Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 13 (26.3.1891)
- Date
- 1891-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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sei mra ein Comitre niedergesejst wortat, tnst über für die Inden in Oesterreich hochwichtige Angelegenheit ׳ ׳rathen, einen Organisationsplan zu entwerfen und die -'.,.gen Schritte zu unternehmen, damit die Regierung diese .!che Fakultät aberkenne. In diesem Comitee sind die :rcn Brüder von Guttmann. dcr Vorstand des Bet ha- :::wasch und de: Vorstand der Wiener Cultusgemeinde vertreten, zu desfrn Mitgliedern auch die beiden Prediger der Eultusgemeinde, welche beide von gleichem Eifer für da- Wohl und das Gedeihen der künftigen Lehranstalt beseelt sind, gehören. AranEreich. Aus dem bereits Ihnen schon gemeldeten Artikel deS Nationalökonomen, Professor am Institute von Frankreich, Anatvle Leroy-Baulieu in der ״Revue de deux mondes" vom 15. v. M. will ich Ihnen nur noch die Stelle in wörtlicher Uebersetzung mittheilen, welche von der Entchristlichung der Gesellschaft durch die Juden handelt. Sie lautet: ״Wir sprechen von der »Perjudung" der christlichen Gesellschaft. Wenn di« Christen christlich geblieben wären, Hüne der Jude wenig Einfluß aus den Christen. Dis, was man ״Beriudung" unserer «lernen Gesellschaft nennt, können Inden und Christen in gleicher Weise — verzeihen Sie mir den Barbarismus — di« Pagantfation Stiftung) der Gesellschaft nennen. Arier und Scmi1en,entchristlicht« en und vom Judenthum abgefallene Juden, kommen praktisch auf « Ziel, aus sin gewissensloses Heiftenthum, hinaus. Sem und Zappet, getrieben durch die gleiche Geisterrichtung, gleiten Arm an Ar« den gleichen Abhang hinab. Unsere schwerfSUIge» abendländischen Raffen, welch« das Evangelium mühsam dem Cullus der Materie und der roden Gewalt entrissen, sind auf dem Wege in ber früheren RaturaliSmus zurückzusollen, nur diesmal entkleidet von dem mythischen Schmucke, welcher einen Zauber von Poesie über die sinnlich« Natur- «n»»It ausbreitete. Und Israel selbst, auserwählt als daS Bolt Gottes, Israel, das in früheren Tagen durch die Propheten mit so vieler Mühe den Altären des Moloch und des Baal entrisse» wurde, dieseselb« Israel, entnervt durch die Börse und müde den Messias der Gerechtigkeit zu erwarten, scheint wie der alternd« Salomo die Verbindung mir dem Ewigen zu vergessen, um aus den Höhen »er Gesellschaft den sremden Göpen, Sem Samosch und der Astart«, Weihrauch z« streuen." — (Es liegt etivas ergreifend Wahres in diesen an die Sprache der Propheten erinnernden Worte. Red.) 7*tis. Selbst den besten Freunde» der Russen, den Franzosen, wird die schmähliche Verfolgung der Juden in Rußland zu arg So sieht sich der Pariser ״National" vom S. März veranlaßt, wegen der Ausweisung der zehn Jüdinnen, Frauen aus Kiew, den Russen in's Gewissen zu reden. Das französische Blatt ivundert sich darüber, daß man Frauen ehrenhafter Arbeiter ivegen Verkaufs von Milch und Brod ausimise, ohne ihnen vorher auch nur mitgetheilt zu haben, daß ihre Handlungen strafbar seien. Ein solches Verfahren, meint das ftanzösischc Blatt, sei unsinnig und unmenschlich. ״Und alles das," so schließt der ״National" seine Ausführung, ,geschieht in einen, Lande, welches von einem mächtigen und aufgeklärten Monarchen regiert wird. Sicher kennt wer Zar sollte Thatsachcn, wie wir sie mitgetheilt haben, nicht und eben deshalb halten wir es unsere Pflicht, dieselben anzuzeigen." Sehr schön vom ״National", aber helfen wird es nichts, denn das französische Blatt irrt sich. Es gehen in Petersburg selbst noch ganz andere Dinge vor. So erzählt der dortige Korrespondent des ״Daily Telegraph", daß jüngst ein Herr Graßman, welcher mit glänzendem Erfolge im Justlzminisierium gearbeitet Hab« und, vom Justizminister Manasicin befördert, dem Zaren vorgestrllt worden sei, von diesem aber nicht nur kühl, sondern geradezu feindselig emvfangen morsen sei, doch habe Herr Graßmann geglaubt, daß alle Tschinovniks vom Zaren so empfangen würden. Am nächsten Morgen sei Herr Manafsein zum Kaiser ber:!ftn worden und dieser Hab« ihm gesagt: ״Wie? der Mann, welchen ich gestern empfangen habe, der