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Israelitische Wochenschrift · 1891-03-19 · 12 (19.3.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
12 (19.3.1891)
Date
1891-03-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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dsk teV.X«äs ss. ‘ff! rm 1h <AU1g 90t, mm f«8« Rächsel s£r׳v.;(ier. jnb tr saät sich a» beim SBfxmg .«ft (MmMfc* auch fev .Ser sie nicht beantworten kann, s»> de« *ufIeber et» ZsZistrnizerstnch bezable», wer sie g»t beantworten kenn, soll einen bekommen.» Damit war man einverstanden. <H wurde» nvn non «ls ReiseAden ebensoviel« HiSthselfragen Gestellt, und alle erriech ac Jude, so datz er von jedem «inen .Zmälser» erhielt. Endlich war sie Reih« an ihm, und nun dachte er erst einen gute» Fang zu thnn. Mit viel Rompltmenten und spitzoübischer Freundlichkeit gab er auch ein RSthsel aus: Wie kann man zwei Forellen in drei Hsanne« backen, so bah in jeder Pfanne ein« Forelle liegt? Die» riech «ul begreiflichen chründen keiner, und einer nach dem ander» gab »em Hebräer seinen ZwSifer. Die elf Personen verlangten nun mit Recht, dag der Räthselstrller ihnen für ihr Sield da» Rächsel auch auflSsen solle.» Aber dieser zuckte die Achseln, drehte di« Augen und sagte endlich: ,Ich bin ein armer Jiid.» Und al» immer ungestümer nach der AuflSsung des Rächsel» begehrt wurde, so war sein« Antwort: .Stich: für ungut, daß ich ein armer Jüd bin.» Rach viele« Drängen sprach er endlich: .Daß ich» auch nicht «eijß, hier ist mein Zmälser!» Damit legte er ein» von den gewonnenen ZwSlstreuzerstücke» auf den Tisch de» Schisses. Mit dieser Deutung gaben sich schließlich di« (Sepiel.ten nvian» volana zufrieden. Weil sie aber doch nicht das Lachen verbeißen konnten, und waren gute und retch« Leute, und der hebräische Reisegefährte hatte ihnen die Zeit verkürzt, liehei, sie es gelten.» Vielen mag diese Erzählung ein unschuldiger Scherz sein. Wir können sie, zumal in einem Lesebuch« und in der Jeplzeit, nicht in diesem Sinne auffassen. Uns geht «her «i» Weinen denn ein ,Lachen» an, und wir können es nicht Gelten lasten, sondern nur aufrichtig bedauern, daß Schulmänner von der Bedeutung der Herrn Dietlein, deren sonstige Thätigkeit auf dem deutsch-sprachlichen Unterrichts- Sbiete große Anerkennung verdient, einen solch unglücklichen ciff gethan haben. An jenem Lesestück ist nach unserm bescheidenen Dafürhalten der Inhalt, zum Theil aber auch die Form zu be- Mängeln. Die Schüler sollen durch das Lesebuch ebenfalls befähigt »rrSen, sich einer anständigen, ordentlichen AuSdruckSweise z« bedienen. Sind aber Ausdrück wie ,Mansche», .Jüd» geeignet, die Sprache der Kindern zu läutern und zu veredeln? DaS Letztere geschieht wohl nicht dadurch^ daß man ihnen zeigt, wie sie nicht rrden sollen. .Ein Hochmeister »er .'!olksschule", Dr. Karl Sehr, sagt in seiner .Praxis»: ״Dar Richtige durch daS Falsche zu lehren, ist eine Un- Methode.» Gilt dies bloS von der Orthographie? Wohl kaum! Jeder Pädagoge weiß, daß die Jugend leider viel empfänglicher ist für daS Schlechte und Falsche als für das Richtig« und Gute. Tie in Rede stehende Erzählung findet sich auch in der Ausgabe 8 für paritätische Schulen. Solche besuchen zuweilen auch israelitische Sinder. Man versetze sich nun in sie Lage eines jüdischen Schüler», der aufgefordert wird, jeue Abschnitte zu lesen, in denen die Stellen .Mausche» und »Jüd» Vorkommen! Wie wird ihm wohl dabei zu Mltth« fein? Und könnte nicht leicht ein Theil der anderSgläobigen Schüler, gerade durch da» Lesen derselben veranlagt, später bei ihnen paffenden Gelegenheiten obige Redewendungen im Sii:ne und Geiste vieler Erwachsenen verwenden und ver- »erlhen? Die genannten Bezeichnungen werden bekanntlich von einzelnen gebraucht, wenn sie Anhänger des Judenthums necken, absichtlich beleidige» wollen, und ihnen im Augenblicke nicht» Bessere» oder vielmehr nicht« Schlechteres einfällt. E« mag sein, daß zu der Aeit al» Hebel den .