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Israelitische Wochenschrift · 1891-03-26 · 13 (26.3.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
13 (26.3.1891)
Date
1891-03-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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>',<n m waffcnWtm jüdische» R«chssä»»nt« oder Richter, c1:״*־ »Zacher sich nicht, »egen einen Jude» -löge ju erheben." -'־ ־ komme» die grätzte» Gransamkeiten vor? Unzweifelhaft bei •,* S Schien der Juden.- :^1x wenden und schaudernd ab von einem BolkSgeist«, der jeder et'״» »<^ung dar. nichts kennt alb Erwerb und Mer nach Erwerb, ־■. und Herrschsucht.- ,®ie Juden, diese Wucherer und Beirüger, di« Beraifter u-ü:7:1 Rresse und Litteratur, die Zersetzer unserer Kunst und Wissen- ' -oft, .!7s« Ausbeuter unseres Bolkes, diese Feinde unseres P ntg t ums u. a m." .80 sollen unsere christlich-deutschen Jungfrauen gerade gut genug c- 11 ,״m die vergisteten Säfte des entarteten Judenthums zu veredeln!" Dieses Blatt geriet sich als christlich und schreibt: ״Weil sie (die Juden) den Herrn verworfen haben, so hat ,ic Gott auch verworfen, daß sie nicht mehr ein Volk sein sollen." Nun, der Apostel Paulus war doch auch ein Christ und der schrieb (Rom. 11,1): .Hat denn Sott sein Volk verstoßen? Gewiß nicht! Ich bin ja selbst :in Israelit, ein Nachkomme Abraham's vom Benjaminstamm:.- Aber für .Das Volk" ist Paulus kein Gewährsmann, denn er sagt ja (Eph. 4,31): .Alle Bitterkeit und Heftigleit Zürnen, Toben, Schmähen sei ferne von euch, sammt aller Bosheit." Ein Mann, der das gesagt hat, kann unmöglich von einer antisemitischen Zeitung als Autorität betrachtet werden, denn .eine solche ohne Schimpfen" ist eben in• denkbar". Doch genug, übergenug für eine Nummer. Hs»«zla» (Schlesien), 22. März. Wie die Leser dies, gcsch. Blattes bereits durch eine kurze Notiz erfahren haben, beging der durch seine liturgischen Werke (.Schire Jisrocl" und,Hadraß Kodesch״) und durch seine sonstige litterarißhe Thätigkeit bekannte und hochgeschätzte Kantor und Lehrer Herr M. Tintner Hierselbst am 20. März d. I. sein 25 jährrges Amtsjubiläum und zugleich die silberne HochzeitSfrier. Welche Verehrung dem Jubilar von den weitesten Kreisen und besonders von seiner Gemeinde entgegengebracht wird, davon zeugte dieses Jubelfest. Es sei mir geftattrt, den Verlauf desselben zu schildern. Am Morgen des JubeltageS brachte dir Religiunsschule ihre Wünsche dem Jubilar dar. Lreselbe übergab ein kostbares Angebinde. Später erschienen der Vorstand nebst allen Gemeindemitgliedern. Der Präses der Gemeinde hielt eine den Jubilar sehr ehrende Ansprache, worauf Herr Tintner in längeren tiefbewegenden Worten dankte. Dir Gemeinde überreichte eine Ehrengabe, wie sie wohl nrir wenig.״. Cultusbeamtrn dargereicht werden dürfte. Von nah und fern, nicht bloß aus Deutschland, sondern auch vom Auslande liefen zahllose Glückwünsche und Telegramme rin. Autoritäten auf dem Gebiet« der Kunst und der Wissenschaft unterließen eS nicht, das Jubelpaar drrch Glückwünsche, Telegramme und Widmungen zu erfreuen und zugleich zu ehre«. Der Bürgermeister der Stadt, die Vorsitzenden der Kaufmannschaft, Synagogen-Vyrsiände vieler Gemeinden sandten Glückwünsche. Am Nachmittage erschien der Frauen» Verein, welcher eine sehr sinnige Liebesgabe überreichte. Bon allen ßeiten-liefen Ehrengeschenke ein. — Auch die in jetziger Jahreszeit kostbaren Kinder der Flora fehlten nicht. Am Abend versammelte sich die Gemeind« im Tempel zum Gottes» dieufte. An Hebung desselben hat sich der Jubilar während seiner hiesigen Amtstdättgknt besondere Verdienste erworben. Er hat ihn zu einem würdigen, Herz und Gemüth erhebenden gestaltet. Es ist ein Gottesdienst, bei welchem die Gemeinde sich nicht passiv verhält, wie etwa im Concert, um nur einen Ohrenschmaus zu habe«, sondern sie nimmt in würdiger Weift am Gemeindegesang, der von Orgel und Chor begleitet wird, regen Anthril. Es ist ein erhebender, wahrer jüdischer Gottesdienst, der aber das deutsche Wort und Lied nicht ausschließt. Rach der deutschen Sabbachweihe dankte der Jubilar in bewegten Worten Gott oem Herrn — uud der Gemeinde für die an dem Tage dargebrachten Zeichen der Liede und Berchrung und für das Vertrauen, das chm währrud feiner Amtsthätigkeit in so reubem Maße entgegen» gemacht worden ist. Der Jubilar gelobte, auch fernerhin in treuer Hingebung für Gemeind« und Schutt! * Htz».