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Israelitische Wochenschrift · 1891-02-26 · 9 (26.2.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
9 (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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f&rfte*' M» VmMße yaoiwani, gOwbmUew Leitartikel « brr heutigen Sonntagsnummer mit folgende» Worte»; ,Uno er (der große Kurfürst) war zugleich der Man» der religiösen Toleranz. Seinem reforunrten Glauben*- bebenntniß au* voller Seele treu, verbot er jedoch jede« «kt de-׳ Feindseligleit gegen AnderSdenlend«; und der schie» chm dir Pflichten der Religion am vollste» zu eMllen; der da« hohe Gebot der Duldung beobachtete." > Folgt unser energischer Kaiser seinem erhabene» Borbilde auch in dieser Beziehung, dann dürsten die Tage de« Antisemitismus in Preußen gezählt sein. — Merlin. Dem ״Verein zur Abwehr des Antisemitismus" lind bisher 2000 Mitglieder von verschiedenen Parteien und religiösen Bekenntniffen beigetretrn. Unter dm Beitritt«- rrllärungm aus Elsaß-Lothringen befindm sich Baron v Harpentier, erster Schriftführer de- Landesausschusses, Landgerichtsdirector Dr. Gumpert, Prof. Fr. Goltz, Director des Lycmiums Haegele, Staatsrath Jul. Klein, Pfarrer LebloiS, Prof. Noeldechen, Abgeordneter Em. Petri, Präsident des Tirectoriums der Kirche AuaSburgischer tsonsession F. Petri, Präsident der Handelskammer I. Srngenwald, sämmtlich in Sträßburg. (Zur ichnelleren Verbindung mit West- und Süddeutschland ist ein zweites Bereinsbureau in Frankfurt a. M. unter Leitung des Stadtraths H. Flinsch errichtet wordm.) Die bedeutende Zunahme der Mitglieder des Vereins ist höchst Redakteur, dann von Mitgliedern zusammensetzt; denn jüdische Mitglieder und Förderer des Vereins wird es in Deutschland so viel geben, als es überhaupt deutsche Juden giebt. 0 Msrti«, 24. Februar. Auf den mehr predigtartigm Bortrog de« Prof. Dr. Steinthal folgte vorige« Montag der streug-wifsrnschaftlich« Bortrag des Herrn Dr. Rosen- ,^wrig. Er sprach über »Das Auge in Bibel und Talmud!" Fast zu reichlich hatte der Vortragende den Stoff gesammelt. Es ist darum unmöglich, eium Auszug dan reichen Inhalte desselben zu geben, er bewegte sich auf dem Gebiete der vergleichenden Sagenkunde wie dem der Völkerpsychologie. Gestern hielt Herr Redakteur Basch eium Borttaa über »Stürme der Zeit", indem er die soziale Frage behandelte, ohne jedoch auf Judm und Judmrhum näher eiuzugehm. — Die gestrige Nr. der »Staatsbürger-Ztg." widmete der Predigt des Dr. S. Maybaum in der neuen Synagoge zu Berlin, die über dm bekanntm Vortrag des Geheimraths Berner sprach, einm antisemitischm Leitartikel, in dem indirekt vie Staatsanwaltschaft zum Vorgehen gegen den Prediger aufgefordert wurde. — Heute Nachmittag 2 Uhr fand in der Aula des Polyrechmcums zu Charlottenbürg eine große Versammlung der Studiermdm statt, in der nach längerm stürmischen Debatten beschlossm wurde, die bekannte famose Petitton an Kultusminisips betreffs Studierender vom Studium a! nicht abzusenden. A«» Made«. Der greise 75jährige Schriftsteller M. Müller in Pforzheim hat, an- und aufgeregt von den vielen lügenhaften Flugblättern der Anttsemiten, vor einigen Wochen ein Mugblatt zur Widerlegung der Unmasse falscher Citate und statistischen Angaben, welche jme Blätter im Namen von Autoritäten anführen, erscheinen kaffen. Gegm dasselbe wandt« sich ein LOjähnger Pforzheimer, dm nun Herr Müller in einem neuen Flugblatt: »Der Arier Fritz Bökenberg jnn. als neues Pforzheimer AufklärungSlicht!" vollständig *d »brardam führt. Er sagt darin u. A.: »Ich hatte das GebaLren der Anttsemiten nicht für da» «ahrhaft icilaUf«, und mein«, di« Christen sollte» vorerst bester vor ihrer eigene» T«r kehren, statt Judmhcherete« anzusaagen. Würden di« Inden wie die »ntilemittn alle Woche die Sünden und Verbrechen von denen, weiche sich Christen nennen, an« allen Welttheilrn zusammensannnrl» L« V»UIUUK |UIUV|V Ull Ausschlusses russischjüdischer a^ den technffchen Mchschulm und in «ine» Mochentlatte! Sammlung! Die stattsttschen Hinmeise der Uatisemite» aus McJ Verbrechen berechtigen noch nicht zur Jndenhetzr. Ci»mal st Berichte dielfach unrichtig, ft «fälsch», dan» gehärt, «enn dieselben, richtig find, ei» philosophisch gebildeter Geist mit Gerechtigkeitl dazu, um ein richtige« UrcheU tu fälle». Hier nur et» Beispiel: PrilfideNtenschast in Bombay hat über JÜien ein« Crimtnalftattstll heransaeaeben, nach dieser komme» aus »2 Verbreche« 60 Heiden und 312 Christen. Ist da« «in Vewei». das! dir Heide» bester« Menschen al« die Christen find und da« Christenthnm weniger Werth ist, al« da« Heidentum? Und bei obiger Stattslik, wenn sie »och so richtig wäre, ‘ kommenden wir' Menschliche-^ Tragikomödie'." Kurz — di« antlfemittsche Ttattsttksbeweissührnngk" will gar nicht« za Gvnsten ihrer Hetzerei besagen. , , Wer zwischen zwei Reden über die Iudenfrag» ein Urtrll fällen will, der lese dach einmal di« vor SO Jahre» t« englischen Parlament. gehalten« Red« von dr« Staatsmann und Historiker Th. V. Maeanlay, und di« jüngst in einer Berliner Versammlung gehaltene von Stöcker i ' Welcher Unterschied! Stöcker sag« uater anderem: .Dl« russisch« Regieruna ist die einzige, welche di« Iudenfrag« pviittsch und pnats», männisch mit Crsolg behandelt 1' Snpionti o»t! Va« mich betriff^ ' so wünsche ich allerdings, daß die Inden sich Lesfiug's .Nathan de» . Weisen״ etwa» mehr zum Musterbild« nehme» möchte« und de» Christen,' daß der abscheuliche Pfaffrngeift, der ia Lessing'« Werk so treffend geschildert ist, von ihnen weit entfernt abweichen möge! — In meinem Flugblatt« habe ich auch aus di« Sammlung von Citate» htngewtesen, jä welche die Berechtigung de« Antisemitt«mu« beweisen sollen. Diese ' Sammleret ist in meinen Lugen geradezu kindisch! Ja, Goethe ,um , Anttsemiten stempeln zu »ollen, ist geradezu höherer Blödst»» I" Die Müller'schen Flugblätter verdienen die weiteste Ber- .^ breitung in anttsemittschen Kreisen. Ans Keffe», 16. Februar. Da- Sroßherz Ministerium de- Innern und der Justiz hat ein bemerkenSwerlheS AuSschreiben an die KreiSämter erlassen. ES heißt darin: ״Nach vielfachen Mitteilungen scheint eS, daß die Ertheilung des israelittschen Religionsunterrichts -sehr int Argen liegt. An manchen Orten, wo die israelitische» Gememden nur auS wenigen Gliedern bestehen, fällt der Religiousunterricht wegen Mangel an Rftteln zur Besoldung eine- Lehrers vollständig aus, an anderen hat man deaselben an Persönlichkeiten übertragen, welche nur höchst un*/.; vollkommen oder auch gar nicht die zur Ertheiluug beffeltatJj erforderliche Befähigung besitzen und nur in verhältuiß»« mäßig wenigen größeren israelitischen Cultusgememdea liegt./«, dieser so höchst wichttge Unterricht i» der Hand von Männer», welche nach Bildungsgang, Befähigung und Charakter für eine zweckmäßige und erfolgreiche Ertheilung drffelben volle Gewähr Hirten. Zwecks der Aeuderung ordnet da- Ministerium an, daß dir bestehenden Zusünde für die einzelnen Kreise (nach Maßgabe einer Labe.:-) ermittelt, und «inberichtet werden; für die LrtHeilung deS Unterricht» k wird in der Folge nur solchen Personen Erlaubaiß er-j theilt, welche sich bei dem Kreisamt über ihre Befähigung^ und bisherige Führung vollständig auSzuweisr« ver-: mögen. Wo trotz des Vorhandenseinschulpflichtiger Kinder ׳ der israelitische Religionsunterricht eingestellt wurde, wird. die Wiedereröffnung nachdrücklich gefordert. Feruer wirds empfohlen, dasich kleinere Gemeinden, welche für sich die'Z Mittel zur Gewinnung und Erhaltung einer tüchti ־ Lchrkraft nicht aufzubrc-gen vermögen, mit einander einem Schulverbaade oder wenigstens zur gemeiusame Aufbriuguug des Gehaltfür eine» befähigten Lehrer ver-' eine«, der dann gewissermaßen al» Wanderlehrer an de« Wochentagen in den verschiedenen Gemeinden den Unterricht ercheileu soll. Gieße». Da» hiesige Kreisamt hat gegen die anti-. semitischen Statoren em Rundschreiben an die Bürger- H meistereien erlaffen, in welchem eS auffordert, auf da» r n tsch!ebenste gegen den Anschluß an die sogenannte» mittel-. deutschen Bauernvereine zu wirken. Die Mitali^er dieser׳^ Bauernvereine soll« nämlich geloben, ,unser Land und die. . ~ '־־־־ “־־־'־־־ ־v; SreisämtrS scbließt mit den Worten: ״ES kann Ihnen! zweifelhaft feut, daß dir Großherzogl. Regierung ei« s«

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