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Israelitische Wochenschrift · 1891-03-26 · 13 (26.3.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
13 (26.3.1891)
Date
1891-03-26
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Scheibe werde bis Jude am Freitag und alle Glaser in n weisender, der *rief in Rußland lebt, erzählte — ,.r. ihm sei einmal in einer großen Provinzialstadt Malheur pafsitt, am Freitag Nachmittag eine Fenster- ׳ ■>* im Hotel entzwei zu schlagen; als er davon dem -<enntniß gab, ersuchte dieser ihn, ein andere» Zimmer , iehen, denn die Reparatur der < nnuuend Abend dauern, weil kein T.!hmiltag und am Sonnabend arbeite *׳*i ״ iltn Stadt Juden seien. Also auch in den Zeiten und in den Landen, »o der von dem Getriebe der Weltkultur sich fern hielt, und giebt es jüdische Handwerker. Dadurch soll da» " dienst der wackeren Männer, die sich heut bemühen ן" ■tjdK Knaben für daS Handwerk zu gewinnen und $u erziehen, nicht geschmälert werden: es soll nur einem wertvbreiteten Vorurtheil über die Vergangenheit unserer Geft entgrgengetreteu werden. Man hat nie unter «..3 c-־ Bibelwort vergessen: wenn Du das genießest, was?-litt Hand Dir erworben, dann Heil und Wohl Dir. über so sehr unsere ganzen Sympathien dem Anträge s Landrabbiners Tr. Rülf -lBraunschweig) gehören, der toerlin die Förderung des Handwerks unter den Juden trmen Kollegen dringend ans Herz gelegt hat, so schwer 1 es gerade den Rabbinern, hier wirksam einzugreisen,?-r Rabbiner kann doch nicht einen jüdischen Knaben in r.. Werkstatt führen, in welcher er am Sabbath werktägliche -:heit vornehmen muß. Der ungeheure Riß, der durch unser ganzes praktisch-religiöses Leben in Deutschland klafft, ■t sich hier in erschreckender Weise Referent weiß es, daß m r:1״ Orte, in welchem er amtitt, eine nicht geringe Zahl jüdischer Knaben zur Zeit bei christlichen Meistern das Handwer? lernt und den Sabbath verletzt; manche dieser Lehr- 1.!ze werden von jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen, ja von Ostungen, welche direkt der Förderung des Handwerks -mter xn Juden dienen, unterstützt und der sociale Segen nicht aus. Aber dies alles geschieht, muß geschehen den Kopf des Rabbiners hinweg, hinter dessen Rücken,!tzen wir den Fall, daß es dem Lehrling mit großen «.Tfiern ermöglicht wurde, den Sabbat zu halten, wird der ’:f?U ihn nicht meist dennoch später entweihen? Unsere!!le Gesetzgebung in Deutschland erhöht von Tag zu Tag Schwierigkeit. Die Heilighaltung des Sonntags wird von 1*arteten, mögen sie sich sonst noch so sehr befehden, r^c eine Maßregel gefordert, ohne die die Welt nicht be »chen kann. So sehr diese Bewegung Zeugniß ablegt für ■ 5 Judenthum, das den Sabbath an die Schöpfung selbst ^gliedert, für den religiösen Juden ist sie eine große ׳ E'rge. Wo soll der Lehrling, der Gesellt, Arbeit finden, der i lag« in der Woche ruhen muß! Selbst der strengreligiösr ,üdisu-e Meister wird es künftig schwer baben, sich mit der streugen Sonntagsordnung zurecht zu finden, die ja bei uns keinen strikt religiösen, sondern mehr einen socialpolitischen Charakter haben wird. Darum ist e» vielleicht besser, wenn die Förderung des Handwerks unter den Juden bei uns von solchen betrieben w!rd, die betreffs der Sabbathweihe ein Aua« zudrücken können und wollen. Das kann der Rabbiner nicht; er kann einen Knaben, der Rath und Förderung verlängt, nur einem solchen Berufe zuführen, der mit Wahrscheinlichkeit die Aussicht bietet, daß in ihm die Ausübung «mes so wichtigen religiösen Gebotes wie der Sabbath ohne große Schwierigkeiten möglich ist. Gewiß, wo Gelegenheit vorhanden ist, daß ohne Berletzung der religiösen Satzung das Handwerk gelernt und später ausgeübt werden kann, da soll der Rabbiner fteudig an» Werk gehen; aber ich fürchte, die Gelegenheit wird sich nicht allzu häufig bieten. Darum soll der Rabbmer sehr vltefichtig, so scheute es uns, in