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Israelitische Wochenschrift · 1891-02-19 · 8 (19.2.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
8 (19.2.1891)
Date
1891-02-19
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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»Itnnfllanmiffion btt Seminar«, Herr Zadoc -ahn, und zwar in einem geharnischten Schreiben an di« rdaction de« lügenden Blatte«. .Die Israeliten, schreibt Oberrabbiner, geben so oft in die Easerne, al« die HQkty« sie rufen und -sie thun daselbst ebenso gut und ebenso freudigen Herzen« ihren Dienst wie die katholischen ind protestantischen Seminaristen." Auch Rochrsort — auf dessen Einflußlosigkeit ein Hiesiges Blatt den Witz anwendet .Rosche (רדל) fort" — behauptet im.Jntransigeant", Ee«m׳eux Hab« ungerechtfertigter Weise den algerischen Israeliten da« Wahlrecht verliehen, tvelche« er den Muselmännern verweigerte. Gegen diese lttgenhafte Behauptung tritt Hr. Leon« Lehmann. Advocar -am Eassationshofe und im StaatSrath«, auf, der al« . Deligirter Algerien« im Consistorium wohl Bescheid weiß.! Die Israeliten haben durch da« bekannte ErSmieux'schc ׳'Drcret vom 24. Oktober 1870 die Collectivnaturalisatton -stzhaltrn und sind zu Franzosen geworden, welche die Mukelmänner unter keiner Bedingung und zwar in Rücksicht auf ihre Haremsgesinnung nicht wollen. Die Naturalisation eine« einzelnen — sowohl Muselmann al« Israelit — war bereit« durch SenatSdeschluß vom 24. Juli 1864 geregelt. : ״Man braucht den leichtfertigen Lügen nur auf den Grund G« gehen und die Antisemiten entpuppen sich als da-, wa« 2 He sind: gewissen-lose Aufwiegler de« Volke«, die auf die ^Leichtgläubigkeit und die Leidenschaft der gedankenlosen -Menge rechnen. Der ״TempS" enthält einen Artttrl von Therville «Da« Leben auf dem Lande", in welcher der Autor sich!.Aber die Grausamkeit de« rituelle« Schlachten» ausspricht. ^Aadoc Kahn antwortet in einem längeren Schreiben und ’ belehrt den Unwissenden an der Hand zahlreicher Dokumente Besseren. U. A. sagt .Herr Zadoc Kahn, daß die -Hammel und Schweine in gleicher Weise wie di« Lhiere ״Urach israelitischem Ritu« geschlachtet werden. Und warum "Verdiener» diese weniger Mitleid al« die Ochsen und die «re? Vermischte »«> »e«este W«chrichte». DarmDabt» 17. Februar. <r« leg ramm.) In der heutige» ,-Eitzuna der zwetten Kammer erklärte der Ministerpräsident Finger,!^daß die beffische Regierung di« «ntisemitische Bewegung al« eine ^Krankhei t betrachte, sie hoff«' von dem gesunde», christlichen Sinne * * Lalle«, daß «4 diese» Krankheitikstofs abftoßen «erd«. — c nttramontane >bg. Rack« bezeichnete die antisemitische Agitation ei» Verbrechen. t)k Kammer beschloß, auch den israelitischen Religton«gemetnden .AnschLffe zu Kultuszweckr» zu gewahren. •־ M«chbe»»e«. Die Gattin de« in Paraguay verstorbenen Dr. ^-Mernhard Förster, eine« der ersten und heftigsten Wortführer de« *Mntisemiti»««», erklärte jüngst, daß ihr Mann spüter sein« antisemi- Gesinnung al» irrthümlich erkannt und bereut ׳habe. B-rlu», 1«. Februar. Stöcker klagte am jüngsten Freitag vor!inen Christlich)ozialen über di« .schrecklich« Juden wirthfchast, welche r Deutschland und besonder« in Berlin jetzt herrsche, so daß man wohl »'S Answnnder, denken könnte". Man habe auch ihn zum Au»׳ «rn ansgesordert, er wolle aber nicht »»»«andern, denn e« müsse tz jemand hier sein, der dies« Wirthfchast kennt und schildert In cklä aber könne auf Jahrhunderte hinau» von Ackerbaukolonien keine - Rede sein: dagegen «Lrrn in Südbrafilie» alle Süßeren Vorbedingungen .kür eine gedeihliche Ansiedelung vorhanden. — .Immer rüder!" so lautet ein Berliner lloaplel. Vielleicht wird Stöcker drüben wie sein .