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Israelitische Wochenschrift · 1891-04-09 · 15 (9.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
15 (9.4.1891)
Date
1891-04-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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war vor wenigen Jahren noch wie ein wüj er Traum erschien in den allernächsten Bereich der Möglichkeit gerückt: «in« antisemitische Mehrheit i« Wiener «emeinderath. die zugleich auch einen antisemitischen Stadtrath und einen antisemitischen Bürgermeister bedeutet. Der Berliner Kreuzzeitung-, der selbstverständlich da« Wohl ihrer antisemitischen Genossen am Herzen liegt, bangt vor einer jetzigen antisemitischen Mehrheit in der Wiener Stadtverwaltung, weil dies dem nicht genügend vorbereiteten Antisemitismus gefährlich werden könnte. — Dies Geständniß ist überaus charukteristisch, denn es besagt nicht mehr und nicht weniger, als was wir von dem Antise» miiismus stet« gehalten und gesagt haben, nämlich, daß er eine durch die grmcingrsährlichste Hetze gegen den PandalismuS kultiviren müßte, um ihre Anhänger unter der alten Jahn« zusammeuzuhalten Hoffentlich gelingt es den Anstrenaungr» der lieberalen Partei in den beiden anderen Wahlkbrpern, dieses Acußerste von der unglücklichen Stadt Wien abzuwcndrn. Schwel,. Kt. Kake», 1. April. Die Frage des Schächten» wird nächsten» auch die eidgenössischen Räthe beschäftigen. Die Regierungen von Bern und Aargau richten nämlich einen Rekrrs gegen den Entscheid deSBundcsratheS vom 17 Märzl8S0 detr. das Schächten der Schlachtthiere an di« Bundesvrrsammlung. Die Rekursschnst kommt zu folgenden Schlüssen: 1. Das Schächten ist keine religiöse Handlung und genießt de-halb den Schutz des Art. 50, 1, der Bundesverfassung nickft. 2. Selbst wen» das Schächten eine religiöse Handlung wäre, so ist dasselbe doch eine Thierguälcrei und darf daher auS Gründen der Sittlichkeit und öffentlichen Ordnung von des Kantonen verboten werden Die Rekurrente» beantragen, es sei der Entscheid des Bundcsratrs, soweit er die Verbote der Kantone bezüglich des SchächtcuS anshebt resp. die Beichwerden der Israeliten gegen die kantonalen Gesetze und Verordnungen gegen das Schächten als begründet erklärt, aufzuheben. Fraskretch. 7*tis. Die Verthridigungsschrift der Juden, die der Herr Bassrt herausgiebt, wird zwei Dheile umfassen: Erster Tdeil: Tie Juden und di« Andern. Buch I: Der üiomand und die Gründe des Antisemitismus. Tie religiöse Frage. Tie finanzielle Frage Tic soziale Frage. Tie politijche Frage. Puch t: Alle Monotheisten Religionen sind identisch. (?) Tie christ- '-•-djen Sekten und der Islam sind nicht« anderes, als die Annahme ^4 MosaiSmus und der biblischen Legenden Die jüdische und di« L-ipttche Moral Lind die Juden sür Len Tod Jesus veranlioonlich? T-^ven und iluliuü. — Buch 3: T i« finanzielle Frage, ^-»rlich« und angenommene (Gewohnheiten »er jüdischen Rasse Rei^Ujatr. Vergleichung der Fähigkeiten und der Fehler der Finanz- :reiner und Geschäftsleute Ser Juden mit Anderen. Gründe der ׳;i;n Erfolge der Israeliten Buch 4: Di« sociale Frage Ter Inge ist nicht ltosmopolil der Rasse. Gründe der der Juden zum VoNNNrs gemachten cosmopolilischen Linen Familiensinn des Juden, ^ichöngllqtril der Juden an ihren sestcn Wohnsitzen, an dem Boden und km Vaterland«. Das wirkliche und da» ideale Balerland. Die Jude» sind ein wirNicher Faktor der öffentlichen Wohlfahrt. Buch 6: Ti« politische Frage. Unrerwerfllng der Juden unter di« Gesetze ihre« Adoptivvaterlandes. Bürgerliche und politische Rechte der Js-oelitrn. Lchluhfolgeruugen de« ersten Theils. Zweiter Theil: Das goldne Buch. Die jüdischen Berühmtkeim. Die jüdische» Berühmtheiten in der allen Zeit bis zu! Zersiremmg Israel im Mittelalter. Berühmte Israeliten im Zeitalter ttr Renaissance. Israel in der neuen Zeit. Zeitgenössische ZSraelileu. Lchinstsoigerungen de» ganzen Werkes. R«OU»»d. IT. Z. JftUtil»ff, 29. März. Der bekannte französische Akademiker Anatole Leroy-Beaulieu, Verfasser des Werkes .L'Empive des TzarS", welcher sich selbst hier in de» höchsten Kreisen großer Anerkennung erfreut, hat ein« Denkschrift über die russischen Juden veröffentliä^, mtb dieselbe dem Kaiser, dem