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Israelitische Wochenschrift · 1891-03-12 · 11 (12.3.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
11 (12.3.1891)
Date
1891-03-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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7_JSroel» und seiner Lehre, einer Aetigio», sogar ״her Ältesten Religion der Liebe? Oder kennt man in Israel _! Lieb«, sondern nur da» Gefühl, da» vom chatsäMchen Wrnd »ud von der greifbaren, augenfälligen Notb au- und aufgeregten Mitleid»? Glaubt «an denn mit einem kärgliche« Gchalt, bei gedrückter Stellung und der Aussicht auf ein ««versorgtes Alter, die Jugend für Ergreifung des Lehrerberuf» zu bestimmen? ES ist nur zu begreiflich, daß uns «in ausreichender und tüchtiger Lehrerstand noch fehlt. »Rehmer euch der Armen än,' rufen schon die alten Weise«, -denn von ihnen gehen unsere Lebrer aus." Dr. Rothschild. B«ro» ». Htrsch s Spende nnd Prnjekt für die rnfsische« AnAwnnderer. WaS nun Brasilien anbetrifft, so glauben wir, daß «»' kaum gerochen sein dürfte, Leute, die an ein russisches Klima gewöhnt sind, in einem Tropenlande anzusiedeln; um so mgr, als eS bekannt ist, daß die Brasilianer nur aus . •an Grunde die Einwanderung von fremden begünstigen, well sie in ihnen ein« Stellvertretung für die erst seit Mai 1888 abgeschaffte Sklaverei der Neger erblicken. Dabei datirt die Religionsfreiheit und die ungehinderte Ausübung de» Kultus auch erst vom Juni deffelben Jahres, also au» den letzten Tagen deS Kaiserreich». Man lese ferner nur «inmal die Klagen der Deutschen in Brasilien, die so zu sagen Sklaven der Scholle und Sklaven ihrer Pachtherren?worden sind. Aber man glaube ja nicht, daß es den uden bester ergehen wird. Denn bekanntlich sind sie ja nicht daran gewohnt, mit Sammelpfvtchen gestreichelt zu wttden. Wenn schon die Deutschen, denen doch eine mächtige Ämng schützend zur Seite steht,' so zu sagen der Sklaverei e«, wie wird ast in Bezug auf den Juden sich die .christliche Liebe* bechäligen, wie wird es den schütz- und rechtlosen russisch-jüdischen Emigranten ergehen! Wir halten Brasilien noch für bei Weitem ungeeigneter zu einem Asyle "für die russischen Emigranten, als die Bereinigten Staaten - Rvrdamerika'S. Aber gegenwärtig kommen viel mehr als die beiden genirnntcn Länder die Territorien der La Platastaaten in Bestmcht. Sollte es nicht vielleicht möglich sein, dort da» erschule Ziel zu finden? In diesem verkrachter« Lande, welches — lnorw » non luooocko — Argentina (,Silberland*) Htlßt. wird man sicherlich seitens der Regierung wie seitens der Bevölkerung sehr bereitwillig zur Ausnahme der Juden Km. Freilich darf man daraus noch nicht auf Toleranz "der Argentinier schließen wollen, denn auch diese haben keines- 'weg» von ihren spanischen Vätern die Duldsamkeit als eine ihrer Haupttugenden ererbt. Nein, e» ist derselbe Grund, ׳kpeühalb auch die Brasilianer die Einwanderung begünstigen, * kich der Wunsch, einen Ersatz^er gezwungen aufgehobenen iverei zu bekommen. Ein Land, «n welchem die Finanzen 1' sb desolatem Zustande sich befinden, daß man ReprestakNtn ans die Regierung ausüben muß, damit sie ihren Ber- ^pflichtungen nachkommt, ohne daß dieselbe im Stand« ist, ’tim Forderungen aud) nur im Geringsten zu genügen, ein Hand, in dem eine Revolution die andere ablöst, «in Bürgerkrieg auf den anderen folgt, ist sicherlich ׳nicht geeignet, ein de» Ackerbaues ungewohntes Volk zu Ackerbauern zu e^iehen. Jedoch gesetzt, die Gefahr wäre nicht so groß, wird nicht der spekulative Jude in dem spekulativen Amerika alsbald seinen Pflug wieder von sich werfen und rasten und rosten last«« und sein Glück im Handel en? Da» ist eine nicht zu' unterschätzende Gefahr, welche Pseudopalästina bietet. Da» schlechteste Element »'S, die Spanier: haben in die La Hllatastaatea wie in -itzrr amerikanischen Kolonien wieder ihre schlechtesten 3*־"־״^ *—^ gotdgierigr Abeusnirer; und ähnliches Gefindel, «md wa» von de» Urbewohnern oder Mschlingen vorhanden ist, kann auch nicht den größten Anspruch ans Anerkennung machen.