Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 12 (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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. Herr M. Mein, Diriaent de» iSrael. Lehrer- ^Seminar«, welcher am 15. April d. I. lein 25sährioeS Inbilämn begeht, veröffentlicht eine kleine Festschrift über sein Wirken, sowie über die Geschichte des Casseler Seminars Die Errichtung desselben. greift zurück in die Zeit des ehemaligen Königsreichs Westfalen. Auf Anlaß des Wests. Konnstoriums für Israeliten wurde dasselbe ai» 13. Sept. 1810 eröffnet und mit ihm zugleich ein Rabbiner-Seminar verbunden. Die Leitung übernahm Konsistorialrath Steen Hardt, der Unterricht im Talmud und Maimonides crtheilte. Mit dem Verschwinden des Königreichs Westfalen hörte auch das Seminar zu existireu auf, wurde aber nach voraufgegangenen Unterhandlungen mit der Kurfürstlichen Regierung durch das Borsteheramt der Israeliten im Jahre 1824 von neuem in's Leben gerufen unter dem Namen Israel. Schul und Bildung« .Anstalt. Im März 1826 berichtet der Oberlehrer Dr. . B ü d i n g e r, daß die ^sahl der Schüler in Seminar und Schule insgefammt 51 betrage. Zweiter Lehrer an der Anstalt war Lessong, der bis 1859 segensreich an derselben wirkte. Nach dem Tode Tr. Büdingers <1849) wnrde dir Oberlehrerstellc ausgeschrieben, und eS dürste für viele Leser vielleicht interessant sei», zu erfahren, daß unter den Candidaten sich auch der spätere Landrabbiner Dr. M e yer - Hannover s. A. befand. Leider ist aus dem Berichte nicht ersichtlich, wer zum Oberlehrer berufen wurde. Lehrer an der Anstalt war auch der verstorbene Landrabbiner Dr. Adler, der seine Kräfte derselben in jeglicher Beziehung in aufopferndster Weife widmete. Im Jahre 1856 wurde die Errichtung eines Internats beantragt, und diesem Anträge auch bald darauf Folge gegeben. Am 15. April 1866 übernahm der jetzige Leiter der Anstalt Dr. Jacob S t e i u, damals Lehrer an st>er Jacobsohnschule in Seesen, das Amt eines Dirigenten. Nach der Annexion Hessen's liat die preußische Regierung in dankenswerther Weise die Anstalt zu heben und zu fördern gesucht. Dr. Stein wurde 1868 definitiv angestellt, die Zöglinge des Kasselers Seminars erhielten die Berechtigung ihrer Militärpflicht durch sechswbchentlichr Dienstzeit zu Ä Etwa zu derselben Zeit stiftete der edle Jeremias : l s die Summe von 25000 Thalern zur Errichtung eiueS zeitgemäßen Umbaues für das Seminar in Verbindung mit einem Internat für die Zöglinge. ES war dadurch dem Leiter der Anstalt, der seine Wohnung ebenfalls im Seminar» aebäude hat, die Gelegenheit gegeben, die Ueberwachung des häuslichen Lebens der Zöglinge selbst zu übernehmen. (Schluß folgt in nächster Nr.) #•* gBftrttratar«, 15. März. (Der innere Antisemitismus.) keoontur intrn moros et extra! So möchte ich im Sinne von Denteron 32, 25 dem Schreiber des Artikels in Nr. 11 der .Allg. Zeitung des Juventhums" unter dem Titel: ,Die Rabbiner der Zukunft", Herrn G. Minden, Syndicus der Berliner Gemeinde, im Namen Vieler der darin in ihrer Ehre angegriffenen Amts» und LeidenSgenoffen zurufen.*) Der Fehler, der mst Recht an dem äußeren Feind« «ügt wird, daß nämlich die Schuld des Einen oder der Einzelnen, der großen Menge oder gar der Gesammthrit in die Schuhe geschoben wird, wird nahezu in gleicher Weise *) LS sind UN« auch noch von anderer Seile scharf gehalten« Entgegnungen aus die in jene» Artikel der «Allg. geil. d. Jud." ent» hsltemn AuSsSlle gegen den Rabbinerstand »»gegangen, wir baden di« »bige auSgrwllhlt, tönt sie der Schulmeisterung der deutm>en Rabbiner durch «tue» Syndikus der Berliner Gemeinde in mildester Form entgegen tritt. -Istda» — srtgt ein anderer Rabbiner — di« He bung de« Rabbiner» ftande«, welch, die Leiter der »Allg. Zeit. d. Iud" vor einem Jahr« al« Aushängeschild benützten, um di« Rabbiner al» Mitarbeiter, -Abannenten und vor Allem al» Berbreittr de« Blatte« zu gewinne»? Nachdem erst die Schächter und Lantoren darin angegriffen worden, '• bindet es nun auch mit den Rabbinern an I Sie wenig hat diese« Vielversprechende Rerlame-Blatt bodi von seinem Programm ge- Malte»? L» liehe sich darüber eine lange Epistel schreiben.