Srasmann, ist ja ein Jude!" — ״Nein, Majestät, er ist Christ; cs war ein Jude, ist aber vor eimgeu Jahren Staust worden." Ter Zar hat den Kops geschüttelt, die chscin gezuckt und auSgcrufen: ״N« tte Christen das!" Diese Worte hätten bal Schicksal Graßmanns btfltatlk ta>־^ selbe könne nun ebensowenig wie andere getaufte Jude auf Beförderung im Staatsdienste rechnen. " fitb. Die ״Agenre HavaS" drveschirte vor einigen Tagen, däß der Baron von Rothschild die Billa deS Vaters Gambetta'S in Nizza angekauft, um daselbst ein Sanatorium jür iSr. Kranke zu errichten. Diese Nachricht, die noch der. Bestätigung bedarf, veranlaßt den .UniverS" tat Zusammen« Hang der jüdischen Abstammung Gambetta'S (was bekanntlich unwahr ist) mit der seinem Hause werdenden Bestimmung, in Verbindung zu bringen. — Ein Schriftsteller NamenS Basset will zur Be» kämpfung des Antisemitismus in Frankreich ein Werk zur Vertheidigung de-JudenthumS mit dem Titel ״Israel und die ‘ Andern" veröffentlichen. Der ersteTheil wird ״die Juden und dir Andern" behandeln, und die Frage vom socialen, religiösen, j._j politischen und finanziellen Standpunkte au» beleuchten^, Der zweite Theil der Arbeit erscheint unter dem Tttel: ״Goldenes Buch" welche» ein Verzeichnis aller berühmten Israeliten von den ältesten Zeiten bis in di« Neuzeit enthalten soll. Msnlp-Iier, 5. MLrz.LetztenSonnabend starb hier im Alter von 72 Jahren der Senator Lisbonne. Derselbe vertrat Herault im französischen Oberhause, war 20 Jahre laug. Präsident des Genrralrathe« seiner Heimath. Geboren zu Nyons am 2. Aug 1818, studirte er die Rechte. Durch, tiefe juristische Kenntnisse und mft all-gezeichneter Rednergäbe brachte er e» 1818 schon zum EtaatSauwolt« in ד BezierS. Verbannt nach Algier infolge des Staatsstreiches. '1 kehrte er bei der ersten Amnestie nach Frankreich zurück. , -4 Nach dem 4. September 1870 wurde er Präftct zu Herault J bald darauf zum Generalrach gewählt. 1876 wurde er - Mitglied der Kammer und 1877 unter die Zahl der 368,׳; Abgeordneten wiedergewählt. Er betheiligte sich lebhaft des■ir der Debatte über daS Preßgesetz und über dir Ehescheidung.^? Lange vom parlamentarischen Lebe« zurückgezogen, ward «r H v: i 4 ■־d * 1888 zum Senator getvählt. Er war Ritter der Ehre» legion. Sein Leichenbegängniß wurde unter allgemeiuer Bethriligung abgehalten Das Präftcturgebäude hatte Trauer augelegt. Die Schnüre des Leichentuches wurden von dem commandirenden General des 16. Corps,. tan Präfrcten, tan Bürgermeister und dem Bicrpräsidenren des- Genera lratheS gehalten. Sämmtlich« Offiziere und Generäle der Garnison, mehrere Präfrtte», die Mrichtsbehördeurc. wohnten der Leichenfeier bei. Reden wurden von dem Rabbiner, von einem Kammerabgeordneten, tau Vice» Präsidenten des Generalraches uud tan Maire von Moutpiwlli. Der plötzliche Tod des Sir William ■2 Bürby Green, Minister Sr. Majestät de» Sultans, hat den unglücklichen Juden unseres Landes einen warmen ־■'' Freund geraubt. Die Vorgänge unter seinem Tonsolat in Marokko und später in Tun», Damascus, und Beyrut. lieferten den Beweis, daß er stets die aufric^igstrn Gesum-׳ ungrn gegen unsere Glaubensgenossen in den von ihm »erwalteten Localitäten hegte. Während der kurzen Zeit, at welcher er als brittscher Gesandter in Tanger weilte, vertrat Sr. Ercelleuz die Sache der bedrückten Juden bei verschie» denen Gelegeuheiten und ließ er es sich vorzüglich angelegen sein, den Sultan für die Erweiterung der elacden Ghetto«, in welche di« Juden zu Moaador tingesperrt waren, zu gewinnen. Wie sehr Herr W. B. Green den Jude« nt Marokkos gewogen war, geht auch aus folgender. Stelle eines von ihm an den Loarä of Depatiea und die Angln» Jewist-Association gerichteten Schreiben» hervor: ״Do» einzige hoffnungsvoll« Zeichen von dem Fortschritte, dtr sich im Reich« zu «nennen glebt, ist daS außerordealliche Strebe« nach. Civilisano», welches die maurisch«» Juden entfalten, die wahrschetniich in nicht zu ferner Zukunft auch Mt Mauren dahin bringe» »erse», sich fti« Wohlchaün de- Fortschrittes und des Unterricht», «eiche durch» Hilfe Ihre« Comfte«'» und unter Leitnng Ihre» Verein« in Eingang gefunden Haie», zu eigrn zu mcichen," -1 f 4 -.1- A