Großfürsten Michael (als Präsidmtrn des ReichSratheS), dm Ministern, Mitgkiedem des LeichSrathS und auderm einflußreichen Würdenträgern zagesendet. Der ,Grashdanin*. der mittheilt, daß-Herr Leroy-Beaulim sein Werk vielen der höchsten Beamten unter Kreuzband zugeschickt habe, fragt höhnisch, wozu die Vertreter der russischen Bureaukratir sich mit der neuesten Produktion des französischen Schriftstellers bekannt machen sollen? DaS antisemitische Blatt läßt dabei außer Acht, daß in nächster Zeit im ReichSrathe Debatten über die Judenfrage beginnen werden, und daß daS Resultat dieser Verhandlungen für das Wohl und Wehe von fünf Millionen russischer Bürger eine entscheidende Bedeutung gewinnt. Es soll über ein au» zahlreichen Paragraphen bestehendes Gesrtzprojekt eingehend berathen werden, dessen Bestimmungen drakonische sind, doch hofft man, daß der Reichsrath manche gar zu harte» Be- Bestimmungen mildern werde. Herr Leroy-Beaulieu hat sehr richtig den gegenwärtigen Zeitpunkt für den angemessenste« gehalten, mit seiner Schrift zur Bertheidigung der Juden hrrvorzutreten und sie denjenigen russischen Würdenträgem zuzusendcn, die einen mehr oder weniger entscheidenden Einfluß auf den Charocter der neuen (Hesrtzprojekte haben können und werden. Der berühmte Persasser thut unter anderem dar, daß die russische Regierung sich in'S eigene Fleisch schneidet, wenn sie die betriebsamen Juden Rußlands gewaltsam von Handel und Gewerbe zuiückhalten wolle, wie sie cS beabsichtigt. Wenn die Regierung aus gewissen Gründen den Juden den Staatsdienst hermetisch verschließe, sie weder als Lehrer, noch als Richter, weder als Offiziere der Armee und Flotte, noch als Aerzte und Juristen dulde — so könne sich da« noch aus Staatsrücksichten erklären. Daß man aber einer zahlreichen jüdischen intelligenten Bevölkerung den Weg zum .Handel, zur Industrie, zum Gewerbe abschneidc, sei bei der Fähigkeit der Juden eben auf diesem Gebiete, auf welchem sie schon so Hervorragendes geleistet hätten, geradezu unerklürlich und heiße seine eigene» Interessen schädigen Die Verfolgungssucht läßt sich freilich dadurch nicht beeinflussen. Daß die Monatszeitschrift ,WoSchod" die einzige russische, speziell von einem Juden zur Bertheidigung der Jude» heran;gegebene und, »elieubei gesagt, trefflich redigirte Zeitschrift, aus ministeriellen Befehl sür sechs Monate s uspe ndirt worden, ist, ist bereits in diesem Blatte gemeldet. Obgleich eine solche Suspension und noch dazu für eine so lange Zeitperiodc an und sür sich schon eine sehr harte Strafe ist, so wird dieselbe noch dadurch verschärft, daß eine Suspension die verhängnisvolle Folge nach sich zieht, daß beim Wiedercrscheinc» die Zeitschrist unter Präventivcensur gestellt wird, wodurch ihre Existenz ganz unmöglich gemacht wird. Bekanntlich erscheine» die Zeitungen in den beiden Residenzen ohne Präventivcensur, was eine große Erleichterung ist und der Willkür der Censur ein Ziel setzt. Ein Journal unter den gegenwärtigen Verhältnissen unter Präventivcensur stellen, heißt dasselbe zum Tode verurtheilen, besonders wenn es sich um ein jüdischen Interessen genndmeteS Journal handelt. Die Eensur streicht unbarmherzig Alles, was zu Gunsten der Juden ihrem Urtheilr unterlegt wird. Derartig sind die russischen Juden de« einzigra russischen. Organ«, da« sie besaßen, beraubt worden, und während die - antisemitischen Hetzjournale ihren Feldzug gegen da-Juden-' khum in maßloser Weise fortfetzen, wird den Bertheidigrrn der Unterdrückten die Möglichkeit genommen, ihre Stimme zu erheben. — lieber der einzigen russischen, von Christen redigirtrn Zeitung ״Nowosti", die noch manchmal, wenn egar zu arg war, das Wort für die Juden nahm, hängt auch da« Damoklesschwert der Bcnvarnung und Suspension. (Siehe weiter unten unter Petersburg.) Krr«ischtr «nd «e«este N«chrichtr«. R(|k»U|. Sie wir erfahre» ist die «altschaft zu Leipzig de« Vorgänge der Görlitzer Theodor Fritsch »ege» Verbreitung annsei meae» der»» Inhalt» unter Anklage gefielt, aus »rund de« Unsugsparagraphe», und ha»dlu»g stattfinde». königliche Staatsan»!folg» und ha» Herrn ifcher Fluablktter u. Dtefelo« ist erhöbe» »trd dnnnöchft ver-

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