«inträgkichen Räthselhandel' mederschrreb, jene Ausdrücke nicht die Nebenbedeutung hatten, welche man mit ihnen in der Gegenwart verbindet. Heute haben aber sie die Bedeutung mm Schimpfnamen. Ja der Geschichte ist da» Wort Kausche» allerdings nicht von den .reichen und guten Leuten" i» verletzenden Sinne «braucht — von, faft, beanstandeten Ausdruck kam, die» schon ' darum nicht Fall sein, weil der Brrsaffer denselben nur dem .Räthsek- Händler' in den Mund legt — wenn sie a«h ihren arme« .Restegesährten' ziemlich geringschätzig behandeln, wie au» ihrer Anrede: .Weißt Du nichts״ hervorgehl. Di« AuSdruckSweise bildet zweifelsohne einen Theil der Form eine- SprachstückeS. Jnbezug auf diese aber heißt e» im § 36 bet ,Allgemeinen Bestimmungen», welcher dt« Uederschrist da» ״Lesebuch' führt, u. a.: .Unter diesen (den Lesebüchern) verdienen diejenigen den Vorzug, welche str ihrer Form korrekt sind.' Noch mehr Bedenken erregt unseres Erachten» der Inhalt, welcher, abgesehen von den beiden Flecken, unter eiuer interessanten Schale einen bitteren Sern für un» birgt oder doch als ein solcher uns zu kosten gegeben werden kau». ES sollte vielleicht durch den .Handel' die Slugheit de» Juden herauSgestrichen werden. Wenigsten» lasten die Worte: ״Weil sie sich an der Dummheit oder an de« Witze des Juden zu belustigen hofften», daraus schließe». Ist aber von einer Slugheit überhaupt Aufheben» zu machen, die einen Betrug zum Zwecke hat? Denn diesen Ninnm verdient die Thal de» Helden der Erzählung. Er nimmt im Voraus Bezahlung für eine Arbeit, von der er weiß, er könne sie nicht leisten. Und nachdem er seine Leistung»- Unfähigkeit selbst eingestaaden, giebt er nicht alle vereinnahmt«» .Zwölfer" zurück, sondern nur «inen und dieser gelangt an eine ganz falsche Stelle. An dem Betrage ändert auch nicht» der Umstand, daß die Pastaaiere al» ״reiche und gute Leute zufrieden waren, und der hebräische Reisegefährte ihnen die Zeit verkürzt hatte"'. Der letzter« macht aus dem. Schiffe wohl rin einträgliche» Geschäft, aber .sein Einkommen ist kein redliche»." ES dürfte vielleicht auffallen, warum der letzte Satz, welcher in unserer Erzählung nicht vorkommt, mit AnführunySzeichen versehen ist. Ein günstiger Zufall will e» nämlich, daß in demselben Lesebuch« in gewisser Hinsicht ein Gegenstück sich befindet zum .Einträglichen Räthselhandel». Ta» ist di« Geschichte: .Redlichkeit ist da» beste Einkommen'. Nach dieser fiel e» dem Spitzenhändler Jakob Hauser schwer aufs Herz: .Du hast bisher immer eine etwa» größere Summe angesetzt al» di« war, für welche Du die Waar« lasten.konntest. — War da» recht? Ein Christ soll weder lügen noch betrügen". Der letzte Satz würde des Beifall« «ine» jeden sicher sein, wenn er nicht eine derartige Einschränkung enthielte. Soll desgleichen etwa ein Andersglaubender thun??such ein Jude soll weder lügen noch betrügen. Diese Thätigkeiten sind den Israeliten gerade so verboten wie dcu Christen, wenn auch manche Leute nicht müde werde» zu behaupten, der Jude müsse betrügen, so erfordere «S der Talmud. 1 Aber, hören wir sagen, e» giebt doch unter den Ang' . schlechte Elemente ebenso wie drüben so auch hüben, wa» weder verhohlen noch entschuldigt werden soll. Bei dieser zu beklagenden Erscheinung müge aber ein» niemals außer Acht gelassen werden: Wie mancher Christ einen Verstoß gegen da» Sittengesetz begeht, nicht weil, sondern obgleich er ein Christ ist, so handelt auch mancher Jude der ethische» Satzung zuwider, nicht weil, sondern obgleich er Jnde ist. DaS Re ligionSbekenntniß hat damit nicht» zu schassen, d. h. kann dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Biel« sind aber oft nur zu geneigt, die jüdische.Religion verantwortlich zu machen, wenn rin Bekenner derselben sich vergan«n. Der schlechte Be» kenner deute hin, so meine» sie dabei, auf da» schlechte Bekenntniß. Dieser falsche Schluß führt dazu, daß Ber« gehen eine» zu einem solchen aller zu stempeln. 1

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