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Israelitische Wochenschrift · 1891-02-19 · 8 (19.2.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
8 (19.2.1891)
Date
1891-02-19
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ftT leiten i Etwa der einzige Eultusbeantte de» Ortes, «orbeier, Lehrer, Prediger, Schochei und oft auch noch ^Rüster dazu ist? Wenn er Freitag Abends, Sonnabend Morgen», Nachmittag» und Abends vorzubeten, au» der 'Tora vorzulesen, manchmal noch einen kleinen Vortrag zu Halten hat, soll er da Freitag evrntl. Sonnabend 7 Uhr Abends noch einen besonderen Gottesdienst sür die Jugend <und da» Alter) abhalten? Und da» Alle» natürlich Ivvabvoa «ehomajim? denn leine Besoldung ist ja leider eine er- £ bärmliche. Wir in kleinen Gemeinden haben keine Rabbiner,?־ Ober- und Uuterkanloren (Organisten) und Lehrer, die im Dienste abwechseln könnten, die ganze Last liegt da auf einer £ Person und kann diese — wenn sie auch wollte — sich noch mehr aufbütdrn? Soll aber wiederum die Jugend in h den kleinen Städten roh und gottlos auswachsen? Unseres -Dafürhalten» bedarf e» jedoch weder in großen noch in Aeinen Gemeinden eine» besonderen GotteSdicnste» für die % Zugend. Die Schüler und Schülerinnen sind, wenn die - -Eltern nur wollen, ohnedies im Stand«. ,!.Jeden Freitag-Abend, zu Sabbath-Mincha u -Maariw Lie Synagoge zu besuchen und an dem Gottesdienste sich fu betheiligen. Zu Mincha können Schüler, die Bar Mizwa iud, zur Tora gerufen werden, sie hören die erste Parascha btt laufenden Sidra vorlesrn und der Lehrer oder Prediger .. ihnen (und den Erwachsenen) vor oder nach dem ^ÄAvUrsdienste, wenn er r» im Stande ist, »esp. Vormittag "«icht «predigt hat, im Sommer einen Abschnitt aus den Pirle Aboth übersetzen und erklären und im Winter einen »heil des Wochenavfchaitts oder die Haftara erklären oder «8(b nur verdeutschen. Ist e« in der Synagoge zu kalt, so kann ja da» in einem warmen Zimmer geschehen. 2. ES kann jeder Schüler und jede Schülerin auf Wunsch der Eltern an jedem Festtage vom Schulbesuch sirt werden, sie könnten also auch an diesen Tagen Gottesdienst ganz beiwohnen; dieser Dispens wird sogar am Purim. Tischobow und Haschana-rabba für je 2 Stunden de» Morgens ertheilt; e« sind dieseim Ganzen 6 ב Tage im Jahr. 3. ES girbt auch Sabbathe. an denen die Jugend an Tdem Bormittags-Gottesdienste sich recht gut betheiligen kann, .so z. 8. waren es in dem nun bald zu Ende gehenden /Schuljahre 1890/9( 13 Sabbathe, an denen wegen Schul- ,Serien der Unterricht ausfirl (am 29. März, 24. Mai, 5., 12.» 19. und 20. Juli, 2. August, 3., 11. und 18. Oktober,! .20. und 27. Dezember und am 3. Januar 1891.) E» sind maucheu Jahren noch 1 oder 2 mehr und an katholischen jrLnstaltrn noch mehr. — Von Rasch Chodesch, Ehanuka, fMfyoi hamaud, Fast- und Selichostaaen, an welchen üffent- ' licher Gottesdienst stattfiadet. der meist nicht mit der Schul- ^zeit evllidirt, will ich gar nicht reden. Wer kann also behaupten, daß die Schüler keine Ge- ^tgenheit hoben, sich am Gottesdienst zu bet heiligen oder be- ^Zchrt zu werden? Es liegt also nur wie immer an dem ” gaten Willen der Eltern und zum Theil auch an dem belrrffenden Religionslehrer. Die Eltern wollen aber meist Wm Rinder nicht zur Synagoge, schicken, »veil sie selbst hingehen. Sonnabend Nachmittag müssen die Rinder! .im Sommer die Felder und Wälder aussuchen, um sich zu i-.^erholen, im Winter Schlittschuhe laufen oder den leidigen :Musikunterricht nehmen, von »vrlchem der Schüler und Schülerinnen keinen Nutzen haben, eS geschieht nur, »veil es Mod« ist. Wenn wir r» dahin bringen könnten, den Eltern Sinn'und guten Willen für Gottesdienst und religiöse Belehrung einzuimpsen, dann bedürften wir keines ~ besonderen Jugendgottesdienstes, und so lange elfteres nicht möglich ist, nützen alle künstlichen Mittel nicht. Diese ziehen wohl anfänglich, aber sind nicht von langer Dauer. Wir müssen abwarten, bis die Zeiten sich ändern werden ad es an Ermahnung nicht fehlen lassen. .