Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 14 (2.4.1891)
- Date
- 1891-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Hs-ie AusfLhrmitz dies!» ^Beweises". Der ftakdy*«»» sr.u a lt« Material zu Jadenfragen in Kürze ent» haaren: .denn, so sagt Fritsch, das Gebiet der Judenfrage um■ das antisemitische Material ist so außerordentlich um* fangreich, daß auch der beste Kops eS mit dem bloßen Gebcujtnife nicht mehr beherrschen kann.- Trotzdem enthält da- Buch wenig oder gar nichts von Thatsachen; wo diese ater fehlen, nun da stellt ein Wort, eine Phrase zur rechten Zeit sich ein, und Phrasen, hohle Redensarten sind denn auch zum weitaus größten!heile der Inhalt des Antisemiten» Katechismus, den ich in diesem Blatte in einer Reihe von Artikeln auf seine Wahrheit prüfen will.*) L. Aerki». Bei der Altersversorgungsanstalt der jüdischen - mcinde hat auch im abgelaufenen Jahre sich die Zahl ch״r verpflegten Hospitanten vermehrt. Die Kaiserin Augusts h,n durch letztwillige Verfügung die Anstalt mit einem Legat Der 4006 M. bedacht. Durch Gaben zum eisernen Fonds und andere Einnahmen vermehrte sich das Grundvermögen der Anstalt im abgelausenen Jahre um 129150,45 M., so daß das Grundvermögen am Jahresschluß 1808830,58 M. betrug. Er starben 18 Hospitaliten im Alter von 65—90 Jahren, -׳ Hospitaliten schieden freiwillig aus der Anstalt. Das J--.hr begann mit einem Bestände von 153 Hospitaliten, der fi'; am Schluß des Jahres aus 103 erhöhte und zwar 98 Hospitaliten in der alten und 65 in der neuen Anstalt. Die Durchschnittszahl der Hospitaliten war im Jahre!«89: 145, im Jahre 1890: 154. Diese 154 Hospitaliten erforderten einen Kostenaufwand von 84321,82 M. oder je 547 Mk. Hierbei kommen 47169.59 auf die Beköstigung ob-72 ״ Pfg. auf Kopf und Tag. Beide Anstalten sind jex: vollständig besetzt, und die Möglichkeit ausgeschlossen, neue Aufnahmen stattfinden zu lassen. Diese Thatsachc hat die Gemeindebehörden veranlaßt, den Bauplatz zu dem .׳,weiten Anbau kostenfrei herzugcben, und Hr. Moritz Mann» He mer und seine Gattin, haben in Hochherziger Weise besst.iossen, auch den zweiten Anbau an die neue Anstalt zu crr chten und diesen Anbau schon im Frühjahr dieses Jahres in Angriff zu nehmen. — Am 16. d. M. hielt die Gesellschaft jüdischer Hand- .'er und Künstler ihre 47. ordentliche ÜKneralversammlung 0׳ Nach dem vom Vorsitzenden, Herrn" -Hermann Landsbrrger. erstatteten Bericht hat die Zahl der Mitglieder im vc flofseneu Jahre bedeutend zugcnommen und wurden aus de verschiedensten Kreisen sowohl dem eisernen Fonds wie de Spezialstiftungen erhebliche Znivcndungen gemacht. Am Ä! md der Versammlung selbst waren dem Vorsitzenden von eiuem Ungenannten 1000 M. für die Zwecke des Vereins ab geben worden. An Stelle des verstorbenen Rendanten M. I. Bodenstein, welchem der Vorsitzende einen warmen?'s.hruf gewidmet hatte, wurde Herr Julius Bodenstcin S--chlt. — Der Vorstand des ,,Jüdischen Mädchenstists" vrrö ׳ ntlicht seinen ersten Bericht über diese der hauswirth» :׳L^iilichen Ausbildung unbemittelter jüdischer Mädchen o:,.