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Israelitische Wochenschrift · 1891-03-19 · 12 (19.3.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
12 (19.3.1891)
Date
1891-03-19
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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9K«fI«ab. י י :?<tcffttar|, L ®Ätj. G,!stern hielt die im Justizs. Ministerium tagende Gpeciaikomijjion zur Aufstellung einer י ז Neuen Verordnung über die Advokatur ihre letzte Sitzung. Äm neuen Gesetzentwurf heißt rt: «Ta sich Mt Zahl der jüdischen 'Hfcoofatc* stet» vermehrt und diese« einen »ersetzenden Einfluß aus die ftocporation der Rechtsanwälte haben muh (?!), s, ist beschlossen worden, zur Au»übuna der Advokatur -- die Juden blo» in einer solchen Zahl zuzulaffe», welch« derrn schädliehen Einfluß »eutralisirrn könnte. Al» «ine solche Rorm ist tv püt. anerkannt worden. Aus je 10V christlich« Rech««anwälte dürsen von nun an nur 10 jüdische kommen * Die Zahl der jüdischen Advokaten hat sich aus dem ganz einfachen Grunde vermehrt, weil für jüdische Juristen der Staatsdienst und andere Laufbahnen verschlossen sind, so daß ihnen nur die Advokatur übrig blieb. Diese wird ihnen nun auch fast ganz verschlossen. Abgesehen von der «wähnten drakonischen Maßregel enthält der neue Gesetz- «ntwurf noch andere Paragraphen, die einen völligen Ausschluß jüdischer Rechtsanwälte aus deb Korporation bezwecken. Demi eS wird dem Conseil, in welchen von nun an kein Jude gewählt werden darf, freigestellt, nur solche Juden aufzilnehmen. die dessen für würdig erachtet werden Der Conseil, welcher größtentheilS aus Antisemiten bestehen dürfte, wird siih gewiß beeilen, von diesem ihm sirigestellten Recht den weitesten Gebrauch zu machen, um sich lästiger Kon» kurrenten zu entledigen. Der Willkür ist hier der größte Spielraum gegeben. (Fr. Z.) Vermischte »rrd »rueste |Ud!rid)tru. gJts$beittrt, 17. März. I» der heurigen Versammlung des Werdande» der Deutschen Rrüh»sechtschule, stand die Besetzung von drei Binder»Stellen im hiesigen Waisenhaus« zu Ostern aus der lag«»- »rdAnng und wurde von Herrn B. Michel der Antrag eingebracht, «ine dieser Stellen sür ein jüdische» Kind zu reserviren. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der auszunehmend«, bedürftige Waisenknabe soll im Alter von 6—10 Jahre stehen. Dir Besetzung hat dt«»um 7. April zu geschehen Mntzpatznvn. Eine höchst daukenswerthe Polizeiverordnung hat her Regierungspräsident von Düsseldorf erlassen. Die lödtung de» *Rindviehes durch Genickstich wird bei SO Mart Strafe verboten. Mldchte» doch überall, wo noch Genickstich, dies« entsetzliche aller Schlacht- «len, «ngewendet wird, die Behörden ein gleiche» Verbot erlaffen. Seni«. Unter den zahlreichen Kränzen aus Wiadthorst's Sarg befand sich auch einer von Vletchröder. (Vindthorst ist in seiner Gerechtigkeit-liebe stet» auch für die gerechte Sache der Juden »arm «ingetretrn und hat einen Kranz der Dankbarkeit seiten» der Jüdin wabl verdient, kr gehörte zu den ,חסידי או* ד. Sein Andenken sei gesegnet! Red.» Brest«»« 6. März. Zum 1. Avril ist Herr Dr. F. Lazarus, Hörer der hiesigen jüd. theol. Seminar» und im Begriffe, seine Studien an demselben abzuschlteßen, al» Stellvertreter de» Rabbiner« ' Hesp. zweiter Rabbiner» und erster Relioionslehrer nach Köln a. Rhein derufen worden. Derselbe ist Verfasser der den letzten Band in - Brüll'» Jahrbüchern bU den den (auch besonder» erschienenen) Beiträgr