(Der besondere Jugendgottesdiensb) Zu der n Bemerkung rücksichtlich meine« Vorschlages für die Einrichttuq 'des Jugendgottesdienstes in den Abend» stunden, daß.Schnftvorlesang" nicht fehlen dürfe, trete ich nicht in Opposition, ich »verde dadurch nur zu einer Ergänzung meine» Vorschläge» veranlaßt Ich lege ein gleiche» Gewicht auf die Schriftonrlesungen aus Tora und Propheten. Die Einrichtung de» Gottesdieste« ließ ich einstiveilen frei, darum schwieg ich darüber Deutsche Gebete und G.'sänge sollen gewiß nicht fehlen, und wer wehrt es denn, außer Predigt auch hebräische und deutsche I.hriftvorlesungen hinzuzufügen; Verdolmetschung der SHriftvorlesnng ist ja nicht »ru, und sie dient nicht nur der Jugend, sondern auch den Erwachsenen. ES empfiehlt sich auch von Alters her, jeven (?) besuchten Gottesdienst mit Schriftoorlesuag zu verbinden, wie eS Esra für Montag und Donnerstag angeordnet hat» »veil an diesen Tagen die Gerichtstage im heil'gen Lande »varen, viel Landvolk zur Stadt und zum Gotteshause kam. Schriftvorlesungen im Abendgottesdienst sind zwar nicht usuell, aber verboten sind sie doch nicht, vielmehr ist die Beschäfttgung init der heiligen Schrift zu jeder Tage«- und Nachtzeit empfehlen-werth und empfohlen. Wenn man lediglich an dem bestehenden Usu» festhält nach welchem Schristvorlesung eingeführt ist, hätte inan auch den Sonntag-Morgen nicht vorschlagen dürfen *) Würde man aber am Sabbath-Nachmittag nur um der herkömmlichen Tora-Borlesung willen festhalten, so würden un» auch da wieder diejenigen Eltern fehlen, »velche, wie die verehrt. Redaktion voraus ctzt, am Sonntag- Nachmittag spazieren gehen oder Besuche machen, »veil sie am Sabbath-Nachmittag geschäftlich in Anspruch genommen siuv also auch dann für die Synagoge keine Zeit haben. Die verehr!. Redaktion wird mit mir anerkennen, daß mein Vorschlag für den Abendgottesdienst den Besuch de» Morgen» und Nachmittag-Gottesdienstes an Sabbath- und Festtagen nicht ausschließt, »venn die Schuljugend in den Ferien frei oder an Festtagen vom Schulbesuch dispensirt ist. Do, ich spreche aus Erfahrung, kann der Rabbiner und Religion»- lrhrer schon durch die SchuldiSciplin auch auf den Besuch der Synagoge wirken, aber trotzdem betone ich, vor allem kommt eS aus den guten Willen de- Hauses und die Mit- Wirkung der Eltern an. Die besten Vorschläge sind erfolglos, »venn Hau» und Eltern widerstreben. Man vergesie iadeß nicht, ich Hobe nicht nur die Schuljugend, sondern auch die spätere Jugend und die Erwachsenen jeden Alterim Auge. Dr. R. 8. Parmstabk, 13. Februar (Or.-Lor.).t Spät komme ich, geehrter Herr Redakteur, aber noch nich zu spät, um in der geschätzte!, Wochenschrift zu registriren. daß in der hier am 17.A1nuar stattaefundenen BezirkSlehrerversammlung Herr P. I. Fiedler, Direktor a. D. der Kaiserlichen Landwirthschaftsschule zu Rufach, in einem Vortrage entschieden gegen die anttsemitisch« Bewegung Front gemacht hat. Derselbe liegt mir gedruckt vor und verdient die »veiteste Berbreftung besonders in christlichen Lehrertrelsen. Der Vortrag ist betitelt: ,Die Antlsemitenbrweguug in Deutsch land in ihren Ursachen und Folgen' und ist hierselbst in der Schulbuchhandlung von H. Schmitt erschienen. Der Herr Verfasser treibt durchaus keine Schönfärberei, er ist aber durch da» Studium der jüdischen Geschichte zu dem Resultat gelangt, daß kein Grund vorhanden ist, den Juden in rechtlicher und sozialer Beziehung eine Ausnahmestellung ihren christlichen Mitbürgern gegenüber zuzuweisrn. Der Verfasser gliedert sei,, Thema in z»vei Hauptheike, deren erster in folgende Abschnitte zerfällt: ». von Christi Geburt bis zu dem eraen Kreuzzuge, b. vom ersten Kreuzzuge bi» zur Emancipation der Juden im Jahre 1848, o. der heutigen Tage. Unser wesentlichstes Interesse nimmt der letzte Theil in Anspruch, in welchem der geehrte Herr Verfasser gegen *) Wir wissen uichl, ob irgendwo «in Sonntag-Bormittaggottesdienst für di- Jugend eingerichtet ist; aber da di« Jugend für den gemeinjamen öffentlichen Gottesdienst erzogen werden soll, so tann man für die Jugendg ottesdienst« leine eultuellrn Neueinrichtungen rinfiihren, di« bei de» tzauptgottrsdteuften fehle». (Red.)

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