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Israelitische Wochenschrift · 1891-03-19 · 12 (19.3.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
12 (19.3.1891)
Date
1891-03-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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ali Geistlicher in volle« Maße wie ehedem zu erfüllen, zu küudige» mid ihn auf Ruhegehalt zu setzen. Diese Mitlheiluug wurde dem, nicht nur in Altona und den Heqogthümern, welche dem Oberrabbinat unterstellt sind, sondern auch in Homburg höchst beliebten Manne vor einigen Tagen zur Kenntniß gebracht. Herr Dr. Loeb hat sich um di« .Hebung der Institutionen der Gemeind« Altona, namentlich auch um die Schule große Verdienste erworben und ich glaube behaupten zu dürfen, daß es unseren Nachbaren schwer werden wird, sobald einen ^Ersatz zu finden. Trotz seiner strengen Frömmigkeit und unbeugsamen Charakterfestigkeit, verstand er es durch sein leutseliges, menschensreundluhes Wcs-n, sich mit allen Parteien in ein gutes Einvernehmen zu ietzen und dadurch manches zu erreichen und zu erhalten, das einem minder friedfertigen Manne niemals gelungen sein würde. Ls giebt wohl Niemand, der ihn nicht mit tiefen! Bedauern aus seinem Amte scheiden sieht. Dr. Loeb steht noch im besten Mannesaltrr, wenn ich nicht irre, im 53 Lebensjahre, hat sich aber, vermuthlich durch zu sehr angestrengte Thätigkeit, ein schweres Leiden zugezogen. Schon seit einer langen Reihe von Jahre» ziert schneeweißes Haar das edle, schöne Haupt dieses verdienstvollen, an Jahren noch jungen Mannes. Möge ihm die ,-}fit der Ruhe, welche ihm nun zu Gebote steht, dazu beitragen, seine Kräfte neu zu stärken und zu beleben. — — Gestern feierte die Beerdigungs-Brüderschaft der deutsch-israelitischen Gemeind« das übliche Fest im Central- Hotel. Etwa hundert Einladungen waren ergangen. Außer den Gemeinde-Vorstand hat der Vorstand der Ottodrakadiacha diesmal in liberaler Weise auch zwei Mitglieder fee« Vorstands der ,neuen Beerdigungs-Gesellschaft" eingeladen. Die Festrede hielt der Herr Obcrrabbinrr Hirsch, »er es verstanden hat, sich in kurzer Zeit die Liebe und Verehrung der Gemeinde zu erwerben. Ztreade», i.März. Im Jahre 182g,beiGelegenheit der Feier von Moses Mendelsjohn's hundertsten Geburtstage, ward im Schooße der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde der Mendelssohn-Verein errichtet, zu dem Zwecke: ,Handwerk, Kunst und Wissenschaft, sowie jede nützliche Thätigkeit bei der hiesigen israelitischen (Gemeinde zu befördern und über- Haupt den geistigen Zustand der Israeliten möglichst zu verbessern." Der Verein, zu dessen Mitgliedern von Haus aus hervorragende Personen, unser Königshaus an der Spitze, zählten und zählen, hat in sechs Jahrzehnten seiner Thätigkeit vielen tüchtigen Männern die berufliche Existenz begründet. Er hat mit den praktischen Zielen dir idealen der Sesammtheit gefördert. An Stelle seiner 1830 errichteten ,vorläufigen", wurden 1883 definitive Statuten errichtet, nach denen der Verein den Mitgliedern der hiesigen israelitrschen Religionsgemeindr für ihr« Kinder zur selbstständigen beruflichen ltzistenz, vorzugsweise zu Beförderung von Handwerken an Lehrgeld, dann auch Stipendien zum Bcstich von Gymnasien und Hochschulen u. s. w., sowie durch darlehnsweise Bcitragsschaft die Mittel zur gewerblichen Seldftständigmachung bieten soll. Ausnahmsweise wurden voin Verwaltungsrathe, mehr dem Geiste als dem Wortlaut fei Statuten nach unterstützungsbedürftige Glaubensgenossen bedacht, die der hiesigen Religionsgemeinde nicht angrhörten. In einer für den 8. März einberufrnen Generalversammlung hat der Verein durch Annahme neuer Statuten, in der Hauptsache im Sinne der alte.1, sich als Genossenschaft bonstituirt. Bei Berathung der neuen Statuten wurden die alten, wieder aufgenommenen Sätze ausdrücklich betont: daß vorzugsweise die Erlernung von Handwerken zu fördern, sowie daß jeder Unterstützte die moralische Pflicht zur Rückerstattung hat. Nur ausnahmsweise können, bisheriger Hebung entsprechend, hier nicht ortSangehörige Glaubens» «nassen unterstützt werden. Alle drei Jahre findet eine Verein-Versammlung zur Wahl der Borstandsmitalieder statt. Die konstituirrnde Versammlung wählte: Emil Leh» »am», Kaufmann Felix Meyer, Hofjuwelier Juluv» Jacoby, Rabbiner Dr. Starter und dev bisherigen Aasstrrr Banquier Oskr Lefier. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit dem Wunsche, daß die immer zahlreicheren, an de« Berrin herantretenden Gesuche durch Erweiterung der Mitgliederzahl, Erhöhung der Milgliederdeiträge und die dem Verein nunmehr als Genossenschaft erleichterte Zuwendung größerer Spenden — bei Lebzeiten wir letztwilliger — entsprechende Befriedigung finden mögen. MLnche». Die hiesige ,Allgemeine Zeitung" vom 13. März berichtet: Zum Festgottesdienste in der Synagoge anläßlich des 70. GevurtSsestes Sr. Kgl. Hoheit des Prinzregentrn hatte sich die israelitische Kultusgemeiude in überaus großer Zahl eingesunden. Das Gotteshaus war in allen seinen Therlen überfüllt. Die kal. Polizeidirektion und die städtischen Behörden waren durch Deputattonen vertrete». Die von weihevollen Gesängen umrahmte. Festpredigt de- Rabbiners Dr. Per les ging von den auf König David bezüglichen Schriftworten aus Psalm 78, 72: .Er weidet sie m der Schlichtheit seines Herzens und mit weifen Hände» leitet er sie"; ferner 2. Samuel 23,3: ,Es herrscht üoer die Menschen der Gerechte, er herrscht in GotwSfurcht" undfeierte den hohen Jubilar als Regenten im Sinne der heil. ן Schrift, als Vater der bayrischen Volksfamilie. Mit eine« feierlichen Weihegebrt des Rabbiners und der Absinguna der Regentenhymne durch die Schuljugend schloß die erhebende Feier. Aalserskautera. 12. März. (Or.-Eor.) Seit viele» Jahren wird bekanntlich in Bayern an den höheren Schule» auch der jüd. Unterricht als ein obligatorischer Unterrichts-Gegenftand nach jeder Richtung hin gehanohabt. Er ist nicht nur ein wesentlicher Bestandtheil der Prüfung»» gegenstände beim Abiturientenexamen an Gymnasien, Real» schulen und Lehrerbildungsanstalten, sondern erfährt auch noch — nach einem neulichen diesbezüglichen Erlass« de» Ministeriums — eine erhöhte Bedeutung dadurch, daß auch eine schriftliche Prüfung den betr. Abiturienten aosgegehe» ist. Wir registriren diese Thatsache nicht blos um ihrer selbst willen, sondern auch um zu zeigen, daß das besonder»- in Preußen schon so oft ausgesprochene x»iam deridariaa den fakultativen Charakter des jüd. Religionsunterricht a» den genannten Anstalten aufzuheben, sicherlich als eine heilbrinaende Jnstttutton erfüllbar ist. Möge in unserm einqea deutschen Baterlande recht bald auch hierin eine Einheit erreicht werden! Schwede». Kleckst» l». Obschon dir gegenwärtige Geschichte der Juden in Schweden nicht sehr belangreich ist, teigen doch hin und wieder gewisse Vorkommnisse, welch hoher öffent» licher Stellung sich manche unserer Glaubensgenosse« zu er»- freuen haben. Zu diesen gehört auch Herr Abraha« Hirsch, Dirrctor der Köaigl. Musik-Akademie. Bereitslängere Zeit Ritter de- Wasaordens wurde Herr Hirsch am jüngsten Geburtstage des Königs mit dem Nordsternardm drrorirt. Herr Hirsch hat auch in anderer Beziehung sich \ um das Judenthum hoch verdient gemacht. Er war 38;נ Jahre Präsident der jüd. Schulverwaltung, und wenn einst * eine Geschichte der Jude« Stockholm'- geschrieben werde». - sollte, so wird Herr Hirsch einen Ehrenplatz unter den« einnehmen, welch« mit unermüdlichem Eifer und mit beste« Ersola chr ganzes Leben der Emanzipation ihrer schwebst!chm Slauoeusgenossm gewidmet haben. Durch seine hohe Stellung^, seine feine Bildung und sein reiches Wissen m der hedräischm Geschichte und Litteratur hat er manches Borurcheik verscheucht, welcher ehemals gegen die Juden seines Laude» herrschte. Einen weiteren Fortschritt unter de« Judm uns, Lande» bezeichnet die Wahl de« Konfuls John Phil ohn als Mitglied im Oberhause des Parlaments, lippsoha ist Dirrctor derskandinavische» Baak i» und Zstrde i« rdelsten Sinne de» J? •Cm

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