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Israelitische Wochenschrift · 1891-03-12 · 11 (12.3.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
11 (12.3.1891)
Date
1891-03-12
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Schlußsatz deutlich asi; diese Aesngnsg tdwUc) Hemer Mm Judentum; mam ein tiefreligiöser, berühmter christlicher Professor, ein Greis -von über siebzig Jahve», dies ausspricht, so ist es doch keine so ar« Ueberhebvng. daß der Jude es ihm nachspricht. Der Christ sodann nennt ,dogmatische Scholastik', was dem Anhänger der Kirche Grund und Kern aller Religion ist.!a Maybaum kann doch dem Professor Berner nicht den Mund verbieten, wenn dieser in einer sperifisch christlichen Berfammlung, imBerlinerUnioaSvereine, über christlich Lehre redet. Berner endlich redet von einem ,polytheistischen Beisatz'; jedes Kind, wenn eS sich nur das Wort .polytheistisch' übersetzen kan», weiß, was gemeint ist. Wir Juden müssen ohne jeden hieratischen Apparat mit den Radikalen in »nserer Mitte fertig zu werden suchen; mag die Kirche zusehen, wie sie sich mit Berner auSeinandersetzt, denn von sich stoßen wird sie unmöglich den,: der so heiß und innig religiös empfindet. Aber wie kann eS ein verständiger Mensch einem Juden verargen, wenn er einen Christen, der fit*} so entschieden dem jüdischen Standpunkt nähert, steudig be;;rüßt, wenn er ihn aber darauf aufmerksam macht, daß er, w-?s freilich in relyflösen Dingen so häufig und so natürlich ist, auf halben Wegen stehen bleibt. Maybaum spricht von Vielgötterei und von der Bernunstwidrigkeit deS christlichen Bekrnntn/sses; eS war nicht n-'thig, die kräftigsten Worte für den Begriff zu wählen, aber in den A-gen der Kirche ist Vernunftwidrigkeit für ba<' Dogma gor kein Borwurs, weil sie über alle Vernunft erhaben und Berner nennt den Wunderglauben ein ״Gespenst.' DaS ist doch auch nicht fein Maybaum braucht das Wort fc. ,Vielgötterei' und Berner den Ausdruck .polytheistischer Zusatz.' Wo ist da der Unterschied? Ein Satz von Maybaum klingt besonders kraß und wir ftthen an, chn noch einmal hinzustellen. Es wäre ein Frevel a.-csen ihn gegen diejenigen auszusprechen, die krrchlich gläubig sind; diesen sind die Feste der Kirche Erinnerungen an Vorgänge, die sie entzücken, wenn der Unchristliche dagegen redet, so kömmt es dem Kirchlichgesinnten vor wie Vas Reden des Blindtn von den Farben Die Kirche weiß nichts von Festen der Menschenvergötterung. Aber Maybaum spncht nicht von der Kirche, weder von - der evangelischen »och von der katholischen, sondern nm von Prof. Berner, dem der Stifter des Christenthums kein Gott ist. Die .Swatsbürgerzestuna' thut, als ob Maybaum gegen die aesammte Christenheit sich erhöbe und er hat doch nur die Konsequenzen gezogen aus Berner's eigenen Worten. ES war echt antisemitisch, es so darzustrllen als ob Maybaum diejenigen verhöhne, die im Dogma leben. Wenn wir dennoch Maybaum nicht ganz ftei sprechen können, so geschieht es, weil er in der Wahl der Worte nicht vorsichtig gewesen ist,*) weil er nicht deutlich genug betont hat, daß er nur gegen das Christenthum Berner's und nicht gegen das Christenthum der Kirche rede. Diejenigen, die wti-ft nmroe et extra gegen ihn wüthen, haben ihn entweder nicht verstanden oder wollten ihn nicht verstehen. Ach«wa. Der neue ״Jahresbericht' der Achawa ist erschienen und an die Mitglieder Versand» worden; auch weitere Kreise sollen von dem Inhalt Kunde erhalten und ftir die Zwecke *) Nicht freiznsprrchen von jeder Schuld find di« HH. Redakteure Ser .Allg. Zeitung des Judrnchums-, denen die Pflicht oblag, beim Abdruck der Maybamn'fihe»Red« die anstößige«Worte zu corriairen; denn ein anderes ist das gesprochen«, et» anbtttä das gedruckte Wort. Ferner war «s ein arger Fehler der Redaktion, die nachträgliche VLybaum'sche ,Erklärung' nicht in der Zeitung selbst, ja au der Lpitz« derselbe«, sondern auf der inner» grüne» Umschlagsseil«, die beim Einbinden des Jahrgangs adaerrffe» wird, zu dringen. So viel i-eht fest, unter Phtlippson't Redartio» wäre so etwas, was uns :eicht «ln« vermrhrie Auslage des Antisemitismus hätte bringe» käune», n - ch t passirt. Als Organ des ,deulsch-isr. Gemriudebund«»- und des berliner Borstande« mußte das Blatt der erhöhte» vrrantworttichkei« wegen desto vorsichtiger sei«. btt Bereit»» inteorssirt werden. Näm» und , scheide«; wir uenueo »«»halb Frankfurt a. M. al» Sitz-.l Vereins und Herrn Adolf TeblSe al« dessen Präsident, Der neue Bericht ist der 26. seit dem Bestehe» de« Ber««»; er eathält auch von dem leider jist^st verstorbene» Gründer, de» Vereins. Joseph Klingenftei», das wohAetroffene ־ Bildniß. wie einen warme» und wohlverdienlen Rachruf. ' י־ Da« Gesammtvermögrn beträgt 178,051 M.; vertheilt wnrden bis jetzt im Ganzen 152.818 M.. dazu in diesem Jahre 12,515 M. für Jahres-Pensioneu und außerorderttp liche Nochfülle s10,040 M. und 1875 M.) an 59 Pensionäre . mit 7 i Theilen. Der einzelne Theil belief sich auf 140 M., unter de« Pensionäen waren auch solche mit 2*/, Theilen, nämlich Ehepaare mit 5 unmündigen Kindern, diese erhielten also je 385 M Es sind dies freilich noch keine große Summen, aber für Lehrer, derrn Einkommen leider immer noch unbedeutend ist, und welche für Roth- und »terbefälle weder Hülfsnoch Pension-taffen zur Seite haben, doch ein - Etwa«, welches man nicht zurückweisen soll, da man eS mit Leichtigkeit, durch einen Jahresbeitrag von 6 M, sich ver-z,^ schaffen kann, lind dennoch ist die Zahl der aktiven Mitglirder nur 318, deren Beitritt nur allmählich und langsam errungen worden ist. Wir verweisen hleranf nicht so sehr im Jntrreffe de» Verein«, als der noch nicht beigetretene» -ö Lehrer, derrn Errungenschaften größer sind, als ihre Leistung«. Denn der jährliche Beitrag von 8 M. wiegt zu leicht «ge» die Pension»- und Unterstützungssummen, welche dafür ftr Aussicht gestellt werden, und «S ist zu bedenke», daß der- Lehrerberuf ein aufteibender ist. wie die Zahl von nahe an? 60 Pensionären unter 318 Mitgliedern beweist, also fast 1 der fünfte Theil, 20Da« Zurückblerben de: Lehrer iß indeß nicht einmal so auffällig, obwohl die Zahl der Beigetretenen immerhin gröber sein könnte denn eS ist kau«, jemand unmöglich, für sich und Familie 6 Mark i« Jahr: zu erübrigen; es ist nicht nur Jedem möglich, täglich $j 1—2 Pfg. zurückzulegen, jandern er hat i» vorliegend:» Fall auch die Pflicht dazu. Di« es kvnaeu und soll«^ aber nicht thun, mögen eS vor sich selbst verantworten.^ Jedoch wird die geringe Zahl von Mitgliedern zum Theitz auch dadurch erklärlich, daß an 800 Gemeinde» ohne 1 Lehrer sind, uno gar mancher Lehrer den statutarischen- Ansprüchen auf Gesundheit» und PrüfuagSzeugniffe, wie' Alter und Anstelluagsdecret, nicht mehr genügen kann. ES wirkt auch hier oft da« verhängnißvoUe ״Zu spät' ' mit. Es giebt auch Lehrer, welche gut gestellt sind, und für deren - staüoes von früher schon vergessen, und liegt rhne» je nicht die Pflicht ob, im Interesse des Stande«, de«; angehören, einen Theil ihre- Urberstusses für die Gesammtheit Ä zu opfern? Aber auch dre Zahl der Ehrenmitglieder ist H im allgemeine« zu gering, uud so schwer «» auch werde»': mag, solche zu gewinneu, eS wäre aber doch möglich mehr!? zu gewinnen, als wir haben, wen« Raobiner» Lehrer»^ Vorsteher und Freunde der guten Sache sich dieser mft 1 Eifer uud Ausdauer annehmen würde», viele Wenig! auch ein Viel! Sogar Gryßgemeindea fehlen gänzlich weisen nur wenige Namen aus. Namentlich ist es »»begreif daß die wenigsten Gemeinden als solche sich ftir Sache interessiren; diesen, auch den kleinsten, wird es dochH gewiß nicht schwer, al« Ehrenmitglieder einzutreten, und «•'| wäre dies eine doppelt« Pflicht für sie, im eignen Interesses wie in dem ihres Lehrers. Denn der kranke Lehrer uttfr j die in Roth gerathene Lehrer-Familie fällt der GemriNd^Z mit zur Last, ein Hülfs- und PensionSfondZ festst nicht nur dem Lehrer, sondern auch der Gemeinde. Man bedenke: Die Sorge der Lehrer für sein« und der Seiaige» Zukunft bei unausköwmlichen Gehalt zehrt gar sehr an seiner und reibt ihn früh« und vorzeiüg auf. Ist man denn M**[ ruhigt bei dem Gedanken: wir schicken den Lehrer fort uud j kümmern unS nicht um seine Familie? Wäre die« die g

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