״nde Anstalt. Dteselbe wurde am 21. April v. I. mit zu -chst sechs unentgeltlich unterhaltenen Zöglingen in den :9 'hsräuinen Oranienburger Straße 73 eröffnet und ersich vielseitiger fordernder Theilnahme. Die Summe scr Jahresbeiträge ist auf 3669 M., der Kapitalfonds auf 1- 733 M. 13 Pf. angewachsen. (©. T.) Güttingen Die Nachrichten über das Duell, welches den Tod des jüdischen Assessors Ziegel zur Folge hatte, stützen geflissentlich die Ursachen des unglücklichen Zweikampfs möglichst zu verhüllen. Jetzt wird uns von eingeweihter Seite mitgeteilt, es habe sich um eine antisemitische Großtkw׳ gehandelt. Referendar Schneidewirt hatte den Ziegel ,Judenbengel' geschimpft. Ziegel beantwortete den Schimpf mit einer Ohrferge, woraus die Forderung auf Pistolen folgte. 1 Daß in der neueste» (12.) Ausgabe deffelben viele Partie««, Leipziger Landgericht beschlagnahmt, fehlen, mag dem Buche keinen A' ::-ch thun. cD>e geplante Widerlegung ist dringeud nöthig. Red.) Ueber dea tamtnm KL bringt dir .Heiligenst^ ätg.* 1 «inen Artikel, der in d. Bll mitgetheilt zu werden verdrent; j , ,Heiliaenstadt, 23. März. Ein dumpfer Druck lastet > auf unserer Bevdlkrung. Wir alle fühlen uns im Banne jenes Ereignisses, das in unserer Stadt leider begonnen und nun seinen traurigen Abschluß gesunden hat. Nicht wie sonst, wenn in die Kreise der Freude mit Giganten-Schritt aeheimnißvoll nach Geistcrweise ein ungeheures Schicksal ttitt, beugen wir uns vor dem Unabänderlichen, sondern wir klagen die menschlichen Verkehrtheiten des Denkens und Thuns an», die in diesem Falle die Kette von der kleinen Ursache zur großen Wirkung bildeten. Wir fühlen uns der Mitschuld theilhaftig, daß unter Menschen so etwas geschehen kann, und das Bewußtsein unserer-Ohnmacht verzehtt das Herz. In allen Kreisen aber herrscht aufrichtige Trauer um den hoffnungsvollen Mann, den der vernichtende Schlag getroffen. Herr Robert Ziegel, am I. März 185» zu Aongrowitz t« m Großherzogthum Posen als Lohn eine« jüdisch!» — wohlhabenden ader nicht reichen — Kaufmann» geboren, besucht« das Gymnasium 1;: seiner Baterstadt, studirte daun die Recht« und trat im Frühliiw 1884 in den Staatsdienst. Nachdem er zuerst beim Amtsgerichte in Worbis :: und beim Landgerichte in Torgau als Referendar gearbeitet hatte,, setzte er vom Oktober 1885 ab am hiesigen Amtsgericht den Borbereitungsdicnst sort. Schon damals als ein fleitziger und lernbegieriger Lchüler »es Rechts wußte er sich sie Achtung seiner Bor» gesetzten, die Zuneigung derer, welch« mit ihm amtlich und aesellschastlich verkehrten, zu erwerben, End« 1886 verliest er Henigenstadt. Rach der Bollendung seiner BorbereiiungSoienstes und nachdem er am 14. Dezember 1887 die große Staatsprüfung abgelegt halt.׳, kehrte er hierher als Assessor zurück. Seitdem hat er regen Antheil an de« (»«schäfte» des Amtsgerichts genommen und Gelegenheit gehabt, sein« Fähigkeiten und seine Liebenswürdigkeit zu entfalten und zu »erwerten. Seine Sache war es nicht zu blenden und glänzen. (5r war, eine sinnige Raiur. Am Einzelnen und am Kleinen hatte er seine' Freude In seinem Garten, an seinen Vogelbauern fühlte er sich am wohlsten — ,venn er die Entwicklung seiner Pflanzen und Hausthiere ׳, beobachten, mit