Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 10 (5.3.1891)
- Date
- 1891-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Wtn(ftrn feien, •Q» i«1 letzte» •nube awf Me«sche«ver- ®Älter;nj hinansgehe»?' sc der Rabbiner über da« Christenchum! Wollen di« Iudensreund«, welche sich zu einem .Verein zur Abwehr de» Antisemitismus׳ zusammengefunden haben, vielleicht behaupten, daß diese Worte, welche von maßloser Ueberhebung strotzen, welche Angriffe auf unsere christliche Religion entholten, wie sie verletzender und schimpflicher weder gesprachen noch gedruckt werden können, unter dem Eindrücke der ״T«r׳c!gu»g der Judenheit um ihres Glaubens willen' gefallen sind? Empfinden jene Judenfreunde wirklich keine Regung der schäm, wenn ihnen solche Worte aus einem Joden» munde entgegentönen, aus den Spalten eines Judenblattes rntgegenstarren? Dann sollen jene Jvdenfreunde sich aber auch nicht mehr Christen nennen und andere darüber belehren wollen, was eines wahren Christen Pflicht sei. Und je»e Worte sind nicht etwa in der hebräischen Muttersprache des Judenthnms gesprochen und gedruckt worden, sondern in deutscher Sprache; ein Hohn auf da» Deutschthum, wie auf das Christenthum! Ter Antisemitismus soll eine ״Schmach de» Jahr- Hunderts׳ sein. Nun, Ihr Herren Judenfreunde vom ״Berei» zur Abwehr des Antisemitismus׳, was ist denn das, wenn man es wagt, in deutscher Sprach« im christlichen L«»tschen Lande das Christenthum eine ״Vielgötterei' zu nennen, welches ״von der Bernunftwidrigkeit seines BekenntnisieS erst befreit und erlöst werden muß" durch das Judenthum? Was ist das, wenn gesagt wird, wir deutschen Christen müßten unser Weihnacht«-, Oster- und Pfingstfest Lilfgeben und mit den Juden ihre Feste feiern? Was ist das, wenn das Fundament des Christeitthums: der Glaube an Christus als Herrn und Heiland als ״Menscheuvertzöttrruug' verhöhnt wird? Wer, der noch «inen Funken christlichen Gefühls in sich hat, fühlt da nicht die Röthe des Zornes und der Entrüstung seine Stirn färben? Thut «s wirtlich noch, Ihr Judrnfteuudr vom ״Verein zur Abwehr des Antisemitismus', die armen, um ihres Glaub.'ns willen ״verfolgten' und ״gehetzten' Juden, welch« das in deutscher Sprache zu sagen und zu drucken wagen, in Schutz zu nehmen und chneu bei chrer Christenhetze beizustehen, wie der von ihnen als ״erleuchteter Kops' gepriesene Professor Berner gethan? Ringt Euch doch zur .religiösen Wahrheit und Reinheit' durch, Ihr Herren vom ״Verein zu» sudenschutz', lernt das Christenchum als ,veruunstwidriges Bekenntniß" erkennen, lernt doch einsehen, daß Ihr nicht bloß Gojim, sondern Akum seid, Hnden, welche Vieltzötterei' und .Menschenvergötterung׳ treiben, und daß Ihr erst durch die Religion der höheren Reinheit und Wahrheit, durch das Judenchuw, von der .Bernunftwidrigkeit Eures Bekenntnisses' befreit und erlöst werden müßt! Nur so wird «S Euch möglich sein, der ״Schmach des Jahrhunderts׳ wirksam entgegenzutreten und den armen ״gehetzten" Juden zu ihrem Rechte zu verhelfen. Erst wenn wir Deutschen nicht mehr Weihnachten, Ostern und Pfingsten, sondern das Fest der Beftciung Israel« von der ägyptischen Knechtschaft wiern, wenn wir unsere Zeitrechnung nicht mehr nach Christi Gebsrr, sondern nach dem jüdischen Kalender einrichten und statt am 1. Januar im September unsere Neujahrskarten verschicken, dann erst werden wir uns des Glückes würdig zeigen. daS ״auSerwählte Volk"' in unserer Mitte beherbergen, für &affelbe unS abmühen und unserer Hände Arbeit ,hm zur Ausbeutung überlasten zu dürfen! it können auch die deutschen Antisemiten die Forderung stelle;-, Laß das Judenthum aufgehrn solle im Deutschthum? Umgekehrt wäre es doch recht und billig! Wie können die Antise,liten von einem praktischen Christenthum sprechen, welches den Ausgleich der socialen Gegensätze herbeiführen solle, während doch daS Judenthum die Bernunftwidrigkeit veS christlichen Bekenntnisses laut verkündet? Ist das nicht eine .Schmach?' Zur Abwehr solcher Bestrebungen muß man cir.en Verein bilden, welcher '^daS Judenthum schützt, dasselbe Judenthum, in besten Synagogen und Presst sich Angriffe gegen da« Christenchum finden» die, wenn sie umgekehrt in der christlich-deutschen Preffe gegen da« Judenthum gerichtet würden, sofort die ״allgemeinste" Empörung hervorrufen und den Staatsanwalt in Thätigkeit treten laffe« würden. Aber solche Angriffe gegen das Judenthum finden, sich eben nirgends in der christlich-deutschen Preffe. (Oho! Wir werden nächstens mit einer Gegenprobe aufwarlen. Red.) Ist man denn in der Tdat zu blind, um die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen? Sieht man nicht die Feindschaft des JudenthumS gegen das Christenthum, und begreift man noch nicht, woher dir innige Liirung des JudenthumS mit der Sozialdemokratie, der Verächterin der christlichen Religion, sich schreibt? Man sollte meinen, dieser Zusammenhang wäre auch für blöde Augen leicht erkennbar. Ja, zum Herren will sich das Judenthum aufschwingen nicht nur über unser materiellen, sondern auch über unsere geistigen Güter, und sei es auf dem Wege des Umsturzes. DaS zu verhindern aber dagegen anzukämpfen, daist der Zweck und das Ziel deS Antisemitismus; und diesen Kampf durchznführen, daran soll ihn ftm ״Judenschutz" hindern, von welcher Seite er komme. Für unstr Deuffchthum, für unser Christenthum einzustehen mit Gut und Blut, daS ist es, wofür wir unermüdlich und furchtlos kämpstn und, so GM will, siegen, oder, wenn e» sein muß, auf dem Plane bleiben werden." Wir kommen auf diesen Artikel noch zurück und lasten für heute die ״Erklärung' de-Herrn Dr Mayba u m in Nr. 9 der .Allgem. Zeitung d JudenthumS', an den Chefredakteur derselben, Herrn Dr. KarpeleS, folgen: ״Mein Artikel in Nr. 8, ״Die Relmion der Zukunft' hat zu dem bedauerlichen Mißverständnisse Anlaß gegeben, als wollte ich die Religion des EhristenthumS irgendwie herabsetzen. Nichtkonnte mir ferner liegen. Ich hatte es nur mit dem Standpunkte de- Herrn Prostssor Berner zu thun und glaubte darthun zu müssen, welche Schlüffe aus seinen Prämisstn zu ziehen seien. Berlin, den 25. Februar 1891.. Dr. Mahbaum'. Berichte tut* C»rrejpsndr«;e» M«gtzet»r§ lieber den im vorstebenden Leitartikl besprochenen ״Fall Maybaum' äußert sich die von Dr. H. Hildesheimer herau-gegebene ״Jüdische Preffe" wie folgt:׳ .Bedauerlicherweise hat Rabbiner Dr. May bau« bei einer Besprechung der Berner'sche« Schrift auf der Kanzel der Rene» Synagoge und dann in eine« Aufsatze in der .Tilg. Ztg. d. Judenth-' sich Aeuherungen über ei» Ärunddogma des Christentums erlaubt, welche jeden gläubige« Christen aust Tiefste verletze» «üffe», zu heftige» Zurückweisungen in der antisemttischen Preffe Beranlaffung gegeben haben und, wie schon jetzt, auch fernerhin zu Ausfälle» gege» die Gesammtjudenheit ausgebeutet werde» dürsten. Demgegenüber sei aus da» Nachdrücklichste erklärt, daß jene Taktlosigkeit innerhalb der ' hiesigen jüdischen Gemeinde tiefgehende Entrüstung wachgernfe» hat uyb ungetheilte Berurtheilung findet. Red. b. .Jüb. Presse'. (Wir haben kein Jota von dieser Erklärung «eggelaffe«, u« z» L zeige», welcher entsetzlichen Lieblosigkeit unjerere orthodoxe« resp. hoch» יי konservativen Kreise fähig find. Wir «ollen über die sachliche Bo» ' rechtigung de« Borwurfs, der gege« Maybaum erhöbe» wird, vorläufig noch gar nicht reden, aber was liegt denn schlimmsten Falles anderes . vor, als die Unvorsichtigkeit eines Mannes, der sonst bei so diele» . Anlässen die Berliner Gemeinde so würdig vertreten hat. U»b ' darum wird er sogleich der Meute, die ihn fordert, vorgeworfenl I»; der herzlichen Freude über die Berner'sche Broschüre hat M., deffe»;'י Fehler und dessen Borzüge in seinem Feuer, in seiner Leldenschaftlichkeit wurzeln, sich etwas zu weit hervorgewagt, er hat es vielleicht ■ nicht scharf genug betont, »ab er nur vom Berner'sche» Stand» :׳I Punkt rede, und darum wird er sogleich sortgestohenl O über die:yd Feigheit und über die Hinterlist, die diesen Anlab allzu geschickt benützt/^» um dem auch sonst unbequeme» Mann etwas <am ~