z. Geschichte ,Der krUfürften und Babylonien*. Dinspnrs» 12. März. Wegen Störung de« Gottesdienste», twrübt am 81. Oktober v. I. bei Gelegenheit de» Begräbnisses de« . Hausmanns David Plaut durch Lärmen und Rufen während der dom Rabbiner Ghaltrne» Leichenrede auf dem jüdische« Kirchhofe »u ׳ 'Wessi waren Johann Jansen und Wilhelm Langer» von Wesel , -nmter Anklage vor der Strafkammer de» hiesigen Landgericht« gestellt. Erste»«« wurde zu 8 Wochen Gefäugniß vernrtheilt und Letzterer frei- ^^^^rllhrshri». Da« Herrrnhau»mitgli«d Oberbürgermeister Etrnckman» und der frühere Abgeordnete Justizrath Götting Geißelten tm liberale» Verein di« »Schmach unsere» Jahrhunderts* Beil scharfen Warten, und wollte» di« Genannten auch in einem Aufruf . Hnm Beitritt zu de» Berliner Leretn zur Bekämpfung de« Anti- ־ fe«riti»mu» und event. zur Gründnng eine« Zweigverein« aufforder«. W>r»ß»»W, k. März. Zu de» vielen reichen Ltiswngen, welch« unser« Stadt bereit» besitzt, ist nenerding» eine überau» uahmhoste .. htnzngctommen. E» haben nämlich dir Herren Kabriksbesitzer Michael ^zd Max Kohn, Mittheilhaber der Firma Elia« Koh« (Leder- und tkreibriemcniabrik dahier), welche sich von der technische» Leitung »er Fabrik zurüchtehen, mit je 100.000 Mark, also mit zusammen »00.000 Mark eine Stiftung errichtet, di« zunächst den Zweck haben, de» gegenwärtigen Arbeiter» der Firma Elia« Koh« für den Fall Arrr Erwerbung» unsähigkeil dauernd »der vorübergehend ein« zur -Bestreitung de» nothwendigeu Lebensunterhalte» sür sich' und ihre?Hawilien «»»reichende Unterstützung zu gewähren, dt« jedoch nicht den Eharnkwr einer Urmennnterstützung trage» und di« politischen Rech» her Bedachten beeinträchtige» soll. Ferner ist damit «ine reiche Stipendienvergebnng sür Swdirrnde aller BerNkäarten verbunden. D«S einzeln« Stipendium soll nicht unler KOO Mark betragen. Da» Sttftnngsoermögen wird bei dem hiesigen Ttadtmagistrat Hinte.legt. Sin. Da» deutsche ,Volksblatt* weint bitter« Thränen, daß t« heiligen Rom ein Jude einen Ministerseffel einnimmt, und daß, o Himmel! im Broßherzogthum Hesien drei Stühle für Mathematik zu weinen haben. Red.) Wie». Die Zahl der antisemitischen Abgeordneten beläuft sich ans 15 — nenn in» odio•»! — Die;tat)[ der Abgeordneten jüdischer Eonsession beträgt 12 (nach Anzahl der Stämme). L» sind folgende: Dr. I. S. Bloch, Dr. Byk, Julius Ritter von Gomperz, Dr Heinrich Jaque», Rafael Lnzatto. Joseps Reuwirth, Leopold Pollak, Heinrich Popper, Dr. Arnold von Rapoport, Dr. Moritz Rosen stock, Adolf Schwab, Heinrich Wagner. Gneis. Die Besetzung der Pariser Oberrabbinerstell« soll auf Anregung de» abwesenden und kranken Eonsistorialpräsidenten Gustav v. Rothschild doch noch vor Peffach entschieden werden. Zn tieft» Zwecke hielten Sonnabend, den 7. März und 14. März Nachmittag» 4 Uhr di« Oderrabbiner Jacob Levq au» Bordeaux und Dreifuß au- Brüffel in der Synagoge rue de la Bietoire Eandldatenreden. Gneis. Während ihre» Ausenthalt» in unserer Hauptstadt, hat die Kaiserin Friedrich mehrere Juden au» den höchsten Siittln durch einen Besuch beehrt, besvnders solch«, deren Kunstschätze da» Jntereff« Ihrer Majestät aus sich zogen. — Der B«rwaltung»rath des Observatoriums ist für eine dreijährige Periode ernannt worden Unter den 12 Mitgliedern befinden sich lt Inden und zwar Oberst Mannheim, Leon Philipp, Director der Landwirthjchasts-Hydranlik, und Maurice Lewy, Mitglied de» Instituts und Vertreter