Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 10 (5.3.1891)
- Date
- 1891-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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T aüff« auch etwa» dazu thun, daß^die Religion de» Mose», f de» Jesaja» in ihrem vollen Glanze erscheinewir müssen y wie unsere Altvordern, nicht nur opfervereit, sondern cwcb «pserfreudig sein, wenn alterchümliche 5?׳צס&ד•, dir uru> durch die Gewohnheit lieb geworden sind, die aber dem heranwachsenden Geschlecht und zumal dem Fremden als morsche Trümmer erscheinen, beseitigt werden sollen. Nicht Hochmuth ist es, wenn das winzige Juda sich Zum Lehrer der Menschheit berufen wähnt, sondern die innigste amh tausend Zeugnisse befestigte Ueberzeugung von der Wahrheit und der welterlösenden Macht unserer Tora, jür die wir wie dereinst unsere Borfahren freudig zu jedem Opfer bereit sind. B. R. Die A«V-«»e einer jüdische» Zeitung in der Gegenwart. Die Macht de« Lntisemiti»««» besteht darin, daß er lange Zeit sich der Gunst mächtiger Kreise zu e». ruen hatte, *r? 7S noch heute vielfach für fein und schneidig gilt, auf «1e Juden zu schelten; all« bösen Elemente Hoven sich in dieser Sippe zusammengesunden. Wichtig rst es, ia die» ganze verwerfliche Treiben eine« Einblick zu gewinnen. Daneben gilt es nun thatsächlich di« Personalien der Agitatoren, die Schliche der Agitatoren festzustellen. Die Abwehr diese» ganzen Elend« must freilich mehr von christlicher Seite ausgehen, der Jude, der für seinen Glauben, für seine Glaubensgemeinschaft eintritt, ist bei weitem nicht so mächtig, al» der Christ, gegen dessen Unbefangenheit sich nichts Vorbringen läßt. Aber damit wir uns nicht voreiligen Hoffnungen hingeben, ist e» nothwentng. neben den un» günstigen Zeichen auch die .uns ungünstigen sorgfältig zu registriren. Schreiber diese», der gewöhnlich in einer kleinen Stadt lebt und sich mit eiuer bescheidenen Dosi» von politischen Aeitnngslektürcn zufrieden geben mutz, bekennt sei»« böse Neigung, sobald er einmal das Kaffee einer Grotzstadt detritt, zuvörderst die Kreuzzeitung, die StoatSbürgerzeitung. da» Bolk, den Reichsbotrn, die Grenzboten sich aufzusuchrn, um den Antisemitismus an der Quelle zu studiren. Ich war oft erstaunt, ja erschreckt über den infernal Haß, für den ich keinen Grund ausfindig machen konnte, »ährend andererseits der unfteiwillige Humor dieser Leute hin Und wieder ergötzlich unrktr. Seitdem der Antisemitismus aufgekommen ist, lesen Wir in den jüdischen Zeitungen, er sei im Niedergang, und nun ist er so mächtig, daß Negierungen, die zu einer be> sonderen Protektion der Juden gar keine Veranlassung ' .haben, um de» öffentlichen Friedens willen gegen Ucfc unsittliche Agitation einschreiten. Der Leser einer jüdische» Zeitung hat vor allem darauf ein Recht, daß er durch da» jüdische Blatt den Feind kennen lernt, daß er erfährt, wa» in den Versammlungen unserer Feinde gesprochen, was in den Blätttrrn geschrieben wird. Da» G»st der Antisemiten verliert seine Wirkung in der jüdischen Zeitung. Der Jude erfährt dadurch, wie er auf Schritt und Tritt beobachtet, wir oft ein harmloser Vorgang ausgebauscht und ausgenutzt wird, wie wachsam «d Äftrrfüllt unsere Widersacher sind, wie weitausgebreitet diese Geisteskrankheit ist und lernt, daß diejenigen nicht» UeberflüssigeS thun, dir auf Abwehr sinnen. Da« Material muß zur Stelle geschafft werden. Da lesen wir z. B. in der letzten Nummer dieser Zeitung, datz die »Staatsbüraerzeitung* in einem Leitartikel «direkt di« Staatsanwaltschaft auffordert, gegen Maybaum wegen einer in der ««neu Synagoge gehaltenen Predigt vor- »»gehen. Hier ist e» unbedingt erforderlich, den Leitartikel »»örtlich zum Abdruck zu bringen.