Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 14 (2.4.1891)
- Date
- 1891-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•זי •י^-׳זר Hobe grschriebeo link« und «Leber recht», schreiben »och jeder Richtung.' L» war auch , Schmock. Ich kan» schreiben »och jeder Richtung.' Snz »»vernünftig, rioeu Mann in die üdiquete als einzigen!nreter de« Rabbinerslandes zu berufe», der kein Oesterreicher ist, seit einigen Wochen i» Lande lebt und niemals vorher in Oesterreich ei» rabbiuisches Amt bekleidete, aber hier beginnt die Schuld der Rabbiner. Bor allem ist es die Schuld der Männer in angesehenen Stellungeo, daß sie nicht danach trachteten einen Verband ins Leben zu rufen, an welchen sich die Behörde jetzt und in allen künftigen Fällen um Nominirung von Sachkundigen Hütte wenden können. .Wer seine Zeitgenossen bessern konnte und es unterlassen?iat, ist verantwortlich für dir Sünden seiner Zeitgenossen,' agt der Talmud. .Und heil dem Geschlrchte, in welchem die Großen hören auf die Kleinen.' An der allgemeinen Hebung des Standes ist Jeder interessierte Was wir wollen ist ein« gerechte Sache und was dem Rabbinerstandr zum Nutzen gereicht, wird auch den Gemeinden zum Nutzen gereichen. Gebildete Rabbiner werden ihren Platz würdig aus füllen, Rabbiner, die unabhüngig dastehen, werden ihr Amt ohne persönliche Rücksicht und darum srgenbringrad verwalten können und die Gemeinden sind dabei interessiert, daß der Rabbiner in Fragen des Eultu» und des Religionsunterrichts «in entschiedenes Wort mitzusprrchen habe, denn dazu haben sie ihn gewählt. Unsere Gemeinden sollen bedenken, daß Gott «» als einen Beweis seiner Guad« verheißt: .Ich werde Euch geben Hirten nach meinem Herzen und sie werden Euch weiden mit Weisheit und Verstand, dann wird Jerusalem genannt werden der Thro» des Herrn und darin iverden sich versammeln olle Völker im Namen des Herrn.' C08ma8 Pragensis. Bischof Schübel vo« Leitmeritz. Bor den Wahlen zum ReichSrath hat der Gesammt- EpiSeopat von Oesterreich wie üblich einen Hirtenbrief an die gläubige Wählerschaft erlassen. Nicht üblich war der Ton der Milde und Versöhnlichkeit in diesem Schriftstück und man war versucht, die Morgenröthe einer besseren Zeit in den Worten der Kirchensürsten an dir ihrer Leitung anvertrauten Herde aufglänzen zu sehen. Jener Passus besonders, welcher jede Art von Rocenfeindschast als heidnisch vernrtheilte, und auch Andersgläubige einlud, an der Gesetzgebung zum Wohle des Staates mitzuarbeiten, erfüllte die Snldetr Welt mit froher Genugthuung, die Juden der onarchie aber, die unter jener .heidnischen' Feindschaft so schwer zu leiden haben, mit srrudigen Hoffnungen. Nur die antisemitischen Zeitungen, vor Allem aber jene Hetz, eapläne, die von diesem heidnischen Kampfe leben, empfanden den Hirtenbrief als einen Todesstoß und diese Gesellschaft, die sich laut und höhnisch gegen ihre höchste Autorität auf» lehnte, brachte es endlich dazu, daß dem genannten Hirtenbnefe hinterher eine Interpretation verliehen wurde, die den günstigen Eindruck desselben aufzuheben geeignet ist. Zum Mundstück dieser nachträglichen Interpretation hat sich der sonst ziemlich unbedeutende Bischoj Schübel von Leitmeritz herargebrn. Im Eingänge seiner dieserhalb an rin antise- »inscheS Organ gerichteten Schreiben« bedauert er. daß der Hirtenbrief von den .christlichen' und .consrrvativen' Zeitungen so mißverstanden worden sei, am Schlüsse aber schnupft er wie ein Hetzkaplan gegen die juden - liberalen Blätter, di« auS diesem MißverstLndnih Kapital schlagen. Ter EpiSeopat habe bei der Berurtheilong des heidnischen Raeenkampse« gar nicht an die Juden ״gedacht'. Der Appell an die Andersgläubigen bezieht sich wahrscheinlich auf die hussitischen Jungczechen, aber ori Leib« nicht aus die Juden. Run mag ja der Bischof Schübel und mit ihm «»gen sein« hohen Auftraggeber in den Augen LuegerS, Brrgani'S