*) Di« einzige russisch-jüdstche Kolonie in dem Bundesstaate Santa FS klagt über die Unterdrückung und die Kolonisten rufen jammernd nach Erlösung a»S dem unwürdigen, sklavenähnlichen AbhängigkeitSverhältmß. in dem sie gehalten werden. Wir halten nach alledem Argeutina nicht für geeignet, um etwa eia Privileg zu einem Asyl der russischen Juden zu erhalten. Aber wohin nun doch äuSwandern? Wo wird wirklich eine bester- Gegenwart zu finden sein, eine bester« Hoffnung für die Zukunft? Nun, rvenn eS nicht durchaus die neue Welt sein muß, so glauben wir. daß sich vielleicht noch auf dem allen Kontinente ein Winkelchen finden wftd. Ein Land, welchedie Juden ausnehmen soll, muß erstlich zum Ackerbau geeignet sein, dann aber von einer judenfreundlichen Regierung geleitet werden. Ein solches Land ist aber die schon in einer früheren Nummer dieser Zeiturrg von einem russischen Juden selbst zu diesem Zwecke vorgeschlagene Insel Cypern. Welche Gefühle die englische Nation für unser unglückliches Volk hegt, davon hat in jüngster Zeft das ,Protest-Meeting' zu beredtes Zeugniß abgelegt, al» daß wir nöthia hätten, des Genaueren darauf einzugeheu. Auch in Palästina sind die bisher angelegten Kolonien nicht mißglückt. Hier kommt noch das Moment hinzu, daß der russische Jude, der so wie so am liebsten dort sich ansiedel« möchte, dort mit ganz anderer Lust und Liebe an'» Werk gehen wird, als auf einem andern Boden. Und dort wenigsten» kann man auch über di« türkische Regierung am allerwenigsten klagen, so schlecht sie auch in Europa regieren mag. Eyprrn unter der milden englischen, Palästina unter der toleranten türkischen Herrschaft dürsten daher am geeignetsten sein, zu dem Asyle erlesen zu «oerdcn Nicht aber Eypern allein, auch nicht das heilige Land allein, sondern beide zusammen in gleicher Weise! Wenn Herr Baron Hirsch diese Umstände erwägt, so wird er vielleicht nicht zögern, seinen Plan dahin zu ändern, daß er da» für die Ansiedlung bestimmte Geld dort anlegt, wo eS die ttefflichstrn Früchte zeitigen wird. ß. J. Gerichte «rr» G»rrelp««he»se» DsntschlanH. Mugdeänrß, 5. März. Im hiesigen fortschrittlichen Verein .Kaiser Friedrich' sprach gestern Abend Herr Mein ecke über ,die Antisemiten im Lichte de- Christenthums, des Rechte» und der Moral.' Er führte u. A. auS: In Preußen stellte da» Edikt vom 11. März 181V den Otunb■ sap auf, daß die Juden al» preußische Staatsbürger zu achte» sei«». Bon ISIS—IS traten S00 Juden al» Freiwillig« ein: jüdische Offiziere und Mannschaften erhielten da» eiserne kreuz, n. «■ die Lieutenant» Bender. Fließ. Epenstein, Oppert, Löbel u. a. Im Deutschen Sieiche gewährleist« di« NeichSversessung die Gleichberechtigung aller Be» kennmtsse. Hofprcdtger Starker begann die Judenh^e 1880 mir einer Petitionr-Agtiation. Ihr Zi-l war dt« Beseitigung der ftaatSbürgerlichen Gleichberechtigung unserer jüdischen Mitbürger. Da» Staats Ministerin,» erklärte aber, daß e« an dem Recht»zustande nicht» ändern werde. Dennoch verftilgen di« Antisemiten jene» Ziel heftiger al« je. Dt« Agitation wird betrieben durch Flugblätter (Leipzig versendet jährlich 1000000!) Broschüren, Kalender, Zeitungen und Bersanualunaen. Dieser lebhaften Agitation gegenüber ist eine Bogel-Strauß- Politik nicht angebracht. Haß, Eigennutz, Loucurreuzneid. Bersolgung»such» and ähnliche niedere Leidenschaften lSune» selbst Ende de» IS. Jahrhundert« bedenkliche Früchte zeitigen, wen« ihnen nicht eine starke öffentliche Meinung die staat-raison in deutlicher Weise klar macht. In Deutschland leben über »8 Millionen Christen und etwa« über % Million Juden. Sollen sich die viele» 'Christen vor den wenigen Juden fürchten? In Biaadeburg bezahlen die Juden pro Kopf 31.96 R. GtaatSsteuer, die Deutschreformirten 25,70 M die ikan» aelischen S,S8 M., dir Katholiken 6,61 M. und dt« Dissidenten S.l«. E» ist sehr erfreulich, daß wir solch« leistungsfähige Mitbürger haben. Der gehässiae Kamps gegen die Juden ist der Natur unsere« Bold» zuwider. Perfid ist Me kampsrsmethode, ge wisse verwerfliche Eigenschaften und Schlechtigketten mit de« Jnbeathu« zu idrnttfietren. Da« ist ebenso falsch, al« *) Vgl. Mt Corresp. »»» Argentinien in Nr. 1 d. Iahrg.

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