de» Kriegs-, Ackerbau- und Unterrichtsminister» Mo». Der Legationsrath, Gras OscarHierschel von Mioerbi, welcher zu einem hohen Posten bei der italienischen Gesandschast in London ernannt worden war. wurde nach Rom abderusea und mit einer verantwortungsvollen Stellung im auswärtigen Ministerium betraut. Der Gras ist Jude und In Triest geboren. Hernien Ich schrieb Ihnen neulich, daß außer dem Schatzmeister Lazitti auch andere Israeliten in da» Ministerium «ingetretrn, u. A. Romanin Jacur als Untersta«t»secretär der öffentlichen Arbeiten und Malvano al» Direktor der auswärtigen Augelegcnheiten. Letztem« wurde von Lrispi zum Gesandten in Japan ernannt, lehnte ab und gehörte alsdann dem Staat».ath« an. Jacur ist «in hervorragender Ingenieur, der schon verschiedene aus dem Gebiete der öffentlichen Arbeiten wichtig« Berichte der Kammer erstattet hatte. Lvndo«. Die ,Dailn News" schreiben: .Ei» charakteristische» Bild von der Behandlung der russischen Juden durch die Behörden zeigt folgender Borfall, der sich in Kremrntscheg am Dnieper zugetragen hat: Ein Jude hatte einen Sohn, Rainen» Jankel Leib», welcher >877 im Alter von 10 Jahren gestorben war. Renn bi» zehn Jahre!päter sordertr die MUikairdehörd« den Berftorbeuen ans, sich zur Eonscripiioa zu stellen. Da dieftm Ausruf nicht Kola« geleistet »erde» konnte, wurde der Bater zu der üblichen Geldstraft von 300 Rubel vernrtheilt. Der Berurtheilte appellirie und petitionirte gegen da» UrtheU und wurde nach Berlaus von 1 bi» 2 Jahren mit seiner Berufung adgewtesen. Da» Gericht erkannte aus Grund «ine» von einem Zeugen in Betreff de» Namens des Berstorbeneu begangene» Jrrthnm«, daß der Jude wohl den Beivei» erbracht Hab«, deß sei» Sohn Jakob Leiba gestorben sei, doß er aber für die Nichtgestellung seine» Sohne» Jankel Leiba zu 800 Rudel Straf« vernrtheilt sei, die t« Richtzahlungssalle durch Execution beizutrriben seien. Lnnis. Zu Mcnrel bei Gabe» ist die Synagoge eingestürzt, wobei eine größere Anzahl Kinder verschüttet wurde. Bi»her wurde« vier Leiche« unter den Trümmern ausgesunden. San Aenneisk». Die intetrationale Gesellschaft zur Eolont» jation russischer Inden mit einem Eapital von einer Million Dvilae», in 200,000 Lntheilen, Ist hier gesetzlich organtsirt worden. Die Beamten sind die reichsten Inden der Stadt. Der Plan ist: den Eolonisten Land genug auf leichte Abzahlung zu geben, sich in Lalis ornie n oder auch in Mexiko nieberzulassen uib sich et» ein» träaliche« Heim zu gründen, was In Lalisornien viel leichter ist, al» in den State« dresseil« dr» Felftngebirge». Einetnnati. Die Gräfin von ilarthneß, Herzogin von Pamar, hat rin Buch unter dem Titel ״lim mis JarmoHt««“!die wahren Israeliten) geschrieben, in tvelchem sie ju beweisen versucht, daß di« Juden nicht di« wahren Juden, sondern nur ihr Zerrbild, di« Etmländer und Amertkaner aber die wahren Jsraeltlen seien. Drnnoch stellt sie un», dieftm ZrrrbUd der Juden, folgende» Zeugniß aus: ,Diese energisch« und kräftige Raffe, so hoch begab« in Alle», >va« Intelligenz und Kunstsinn betrifft, unbeugsam in den Stunde» de» Mißgeschick», in ihrem Familien- und Gemeinsinn, di« Erhallerin der unv-rsälschten Uebrrlieserung der alten Lehren, deren Aorifttzung unsere Religio» bildet, — sie ist da» BoU, weiche» die wahre Stffen» schast gerettet hat zur Zeit, al» die Barbarei der Bllderftürmer die Freiheit de» Deuten» mit Krieg überzog*.

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