*) Der Jude, der nicht voo BerufSwrgen dazu verpflichtet ist, »»ird autisimitisch« Zeitungen nicht lesen, ja er wird sich strikt hüten, auch nur durch Kauf einzelner Nummern sie zu unterstützen^ Ander« der Redafteur einer jüdischen Zeitung: er mutz, so hart es ihm wird, durch die Lrftüre dieser judeuseindlichen Blätter zuerst sich selbst, und dann seinem Leserkreise rin Bild machen von der Kampfesart unserer Gegner. Natürlich sollen auch Jrrtbümrr widerlegt, und etwaige Nichtswürdigkeiten aufgcdeckt werden. Aber wir sind detreff» de» «folge« etwa» skeptisch. Wenn man diese Leute widerlegt und chre Angriffe zurückweist, so geschieht die» hauptsächlich, um nur sich sAber sogen zu können, man habe sein« Schuldigkeit gethan, denn «» ist schwer, den bösen Willen zu widerlegen. “־ (HA.) Me ״StaatSbürgerzeltrmg" gegen Rabbiner Dr. Maybaum. Der in vor. Nr. unter ״Berlin* signalisirte Artikel der von Dr. Bachter herausgegebenen »Staatsbürger- Zeitung* (an der Spitze der vorigen SonntagS-Nummer) führt die Uebey'chrift: »Judenschutz*, und lautet wie folgt: »Die Verfolgung de; JudenthumS um seiner Religion willen ist bekanntlich «ine alte, schon oft wioerlegte, aber ebenso hatnäckig auftecht erhaltene Lüge, mit welcher mau vor dem Antisemitismus graulich zu machen sucht. Wie abgeschmückt diese- Märchen ist, dafür liegt ein neuer Beweis au« jüngster Zeit vor, aus der Zeit, wo sich Judenfreunde veranlaßt sahen, zu einem »Verein zur Abwehr de« Anti« semitlsmus *zusammen; »treten. In der M o s se-B a u ch w i tz'schen »Allgemeinen Zeitung des Judentbums* wird nämlich unter der Ueberschrift: ״D»e Religion oer Zukunft* eine Predigt des Rabbiners Dr. S. Maybgum veröffentlicht, welche dieser am 14. d. M. in der »Neuen Synagoge* ״in Würdigung eines Vortrages d«S Prof. Berner über Judenthum, Christrnthum und ihre Zukunft* gehalten hat. I» Sftzug auf diesen Vortrag sagt ver Rabbiner: »Mit innigem Dank gegen S»ott, der die Zetten regiert, gedenken wir heute eine« ösfrntllchen Vorträge«, der ia den jüngkwn lagen in unserer Stadt von einem hervorragenden nichtjüdischea 8e» lehrten gehalten wurde. Denn wir betrachten es al» eine Ehren» erkläruna für Israel, daß hier endlich sreimüthig anertanat wurde, Israel habe der Menschheit durch seine reltgiSse Absonderung den höchsten Dienst geleistet; jeder Austrttt aus dem Judenthum sei »och heute al» ein« «chädigung zu betrachten für »die Entwickelung »er Religion zur höheren Wahrheit und Reinheit*: da» Judenthu« sei heute wie ehedem »zur unwandelbaren Behauptung de« reinen Monolheismus berufen* .... Wenn aber trotzdem behaupt!» wurde, daß da» Judenthum dereinst, wenn es durch seinen fortgesetzten wokltbätigen Einfluß di« Tochterreligion geläutert habe« wird, in diese» werde ausaehrn muffen, um sich au« ,seiner traurigen Jsolirung, au» der historischen Sackgasse herauszuretten, in weicher es seit der ts: mudischen Reaction festsitz«,* — so müffen wir das als eine« »erhingnißvollen Widerspruch bezeichnen, der uns eben beweist, wie schwer sich die religiöse Wahrheit selbst in erleuchteten »vpsea zur vollen lllarheit durchringt. Soll es in der Zukunft wirklich nur ein« Religlo» geben, in welcher da» BoueSreich aus Erden begründet sein wird: mini« soll eS nicht die Mutterreligion sein, durch welche di« Tochter eingestandenermaßen von ihrer Klelavtterei und von der Bernunstwidrigkeit ihres Bekenntnisse» erst befreit und erlöst werden mußi* Dos Judenthum soll noch immer eine nationale Religion sein, wird behauptet, und als Beweis werden unsere Fest« angeführt. Aber unsere Feste sind mit Nichten nationaler Natur. Das Pessachfest seien die Befreiung Israel« au« der ägyptischen «nechtfchaft, Israel«, des erstgeborenen Sohne», den der Ewig« zum Träger feines Heil«, zu« Sendboten seiner Lied« an die Bölter derusen ha«. Da- Schabuothsest feien die Offenbarung der Hetlslrhre selbst. Da« Sukkolhfeft feien di« göttliche Vorsehung in der Beschichte, welch« di« Menschhei» ihrer «esfianischen Vollendung rntgegenfühn; Reujahr», und yersöhnungStag vollends seien! dir Heimkehr de» verirrten Sohne» in da» Hau» seine» Vater», feiern den Sieg de» Himmlischen über da« Irdische, der sich in jedem edlen Menschen früher oder später vollzieh«. Was ist da national? Was htnden die Böller, diese Feste zu feiern, die zudem auch Ratnrfrstesind, »»rausgesetzt, daß «an in der Lehre der Propheten da» Heil der Welt erblickt? Oder find ihnen jene Feste vorzuztehen. welche samwt und sauber« dt« «eburt, da« Lehen und den Tod eine« *) Wir bringen ihn i» folgenden Lrttiel.