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Israelitische Wochenschrift · 1891-04-09 · 15 (9.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
15 (9.4.1891)
Date
1891-04-09
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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'*''־VfefHtarf. Da» ®tMertofltt .Bold" 6Hngt faUenfc(■ Klatsch ,Breslau, 81. März. Herr» Amtsgerichts rnth D. Mitte ging durch die »Poft^ ftlgende Anmettuvg »um Drutsth^azinlrn Verein zu: «Der Uuterzeießneft wünscht dem Deutsch-sazttlen Verein tu Breslau als Mitglied beizntreft» unter Zusicherung eine» Jahresbetrnges von Iw Matt. Breslau, de» 28. «än 1891. Mose» Goldstei», «chttr Jude. Wohnung: bei de» Christen. Und wen» ihr Sur« drei Götter und alle Engel de» Httnstielrrtchs anrust, un» zu bekllmpsen. es wird Such nichts Helsen, wir Jude» sind dazu bestimmt. Such Goqms auszuhelsen: von unserem Geld« lebt Ihr nur." Die Zuschrift bedars keines Kommentars, sie ist so frech, daß ein« Berbrrituna erwünscht «Sre. — (Wir halten da» ganze für rin« Erfindung oder für die Zuschrift eines Christen: rin Jude schreibt nicht »ttotMser weiß, da» ,Vojim* auch ohne ,«* ein Pural ist Red) Berit«, 7. April. Zu heute Abend beruft der .Seiitralverein zur Bordeituna jüdischer Gemeindewahlen- «in« Geurralorrsammlung «in. Aus der Tagesordnung stehen folgend« Punkte: 1. Bericht Uber die bisherige Ihatigkeit de» Vorstandes. 2. Beschlußfassung Ser Re- Präsentantenversammlung der jüdischen Gemeind« über di« Anträge de» Verein« 8. Antrag aus Aenderung des Namen» des Bereins und Verlegung der Generalversammlungen. 4. Allgemeine Diskussion. (Bericht folgt in nächster Nr) Berit». Die Antisemiten versuchen wieder Spaltung in der deutschen Turnerschast hervorzu bringen, nachdem alle derariiaen Bersuche bisher an dem gefunden Sinn der Führer der deutschen Turnerei gescheitert sind. Der hiesige .antisemitische Turnverein-, der sich unter dem wohlklingenden Namen .Deutscher Turnverein Berlineingeführt Hai, erläßt ein vertrauliches Rundschreiben an Bereine und einzelne Turnaenosftn, in welchem er die Forderung ausstelli, in Zukunst .nur deutsche und drutschverwandte Stammesgenosien-, nur solche Turngenoffeu, .die sich zum christlichen Glauben bekennen und nicht jüdischer Abstammung sind-, in der deutschen Turnerschast zu dulden. In der schamlosesten Weise wird der Name des Turnvaters Jahn mit diesen Hetzereien verbunden. Da» Aufiallendste ist, daß ein solcher Turnveretn in einer städtischen, also auch von jüdischem Geld errichteten und erhaltenen Turnhalle turnen darf. Bttoaleu». lieber die polnischen Juden enthalten die Bestimmungen der hiesigen Regierung betr. Sie zeitweise Zulassung polnischer Arbeiter befände re Bestimmungen. Es handelt sich, so heißt es in dem Erlaß, aegenwärtig nur um die Zulaffung landwirthschastlicher und industrieller Arbeiter. .ES ist sernerhin auch daraus zu achten, daß in der Regel dt« jüdisch« Einwanderung au» Rußland und Galizien, welch« erfahrungsmäßig nicht in Deutschland «indringt, um Arbeit der in Rede stehenden Ar« auszusuchen, sondern nur Handel oder andere Geschäste zu betreiben, abgehalten wird.- — (Allmählich gewinnen, wie es scheint, auch die Regftrungskreise Berständuiß für die Judenfrag« — bemerkt da» .Volkhierzu »I« anrisemitischer Befriedigung.) , 8n41u• Die. 13• ordentliche General-Versammlung de» BereiaS i»rael. Lehrer in Schlesien und Posen findet am Sonntag, den 17. Mai und Montag, den 18. Ma: 1881 hier statt (Wir theilen die Tagesordnung in nächster Nr. mit) Mortzß**fe»» 2. April. lOr.