Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 13 (26.3.1891)
- Date
- 1891-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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^-Her handelt in frevlem Trotze nicht zu gehorche« diesem Priester, der Mann soll sterbe«, damU Du ausrottest das Büft an« Deiner Mitte.' Line bescheidene Frage sei uni «stattet. Künftig soll «in Borstands, oder «in Gemeinde»Mitglied den Antrag aus Entfernung da» Rabbiners vom Amte stellen dürfen, wann dieser am Sabbath ein Taschentuch getragen, einen Regenschirm aufgespannt, oder an einem Wochentage den G^MNgogenbesuch versäumt, oder am 17. Tamus, so lange noch nicht drei Sterne am Himmel stehen, gegessen oder gar — Gott behüte — auf der Reise in einer Bahnhofs- «estauration Milch - Kaffee oder ein Gläschen Cognac getrunken hätte. Der Oberrabbiner wird constatiren, daß so etwas .religiös - anstößig* ist und der Unterrabbinrr wird von -seinem Amt« abgesetzt werden. WaS geschieht aber, wenn der Prager Obrrravöiner ein religiöses Rergcrniß gjebt? Soll dann etwa der Präses des Centralvereins für di« Interessen des Judenthums die Appellationsinstanz bilden. Und der Fall könnte doch eintrrten. Es könnte doch einmal ein Prager Obrrrabbiner kommen, der am Sabbath nut seiner Frau spazieren gehen oder gar das Theater besnchen will, obwohl das Letztere im Schulchan Aruch dem Mgtzendienst gleich gestellt wird und das Erstere von dem hochftligru R. Ezechiel Landau als Unzucht gegeißelt wird, »S könnte doch Vorkommen, daß ein Prager Oberrabbiner barhaupt in Gesellschaft erscheint, an wen soll sich dann Reb Schmul und Rrb David mit seinem beunruhigten Gr- Wissen wenden; wer soll die Schneidersragc lösen, wenn Red Ha,sch findet, daß der Talar des Oberrabbiners gar zu .galechisch* aussieht? ״Löset mir. Gras Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur/' Der Wahrheit die Ehre! Gerade der conservative Prager GemeindepräsrS Dr. Rose» bucher war eS, der diese Ungeheuerlichkeit chervorhob und verlangte, daß über dir Frage, wa» religiöses Arrgerniß sei, ein Schiedsgericht zu entscheiden habe, in welches Rabbiner und Gemeinde je ttori Mitglieder zu nominirrn haben, die dann einen fünften Unparteiischen beiziehen sollen. Damit hat Herr Rosenbacher gezeigt, daß es ihm Ernst ist mit jenen trefflichen Worten, die er bei der Amtseinführung des Oberrabbiners gesprochen hat, daß die jüdische Gemeinde keine Parteiregierung sein dürfe und die Pflicht Hab«, auch die Liberalgesinnten für retigivse Menschen zu halten. Wir müssen das umsomehr dankbar anerkennen, weil dadurch sich zeigt, wie Vieles ge- Athen könnte, wenn man auf unserer Rechten Sinn für Recht hätte, statt sich in Denunciationssucht und Verdächtigung zu erschöpft«. Run wird aber der Leser fragen: ״Was hat Cicero gesagt." Cicero sprach nicht einmal griechisch, schon deswrgrn nicht, well ihm das griechisch Sprechen für gewöhnlich etwas schwer wird. Er that das, was er nach dem Wunsche der Herren, die ihn mitgenommen hatten, eigentlich zu thun hatte, er schwieg und ״gab sich nisch zu derkennen." Gerichte ««d C*rvefy*«1fcet1f«tt. Deutschland. Zkagdeüurtz, 20. März. (Or.-Corr.) Die jüdische Wistmschaft ist rn der letzten Zeit schon zu wiederholten Malen von Paris aus mit bedeutsamen Erscheinungen überrascht worden. Um so mehr fteuen wir uns schon wieder über ein neu erschienene- Werk berichten zu können, das {!war scheinbar nur ein kleines, engbeschränktes Gebiet umaßt, in Wahrheit aber nicht nur für die speziell jüdische Forschung, sondern für die aesammte historische Wissenschaft von Bedeutung ist. ES erschien nämlich in dem weltbekamtten Berlage von Didot eine Arbeit des Gelehrte« tanachi: ,Der heilige Stuhl und dir Juden, das Ghetto zu Rom-.