und Schneider» genugsam rehabilitirt sein. ES erübrigt nur darzuthun, was wir — die Juden — über Liefe. Unterwerfung der Bischöft unter de» Willen ihrer denke» und da« wird un» der Herr Bischof >l doch nicht verwehren können. Kurz und bündig wir sein. Was die römisch - katholische Kirche in edelster Weise über Menschenliebe, Duldung und Toleranzlehrt, da« ist unftr ureigene» jüdisches Eigenthum. Wie dieselbe Kirche jene Lehren über allgemeine Menschenliebe im Lauft der Jahrhunderte praktisch bewährt hat, da» können wir — die Juden — am lehrreichsten bezeugen. Scheiterhaufen, Mord, Plünderungen ohne Zahl, da» sind die Wahrzeichen jenes .praktischen EhristenthumS'. Daß dieselbe Kirche ihren Mantel nach der Windseite der Macht zu hängen weiß, da« wußten wir längst. Daß e» aber edle, von wahrer Menschenliebe durchglühete Kirchenfürsten hiebt, die bei der Berurtheilung heidnischen RaceahchseS in erster Reihe an die armen von aller Welt gemihhandelten Juden denken, das sollte doch auch dem Herrn Bischof Schöbet in Leitmeritz bekannt sein. Nun liegt aber die Sache für uns Juden in Oesterreich ganz anders. So lange die Fülle der Macht in der Hand unseres erhabenen Kaisers Franz Joseph I. vereinigt ist. so lange dieser edle Kaiser und die erlauchten Mitglieder seines Hause« nicht aufhören, Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung aller treuen Unterthanen als unantastbare Heiligthümer der Hab»- burgischen Krone zu bertrachten, so lange lassen uns Hüftenbrieft und deren nachträgliche Interpretation kühl und kalt bis an das Herz hinan. Die ganze Episode hat für un» nur den einzigen Werth zu erfahren, daß .Herr Bischof Schübel, der schon öfter an die Juden, nur nicht bei Ab» fassung von Hirtenbriefen, gedacht hat. dem Drängen seine» HauS- und Hetzcaplans hat nachgeben müssen Gegenüber ber drohenden Revolution des niederen Klerus heißt eS auch vom Episkopat — l&udabiliter 8e sabjeoit. Austriaca«. Krrichle «nt DsmtsichllamA. □ Magdeburg, 30. März (Ör.-Cor.) Jüngst hatte hier — wie in Nr. 11 berichtet — der Lehrer Meinecke einen Bortrag gegen die neuerdings sich hier breitmachenden Antisemiten gehalten,' in dem er die bekannte» Redensarten derselben gründlich widerlegte. Bald daraus hielt der antiftm. .Deutsche Resormverein' eine Sitzung ab, in der darüber geklagt wurde, daß M. keine Thatsachen gegen die von ihnen gemachten thatsächlichrn Angaben ansühre, sondern nur allgemein die alten Borwürft gegen die A»tisrmiten wiederhole. Da ich mich nun aber nicht erinnern kann, jemals aus dem Munde von Antisemiten zuverlässige faktische Angaben über jüdische Mißftände gehört zu habe«, sondern stets nur vage Behauptungen, und da ferner bi», lang das angekündigte antisemitisch« A B T-Buch von dem grotzen Antisemitenhäuptliag Dc. Ernst Böcke! noch nicht erschienen ist, so blieb mir nichts anderes übrig, aU mir den hier jetzt von einmc hiesigen Buchhandlung colportirten Fritzsch'schen Antisemiten.Katechismus zu beschaffen, auf dessen ״thatsächliche Angaben' immer wieder von den Antisemiten verwiesen wird. Zwar durste ich nach den .deutsch - socialen Blättern' desselben Verfasser», oder nach den Procesftu, die er sich in letzter Zest wegen fälschlicher Angaben wiederholt zugezogen hatte, nicht gerade auf größt« Objektivität schließen; dagegen hatte er mir erst kürzlich in einer im .Magdeburger Fürstenhoft' abaehaltenen deutsch, socialen Versammlung seine außerordentliche Begabung in der Behandlung historischer Fragen bewiesen. Er wie» nämlich unter Staunen und Grauen der Zuhörer »ach daß Lhristu» kein Jude, sondern ein Arier und zwar der ausgesprochenst« Sntisemft (l*io!) gewesen sei, wobei er sich natürlich im bewußten ober unbewußten Gegensatz zu dem großen Reformator Luther setzte, der eine ftiner ersten Schriften betitelte: .Daß unser Herr Jesus Lhristu» ei« Jud' gewesen ist.' Wir ersparen unseren Lesern dft ein-