-Cor.) Nachdem dem Kreisphysikus Dr. Räuber hier, durch Erlaß de» Herr» Lultusministrr, jede antisemitische Agitation untersagt worden ist, wird das finstere Treiben — an da» Tageslicht wagen sich di« Antisemiten hier nicht — durch einen angesehenen Kaufmann fortgesetzt, dessen Firm» ich der Oefientlichkeit übergeben werde, sobald ich zuverlässig« Gewährsmänner Hab«. Di« von diesem Herrn verbreiteten bekannten antisemitischen Leipziger Flug- und Hetzblätter sind vorläufig von mir der Redaktion der hiesigen konservativen Zeitung mit der Bitte übergeben worden, beim Studium die!e» Schmutze» stet« Waschwasser und Seift »ur Hand zu halten. 8. L. Dstti»*«» Nachdem Herr Rabbiner Dr. G. Deutsch, Brüx dir Wahl zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde abgelehnt hatte, wurde Herr Dr. Jakob, vom jüd. theol. Seminar in Bre-lau, zum Rabbiner gewählt. Derftlbe hat die Wahl angenommen. V»A »er Vrovinz Bose». Herr I. Lamm au» Berlin, welcher im Jahre 1810 seine Baterstadl Grätz, als mittelloser, junger Ran» verlass«, hat, schenkte im vorigen Jahre der jüdischen Gemeinde dteftr Stadt 1000O Mark zum Bau einer Leichenhalle. Bor einigen Wochen beschenkte er dieselbe Gemeind« nochmals mit einem Legate van 80000 Mark und traf dabei folgende Bestimmungen: Bon den Zinsen diese« Legate« sind 400 Mark zur Unterhaltung der dortigen Reltgtonsschul« und 10V Mart zu Reparaturen der Leichenhalle zu peruwnde«. Ferner sollen bedürftige Leute ziassreft Darlehen zu je .60 Mark erhalten, welche sie in Neinen Raten abzahlen dürft»; säumi« Zahler erhalten zwar kein Darlehen mehr, dürfen aber keine-weg« uerklagt werden. Der Restbetrag der Zinsen soll zur Unterstützung armer Bräute dienen. Kp. G«*ter, 8. April. (Pr.-Cor.) Abweichend von der bisheriaen Einrichtung ist dft öffentlich« Prüfung an der hiesigen fünfklasflge» Reitgionsschule nicht an den beiden ersten Peffachtagen, sondern «m 4. April er. nachmittags vor de« Kuratorium und in Anwesenheit vieler Eltern und Freund« nbgche lien worden. Dftselb« erstreckte sich aus alle tu da» Gebiet der Religion gehörigen Uaterrichtssächer und sind dft Leistungen »er Lehrer und Schüler leiten» de» erste» Kurator», Herr» »«ritz Holländer in sehr rühmlicher Weis« hervorgehobea ,Word»«. Dft Schülerzahl ist am Jahressch'ust 110. Seit dem 1. Mai '0. I. ist auf Unregung des Herr» Rabbiners Dr. Äreschner « »er Religiantschuft «in Confirmandeaeursu« »«rbunden worden. LeeaOstUL«. (Elsaß) A. April Bet der gesftr« Nachmittag t» Beisein der Vertreter der Civil- und Milttärbehsrden stattgehabte» ftftrltche» Etnweihong de« Leretnshause« des vaterländischen Krauenverein» nebst .Krippewurde von de« Hestred. Hrn Bürgermeister Back besonderer Dank dem Herr» vanttireetor Karmin»ki ausgedrückt für, dft mühevolle Mitarbeit desselben an de» Zustandekommen de» huma» nttären Werke». Mextnge» (Württemberg), 88. März. Der heut)« Abend sah fast dl« ganz« hiesige zahlreiche i»ra«littsch« Einwohnerschaft in dem großen Saale der Wirrhschast zur Traube vereinigt. E« galt der Uh» schiedsfeier de» zwar erst seit 2 Jahren hier al» Borbeier und zweite» Lehrer wirkenden Herrn Lehrer» Bravmann, welcher «» ver,tande» ha«, während dieser kurzen Zeit, sowohl durch seine vorzüglichen Leistungen al» Borbeter in der hiesigen Synagoge, al« auch durch sein«' Verdienste al« Lehrer der beiden unteren Klassen der hies. israelitische» Schuft, sich die Lieb« und Achtung der ganzen Gemeinde zu erwerben. Herr gürndorftr überreicht« ihm unter Anerftnnungsworten einen von den Semeindemitgliedern gewidmeten prachtvollen Pokal. GXtnz, 28. März. Die durch Tod de» Dr. Bärwald vacant geworden« hiesige Rabdinerstell« ist durch die Heu»« stattgehadt« Sah» de» Herrn Rabbiner Dr. S. Stern, z. Z. in Mislitz, wieder besetzt. (Der GewLhlte ist der Schwiegersohn de« Hr Rabbiner Dr. Bäck in Liksa.! Meng. Ter Privatdozent Dr. Otto Frankl ist zum außer ordentlichen Proftssor de» Bergrecht« an der hiesigen deutschen Universität ernannt worden. LembetO. Di« von der Siadthalterel elnberusene Enqubttr zur Feststellung eine« Mui'ftrstatuls für d.' jüdischen Cullusgemeinde» hat ihre Verhandlung