Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 11 (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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־ /»ז״סיומי״־ ־י• 6rJ?5*־V « 7 *«irrrrften ga Uw^iprtim Mit CMet, Wiel und PiKenssnch. ׳ mnitentfrn» geMet.t: Lie be Del»» Nächsten', und nicht rße aeae» ihn!' Die Hetzer vergessen, das Lhristus, der Stifter *ne iteligU■, selbst ein geborener Jude gewesen. Kaiserin August» Kaiserin Friedrich habe« für die Judeuhetze strafende Worte ge- :. Im Prozesse Bommett hat da* Reichsgericht am 6. Juni 1886 ^stellt, daß Kronprinz Friedrich Wilhelm die Juoenhetze .eine ,mach' nannte. Auch die LriminalstatistU ergiebt für die Juden ׳ günstige Resultate. Man soll die Thaten Einzelner, die Niemand Sniat, nicht Allen zur 2aft legen, man soll Jede« richte» nach 1>.״a Thaten und nicht nach seinem Taufschein; und nicht deutsche ׳:bürge! ihrer Rechte deshalb Iierauben wollen, «eil sie von jüdischen een geboren würden. Die Freisinnigen wolle» volle Gewissens» u,id Reltatonssreiheit unter gliche» Rechten für alle Bekenntnisse, -»rum bekämpfe sie Ausnahmegesetze und den Antisemitismus, der vor Forum des Ehristeuthums, des Recht:* und der Moral nicht "::eht und fordern, dass die in Deutschland statuine Gleichberechtigung Bekenntnisse auch thatsächlich in alle« Beziehungen durchgesuhn t—rde. Da» ist die oeste Antwort auf die sreiheits- und cuiturfeind- 1° he» Bestrebungen der Antisemiten'. (Beifall.) Bei der sich hieran schließenden Debatte nahm ein Herr Köhler, Mitglied dehies. antis. Reformvereins das Wort, auf seine Ausführungen, die in bekannter antisemitischer Art gehalten waren — Redner behauptete u. a., dstEgypttr, nicht die Juden hätten der Welt den Monotheismus get-bttt, — nahm Herr Lehrer Steinhardt das Wort: Er widerlMte unter dem Beifall der Bersammlung die Ausiüürungen des Vorredner«. Mr deutsche» Juden sind als Deutsche ot‘ ore», und wenn, wozu Gott tut* helfen wird, die Antisemiten ihr Mel nicht erreichen, so hoffen wir auch als Deutsche zu sterben. T :'wer ei litt eine Reihe von Aussprüchen berühmter Männer über die -enfrage, insbesondere bezeichnet er die Kampfe»weise der Antisemiten, "־, ohne jedes politische Programm, je nach brr politischen Parteik: »ung ihrer Zuhörer, hier consernativ, da liberal, hier clerical, dort 7'ialistisch sich gebärden. Als charakteristisch für die antisemitische ^ampftsweise bezeichnet er auch die Thaisache. das, die Antisemiten vn ,eben politischen Anstand bei ihr«» Bersammlungen, de» von 1i.:tn so schwer «»geklagten Juden den Eintritt verbieten und ihnen ' ־ die Möglichkeit nehmen, sich rechtfertige» zu können. In glncher Weise und gleichem Sinne sprechen sich -7uch die Herren Hein, Görnemann und Rektor Felsch in ruhiger, sachlicher Weise die Angriffe der Antiset׳״ten gebührend und energisch zurückweisend. Msgdetnra Im Berlage von Gebr. Maas & Comp, in Trier ist dieser Tage eine kleine, aber inholtreiche Schrift Len Alwin Dolf« (PseudonymZfür Adolf Lewin, Rabbiner in Freiburg) erschienen, die als Flugschrift gegen Sat AntisemitwmuS sehr gut zu verwenden lst. Sie führt Titel: »Der ewige Jude" und widerlegt in popui: Ansprache die Haupta.gumente der Antisemiten in >kapiteln: 1. Der Jude als Prügelknabe. 