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Israelitische Wochenschrift · 1891-02-19 · 8 (19.2.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
8 (19.2.1891)
Date
1891-02-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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fc« antisemitische׳, Flugblätter polnnifirt, so besonder» gegen die: ,Warum sollen wir nicht kei d-n Juden kaufen?" ״ttnb unser« Mitbürger, Bürger de« deutschen Reiches, rnst er in sliner vorurtheil-freiea Besinnung bei dieser Beiegevheit au», sind die Juden kraft der Gesetz«. Da» Bürgerthum haben sie erworben durch IvoOjährige» schwere» Ringen. Bezahlt haben sie ihren Eintritt mit ihreni Blute auf den Schlachtfeldern von Bautzen, Dennewitz und Leipzig; bezahlt mit ihrem Herzblut bei Weißrnburg, Wörth und Spichern, in den harten Kämpfe» um Metz, bei Sedan, Paris und Orleans. Dijon und Belfort. In dem Kitte, der die deutschen Lande zu einem großen Ganzen festete, ist auch das Blut Tausender von Juden enthalten." Der zweite Hauptheil beantwortet die Frage: .Kann und soll on Lehrer zur Beschwichtigung der Antisemitrnbewegung beitragen?" folgenderwaxen: Der Lehrer kann vermöge seiner Bildung und Stellung zur Beschwichtigung dieser Bewegung beitragen und zwar außerhalb und in der Schule. Der Lehrer soll zur Beschwichtigung beitragen und zwar al» Menschenfreund und Staatsbürger, als Lehrer und Erzieher im Interesse der Schule und des Lehrrrstande». Ter Bortrag schließt mit den brgeisternugsvollrn Worten: .Kollegen, gerade wir, die wir zu den unmittelbaren Berathern des Volkes zählen, die wir mit tausend Fasern mit *m Herzen des Volke» verbunden sind, die wir au» dem Bolle stammen, die wir mit Recht sagen können: .in ihm, oem Bolkc. leben wir, bewegen wir uns und sind wir", säumen wir nicht, in der nahe gelegten Richtung mitzuwirken zur Beruhigung der Gemüthcr, zur Erhaltung de» religiösen Frieden» und soweit zum Blühen und Gedeihen de» engeren und weiteren Vaterlandes, das Gott segnen und erhalten .vtckle für und für." Hoffentlich nehmen die Leser der .Wochenschrift" Veranlassung, diesen Vortrag in zahlreichen Exemplaren zu verbreiten. Würztznr». Dem Rechenschaftsbericht über die hiesige iSrael. Lehrerbildungsanstalt für da» 26. Jahr ihres Bestehen» entnehmen wir folgendes: Die Anstalt wird augenblicklich von 32 Schülern besucht, ie in drei getrennten Kursen unterrichtet werden. Entlassen 7-urden im verflossenen Jahre 16 Zöglinge, sodaß die Zahl;Her in der Anstalt Ausgebildeten nunmehr die stattliche Höhe von 226 erreicht hat. An der Anstalt wirken 3 Seminar-, -Achlehrer und l Präceptor. Von Inte! esse ist es, daß auf -er Anstalt ein besonderer Werth auf Musik gelegt wird, 'erner, daß an ihr ein landwirthschastlicher Kursus besteht, und die Zöglinge auch in Gemeindeschreiberei Unterweisung erhalten. Alles sehr praktisch« Einrichtungen. Der Etat der Anstalt, die eine private ist und alsolche keinen RegierungSzuschuß erhält, balancirt in Einnahme und Ausgabe auf 19173,74 Mk. DaS Vermögen der lnstalt beläuft sich auf 46455,15 Mt. Die Leitung der Instalt liegt in den bewährten Händen des Herrn DistrikSrabb Äathan Bamberger. O«sterrei«b>U»gar». Ins 15. Februar. (Lr.-Cor.) In beiden :tirichShülsten haben sich in der allerjüngsten Zeit wichtige Begebenheiten zugetragen. Sprechen wir zunächst von dem HanpttageSereigniß .dem österreichischen Ministerwechsel", so weit er uns Juden näher berührt. Der neue Finanzminister Dr. Steinbach ist von jüdischer Abkunft") u. ein ausgezeichneter Nationalökonom. Interessant ist das Gespräch, welche» sich Mischen ihm und den Vertretern der verschiedenen Bank- Häuser, die nach seiner Ernennung bei ihm vorsprachen, *) Sein Sätet war ein jüb. Wolbarbeiter in Krab, der bann ln Lien zum Christen ihn« übenrat und Beamter des Versatzamte» würbe. Sin (evensallt aelausteri Bruber be» Minister« hat Me Tochter be» jub. Direktor» Sani» am tdirounb «affenverein, unb ist Prokurist in jüb. Bankhause Lphrussi — tk» ist jebenfaB« interessant, bah man ungeachtet bet starten antisemitischen Strömung hoch in den «::-chöchsten Kreisen an ber jüdischen Abstammung und Verwandtscvast keinen Anstoß nah». entwickelte. Der Minister sprach nämlich seine Verwunde darüber au», daß die Bankinstitute sich so wenig mit i striellen Unternehmungen befaffen. Darauf antwortet^ Vertreter der Unionbank unter Anderem: Der AntisemitiSm welcher in Wien so erstarkt ist, lähme den llnternehmuADsit geist und verhindere die Banken, ihre Aufmerksamkeit spezb der Industrie zuzuwenden. Dieser Bankvertreter heißt Gras Adolf D u b S k y, ist also k e i n I u d e. Der Finanzminister erwiderte darauf: Auch er bedauere den Antisemitismus, er f' ' ' *־ ־' ־־■־' "־ ■׳ ׳“■׳ ׳-* *־ ־“ ' ־ sei nur eine Folge des schlechten (Heschäftsganaes in vielen. Zweigen des Gewerbes. Man habe den Leuten so oft gesagt, daß nur die Juden an der Noch schuld sind, bis sie schließlich glaubten: sie brauchten eine persönliche Erklärung,- für ihre Noth und klaminerten sich an diesen Strohhalm. / Aber auch das werde vorübergehen. Man dürfe auch nicht׳ vergessen, daß die antisemitische Beivcgnng zum Theile «Äder politischen Erziehung des Volkes zusammenhängt. Diegroße Masse besitze erst seit verhältnißmäßig kurzer Zeit die politische Freiheit, und deshalb dürfe inan sich nicht darüber wundern, wenn sie diejelbe zuweilen nicht in richtiger Weise gebrauche und nicht immer das richtige llrtheil zu fällen wisse. Graf Dubsky verwies darauf, daß di« anfu semitische Bewegung um so weniger berechtigt sei, als uitter den vielen Tausend Juden in Wien nur einige wenige Per» sonen sehr reich, andere wohlhabend seien, die weitaus große Mehrzahl aber wenig oder nichts besitze und ausschließlich, von ihrer Arbeit lebe. Der Minister pflichtete diesen An- % schaumigen bei und bemerkte, er werde alle finanziellen An« gelegenheiten ohne Voreingenommenheit prüfen. In Oesterreich finden jetzt die Wahlen für das Abgeordnetenhaus statt und da hat auch der Episkopat eiarnH Wahl-Hirtenbrief erlassen. Aus demselben sind die Aeußer1mge«.Z bemerkenswerth, die sich auf das Verhältniß der katholischen D Kirche zu den anderen Consessionen beziehen und als ungewohnte Sprache der Lberhirten Auffehen und BefriedigungM Hervorrufen. .Wir sind weit davon entfernt," heißt es a».< einer Stelle, .die andersgläubige Minderheit zurückzuseyeiL׳ oder kränken zu wollen; wir wünschen auch, ihre Vertreters mit uns im Reichsrache vereinigt zu sehen zu geiNeinsamer * Arbeit für des Reiches Wohlfahrt und Größe." Weiler schreiben die Bischüsr: ,Nach katholischen Grundsätzen darf^ die Liebe zur eigenen Nation nicht wider das Gesetz ber^ Nächsten- und Bruderliebe sich wenden und zum heidnischen,^ Rassenhass« herabsinken." Ueberdies werben die Gläubige« ־־ ermahnt. Alles zu vermeiden, was den gesellschaftlichen, bürgen lichen, nationalen und religiösen Fried«» stören könnte- / Bis jetzt sind Antisemittn, christlich-iociale und kindliche י Berufsmänner zusammengegangen und viele aus dem niederen,^ Clerus waren Anreger und Stützen des Antisemitismus, oht daß die Bischöft ein Wort dagegen sprachen. Jetzt schem, sie anders entschlossen zu sein, worauf auch schon erlich^, Maßregeln, unter Anderem das Verbot an den Cur, ' des Wiener ErbischumS, sich um antisemittsche Mandate bewerben, Hinweisen. Mögen die echt apostolischen W> des Friedens die gesellschaftlichen Verhältnisse bei uns ' und dem Antisemitismus ein baldiges Ende bereiten, der österreichische Finanzministrr ja bereits herannahen In meinem nächsten Briese will ich über, die jüngste, Vorgänge im Schoohe der ungarischen Judenhett ber ich! Framkretch. Unris. Die Anttsemiten aller Länder — cimili aimili gnade( — gleichen sich in Bezug auf gewisse lügenhafte Gemeinplätze. Wie dieselben in Deutschland behaupten, Juden hätten nicht in der Front vor dem Feind« gekämpft, ungeachtet in alle Schlachten Jude« gefallen sind und »e wund« wurden, so behauptet ein Pariser Blatt ״L'Autorüt die jüdischen Seminaristen wollten sich in Frankreich Milüärdienst entziehen. Gegen diese grundloseBeha tritt der Obrrrabbiner von Frankreich und

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