Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 9 (26.2.1891)
- Date
- 1891-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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i-c. «iaet Religww^esellschast abzirleade Kreinsthätigkeit, watche die sonstigen auf Hebung de» Bauernstände» gerichtete» Bestrebungen dieser Vereine nur beschmutzt werden, auf» schärfste verurtheilt.* «Ittyflf. Daß der ״Verein zur Abwehr de» Antisemitismus" die-Bestrebungen de» Letztem an der verwundbarsten Stelle trifft, beweisen die vielen Versammlungen, welche die Antisemitenführer auf der ganzen Linie veranfalten, um den Verein natürlichnur durch Sch, mp sieden und mit seichtesten Gründen zu bekämpfen. Sv sprach jüngst hier Herr Fritsche, der jüngst wieder einige Mal zu hohen Geldstrafen verurtheilt wurde, von 'dem ״Judenschutz-Berein*. Diese Gründung käme ihm vor, als wenn die Franzosen im Jahre 1813 in Paris einen Verein begründet hätten zur Abwehr der Befreiungskriege. In dem Ramm des Vereins lägen zwei Vereinungen, selbe läsm sich bekanntlich aus und so wäre der korrekte Name ״Verein zur Befärderung des SemitismuS". Die Judm aber seim Fremdlinge, man brauche sie doch nur anzufehen, nach ihrem modemm Gesetzbuch, dem Schulchan Aruch, erkennen sie uns nicht als Nächste an, wir schrieben das Jahr 1891, sie daS Jahr 4651, wir begannen das Jahr am 1. Jannar, sie am 26. September, wir feierten den Sonntag, sie den Samstag, wir schlachteten da» Vieh, sie schächteten es, wir bautm unsere Kirchen im deutschen, sie die ihrigen im morgenländischen Stil u. s. w. In dieser Tonart ging es unter dem Gejohle der Versammlung fast eine Stunde fort. (Auch hier in Magdebnrg hielt vor. Woche der Abg. Zimmermann einm ähnlichen von Uebertriebungen strotzenden Vortrag.) 8. B. M«rgDe1«f»rt, 18. Februar. (Vr.-Cor.). Im Winter 1889 96 kam es hier wiederholt vor. daß jüdische Arm«, besonder» Ruffen, wegen Bettelei von der Polizei verhaftet und längere Zeit im Gesängniß sitzen muhten. Um diesem Uebelstande abzubelfen, hat sich am 1. Februar 1899 ein Verein zur Unterstützung auswärtiger jüdischer Armer gebildet. Derselbe hat zunächst den Zweck, jüdisch« Arme zu unterstützen, und wenn solche am Freitag Mittag hier anlangrn, auch über Sonnabend zu verpflegen. Unsere -armen Glaubensgenosse» sind nun keinen Unannrhmlichleite» seiten» der Polizei mehr ausgesetzt. Anfang» d. M. wurde die erste Generalversammlung abgehaltrn und kann der Verein nach einjährigem Bestehen aus verhältnißmäßia günstige Resultate zurückblicken. Es wurden im verflossenen Jahre im Ganzen unterstützt 199 Personen mit einer runden Summe von 290 Mt. Es ist dies um so Häher onzuschlagen, indem der Verein nur auS 25 Mitgliedern besteht Der Nationalität nach waren die Unterstützten: 54 Deutsch«. 24 Holländer, 18 Oesterreicher. 9 Ruffen, 1 Franzose, 3 Dürkrn. Nach Rechnungsabschluß blieb noch ei» kleiuer Reservefonds, welcher nach Beschluß der Generalversammlung zur Spar» kaffe gebracht wurde. Mäge diese Einrichtung in Israel viel Nachahmung finden! ». PSerbsrf-Wspstnße». (Württemberg.) Zwei seltene 1י« feierte ^unsere Gereeinde dieser Tage, bei denen da/ dliche Einvernehmen zwischen den beiderseitigen Eonionen so recht an den Ta^ gelegt wurde. — Zunächst wäre die Hochzeit des Herrn Sallv Pappenheimer au» Bopfingen, mit Frl. Fanny Gnndelsinger von Augsburg zu erwähnen al» hfftorisch denkwürdige Thatsache, werk die» die erste Feier dieser Art) in Bopfingen war, wo erst seit -eirca 49 Jahren unsere GlaubenSgenoffen sich aufhalten und Häuser erwerben dürfen. Herr P. hat es durch Tüchtigkeit und hervorragende Thattrast verstanden, seinem Geschäfte einen . tederüenden Aufschwung zu verschaffe« und wie großer Bekielest er sich in B. erfreut, zeigte die Anwesenheit so vieler Aichtisraeliten in der Symwoge in O. während de» Trauung»- altes, al» auch deren Erscheinen zur Tafel mit vielen Au»- fattuugs-Geschenken, wie auch deren Betheiliguna an der <4«Qccte behus» Beschaffung von Paflahbroden für nothtn Jerusalem, wozu Herr Rabbiner Grän, «,knüpfend an die Eingangsworte de» Wochenab» schnitt» (Exod. 2»,2) die Anregung gab. In gleich humanitärer Gesinnung haben Tag» vorher die Vorstände de» hies. Turner- und Kriegerverein», Herr Schloffermeistrr Friedr. Mailänder (Promt.) und Nktler Georg Kuhn (kathol.), eine ähnlrche Sammlung au» freien Stücken in .die Hand genommen, ebenfall» nach einem Toaste des Rabbiners auf ern Brautpaar. Der Bräutigam Herr Sänger erhielt Ehrenpocale al» Mitglied dieser Vereine, welche auch Herrn Rabbiner Grün zu patriotischen und sonstigen Zwecken regelmäßig einladen. Als Ehren- Mitglied de» Turn-VereinS findet derselbe e» nur für selbstverständlich, auch dem Anfang» Januar abgehaltenen sogen. Weihnachtsvergnügen anzuwohnen, zumal dieses Fest dlo» eine gesellige Unterhaltung bildet, wobei eine Berloosung der theilS gekauften und theils freiwillig gespendeten Gegenstände stattfiudet, woran viele isr. Mitglieder theilnehmen.*) Nun z»m zweiten Feste: Im Januar sind 47 Jahre verstrichen, seitdem unser allgemein beliebter Ärjt Herr Dr. David Essinger seine Thätigkeit als Mediziner hier begann und nun legt derselbe im Alter von 74 Jahren seine langjährige Praxi» nieder, um den Abend seine» Leven« inmitten seiner Familie in U l m zu verbringen. Herr Dr. L. war in den Jugendjahren längere Zeit Schüler des Rabbiner Gabriel Adler (Bruder des im vorigen Jahre verstorbenen Ehief-Rabbi Nath. Adler s. A. in London) wie auch de» sel. Rabbiners Sal. Wassermann (Vater des Herrn Kirchenrath» Dr. v. W. in Stuttg.) und hat aus dieser Zeit noch viele talmud. Kenntnisse behalten, so daß er als Mitglied der hies. Ehewra» ha-Schaß am jeweiligen Jahrzeittage einen Schiur vorzutragen im Stande ist und für jüd. Angelegenheilen stets warmes und wahres Interesse bekundet. Mit Rücksicht darauf, wie auch im Hinblicke auf die religiäse und humanitäre Gesinnung des Scheidenden hielt es Herr Rabb. Grün am Platze auch in der Synagoge dieses Ereigniffe» Erwähnung zu chun, indem er an dir Haftara anknüpfend, die Abschiedsworte Janathans an den Freund David in sehr paffende Beziehung brachte. Zu Ehren de» Verziehenden wurde überdies gestern, am 15. d. Mts. ein sehr solennes Abschiedsfest gegeben, an welchem eine Deputation von .Bopfingen, Aufhausen, Lauchheim und Ellwange» theil- »ahmen. Nachdem Herr Oberamtmann Lang au» RereSheim dem Scheidende» Namen» der Amtskorparaio» freundlich« Warte der Anerkennung gewidmet ind die besten Wünsche zum Ausdrucke brachte, überreichte er Herrn Dr. ik im Rathhaus« im Beisein de» Gemeinde-ilollegium einen wenhaollen Brtllontring mit der Inschrift: ״Für 47jährige treu« Dienste “ Abend» fand die osficielle Feier im ״Deutschen Hak" statt, wobei Herr Schultheiß Hugo Berg den Reigen der Toaste er öffnete — indem er die vielfachen Verdienste, de« un» Berlaffenden hervor Hab, sein« Lpferwilligkett, Selbstlosigkeit, Tüchtigkeit und ersprießliche Thätigkeit besonder» rühmte und seine Ansprachmit Ueberreichung «ine» Regulator« al» Andenken an die Gemeinde überreichte. Herr Dr. L. dankte mit tief bewegten Worten für di« überau» große und überraschend« Ehrenbezeugung und versprach, die Erinnerung an O.-B. wie überhaupt au den heutigen so schöne» Abend während sei«» ganzen Leb«n»ab«nd» srstzuhalteu und au» Pietät zu seinerHeimath» gemÄnde, so lange «» sein Gesuadheitözußand gestatter^verd«, znrzMen talljahrlich) hteherzukommen, zumal hier auch sein Vater degrabk^sti. Fabrikant Christian Greiner trug ein schwungvolle», den Geehrten sehr charatterisirende» Gedicht «Mer lebhaftem Beifall« vor. Rabbiner Grün sprach Namen« der t«raelittsche» Gemeinde, betonte besoader« den religiöse« Sinn und di« Treue de»Menschensrrunde» gegen sich felbst seine Berwondte» und Freund«, sein« Gemeind« uad GlaubenSgenoffenschoft. Herr Gemeinde» und Stistuna»psleger Ella« Gurmann, welcher kommend«« Sonntag seinen 70. Geburtstag stiert, begrüßt« Herrn Dr. E. al» treuen Jugendfreund und Alterdgenossen. Lehrer Adler von Aushaus«» sprach im Namen seiner Gemeind« und trug et» schöne» Lied vor: ״Zu guter Letzt". Lehrer Uhlmann von Lauchhel« feiert« Herrn Dr. «. »l« den würdigen Jünger Ae«culap«, «elcher der vielköpfige» Schlange der Krankheiten de» Kops zertrat und vielen da» Paradie» aus Erden bereitete. In launiger Weist sprach Herr Rosenthal au» Kllwangen, indem er an da« 40jährige Dienstjudiläu« jtH *) Die in einem jüd.-ortho^Matt« diestrhalb -ege» den Hrn. Rabbiner gebrachte« denunziätorischeu Auslassungen verdienen kein« Widerlegung, Unsrrr alle» Orth daxen waren in' ' 1 dieser Beziehung viel toleranter. (Rd.)