Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 9 (26.2.1891)
- Date
- 1891-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ff Wirs» v. Hirsch»» Spe«tze m»V Prsjekt fSr Nie r»fftsche« «»»W«»derer. Saum daß die Zwölf Mllumen-Stiftung des großen 'IPManthropen für die galh,,schen Juden die staatliche Sanction «halten, bringt Der Telegraph die Kunde von einer neuen »ßartigen Spende diesä Edelsten der Edeln unserer ' >n. Biele Millionen will er für unsere armen russischen ' Brüder geben, damit die aus ihrem barbarischen Vaterlande Bertriebenen einen sicheren Niederlassungsott jenseits des ׳ Oceans finden. Es liegt nicht in unserer Absicht, mit " schwachen Worten die Hochherzigkeit des edlen Baron's hier iu preisen, solche Thaten sind über jedes Lob erhaben; es sei uns vielmehr nur gestattet, einige Betrachtungen darüber Hüzustellen, in welcher Weise und wo nach unserer Meinung die Ansiedelungen der russischen Juden den besten und segensreichsten Erfolg haben dürften. Ackerbauer, heißt es. sollen die Exulanten aus Rußland werden. Der Jude, der früher mit den! Packen auf dem Rücken von Ott zu Ort ziehend mühsam sein Dasein fristete, soll mit dem Pfluge und mit der Egge'den mütter Uchen Boden bebauen. Einen jüdischenBauernstand »u schaffen, das ist fürwahr eine That, die jeden Juden freuen und begeistern wird. Jedoch nicht jeder Exulant ist zum Bauern geeignet. Mancher, der sein Lebtag als Schneider oder Schuster lebte, wird nicht im Stande sein, sich in die neue Ordnung hineinzulcben. Nur jüngere, kräftige Leute sollen dem Ackerbau zugewiesen werden. Darum möge num Niemanden wider seinen Willen dem Ackerbau überweisen; denn nur derjenige vermag als solcher etivas zu leisten, der mit Lust und Liebe an s Werk geht. Freilich der größere Theil der aus Rußland Verteil bene» hegt den innigen Wunsch, fortan ein seßhaftes Bauernleben zu führen. Rathsam ist ferner, die neuen Bauern möglichst bei einander anzuekln. Erstlich wird es ihnen dann möglich sein, sich gegeng zu helft» und zu unterstützen; dann aber werden sie ft» solcher Lage viel leichter alle Errungensck!asten der neueren Technik sich nutzbar machen können, Gerade diejenigen Sachen, die der Einzelne »vegen zu großer Kostspieligkeit nicht beschaffen kann, vermag die Gesanzmtheit sich zu erwerben, fstnen Dampjpflug z. B. könnten mehrere Dörfer zusaminen sehr wohl ankanftn, während cs dem Einzelnen unmöglich ist; andererseits ist es bekannt, daß bei der Tieflültur (mittels des Dampfpstuges) der Boden oft den üfachen Erttag als Lei der gewöhnlichen Flachkultur liefe«. Aus diesen lvie aus manchen anderen, hier nicht näher zu erörternden Gründen ist eS nicht rathsam, die Ansiedler zu zerstreuen, vielmehrdieselben möglichst bei einander zu lasten. Biel schwieriger «der als das^Wte" ist das J©•!” Bon den Ländern der neuen Welt kommen in erster Linie die Vereinigten Staaten aus dem Grunde in Betracht, weil sich schon an und für sich seit vielen Jahren die Aus- Wanderung dotthin richtet und »veil dott schon zu wieder- {!ölten Malen Kolonisationsversuche, die freilich leider mißangen, gemacht worden sind. Wollen wir aber erkennen, ob sft jetzt besser gelingen würden, so muß man sich vor allen Dingen rin Bild von der wirthschaftlichen Lage der Bereinigten Staaten verschaffen. In jüngster Zeit mehrten sich die Insolvenz-Meldungen aus Amerika in erschreckender Weise und zwar aus den verschiedensten Branchen des wirthschaftlichen Verkehrs. Auch der Fall des Hauses Baring war von »veitgehendster Wirkung. Und wie es drüben mit dem Ackerbau steht, dafür ist der Umstand, daß viele amerikanische Ackerbauer den Pflug stehen und liegen lassen, um in der Stadt Beschäftigung zu finden, die sie ernährt, nicht das beste Zeichen. Mit knappster Noth fristen in New-Kork nicht weniger als!:.'0,000 arme