«Hemaliger Freund Dr. Förster auch noch einmal anderer Besinnung. <1. 3p. Beettu. Am **. Februar hatte die Gemeinde B'a« .Iwrith da» elfte Jahr ihre« Bestehen» zurückgelegt. Diese» Tag wallt« der Verstand nicht spurlo» vorübergehen lassen, und veranftaltete daher ein Fest in Form eine» Ball«». Line große Zahl Gemeinde- .׳Mitglieder und Gaste hatten sich dazu «tngefunden. Nachdem der vor- Atzende, Herr M. Lewinsohn, die Letzteren begrüßt, ergriff Herr Rabbiner Dr Kroner zu einer zündenden Ansprache da» Wort, . Melcher großen Beifall folgte: auf di« Gemeind« «oastirre Herr Recht«- Anwalt Becker. Rach Aushebung der Tafel blieben Jung und Alt stoch bi« gegen Morgy, zusammen, um de« Tanze zu huldigen. — Die ^Mmatonsschule der Gemeind« besteht au» 3 Klaffen und wird von über - 400 Schülern besucht, ei» Zeichen, wie die Thätigkei« dr» Herrn Dr. Lktroner die Schul« gehoben Hot. B. GtadtlaUOsfei»» 13 Febrnar. Gestern beginge» der Kauf- DOW« G. L. R-senblatt und sein« Gattin «tuka geh. Huhu, umgebe» von einer zablrricheu Schaar »an Kindern und Enkeln, unter allgemeiner, Inniger Theilnahm« von Rah und Fern ihr goldene« Ehejubiläum. Von den vielen Deputationen, welche dem Jubelpaare ihre Glückwünsche derbrachten, erwähne« wir die Deputation de» städtische» Gemeinderath», welcher Körperschaft Herr RosenblaN ftit dem Jahre 1360 mit nur dreijährigen Unterbrechung angehört, ferner di« Deputation de» israelitischen itultuSvo, stände», de» Gewerbevereia» und de» i»rael. Krankenverein». Im Auftrag« de» Großherzog« und der. Krau Großherzogrin sprach Herr Landrabbiner Dr. Salzer Höchst, deren Glückwünsche au« und überreichte ein von Ihren Kgl. Hoheiten verehrte» kostbare» Beschenk. Ein Festmahl, gewürzt mit Toasten «rnsteren und heiteren Inhalt», bildete einen würdigen Abschluß der seltenen Feier. Dresden. 27 Januar. Frau Henriette Mankirwicz leine geborene Tauber aus Wien), die Gattin de» Beneralkonsul» und Vorstandsmitglied«» un'erer Gemeind«, erhielt für ihre bedeutenden Verdienste um die Kunststickerei di« große Medaille von Frankreich, die nur ganz hervorragenden Sünstlern der letzten Pariser Welt» ausftellung verliehen wurde. Die Arbeiten dieser kunstbegabten Dame sind, nachdem sie hier ausgestellt waren, auch mit großem Erfolge in Veriin ausgestellt gewesen, um nun nach anderen Stödten weiter zu wandern. Königin Carola hat wiederholt »er Künstlerin, d>e in der königlichen Billa in Strehlen empfangen wurde, ihr« höchste Anerkennung autgedrückt. — Die Kunstwerke der Frau Manftewicz sind halb Malerei, halb Stickerei und bilden wanoartioe große VUder Glsaß-Lottzringeo. Rach der neuesten Volkszählung kommen aus 1000 Einwohner 773 Katholiken, 200 Protestanten und 24 Israeliten. Daris. Zur Linderung des Rothstande» in Folg« de» harten Winter» gaben Frau Furtado-Hein 60,001 Frr», Baron de Hirsch 60,000 Frc«., Adolph« v Rothschild 20,000Frc», «ebr. v Rothschild 10,000Frc»., Ra,Hantel v Rothschild 10,000 Fre». und