2. Die Wahr» Wt von der Juden Macht. 3. Von der Juden Reichthum. 4 Vom Schachergeist der Juden. S. Kekenntniß und Ab« M ir. S. Die Angriffe gegen den Talmud. 7. Die Jude« *'■!■ז Deutsche. 8. Die Parteistellung der Juden. ES folgt 9. rin kräftiges Schlußwort. — Dies alles aus VL Seiten, di« aber mehr zu wirken geeigntt sind, als ein dickleibiges Buch. — Der billige Preis (30 Pf., bei Partien- Abnahme bedeutend billiger) kommt der weiten Verbreitung ° feste zu statten. Kaust'« und verbreitet'»! Werkt«, 8. März. (Or.-Cor.) Der ״Verein der Hörer kr Lehranstalt für die Wissenschaft deS JudenthumS feierte am 3. d. M. im Festsaale des Hotels zum König von Portugal sein dritte- Stiftung-fest, dain über» aus glanzvoller Weise verlief. Eine ansehnliche und erlesene Schaar von Gästen hatte sich zu demselben eingefunden. Lollzählig war erschienen da» Lehrerkollegium: Die Herren Pros. Steinthal, Dr. D. Cassel, Dr. Müller und Rabb. Dr. May bäum. Außerdem waren anwesen die HH. £:of. Lazarus, Geh. Sanitäts-Rath Kristeller, Justizrath! akower, Geb. San-Rath Kirstein, Rabb. Dr. Rosenzweig, | ‘ Prediger Wolfs, Dr. Ad. Kabul, Dr. G. Karpeles u. v. a.! Der Vorsitzende, Herr Rabb.»Cand. A. Mittelmann j ' eröffnete um 9 Uhr den officiellen Theil des Festes mit seiner Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste und einem j ' Salamander auf Se. Mas. den Kaffer und hielt die Fest»! «de, in welcher er nach Darlegung der Tendenzen des Vereins einen Bericht über die Entwickelung uod Wi! keit desselben und der mit ihm verbundenen DarlehuÄaffe im verflossenen Jahre erstattete. DaS Bestreben der Mstglieder, führte er ouS. ginge dahin, sich durch gemeinsame». Gedankenaustausch über die das modern« Judenthum be^ wegenden Fragen klar zu werden, um dereinst mit gefestigter-( und geklärter Ansicht an deren Lösung heranzutreten. —r Der Sch ristwart Herr Rabb.-Lanb. Worms gab in einem Toaste aus da» Lehrerkollegium feiner Freude darüber Ausdrmk, das, dasselbe durch sein vollzähliges Erscheine« seine Zustimmung z« de» Bereinsbestrebungen aussprechc und dadurch auf dieselbe» einwirte. Al» Vorsitzender de« Lehrerkollegiums dankt Herr Dr. M ü lle r mit freundliche» Worte und versichen die Hörer aus'ö Neue der lebhaftesten Theil »ahme und de« unverminderten Interesses der Dozenten für deren * Bestrebungen Er freue sich ausserdem, bemerkt er, mit de« heutig:» Fest noch ein anderes verbinden zu können, nämlich de» Abschlnss -de», talmudischen Traktats Nittin, welcher während seiner nunmehr sieben» jährigen Wirksamkeit an der Lehranstalt den tzauptstoff seiner vorlefunäen gebildet. Herr Dr. D. Kassel, weist in einem Rückblicke auf die verfl^senen fünfzig Jahre seiner Anwesenheit in Berlin, aus die grossarii« Wickelung hin, welche die jüdische Wissenschaft während dieser Zeit ge» H nommen habe ‘ Rabb.