liebevoller Sorgfalt ,,e'psleaen konnte. Ebenso konnte ■’4 er sich Stunden lang mit Kindern beschästigen, ohne ihrer Unarte« , überdrüssig zu iverden. Ktcisssg übte er die Kunst des Gesanges und der Malerei. Er verstand überhaupt durch eigne Thätigkeir, »n dem;־ er gern auf die kleinen Schönheiten des Lebens achtete, die Andere - unbemerkt lassen, sich ein häusliches Behagen zu verschaffen. Dieselbe liebevolle Sorgfalt wendete er seinen richterlichen Ge- , schäften zu. Das hülfreiche, verständnistinntge Besorgen der ihm vorgetragene» Sachen betrachtete er als sein« Hauptaufgabe. Die freiwillige Gerichtsbarkeit war sein!Held. Daraus hat er Bedeutend«« . geleistet. Das wissen die Einwohner namentlich der Stadt, deren Grundbuch ihm Jahre lang anvertraut war, und Orischasten, i» . ivelchen er als Bormundschasts-Nachlast-Grundbuchrichter zu thun hatte. ■ ' Dankbarkeit d«S Gerlchtsdezirks müstte ihm bleib:» für ein Mensche«, aller, auch wenn er nicht« vollendet hatte, als die Auseinandersetzung; der Boisenburg von Beuren. Um dieses verwickelte Geschäft zu «lande . zu bringen, war eine Ausdauer und eine bis in die kleinsten Einzelheilen gehend« Fürsorge nöthig, wie nur er sie bejast. Die Borzüge und die Grenz« seiner Zähigkeiten wohl erkennend, inalte er sich oft und gern aus, ivie er sein ferneres Leben als der Bormundschaftsrichtei eines hauptsächlich ländlichen Kreises in einer kleinen Stadt als Kamillenvater, als allgemeiner «erather geehrt und geliebt von seinen Mitmenschen vollenden, wie er sich dies durch treu« Pflichterfüllung verdienen wolle. So lange er hier war, ist ihm die« gelungen. In allen Kreisen war er als ein edeldentender hochachtbarer Mann willkommen geheißen. Seine weiieren ZukunflSpläne hat »er Tod verhindert. Unnennbare Bitterkeit erfüllt da« Gemiith, wenn man bedenkt» durch welche Kleinigkeit dieser edle Geist zerstört wurde. Eine lleber» schreitung — seinem sonst so ruhigen und nachgiebigen Wesen vollständig sremb — ließ ihn der menschlichen Unsitte zum Opfer «erde». Obgleich er über diese!höher und vernünftiger dacht«, als seine Gegner, glaubte er doch sich ihr unterwerfen zu müssen, w«U er sich tm Unrechte, und zu der Genugthuung verbunden fühlte, die der Gekränkte wünschte. Mit bedauernswerther Hast und Cimlich keil betrieb dieser die Sache. Hebe» berathen vereitelt« er durch eine beispiellos« Häufung von Mißgriffen die friedlich« Schlichtung des Streits, oeffen schlimmer Ausgang so leicht zu verhüten war. Ziegel war darüber von vor«» herein nicht im Zweifel. Schon vor Jahren hat er ausgesprochen, daß ein früher Tod im Zweikampfe sein Loos sem würde. Den« er konnte die Borurtheile seiner Zeitgenossen. Er benutzte die wenigen Lebenslage, um noch schwebend« Rechts» sachen zu erledigen und seine eigenen Angelegenheiten zu ordnen. Gesetzt und ruhig, wehmüthig und de« alten Vaters gedenkend, ging er seinem Schicksal entgegen. Beim zweiten Kngelwechsel traf ihn das Geschoß de» Gegner» in dir Hüfte. Innere Thetle waren zwar nicht verletzt, doch, eine Blutvergiftung trat «in und am 20. März d. I., zehn Tage nach dem uugiückltche» Zusammenstoß«, 19 Zife nach ׳