*) Dir Stellung de- Verfassers SekrrtairS der pariser Gesellschaft für histonsche Studie«, bürgt dafür, daß wir rS hier mit einem exakten. Beschicht-, forscher zu thun haben. Außer zahlreichen gedruckten Quellen, von denen wir nur das große Bullarium von den Jahre« 1887—77 erwähnen wollen, har der Verfaffer auch das Glück gehabt, einige bisher Theils unbekannt«, ThellS unbenutzte Quellen zu Rathe zu ziehen. In der Vorrede sagt der Verfasser darüber Folgendes: ״Dank dem Entgegenkommen der römischen Ltadt Verwaltung. ist es mir vergönnt gewesen, dt« mir so großer Arbeitskraft und Veduld von dem bedeutenden Belehrten Pascal Adlnolfi gesammelten Bemerkungen wttzuverardeiten, die er im Hinblick aus sein vortreffliches leider woge« seines srühzetliaen Todes unvollendete« Wert**» über die Topographie des miilelalteruchen Rom'» gesammelt hat." Ferner haben dem Verfasser namentlich die Archiv« der dem Ghetto benachbarten Kirchengemeinde werthvolleS urkundliches Material in großer Menge geliefert, und auch die Casanatensische Bibliothek, welche zahlreiche bislang unadirt« Verordnungen und Befehle der Päpste und ihrerVicare enthält, ist eifrig und ausgiebig benutzt worden. Das Werk zerfällt nämlich in drei Bücher, von denen das erste über Wohnung Physiognomie, das zweite über die Gemeindeversajsung de» Ghetto's, das dritte über die Juden und ihr Vcihältniß zur päpstlichen Verwaltung handelt. Wir theilen für heute in dies. Bl. nur einen Auszug des Inhaltsverzeichnisse« mit. aus dem der Leser die Reichhaltigkeit des glänzend ausgestatteten Werkes ersehen wird: Das Judenquartier zu Rom bis zur Uebersiedluug der Juden, aus daS linke Tiberufcr. — Tao Judrnquariier vor dem Edikt von 155b. — Die Anlage und topographische Beschreibung deo «Shetto. — Entivicletung und Verfassung der jüdischen (Gemeinde. — Das Leben im Wlftth'. — «iiejchichie der jüd. Gemeinde unter den Llaisern und unter den Päpsten — Tic öieldverhältnisse des Ghctto'S. — Die Rekriltirung der Täuflinge lind das ZwangSanhören von Predigten. — Das HauS der Natechumcnen. 3. I. □ Aerlia, 9. März (Or.-Cvr.) Die ״Jsr. Wach." brachte einige schön geschriebene Leitartikel über die Aufgabe einer jüdischen Zeitung; darin wurde ihr die .Hauptforderung gestellt, ein Kampfmittel gegen die wüste Agitation der verthierten Antisemitenrotte zu sein, und zu dem Zwecke die Leser auch bezüglich der Angriffe jener jubenftindlichen Blätter stets aus dem Lausenden zu halten. Freilich ist eS eine starke Zumuthung und Ausgabe nicht minderbar für den Redakteur wie für den Leser,!«ständig im Schmutze zu waten und zu wühlen. (Es ist uns schon aus dem Grunde nicht möglich, so etwas wie eine Ztinkblumenlese aus den anttsemitischen Schimpfereien herauszuholen,, weil unsere Seyer sich weigern würden, dergleichen Schmutz abzufttzen. Red.) Trutz alledem lind alledem dürfen wir dem unausgesetzten Lärme» und Toben jener gegenüber nicht die Rolle des stillen Dulders spielen. Radau läßt sich eben nicht todtschweigen. zumal wenn jene Blätter von Zell zu Zeit die schmutzigen Hände in Unschuld waschen und heuchlerisch auSrufen: .Urin Angriffe gegen das Judenthum finden sich nirgends in der christlich-deutschen Presse." Das wagen Blätter S" Da vegetirt hier ein Blatt ״DaS Volk" (offenbar die Uebersetzung von vulgus), das ölt geradezu sein Spalten mit christlicher Liebe und wir dürfen das Blatt wohl ab» rin der .christlich-deursctzen Presse" angehöriges bettachteu. Einige kurze Citate aus der mir gerade vorliegenden Nummer mögen den obigen famosen Satz (der ״Staatsbztg.") illustriren: »Jüdisch« Zeitungen sind es, weich« die llnstttlichkeit offen vertheidigen." (Dies wird ohne jeden Versuch eines Beweise» behauptet, für Lügen giebt eS eben kein« Beweise.***) *) I,« 8»int-3isge st ls» Juiae, 1• Ghetto ä Borne Feiis 1831. ohez Finnin Didot et Oie. gr. 8*. 383 peg-, ftveo oinq illnetmtiona. **) Die ersten beiden Bänd« sind 1881 in Rom im Druck erschienen. ***) Unter .jüd. Zeitungen" verstehen die antikem. Blätter die von jüdischen RedakteurenaelritetenTaaeSjeinmgen wie z.B.da».Berl.Tag«bt.", d«r.Börj^tnr."u «. DienachträgNcbeTanfeeinesLhes-Redakteurs und noch (0 christenfremrüliche Artikel nifut da gar nicht»; bas Blatt gilt in den Augen jener immer noch als »Jud«nbiatt".'M,״l *?HIV KBfflP C*3lt