Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 11 (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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״ fninni gelernt hätte und daher «ach christlicher An- P- ׳* schouuag in oem jüdischen Gott nur einen »Bott der Rache" «blickte Wenn der Rabbiner et versäume, diese falschen Ansichten zu beiichtigen. daun dürfe man sich nicht nmndern, loeun viele sich von dem angeblichen Bott der Rache zu dem Sott der Lieb« wendeten. Aufgabe des heutigen Rabbiners sei e» also, zu zeigen, wie emöglich sei, bei Fest Haltung des Kerne» der jüdischen Religion und der alte» Eigenart dennoch den neuen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Dir Erfüllung dieser Aufgabe erwarte er von den künftigen Rabbinern und auf die Verwirklichung dieser feiner Hoffnung leere er sein GlaZ. Mach Verlesung -der mhlrrich etirgelausenen Glü-twürisch« und Xtfegnmnu «trd der officielle TheU «schloffen. Der Kid«lila», in welche «an hierauf einiral, hatte Herr Geh.» Math KristeSer eine intereffant« Ueberraschung zuardacht, indem er «in von ihm «dichtete» Lied: »Lob de» vochurlebea»׳' bereit« gedruckt mitbrachte, welche« von der Versammlung begeistert abgesungrn wurde. Unter >bw«ch»l>ma von Gesänge» und humoristischen Vorträgen hielt die Kidellta» di« Ln»-sende» noch bi» gegen 3 Uhr zusammen. ^ctaif, 6. März. Seine Woche ohne Antisemiten- Prozeß! Das ist die Signatur der Zeit in unserer antiserniüsch durchseuchten Bildungsstadt. So fand heute vor dem hiesigen Schöffengericht eine Angelegenheit Ihren Abschluß die so recht zeigt, welch« Verrohung de« f feüschaftltchru Ton«, welche Verbitterung und verbisse«- » im politische» MeiaunMampfe die wüste antiscmiiisch« gitation uuserm ,Klein-Paris״ gebracht hat Auf der Anklagedonk befand sich ein angesehener Arzt, vr. med. SL, und zwar deschuldigt — der schweren Körperverletzung, beaangen durch .hiatettisttgen Uebejfall." Die Sache hat sich folgendermaßen zugetragen. Dr. K. verkehrt seit Jahren in «er hiesigen Erutralhalle, die auch von Antisemiten vielfach besucht wird. Gereizt durch da« provozirende Auftreten derselben, ließ sich Dr. K. vor etlva einem Vierteljahr hin- Mißen, einmal zu erklären: Die Antisemiten sind alle Lumpen! Er that die« einem Herrn R. gegenüber, der ihn »ehrfach herausgefordert hatte. Bri einer späteren Ge- Äheit wurde Dr. K. von eine« sehr jugendlichen Aner der Antisemitenpariei beleidigt und ,Flegel" gewannt. Aus gewissen Gründen verzichtete er darauf, denselben auf der Stell« zur Verantwortung zu ziehen und «ußtr dafür bei einem spätere» Vorfall« von Kaufmann R. de» Borwurf höre«: .Er habe seine Ehre verloren, er habe «inen Flegel auf sich sitzen lassen." Die Entgegnung Dr. K.'S lautete: »Ich Hab« Ihnen schon vor Wochen gesagt, was Sie sind, Sie könne« mich nicht beleidigen." Darauf ^tpplizirte" chm R.,' wie er sich vor Gericht geschmackvoll -ansvrückte. ,ejue Ohrfeige". Dr. K. besaß Selbstbeherrschung genug, keine WirthShauSprügelei zu inszeniren, sondern schickte andere» Thge« eiue Forderung. Dieselbe wurde -«grlehnt. Der ehemalige Souleurstudent, der auch jetzt noch aus dem Boden de« Ehrenkodex steht, besaud sich nun- י «ehr i» einer Zwangslage, die ihm die peinlichsten gesellschaftlichen Nachtheile zu bringen drohte. Er fand sich - veranlaßt, so oder ander» die Sache zum Austrage zu brtttgeu. suchte den Kaufmann Rin seinem Speiserestaurant und schlug ihn dort ebeufaU» öffentlich ins Gesicht.! Hieraus erfolgte sie Denunziation an di« Staat«- '!oft, welche im obigen Sinne Klage erhob. In der ung indeß ließ der Vertreter der Staatsanwalt- __ n Theil der Anklage fallen, der sich auf ,hinterlistigen Uebersall" bezog; ver Gerichtshof nahm nur einfach« Körperverletzung an und veruttherlte den Dr. K. zu SV- Mk. «eldsttafe. Otlerfeld, 7. März (Or.