Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1891-04-16 · 16 (16.4.1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
16 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492344-5935076-5959656--0600-5374375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

<M!ten, hochbestenerten Kansleutta besteht, war für die oralen Eandldaten Sicherst günstig. Dadurch nümlich ent- »d im Gemeinderathe ein« liberale Majorität. Bon allen -Lttrrn wurde die» als .ein Schritt auf dem Wege m Bessern' ansposaunt. In der Nähe jedoch betrachtet, sieht auch diese Schwenkung!cht besonders rosig aus. Schreiber dieses war in der igt, einen berühmten Schulmann, der als enragirter deutsch» .uionoler Antisemit und Anhänger Schbnerers bei den Zehrern eine Führerrolle spielt, dieser Tage zu interviewen. '%f« antwortete auf meine diesbezüglichen Fragen ungefähr ' igendeS: .Weder ich noch mein« Genossen haben »aser« Gesinnungen ge- ״den. Wir Hallen stramm an unserem deutsch-nationalen und demauch antisemitischen Programm fest. Doch haben sich in letzter i-it gesinnuvg«Iose Streber, die in politischer Beziehung ohne au«» -lormhenen Charakter sind, jwischen un« gedrängt, und sich der Menge MH rer «usoctroiin Dies« tSnne» un« nicht passen, weil sie sich Werkzeuge der klerikalen entpuppten, al» Element«, die auf de» .!atz, den sie heute einnehmen, gestoben wurde». Der katholische ern« aber darf und kann nicht antisemitisch in unserem Sinne sei», -il die« vom Standrpunkt de« Christenthum« ein nonooo» wäre, sie Neu blo« dies« äugen' '.i-kliche Strömung zu ihrem Zwecke au«, um U Bevölkerung in ih׳. Bahnen zu drängen. Poch immer gilt der hlspruch: »Der Zw 1 heiligt di« Mittel." Daher da« Gutheiben -- Opposition de« aieveren stleru» gegen den letzten Hirtenbrief der -ichöse, in welchem der Raffenhab al« heidnisch bezeichnet wir». e?hin gehört auch da« zu Lieb« den renitenten Hetzcaplänrn au«grgebene .. ״eiben de« Leitmeriyer Bischof« Dr. Schädel, worin versichert wird, V b bei Abfassung de« Hirtenbriefe« an dir Juden nicht gedacht rb« Daher auch die Unterstützung de« .schwarzen Prinzen", trotzdem drei Mal in einem Athen!' seinen berüchtigten Schulantrag um ehemaligen Bundesgenossen willen rerleugnet hat. Ei» Lommentar zu allem diesem ist unnöthig, e« zeigt un« Ilich, «»hin wir geführt werden Dah der stleru« von einer sehr 1*» Persönlichkeit, welche die Fäden der heutigen inneren Politik in rer Land festhält, unterstützt wird, ist ein öffentliche« ltzeheimnib- ׳׳־ emgeweihten streifen wird diese Persönlichkeit al« zweite Regierung »ich»«» Wir wiffeu genau, dab e« sich in diesem politischen Spiele -nur ׳- die Ä.u»ti«ferung der Schule in die Hände de« stleru« Handel». ״rum wählen wir von zwei Uebeln da« Neinerr und unterstützen di« . rolen Landidaten, die «ohl unsere natürlichen Gegner sind, aber User Beziehung unsere Gefinnung theilen." Auf die Frage: ״Denken Sie. daß die deutsch-nationale -e — von einem eigentlichen Programm ist doch nichts 'annt — mit der Zeit verwirklicht wird?', sagte er: ״Wohl haben wir ein Programm, und waren auch vor nicht 7 -iger Zeit sehr nah« zum Stege, leider ist aber jetzt die Verwirklichung leiben sehr'in die Ferne gerückt. Die reactioaäre Partei ist gegenng sehr mächtig, sie besteht au« dem größten Theile de« hohen und ' •־x» Adel«, dem stleru« und der Mats«, welche durch deren Werk- - -!ge priparirt wurden; bei solcher Genoffeoschast ist der Sieg vor- - pg mindesten« zweifelhaft, doch bei der bekannten Indolenz be-;iHi* der Wiener Bevölkerung ist ein baldiger Umschwung zu seren ״uusten kein Ding der Unmöglichkeit." AuS alle diesem ersieht man klar, daß weder von einer oefferung noch von einer Eindämmung der antisemitischen I-tTftmung bei uns, die Rede sein kann, sind es nicht die «christlich-socialen Antisemiten, so sind'S die deutsch-nationalen, '׳ns Juden kann das ganz gleich sein, uns gegenüber haben;de dieselben Principien. Daallertraurigstr dabei ist ..ur, daß die Jugend in diesen Principien erzogen wird, nnnach ist leider bei allem Optimismus auch von der weiten Generation ein .Schritt auf dem Wege zum Bessern" üH zu erwarten. Austriaca«. GrSrsdllche WiVerleO»«g de» ״A»tise«ite»- »Riecht»««»". In den folgenden Artikeln habe ich mir die Ausgabe ״ stellt, denJnhalt des.Antisemiten-Katechismus", dieses Grund- > 7.d Rachschlagebuches antisemitischer Glaubenslehren, »in« ira r ״actio, sachlich und ruhig an der Hand von Thatsachen zu ״äsen und gründlich zu widerlegen. Ich Hab« gerade diese» ritjch'sche Buch herauSgegriffrn, weil es von allen drei itisemitischen Parteien, den Lhristlich-socialen, den Deutsch. socialen und denvSckelianern al» einziges KompendiüH? ihrer UeberzeUgnng anerkannt wird, hat doch sogar noch bei der letzten Jodendebatte im Abgeordnetenhaus« ihr Papst Stöcker bei seiner Rede da» bekanntlich grün eingebundene Bändchen in der Hand gehabt. — Ich habe meine Aussätze derartig angelegt, daß der Leser, von dem man ja nicht vorau-fetzen darf, daß er diesen Katechismus besitzt, nicht nöthig hat, sich ihn zu beschaffen, indem ich stetden Text desselben (in kleiner Schrift) voranstelle, und diesem meine widerlegenden Ausführungen folgen lasse. Die Ueberschriftrn aller einzelnen Kapitel sind ebenfalls wörtlich auS de» Katechismus übernommen.*) An die gesch. Leser dies. Bl. richte ich die Bitte, mir für die Buchausgabe dieser Artikelferie Bemerkungen, Ergänzungen eventuell Berichtigungen an die Adresse der Redaction dies. Bl. freundlichst übersenden zu wollen; ich werde alles Verwendbar« mit Dank benutzen. I. Antworte« auf «lltLzltche Nede»sarteo. o «Sa« *ersteht mi nnter «attsemittSma«? .Snti" heißt ״gegen", und ״Senmktzmu»" bezeichnet da« Wese» der semitischen Rasse. Der AntisemitWmu« bedeutet also M« Bekämpsung de« Semiteatum«. Da die semitische Raff« in Europa säst au»schilef>lich durch di« gegner" — .Judenfeind". Wenn wir uns auch nicht verhehlen dürfen, daß der Name Antisemitismus ein schlecht gewählter ist, so müssen wir andererseits Herrn Fritsch darin vollständig Recht geben, daß man damit Feindschaft gegen die Juden bezeichne» will; bestand doch die erste Levensäußerung der von Dr. Henrici in- Leben gerufenen Antisemitengnippe darin, daß man in Schievelbein die Juden plündette und in Neustettia die Synagoge in Brand steckte.**) Jedoch wurde von anttsemitischer Seite Einsprucy gegen den Parteinamen erhob«, so findet sich auf Seite 296 bei Fritsch: ״E« kam dazu, dab gegen de» Rainen ״antisemitisch" sich viele Borurteile In breiteren BolkSschichte» gebildet hatte». Wir haben nichts dagegen, daß sich Fritsch ״Antisemit" nennt, haben auch nichtgegen die Fassung deerste» Paragraphen, obwohl wir vom Standpunkte logischen Denkens manche Einwendungen erheben könnten. ». Wie kau» »na aac ia aafcetr •afgcftäctca Aett Hc In»,» nach «fcrtr Meligian menen aeefatgeaf »E« fällt niemandem ein,antwortetderAntisemiten-statrchiSmn», di« Jude» ihrer Religion wegen zu bekämpfen." Ohne darauf eingehen zu wollen, daß in dem Kate» chismus zu wiederholten Malen von dem ״unschönen Be» krnntnis״ die Rede ist, wollen wir daS Widerspruchsvolle ia den Ausführungen des A.-K. dadurch heroorheben, daß wir demselben folgenden Satz gegenüberslellen, der daselbst aus Seite 47 zu finden ist: .Und all« dies« Mdernatürlichleiten geschehe» zu« Rutzen Israel«, lediglich auf Befehl J«tz»tz»n'n, der sich m» nicht» al» Israel kümmert, nicht« ist al* die peefaalfizieet« Selbstsucht tr« Kt«■ ettttscheaVal«*, mit LuSschiutz der anderen Völker, dl« absolut« Intoleranz — da« Gehrimniß de« Monotheismus." Ist da» keine Beschimpfung der jüdischen Religion? Findet sich kein Staatsanwalt, der wegen solcher Gotteslästerung Klage erhebt? ״Jehovah— die personifizierte Selbstsucht des jüdischen Volkes?" Rein! Und da wollen die Antisemiten noch länger behaupten, sie kämpften nicht gegea die jüdische Religion! Freilich den Anttsemitismus nur auf religiöse Gehässigkrit zurückzufahren, wäre thöncht, sind doch Mißgunst und Konkurrenzneid viel besierr TriekHrdern, um die Lewem» schäften der Masse auszustacheln! Di« antisemitische Zeitnag ״Da» Bolk" in Berlin führt ia einem Artikel gegen Ende *) Di« Zahlen«»gaben beziehen sich aus die neueste Auflage, die gleichzeitig al» 1!., 12. und 13. erscheint. **) Ans die groben Verfolgungen ia Rußland, Rumänien n. l. wollrn wir hier nicht ringehen, »a mir un« möglichst ans unser deutsche* Vaterland beschränke» »ollen. Sir habe» tn demselbaa genug übergenug v»ff!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.