Juden ihr Leben. Könnten wft es verantworten, noch andere Scharen z u diesen dem Unglück, der dauernden Armuch und dem rohesten MaterialrsmuS preiszugeben? Hierzu kommt noch der Umstand, daß, ehr man einen neuen Strom der Ennaration nach den Bereinigten Staaten leitet, eS doch vor Alle« ge, boten ist, für diejenigen, »velche bereits drüben sich befinde^ und die noch in bitterer Armuch und Elend schmachten, ju sorge» und ihnen ein befferes Loos zu verschaffen. D rusfische Judenfrage ist eine soziale Frage, und eine solch wird dadurch nicht gelöst, daß man den Ott derftlben verlegt denn es wird kein allzu großer Unterschied in dem Empfinden! sein, ob »nan in Kiew oder in New-Vork Hunger leidet! Und daß in New-Z)ork wirklich über 120,000 Juden als Proletarier darben, dafür beruftn wir uns auf das Zeugniß des antisemitischen, also gewiß nicht judensreundlichen ״Deutschen Volksblattes-, welches freilich m nicht onzweideutiger Weise gewisse in Amerika reich gewordene Juden für diese Zustände verantworttich macht. In der ersten Hälfte des Januar 1889 beantragte der vom ״Kongreß der Bereinigten Staatenzur Berathung der Einwandererfrage eingesetzte Ausschuß de- CongresjrS, die Einwanderung durch Erhöhung der Einwandertaxe und die Vorschrift der Er» Hebung «neS Ee«ifikateS bei dem amerikanischen Korrsul des Ausfahrtshafens zu eychwerc»; außerdem al>«r unpassend! erscheinenden Ein»vanderern die Landung zu untersagen. Arme, Bestrafte nnd Anarchisten sollen zur Ein- Wanderung nicht zugelassen »verden; (Die New-Horkcr Staatszeitung fügt hinzu: auch keine Juden.) Als am 4. März oer neue Präsident Harrison sein Amt anttat, verlas er im Kongreß eine Botschaft, »velche diesen Anträgen im weitesten ' Sinne Rechnung trug. Wie leicht kann es nun aber bei l einer vergrößerten Masseneimoanderung russischer Juden ] der Regierung der Vereinigten Staaten einfallen, diese als! ״unpassend erscheinende Einwandererzurückzutveisen. Tie Alliance hat daher vor Kurzem mit Recht! vor der nach dotthin gerichteten Einwanderung nachdrücklichst! gewarnt. (Schluß folgt.) Gerichte ««* G»rrefpande»ze». Deutschland. ZK«ßde5«rg Der Kardinal Lavigrrie hat an den Zar ein Schreiben gerichtet, in welchem er als Ber» theidiger der unterdrückten russischen Juden und als Verfechter ihrer Menschenrechte, deren man sie be-. raubt, auftritt. Der ftanzösischc Kardinal schrei't de« russischen Kais« nicht als Katholik oder Prälat, sondern als Mensch, der nicht gleichgiltig zusrhen kann, wie die primitivsten Rechte von Menlchen, die nichtvergangen haben, mit Füßen getrttrn werden. Der Kardinal fleht den Zaren im Namen der Humanität und d«S Christea» thums an, Mitleid mit seinen jüdischen Unterchanen zu haben und die elend« Lage derselben zu verbessern. Da der Kardinal sich jedes offtcielleu Charakters von vor»« herein entfleidtt, und nur als Mensch, Christ und Geist» lichrr vor den Kaiser mit seiner Bitte tritt, so ist der Bei» dacht einer beabsichtigten Einmischung in die innen» Anaelrgenheiten einefremden Staatevon vornhereiu beseittgt. Kardinal Lavigcrie »vendet sich an da- ״große Herz und das edle Gemüth des russische« Monarchen-, der doch selbst, bald nach seinem Regierungsantritt, einer jüdischen Deputatton sagte, daß er keinen Unterschied zwischen seinen Untetthanen ver chiedener Raffe und tdn» ftssion mache und Alle mit gleicher Liebe umfaffe. Ran sagt, daß da» Schreiben de« Kardinals auf den Kaiser einen tiefen Eindruck gemacht habe. (Wenn nur diesem Eindruck bald auch kein Druck mehr gegen die Jicken folgen würde.) Merkt», 23. Jebr. (Or.-Lor.) Tie henlichr Kaiserrede auf dem Brandenburgischen Provinziallaudtage veranlaßte all« aufrichttg liberalen Blätter zu zustunmenden Beifalls» äußeruugen. Dft ״Voss. ^tg.-^chliebt ihren dem Grundgedankrn dieser Rede, daß sich den ״groß« Kur-