zum Abschlüsse gebracht Sie arceptirte im Graße» und Gnnzen den von den Repräsentanten des Lemberger Culiusvorstandes vorgelegien Entwurf eine« Musterstatut» und verwarf die Barschlitte der orthodoxen Judenschast, deren Wortführer Ser Drohobyczer Rabbiner Schreiber war. Es wurde auch mittelst Resolutton de» UnterrichtSminlster nahe gelegt. Schritte zur Errichtung eine« jüdischen Rabbiner-Seminar» in Galizien zu thun, da mit die Rabbinats-Eandtbaten in die Lag« kommen, den vom Gesetze hinsichtlich der Qualificatton desttmmten Erfordernissen gerecht zu werden. Brstfsas- Der hier verslorbei.e, in Rödelheim geborene Julius May hat letziwillig verschiedene Legaft vermacht. Je 12,000 Mk. de» christlichen und jüdischen Armen seiner Baterstad«, 38,000 Mk. der Realschule (Philanthropie der iSraelilichen Oftmeind« in Frankfurt a. M. Außerdem hat sein« Witrwe verschiedenen Anstalten und bedürftige» Personen 18,000 Mk vermacht. Bart*. Durch Verfügung de» Krftg»ministcr« vom 84. Februar wird aus da» Gesuch de' Centraftonsiftorrum» die Beurlaubung der jüdischen Soldaten anläßlich der Peffachtage vom 22. April bi» zum 1. Mai Säuern Baris. Zador Kahn wird zur Einführung Mose» Weil'» als Großrabbtner In Algier nächsten» nach Algier reisen, um durch Augen ichein dft jüdischen Verhältnisse daselbst kennen zu lernen. Lontzo«» 7. April. Bei brr zur Zeit veransttltete» Volkszählung leisten viele arme Jdrarltten Widerstand, da sie glanben ihnen würden Spezttlsteuern aufrrlegt. Der Großrabbtner Dr. Adftr mußte beschwichtigend eintreten. Soven Hage». Herr H eimann hat 8000 Kronen »ur Einführung der elecirischen Beleuchtung in der hiesigen Synagoge gespendet. Ber«rsd»rg. Dem hier erscheinende» ,N o » o sttist dir zweit« Verwarnung erteilt worden, weil die Zeitung, wft der amMichr ,Regierungsbotebesagt, sich sftt» angelegen sein lasft, dir Lage der hebräischen Bevölkerung in Rußland in falschem (?) Lichte darrustrüe» und dadurch inmitten dftser Bevölkerung ohne jeden Grund U nz » - friedenheit erwecke Dft Zeitung nehme ferner eine feindliche Stellung gegenüber jeder Regung des russischen Rational»g«fühtt oft» uud sehe aus verschiedene Maßnahmen der Regierung vo« Standpunkte eine» »falschen Liberalismus-. — Jeder Kommentar kan« .unsere» Sr» achten» dft köstliche Selvsttronle diese» amtlichen Ergüsse« uur »bschwsche». Ans Beteestznr, meldet ei» heuttge« Telegramm, daß der dortig«?tadthauptmann eine strenge Untersuchung in der Absicht eingeleitet habe, innerhalb Monatsfrist eine große Anzahl daftlbu anässiaer Juden, welch« als Comptoiriftrn im ersten Verein der jittische» Kaufleute beschäftigt sind, wa« dft Regierung al» ein« liftsetzesverletzung betrachten soll, auszuweisen. Iamaiea. Herr MichaelSalomon mußte au» Sesundhett«» rücksichftn von seinem Posten al» Lufto« Rotulorum (Archivar) de» St. Annrn--Pfarre und al» Mitglftd de» gesetzgebenden Rath« zurücktreten. Der »Jamaica Gleanerbegleitet Lieft Nachricht mit solaenden Worten: »Di« öffentlich« Thättakett des Herrn Salomen, der sich der ehrenvollste» Ruse« rühmen darf, findet jedenfalls wohl einen Abschluß aus unbesttmmft Zeit. Durch seinen Rücktritt in'» Privatleben, wird das Land aus dft schätzenswert Yen Dftnste eine» Manne» verzichten müssen, dessen ganze» Bestreben aus di« Förderung de» Wohles seine» Lande» und seiner LandsUute gerichtet war. Selbstlos dl» zum äußersten Grab« hat er durch sein« Wohlrhättokelt und Menschenlftb« manche» kummervoll« Herz erheitert, durch seinen weise» Rath Manche« zuzn Wohlstand« »erholftn und durch sein eigene» Beispiel Manchen «rmuihigt, emsig und unverdroffen für da» Wohl der Arbeiter und der ländlichen Bevölkttnng zu wirken. Der Rücktritt de» Herr» Salowvn wird in der polittschen Arena unsere» Lande» ein« unausfüllbarr Lücke zurücklassen.*

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