-Eor.). vergangene Woche , Hielt in dem vor einigen Monate» hier gegründeten »Mendelssthn-Berein" der Vorsitzende des Bere,uS, Herr Hermann tra u ß, einen Bortrag und zwar über den berühmten isen, dem zu Ehren und nach dessen Namen der ^benannt wurde, über Mose« Mendelssohn. den großen Philosophen und deutt'chen Elassiker, den Förderer der Humanität, der Eultur und Aufklärung unter seinen GlaubenSbrüdrrn den zahlreichen Zuhörern — unter denen sich auch viele Damen befanden — klar vor Augen. Der auch der Form nach auSgezeichnetr Bortrag fand den ungetheiltestrn Beifall der Versammlung, der dem Borttagende» durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn vr. weck. Apfel, herzlichen Dank auSsprechrn ließ. An der an den Borttag sich knüpfenden Discussion bethestigten sich die Herren Rabbiner Dr. Auerbach, Ehrenvorsitzender des Vereins, Redactrur ManySbacher u. >. Erstgenannter — der vor Kurzem auch einen sehr interessanten Vorrrag über deu Talmud im Verein gehalten — gab namentlich eine sehr gute und ausführliche Erklärung über die in dem Borttage ermähnte Kabbala. Den nächsten Borttag hat Herr vr. w««t Apftl übernommen. ES ist erfreulich, daß auch hier, »*ie überall, sich jetzt da« Bestreben kund giedt, das Interesse für jüdische Litteratnr und jüdisches Wissen zu beleben und in weitern Kreisen zu verbreiten Irantfnrt «. M., 3. März. Der demokratische verein hielt gestern Abend eine sehr stark besuchte Versammlung, in der Herr Franz Schreiber über die antisemitische Agitation sprach. Zu spät sei man der allzu üppig wuchernde« Sumpfpflanze des Antisemitismus seiten« der freisinnigen Partei entgegengetreten. Noch vor wenigen Wochen habe ihm selber ein freisinniger Politiker gesagt, da» sei nur eine Kinderkrankheit, die sehr bald wieder vergehe. Gerade an der freisinnigen Partei werde sich vielleicht diese hochmüthige Art am ehesten rächen. Wer an die niedrigsttn Leidenschaften appellire und sich dabei auf unleugbar vorhandene soziale Mißstände im Bauernstand stützen könne» dürfe mit einigem Geschick des Erfolges seiner Agitation sicher sein. Außer diesen Mißständen sei e« auch die Un« wisfcnheit der Bauern in öffentlichen Dingen, welche zu den Erfolgen de» Antisemitismus beigetragen habe. Denn leider hätten sich außer in Wahlzeiten die freisinnigen Parteien niemals um die Landbevölkerung gekümmert. Natürluh trage auch die geschickte und rührige «gitation, wie sie Böckel uist» Konsorten betreiben, viel dazu be>. Redner will auf Personalien der Führer nicht eingeben; nur auf die Art und Weise mit welchen Mitteln bei der Agitation vorgegangen wirb. Da wird vaS Erscheinen de» WanderpredigerS in dem betreffend;» Ott mit großem Tamtam angekündigt und Ovationen für ihn vordereilet. Da« Lokal ist längst vor der angekündigten Zeit überfüllt, Gegnern gelingt eS nur durch List, sich Eingang zu verschaffen. Jede Versammlung wird mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet, ttotzdem Kaiser Friedrich den Antisemitismus für eine Schmach de» Jahrhundert» erklätte, und Kaiser Wilhelm TL sagte, daß alle Untertbanen, ohne Unterschied der Konfession, auf dem Boden gleichen Rechte» ständen. Dann beginnen' Gemeinheit und Lüge der Wahrheit den Hals umzudrehen. Eine» der beliebttsten Schlaawörter ist, die Juden seien untauglich zu Soldaten, seien feig«, drückten sich davor u. s. w. Auf Grund de» .Antisemitenspiegel" (welche Schrift Redner angelegentlichst zur Verbreitung empfahl), wies Herr Schreiber nach, daß da» Berhältniß der tauglichen Juden vollständig normal sei, daß ihre Tapferkeit im Kriege vom Minister v. Hardenberg im Jahre 18 I v und vom jkriegsminister im Jahre 1847 in interessanten Dokumenten ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß in den Befreiungskriegen 600 Juden (&'/» pTt. der im wehrfLhigea Alter befindlichen) als Freiwillge in da» Heer traten und viele von ihnen dekorirt und befördert wurden: er ettnnettr ferner an die letzten Kriege, in welche die Juden ihre Schuld,gkeit vollauf thaten. Daß der Vorwurf, die Juden suchten dem Militärdienstt zu entgehen, in den Bauern, auf denen die Blutstruer am schwersten lastet, Haß und Verachtung gegen ihre jüdischen Mitbürger hervorruft, läßt sich denken. Ebenso springen die Agitatoren mit der «m, wobei sie freilich zugeben, daß an