״ (Wir aber aus die Wiedergabe derselbe«. Red.) von Hr. G. Minden begangen, indem derselbe sich z» de« Salto mortale verstärzt, den Rabbinern im Allgemeine« .Unhöflichkeit und!Inkollegialität" vorzuwerfra. Al» ob der Schluß so unbedingte Berechtigung hätte, daß. wenn er zufällig an einem .Buchholz" die Flamme entfachte, auch alle anderen Hölzer, .vom Mop bis zur Leder des Libanon" dem feurigen Elemente oelfaUen sein müßten. Dieses unbegründete und unberechtigte Generalisirrn hat seit jeher vielen Schaden angestiftet und angerichtet, namentlich seit Jahren unsere« ohnehin zum Leiden und Dulden bestimmten Stand in der Autorität arg bcnachtheiligt, da ei« verdohitet, verblendeter und verbissener Pfaffenhaß die .Geistlichen" und ״Rabbiner" leichtfertig in einen Sack warf und den jüdischen Geistliche» oft ohne jeden triftigen Grund hierarchischer Bestrebung«» i bezichtigte. Die Furcht vor diesem Popanz, mit welchem j man heutzutage nui noch politische Kinder schrecken kann,! ist zumeist Schuld daran, daß besonders in Oesterreich! (Cislcithanien) der Rabbiner nicht io leicht eine definitiv« Anstellung erlangt — unbeschadet des Statuts — und doch ist etwaigen hierarchischen Gelüsten durch Appellation an die Regierung sehr leicht ein Riegel vorzuschieben, während um» gekehrt der Seelsorger sich wohlweislich hüten wird, bei Uebcrhebuiige» undAmtsmißbrauch von Seiten des LorftandeS mil einer nothgedrungenen Beschwerde sich an die Behörde zu wenden, es würde ihn dieser Schritt u>» Amt und Brod bringen. Die Besorgnis der Hr. G Mniden ist ganz uanöthig.denn die modern gebildeten Theologen wissen in der Regel ganz wohl den Anstand zu wahren entsprechend den Sätzen m den Sprüchen der Väter: »Nimm jedermann mit fteund» lccher Miene aus" und:»Wissen ohne Takt hat keinen Werth.- Darin gleichen die heutigen Prediger den früheren Rabbinern, vor denen sie noch das voraus haben, daß sie an den philos. Fakultäten Gelegenheit haben, Pädagogik zu hören, was sie daher zum Schulinspektorate x*t’ befähigt und gerade bei Behandlung dieses Themas hatte berührt werde» sollen. Schreiber dieses war mehrere Jahre Mitglied des Armenrathes m seiner früheren Gemeind« und hat in solcher Eigenschaft mit dem kathol. Geistlichen ganz gut harmonirt. Auch das Verhältnis z. früheren bies.Pfarrdiaionus war ein collegiales, aus der Basis der Geselligkeit begründet und gaben die Sitzungen des Ortsschulrathes nie Anlas zu Differenzen, wenn auch in den Ansichten hie und da Differenzen vorhanden waren. Ja, es kam sogar vor. daß wir zusammen speisen konnten, aber nicht etwa ein unrituelle? Mal, sondern dieser wahrhaft judenfteundlich g«. sinnt« Geistliche nahm zuweilen Einladungen bei Jsraäitrn an. und verfaßte sogar anläßlich der Hochzeit dehiesigen Lehrers Marx, der unter ihm stand, ein Festspiel für die Schuljugend. Sein Nachfolger, der gegenwärtige Geistlich«, scheint ein Anhänger der Stückerparthei zu sein, gleichwohl ist unser amtlicher Berkehr eia ganz normaler, wie es unter civilisitten Menschen nicht anders denkbar. Was also die supponirtr Uncollegialität besonders mit Bezug aus christlich« Geistliche anlangt, so dürften diese Beispiele wohl genügen, um dem Herrn Syndikus da» Gegeatheil zu de» weisen. Bei mrcner Jastallirung im Mai 1887 er» schienen Seelsorger und Beamte der nichtisraelitischea Lo«- fessionr« in der Synagoge und beim darauf folgenden Bankett hat sogar rin toleranter katholischer Pfarrer vom nahen Aufhausen einen Toast im humansten Sinne ausge» bracht. In meiner ersten Gemeinde wohnte ich mst dem protestantischen Pfarrer Jahre hindurch im besten Eiaver» nehmen in einem Hause und es hätte nicht viel gefehlt, wäre die Lessing'sche Idee von den drei Ringen realisirt worden, da auch per katholisch« Geistliche, mst dem ich eben» fall» auf gutem Fuße stand, im nämlichen Hans« hatte wohnen sollen. Rabbiner Dr. Grün. M. j&«Kla«g, d. 16. März. (Or.-Lorr.) Der Vorstand der jüd. Gemeinde in Altona beschloß in voriger Woche dem Obrrrabdiner Herrn Dr. E. Lorb, welcher seit einigen Jahren leidend, nicht mehr im Stand« ist, seine Aufgabe