«Eand. Bar o l hebt die freisinnige» Priacipien, auf denen die Anstalt errichtet sei, hervor und betont dankbar die Verdienste de» Euratoriums um das geistige uud materielle Wohl der Hörer. Anknüpfeud an die Worte: .Schaffe dir einen Lehrer und erwirb >' dir eine« Genossen' sühtt Herr Prof. Lazaru» alö vorschender do»i Euratoriums au«, dass der Verein nicht zum geringsten Theil mit- Z beitrage zur Erfüllung der Ausgabe, welche die Lehranstalt sich gestellt px den« wen« der Erfolg der Lehrer ei» voller sein soll, so müsse« die Schüler einander Genossen fein. Es folgt ein Toast de» Rabb.-Eand. H a n » e » aus die anwesenden.; Kanzelredner und Männer der Wissenschaft. Beide, führte er ans, arbeiten einander in die Hände i« Dienste de« Judenthums. Die.-: Vereinigung beider THStigknten bilde da« Ideal eines jüdischen The«» ■ logen Darum gebühre den Vertretern der jüd. Wissenschaft und» Kanzelberedsamteit der herzlichste Dank und die aufrichtigste Vittehrung 's von Seiten der jungen jüdische» Theologe». Diesem Danke verleiht ־ \ Redner durch einen Salamander auf die erschienenen Prediger und ’ Gelehrten lebhaften Ausdruck. - Herr Geh. Sanitätsrath Kristeller knüpft an den bekannte» Ausspruch in Pirke Aboth an: .Welches ist der rechte Weg?' und sühtt aus: Dieser rechte Weg, den sich der jüdische Theologe unterer Zeit erwähle» solle, liege in der harmonischen Verbindung jüdischer fA Tanftmuth mit. germanischer Lapserteit, frommer Bescheidenheit Mit treuer Wahrhaftigkeit, Festigkeit der v-berzengung mit Höflichkeit. ..1 Nachdem noch Herr Dr. Hoffman» den übrige» Gästen für ihr Erscheinen gedankt, erwidert Herr Jnstizrath Mako «er t» einer •i von Beifall mehrmals unterbrochene» Rede, die wir hier kurz stizzlren: j Redner führte aus, daß zu verschiede neu Zeile« oft I dieselben Fragen im Jodenthume auftanchtea, jedesmal aber eine andere Lösung erforderten. Das heutige Jude»» v thum befände sich in ähnliche« Zustand«, wie die Israeli«»^ nach dem Au-zuae aus Aegypten. Während indeffea dies«,- nachdem sie da« Sklavenjoch abgeschüttrlt. einen Most» fanden, der ihr Leben in der Freiheit durch ein «eist»- Besetz geregelt, befänden wir uns nach Durchbrechung de» Ghettochore in einer schwierigeren Lage, da uns ein solche»/-.. Moses sthle und es weit schwieriger sei, in der Freiheit sich selbst zu regieren, denn als Sklave die Besthle de» Herr«: auSzuführe». Wolle das heutige Jvdenthum, das nicht mehr, wie früher, das ausschließliche Gepräge der Nationalität r an sich trage, seine Bekenner feschalten uud mst Lieb« zum» Glauben erfüllen, dann müsst es vor Allem die Kollision«^ befestigen, in welch« die Ausübung althergebrachter Religion»»׳' Vorschriften mit den veränderten Zeitverhältnissen «ratbe»: sei. Darum müffe manches Aeußerliche und Nebensächliche in der jüd. Religion mehr zurücktreten vor dem »roßen, erhabene« Gedanken des Monotheismus, der dm Bekenner« zu dollem Bewußtsein zu bring« sei. Neben der Liebe zur eigmm Religion aber müsse der Rabbiner auch die Liebe zum deutschen Vaterlande in den Herze« seiner An- Hörer pflegm und ihnm zeigen, daß beide keine Gegmsätze seien, und so einer weiteren Gefahr des UederlaufrnS und dem Judiffermtismus steuern. Hierbei dürfe man nicht außer Acht laffm, daß ein großer Theil der heutigen Jugmd aus christlichen Scholen ihre Ausbildung genoffeu uud den jüdische» Gottesbegriff nicht in seiner Reinheit und/^^'