eine ganze große Anzahl anderer Jtraelite«, wie Stern, Commondo, Jules Heer. Lohe» d'Anver», Oppenheim, Boldschmtdt u. A. je 6000 Frc». Marokko. Die .Time» os Marocco" berichtet, daß der Sultan bet Gelegenheit der Hochzeit»sei«r seine» Sohne» den Juden der Stabt ein Picnic gegeben hat. Daffelb« fand in einem der schönsten Gürten de» Palast«» statt und dauerte 8 Tage Pa»»»» Am Dienstag Abend den 3. Februar genrhmigte da« Executive-Eomitee der Brreinigten Synagogen den Bericht der Commission zur Wahl de» OberrabbinrrS. Da» umfangreich« Schriftstück verbrettet sich unter drei Rubriken über 1. Wahlmodu», 2. Emolumente und 3. Besugnlff« und Pflichten. Da« Gehalt de» Oberrabbiner» betrügt 2000 Lstr. (40,000 M.) jührlich, wovon alle mit dem Amte verbundenen RebrnauSgaben zu destreiten sind. Di« Wohnung de» Oberrabbiner» nebst Bureaa soll in der City liegen und zwar in der Rühe de» Eaft-End von London. Da» Gehalt empfangt der Oberrabbiner von der United Synaooaue, an «elche die beitragenden Gemeinden ihr« Quote abzuführrn Hoven Der Oberrabbiner hat regelmäßig die verschiedenen Provinzial-Ehnaaogea zu besuchen und auf Erfordern in den Synagogen der Metropole di« Trauungen zu vollziehen. Autorisationen für Lopulanten- und buirender Synagogen hierfür wenigsten» 1 Guinea zahlen Der Oberrabbiner darf unter keinem Umstand« über Jemande» den Bann verhangen »der ihn irgend welcher Rechte in der Synagoge verlustig erklären. E» wurde ferner empfohlen, einen zweite« Dam» (Rabdinat«affeffor) mit einem jährliche» Behalt von 400 Lstr <8003 M ) anzustellrn. OtzeG«, 14. Februar Die «»«Wanderung junger Leute, au» den deutsche» Anfiedelungen in Südrußlaad nimmt jetzt nicht unbedeutende Dimensionen an. Al» Beispiel dient die Statistik der Militärpflichtigen pro »830. Im Odessa'schen Kreise waren 1390: 1860 Personen stellungspflichtig, die sich nach der Rationalist wie folgt vertheilen: Russen 1092, Deutsche 668, Juden 110. Bei der Einberusung fehlten 146, also weniger al» 8 pLt. Di« Ausgebltebe«» vertheilten sich indeffeu so, daß ihrer Russen wure» 34, Deutsch« 104, Juden 8. Der Prozentsatz der auSgebltebenen Deutschen betrug mithin über 20 p«t., der Juden nur 8 PLt. WtnlyWok, «2. Februar. In der vielbesprochene» Angelegenheit de» Arzte» Grauow»ki, der einen jüdischen Knabe» «ißhandelte, find auf Befehl de« Genrralgouverneur» der Rabbiner Marku» und der Arzt Lhasanowitsch, angeblich weil sie da»Volk de»hald zu Unruhen »ufgehetzt, au» dem Gouvernement Grodn» auf ein bezw zwei Jahre ausgewtesen worden. (Und welche Straft traf Granowski?) Baron Hirsch telegraphirte au di« Administration der Hirsch'schen Stiftung zur Unterstützung der jüdischen Einwanderung in Amerika, stellt« derselben 12 Millionen Frr». zur Verfügung, und ermächtigte, die Admintstrawren, fall« die Zinsen dieser «nmnc nicht «»»reichen sollten, um alle Zwecke der Stiftung zu erfüllen, einen Theil de» Kapital» zu verwenden. Er werd« letzter«» ergänze». G». Laut». Am 26. Deeember v. I. fand die Jnstallirung der ,Menorah-Loge" unter den Übliche» KormalitSten statt. DrstrictS- Präsident von Ltpmaun Levy führte den Vorsitz Dieft neu« Loge ist dt« erste Frucht der Bemühungru, «elche der Orden im Jnderefl« der eingewauderte« russische» Glauben«ge»offen unternommen hat.

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