudelt wird, besuchen. Und noch mehr: diese Tanzlokale, resp. dir 3057 Plätze, die darin vrrmiethet werden, dienen dem Gegner für vtrmehrtt Synagogen als EntlastungSmataial. Die ganze Bewegung, die zur Bildung de» Lmtral-Wahl- Vaeius geführt, ist von den unwürdigen Zuständm, die in dieser Beziehung an den heiligstm Tagen hia harschen, ausgegangen. Der Verein petitionirt um Errichtung er«- facher Gotteshäuser in allm Stadttheikn, danut die Spekulation, die das Judenthum in den Augm Andersgläubig« blosstellt, aufhvre und da Borsitzmde de» Re» präsentanttn-KollrgiumS sucht die Fordaung als ungerecht abzuweisen, iveil fa nur 3057 Personen ihr religiöse« lg», dürfniß in dm Tanzlokalm befriedigen. Der Resarnt schließt mit da scharsm ab« gerechten Beschuldigung: Die Herren von dm oberen Zehittansach die seit Gmaattonen unbeirrt und unbeeinflußt, ja selbst ohne bisherige Oyposition, die Gemeind« leiten, wvllm keine Synagogm, well sie annehmm, . daß . die nachfolgende Generationen keinen Gottesdienst mehr brauchen; sie liqnidiren da» Judeuthum. DirThätigkeitde»Eenttat- Vereins muß dahin gerichtet sein, dafür zu sorgen, daß die Battet« da jüdischm Gemeinde au» Inden bestehe«. Au Punkt 3 da Tagäordamm:Vaßildernng de» Namen», wird nach längerer Debatte beschlofim die Firma, zu wähl«: »Lenttal-Baeio für di, J'utaeffm d« jüdischm Gemeind, Valins'»'. Am Schluffe da Sitzung fand eine Diskussion üba ein MißttauenS-Botu« statt, da» «ine» Repräsentanir» «chellt wurde, welcher seinem in da Wählavasammlung genebenen

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