׳' GotteSwvrt und für den Gottesdienst zu wirken, .bis ihm das Auge bricht". Mit kräftiger und lieblicher Stimme folgte dir erhebend« Abendandacht. Wie wünschen»»verch wäre es, wenn all« Gemeinden so eimnüthig zu ihrem Lehrer ständen, und wenn alle für den schweren Beruf des Cultusbeamten ein solches Berständniß hätten; denn der Cultus» beamte also führte der Jubilar u. A. am Sonnabend aus. bringt schon durch seinen Beruf ein .Kordon" dar, .heute aber ist es ein Kordon Thocl», ein Opfer des Dankes". Der heutige Tag. der Sobnbbos Lovbnar werde ihm ewig im Gedächtniß bleiben. L. N. (Wir lassen hier noch einige biographische Notizen folgen: Herr Tintner ist 1843 als Deutsch-Oesterreicher geboren. Er verlor früh» zeitig die Eltern und fand liebreiche Ausnahme und musikalische Borbildung beim Oberkamor Schwarz iu Brünn; sein Gevatter, der Rabbiner Dr. Du schal, daselbst förderte seine hebräischen und rabbi- Nischen Itennmisse, so daß er genügend vorbereitet im Lehrerpädagogium in Brün» Aufnahme fand, und späterhin in Wien und Prag sich ia Musik und Gesang vervollkommnetc. Er bildete sich an den große» Meistern Sulzer, Perles u. A. Er wurde zunächst Chordirigeut, versuchte sich bereits als Jüngling in eigenen kleinen wohlgelungenen Eompositionen, lenkte aber bald feine Schritte nach Deutschland, woselbst er sich bleibend niederliesi und in glücklicher Ehe mit Hingebung un» Fleiß seinem Berufe lebte. In Bunzlau, wo er 16 Jahre ununterbrachen wirkt, fand er seine zweite bleibend« Heimath. Er ist nicht | nur in seiner Gemeinde beliebt, sondern auch als Bürger der Stadt geehrt. Er bekletdet La« Ehrenamt einestädttschea Waisenraths. Von ftine» 2 Söhnen besucht der älter« das Berliner Lehrerseminar,, die di« älteste 18 jährig« Tochter tritt berefts als begabte Eoncertsängeri« auf Es ist ein schönes wohlthuendeS Bild-aus dem jüd. Beamtenleben, daS Im Tinwer'schen Haus« jedem besuchenden College» entgegenleuchtet.) Kaffet.") (Schluß.) Ueber die Wichtigkeit dieser Ueberwachung äußert sich Herr Dr. Stein folgendermaßen: .Fern von aller Gängelei muß sie doch mit aller StreAge sittlichen Ernstes, mii Energie und Consequenz geübt werden. Allerdings erfordert sie selbstlose Hingebung und Opftr- Willigkeit. Niemals habe ich von den Zöglingen des Seminars etwas verlangt, was ich selbst nicht befolgt hätte. Ich muß an dieser Stelle bekennen, daß ein gottesfürchtigeS und tugendhaftes Leben während dieses Vierteljahrhunderts im Hause gewaltet hat, und daß dieser gute Geist auch jetzt noch die Lehrer erfüllt, welche aus dem hiesigen Seminar hervorgegangen sind. Aber nicht weniger ist es für de» künftige» Lehrer vorbildlich, wenn er ein einfaches und wohlgeordnetes Hauswesen vor sich sieht. Was er einst an Fleiß und Thätigkeit, an Pünktlichkeit und Anspruchslosigkeit der Gemeinde sein soll, das glaube ich jedem meiner Zöglinge in der eigenen Familie vorgelebt zu haben. Und zu dieser Vorbildlichkeit darf wohl schließlich auch meine Thätigkeit in der städtischen Armenpflege gerechnet werde». Auf die Mittvirkung des Lehrers an der socialen Frage ist erst jüngst von höchster Stelle hingewieftn worden,!odaß ich nicht nöthig habe, mich näher hierüber auszulassen." Wahrlich zuversichtliche Watte, die nur dem stolze» Selbstbewußtsein eines Mannes entfahren können, der auf der Höh« des Leben« noch in voller Schaffenskraft stehend, auf er» gottgesegnetes Witte» zurückblickrn kan». Während der Amtsthätigkeit des jetzige» Dirigeattn entließ daS Se» minar 106 Zöglinge; 86 sich im Amte befindende Lehrer, zum.Theil auch außerhalb der Provinz angestellte, habe« in derselben Zeit ihre zweite Lehrerprüfung am Seminar zu Cassel abgelegt, die augrublickliche Frequenz ist 24 Da» Lehrerkollegium besteht gegenwärtig aus dem Dirigent«», dem Seminattehrer Kotz, dem wissenschaftlichen Hülfslehrer Lang«, den technische» Hülsslehrern Haupt, Homburg, Siebert und dem Bementarlehrer Gutkind. Auch Herr Landrabbiner Dr. Prager ettheilt an der Anstatt einige Stunden. Der diesjähttge Etat balancitt in Einaahm« und Ausgabe auf ca. 15000 Mark, die durch eine» Beitrag aus der Provinzialkasfe, einen solchen aus der Gemeindekaßse, ferner durch Zinsen vorhandener Stiftungen, - sowie durch *) In vor. Rr. ist durch «ine» Druckfehler das Todesjahr Büdiaer falsch.-»-«-eben; er starb nicht 184» sonder» 1846 (pwtzltch).

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