Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 10 (5.3.1891)
- Date
- 1891-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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da« Judenthum die HudLSÄ'W ei« ZMinft habe. Md# btt 3ufnnft sei.*) £4f< Frage ist nun ganz vor Kurzem - zur großen Verwunderung Bieter auf der Kanzel der ersten jüÄschen «emestse Deutschland« verneint worden. <ti ist dort behastztet nud dann durch den Druck verbreitet worden, »daß el nicht richtig sei, von einer Religion der Zukunft za sprechen; Sprache und Religion sind Kinder de» Volk«- geilt» und in der ewigen Verschiedenheit der Völker ist auch di« Verschiedenheit der Gottesverrhrung begründet-. Aber eben so »venig, wie die Verschiedenheit der Sprache und der Sitten ein Hiuderniß bildet für eine Bereinigung der Rationen aus dem Gebiete der Wissenschaft und der sittlichen Wahrheit, ebenso wie di« zehn Gebote allen cirnlisirten Völkern gehören, ebenso ist die religiöse Wahrheit eine einzige, und über alle natürlichen Schranken der Sprache, der Geschichte können und werden sich die ÄS-ker vereinen in der Erkenntniß de« Einzig-Einen. War denn in den letzten anderthalb Jahrtausenden die Raiionalität ein Hiuderniß, daß sich Menschen von Ost und Wcü, von Nord und Süd in derselben religiösen Ueberzeuguug ver- Lunden fühlten? Vielleicht war je «ach dem VolkSnatureü der?lusdruck de« religiösen Empfinden« hier kühler, dort Würmer uolebhafter, vielleicht herrschte hier mehr die Phantasie, dort der nüchterne Verstand ii der Ausgestaltung der Pr-Slgt, de« Gebete», im Aufbau und im AuSschmücken der GrteSHLuser; aber dir« Alle« begründete noch leinen wesentliLcn tiefgreifenden Unterschied in dem religiösen Brkenitniß. Da» gerade ist die Aufgabe der Religion, daß sie die Unterschied« überwinden soll, daß sie da» Band der Gemeinsamkeit schlingen soll »m di« durch Sprache und Nebervrferung getrennten Völker. Lin französischer nichtjüdischer Denker und Geschicht«. forscher, der seit Jahrzehnten die religiöse Bewegung nach, holrig gefördert hat, glaubt an eine solche einzige Re» »igion der Zukunft und hat den Satz ausgesprochen: ״d-e «ine Religion, welche d« gesummte Menschheit vereinigen kann, wird die Verwirklichung der Religion de» Jesaja« sein, die ideale, von ihren Schlacken gereinigte jüdische Religion* Da« ist ein grsße» Augeständniß und auch der deutscheRechtSlehrer, der diese« Zugeständniß scheut, nennt da« Judenthum .die älteste und stärkste Macht de« reinen Monotheismus, welcher da« unvergänglich« Verdienst zukomme, der Menschheit den Glauben an den einigen Gott gegeven zu haben, und fügt hinzu, ,da« Judenthum sei vorzugsweist aeeiznet und berufen, den Kampf gegen die atheistischen Strömungen der Zest aufzunehmen. Er bringt dafür ein interessante» Zeugniß au« der eigenen Erfahrung Bei einer Versammlung von Schrift- Peilern brachte einmal einer einen Trinhprnch auf die Go!te«leugner au«. Aber statt de« erhofften Beifall« herrschte am Schluß ein eisiges Schweigen; es lag wie ein Bann auf den Gemüchern, bi» sich unser Berthold Auerbach erhob, und erklärte, das sei eine wahnsinnige Vernunft, die fo von der Zukunft ttäume; er redest von dem Geiste, der «m! sicher kennt, und da» erlösend« Wott de» ״ebltn Juden* erweckte einen Sturm de: Begeisterung. Aber warum reden diestnigen, die an die Weltsendung der- Zudenthums glauben, von einer Religion de» Jesajas, wa! m nicht von einer Religion des Moses? Ist Moseh nicku der größte der Propheten,-auch deswegen, weiter nicht nur schöne und erbauliche und etgrcifcnde Reden gehalten, som nn weil er durch eine weist, das ganze menschliche Tas-m umfassende Gesetzgebung die Lehren hinein in« Leven geführt hat! Die Sabbattuhe ist ein Grundgesetz der ׳ naltn Ordnung, da« ganze Gebiet dessen, waS wir im engeren Sinne ,sittliche» Lebennennen, ist heute nach den Satzungen ,J ^fudtnthu« und Shrtstentbum und ihre Zukunft.