eine Sphäre eiugreisen. bte für ihn doch mehr Schwierigkeiten als für jeden Andern hat. Der Orthodoxe wie der Radikale könne« sich sehr leicht helfen, aber wer die Forderungen des Leben- und me F-orde- «* -־•■־ ־ ״«׳ •־•••ן־ ■jp « mögen der Religion gern in Lmklsng bnngen möchte, Mf oft, wo es die Fordern ng de» Handwerks in unserer Mitte gilt, vor folgenschweren Entscheidungen. Es kann unter Umständen ersprießlicher sein, wenn sich der Rabbiner darauf beschränkt in seinen Steden den sittlichen Werth de« Handwerkes zu erweffen und zu feiern, den Beweis zu liefern, daß es unter den Jude« alle Zeit in Ehre gehalten worden ist. und wenn er dann di« Nutz» anwendung auf di« Gegenwart praktischen Männern über« läßt. Bon der theoretischen Billigung bi» zur praktische« Bethätigung ist in dieser Frage der Schritt für den Rabbiner weit und verhängnißvoll. Der D.-J. G.-B. und die Vereine sind in ihrer Aktion freier alder Rabbiueroerband. Herr Dr. Rülf, der da« religiöse Dilemma unberührt gelassen hat, wird nächstens in den Berichten des Verbandes eite Expos« über diesen Gegenstand verüffeattichen. 8. R. ■ Vöhmische Dörfer. Endlich ist der Schleier von den geheimnißvollen Ber- Handlungen gelüftet, welche in der Statthalterei über das neue Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden gepflogen wurden. An dieser Euquste, welche unter Vorsitz eines Statt halte reisekret1.rabgehalten wurde,!.ahmen Theil: Dr. Arnold Rosenbacher, Präses *er Eultusgemeinde in Prag, Dr. Moritz L i ch t e n st e! n namens der Repräsentanz der Landesjudenschaft in Böhmen, Dr. Friedrich DuscheneS für den jüdischen Eentralverin in Prag und als Vertreter de« RabbinerstandeS — Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld in Prag. Von den Gegenständen, die verhandelt wurden, erregt unser hauptsächliches Interesse die Bestimmung über das Dienstverhältniß der Rabbiner. DaS Gesetz verlangt nämlich, daß der Rabbiner auf längere Zelt anzustella» sei. Die Statuten der Gemeinde sollen nun den unbestimntteir Ausdruck «längere Zeit' definiren und das Musterftattlh welches jene Enquete zu berathen hatte, soll diesbezüglich ein, wenn auch nicht bindendes, Normale auft'tellen. Was geschah? Der Antrag wurde gestellt, daß der Rabbiner ans drei Jahre angestellt werde und vier Wochen vor Ablauf dieser Frist gekündigt werden müsse. Da der Herr Statt» ' haltereisekretär diese Interpretation de- Wortes ״längere Zeit" etwas merkwürdig fand, stellte ein anderer Herr de« Bermittelungsantrag die Kündigungsftist auf sechs Wochen auszudehnen. Man ging dabei offenbar von der Voraus« setzung aus, daß die Rabbiner dadurch den ihnen goniß social überlegenen HandlungScommiS gleichgestellt werden und vor den ״Hausknechten', die man vierzehntägig kündigen kann, sogar noch einen großen Vorzug genießen. Merkwürdiger Weise hatte der Herr Statthaltereisekretär für diese Humanität zu wenig Berständuiß, sei es, daß er diese Schmach; welche man gebildeten Menschen anthun wollte, empfand, sei es, daß. er wußte, wie wenig damit de» Wünsche« der leitenden RegieruagSkreise entsprochen werde. Genug, cs ward«, wie seinerzeit i« Szekler Landtag beschloffen, weiterregnen zu lassen, d. h. de« Minister selbst die Interpretation dessen, was ״längere Zeit' heißt, vor» zubehalten. Nun kam noch ttwas Anderes betreffs des Rabbiner» vor. Man sollte ftststellen, welche Umstände ihn seiner Stellung verlustig machen und kam zu dem Begriffe ei «äs religiöse» AergeruiffeS. Was ist ״religiöses Aergerniß?" Es 8" '' ‘ ""׳*■ ... Vorsteher mit einer von ihm abhängigen Eliqne nicht das religiöse Lergerniß zum Vorwände nehmen wird, um den. ihm unbequemen Rabbiner zu beseitige«? Da wußte Herr Dr. Duschen«- Rath. Das besorgt der ״Prager Over» rabbiuer'. Er ist das inappellable Syahednon, von deffeu Ausspruch man ״nicht weiche» darf wä« rechts noch links»

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