- Bom <Vfe*;m Justizruth Prüf, Berner l» Berlin. der heiligen Schrift eingerichstt und damit die Rohhett de»"' Heidenthum« überwunden worden. Ganze große Kapistl - unseres Strafrechte« basiren auf biblischen Grundsätzen; die . Sozialgesetzgebung de« P.ntateuch ist für die G^euwart . reich an Anregung; selbst die hygienischen Vorschriften der .־־ mosaischen Bücher sind der höchsstn Beachtung würdig, und wenn Niemand leugnet, daß eine Seele nur in einem gesunde» Körper gesund bleiben kann, so ist der Zusa mmenhang dieser Vorschriften mit der Religion nicht abznweisen. Wir sind erfreut, wen» ein Mann, dem vor Ander» in religiösen Fragen ein Urtheil zusteht, die Religion de» Jesaja» die Religion der Zukunft nennt, aber wir lasse» un» unseren Mose» so zu sagen auch nickt abich-neickeln; erhabene Reden stehen un« nicht so hoch als weist Gesetze. Alle Verehrung den Propheten! — aber die Tora, die un» Mose« geboten, bleibt da« Erbe der Gemeinde Jakob». Der deutsche Forscher erkennt an, daß ,Liebe zu Gott dem Juden, wie nur irgend einem Bekenner einer andere» Religion, da« heiligsst und seligste Gefühl ist, dessen eine menschliche Seele fähig ist-. ,Er ftagt nach keinem Nutzen, denn seine innere Stimme sagt ihm: wenn ich dich nur Hab«, so verlange ich nicht» mehr auf Erden.- ,Der Gott «r ewigen Reinheit und Heiligung, wie tönt er uns entgegen an» den Worten des Psalm»: Schaffe mir o Gott em reine» t ־_ ein Weib ihre» Kinde» vergessen, daß sie sich sein nicht erbarme? und wenn sie e» vergäße, so will uh doch dem nicht vergessen.- ,Stärker scheint uns da» Gefühl für Gerechtigkeit im alten Testament zu sein, deffen zehn Gebote die unsterbliche Grundlage aller moralische» Ordnung in der Menschheit geworden sind." Dennoch meint der gefrierst RechtSlehrer, eine tief religiöse Natur, die bm aller Freiheit, Unbefangenheit, und Vorurtbeil»- losigkeit tief in dem Bekenntnisse wurzelt, in dem er geoore» ist, dennoch meint er, da» Judenthum könne nicht Weltteligio» werden, denn eS sei national und seine religiösen Feste seien von nationaler Bedeutung und zum Zeugen dafür mrngtg er einen abttünnigen Juden, dem e» in den citirstn Sätze» passirt ist, Purim und Lhanuka auf eine Linst zu stelle» mit den von der heiligen Schrift vorgeschriebenen Festen und in der Reihe dstser den versühnungstag und da» Fest der Gesetzgebung am Sinai, wegzulafsen. Nirgendswo aber auf Erden wird ein Fest gefrier^ welches wie der Bersöhnungstag die allgemein sittlichen Beziehungen de« Menschen zu Gott und zu dem Nächsten un» aufklärt, er ist dst Krone unserer Feste, der Höhepunkt unsere» religiösen Leben«, er bekundet am deutlichsten, da« Israel dazu berustn ist dst Gotte-Häuser aufzubaueu, ,dst Bethäustr sein sollen für alle Völker.- Unsere Fesst haben ein» nationalen Ursprung, aber sie lehnen sich an die Statur und dst geschichtliche Erinnerung tritt heut weit zurück gegenüber ihrer Bedeutung als Fesst de» Geiste«, al» Srege-seste der Freiheit, der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Der dem Judenchum sonst wohlwollend« Gelehrst hielt auch da« für einen Beweis, daß da» Judentbum nicht zur Weltteligion berufen sei, weil es keine Missionär« au«- sendet. Aber der Gang der Geschichte, kann chn lehren, daß da» Judenchum auch ohne Missionäre unenÜichen Einfluß auf die Menschheit gewonnen hat. Da» Judenchum schlägt, um sich Anhang zu werben, nur den Weg ein, wie jede andere Wissenschaft; dst Wahrheit leuchtet wie die Sonne an ihrem Orst-und darf sicher sein, daß ihre Strahlen schon überallhin dringen werden. Wir Juden fteuen un», nachdem wir so oft geschmäht worden sind, daß der GoldeSgehalt unserer Religion allmählich anerkannt wird; eine religröst Gemeinschaft kann gar nicht bestehen, wenn sst nicht glaubt, daß ihre Lehren dereinst all« Menschen gewinnen wertst; sst verlöre den Boden unter den Füßen, wenn sst diesen Glauben ausgäbe. Aber wir Jude»