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Israelitische Wochenschrift · 1891-02-19 · 8 (19.2.1891) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
8 (19.2.1891)
Date
1891-02-19
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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und} Frankfurt ging ihm trotz seiner Jugend durch Empfehlung schon der Ruf der Gelehrsamkeit und wisienschaftlichen Strebenvoraus. Seine schriftstellerische THStigkeit ist meistennur in Fachkreisen bekannt geworden. Es ist dieeben das traurige Geschick der jüd. Litteratur, daß ihr nicht mehr, wie ehedem in Israel, ein allseitiges Interesse entqegengetragrn wird. Man ist indifferent gegen die Religion und Alles geworden, was mit ihr zusammenhängt. Gewisse orthodoxe Kreise aber, welche sich ein lebhaftes Interesse für die Religion bewahrt haben, weisen Alle-, was von der freien Wissenschaft und auch die jüd. Wissenschaft muß frei sein, beeinflußt ist. feindselig zurück. Darum konnte B.'s Freisinn sich nicht in praktischer Reform bethäligen, denn dir religiös gespaltene Frankfurter Gemeinde mußte, um weitere Abzweigungen und Austritte zu verhüten, die uUhodoxen Ansprüche theilweise sogar für die Häuf tsynagoge berücksichtigen und war genöthigt, für die unentschiedenen Elemente neben B. noch einen Rabbiner orthodoxer Richtung zu berufen. B.'S Thätigkeit beschränkte sich deshalb Hauptsächlich auf wissenschaftlich« Studien und litterarischc Arbeiten. Der junge Rabbiner war auf wisienschaftlichen Gebiete sehr thätig, und der Erfolg wäre sicherlich rin noch reicherer gewesen, hätte er eine größere Unterstützung von Außen gefunden. Aber dieses Geschick theilte er mit anderen Littrraten. Das Berhältniß der heutigen Rabbiner zu den Familien i:!rer Gemeinden ist namentlich in Großstädten ein lockeres. Die sogen, innere Mission ist in Israel meistens unbekannt und ein noch weuig angebautes Feld geistlicher Wirksamkeit. Uusrre heutige jüd. Welt bringt den religiösen Bestrebungen und Unterhaltungen der Rabbiner zu wenig Interesse entgegen; der Berkehr mit den Familien wird durch geschäftliche Thätigkeit, sociale Verpflichtungen, wie weltliche Ablenkungen gehindert, und ein gepflegter Verkehr und Umgang auch noch durch Rücksichtnahme auf die rituelle Einrichtung und Führung des häuslichen Lebens erschwert oder gar unmöglich gemacht. Auch diese Umstände drängten B. in sein Studirzimmer, wo nr-n ihn immer in Umgebung seiner reichen Bibliothek!Ptig fand. (Ueber seine Bibliothek siehe Notiz im heutigen Litteraturblatt.) Zur Schule hat der Rabbiner Frankfurts keine officiellen Beziehungen; das Philanthropin schließt die Mitwirkung des Rabbiners grundsätzlich aus. Die Gemeinde hat chre eigene Schule und kümmert sich um den Religionsunterricht der Sinder anderer Schulen nicht, obwohl deren Zahl nicht flein ist. Andrerseits ist es aber auch' nicht immer gerathen, Männer oou solcher wisienschaftlichen Bedeutung und THStigkeit, welche immer wissenschaftliche Fragen mit sich umhertragen, in Sinderschulen zu zwängen. B. gehörte in eine Hochnicht in eine Kinderschule. Auch seine Predigten waren oft zu reich an wuchtigen Gedanken, um immer hinreichend und allgemein populär sein zu können. Jndeß kennt man heute die jüd. Wissenschaft nicht genug, um ihren Werch anzuerkennen, oder in gedankenreiche Predigten sich zu vertiefen. Wir sind an solchen Männern der jüd. Wisienschast, wie B. war, nicht mehr reich; ihr Heimgang, namentlich ein so früher, wird schmerzlich empfunden, denn er läßt eine fast unausfüllbare Lücke zurück. Dr. Rothschild. Kerichle u»d CsrrefPSAdeiye». Deutschland. Maßdelarß. Bezüglich der vom Rabbinerverbande zum Volksschulgcsetz-Entwurf eingercichten Petition verlautete m den Tagesblättern bis jetzt noch gar nichts. Desto erfreulicher dürfte die Mittheilung der Aeußerung eines einflußreichen Mitgliedes der Kommission zur Vorberachung dieses Gesetzes sein, die wir als authentisch mitzutheilen in der Lage sind. Die schriftliche Aeußerung desselben liegt unS im Original vor und der diesbezügliche PaffuS lautet wie folgt: »Sehr geehrter Herr D»k1or! ..... Dl: auf das Boltsschulgesetz bezügliche PetMa« ist erst zugegangen, nachdem die betreffenden -- bereits di« erst« Lesn in der Kommission passin hatten. Ich «erd« sehe«, was sich bei zweiten Lesung nachholen lsb« und bin gern bereit, dahin zu wirten^- dast auch Ihnen Gerechtigkeit widerfahrt." Der geehrte Schreiber dieser Zeilen ist Reichs- und Landtagsabgeordneter und ein hervorragendes Mitglied der Centtumspartei. «Letpztg. Wegen rinerHrn.RechtSamvalt Dr.Wertha uer beleidigenden Notiz in der ,Antisemitischen Correspondenz" und dem antisemitischen ״Leipziger Tagesanzeiger' standen die Redafteure Theodor Fritsch, der bekannte Antisemitenführer, und Herman Lucko vor dem königlichen Schöffen- . mitischen Correspondenz" angegriffenen Personen zur An-" strengung von Klagen veranlasse" und .e» sei abzuwartrn, wie weit die Gerichte zu den Machinationen de- Klägerdie Hand bieten würden" und ״wer im Schimpfen und Bevleumden so eilfertig ist, wie Israel, der hat wahrlich keine Veranlassung, den Empfindlichen zu spielen". In dem ersten Satze wurde nichts Beleidigendes gesunden, dagegen in de« Ausdrucke .Machinationen" und den Ausdrücken deletzte« Satzes. Fritsch wurde zu 30 Mark, Lucko zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt, dem Kläger auch die Publikation«- befugniß in der ״Anttsem. Torrsp.", den .Deutsch-soziale»׳ Blättern" und dem .Leipziger TageS-Anzeiger" zugesprochen. — Als Dritter im Bunde erschien der Reoakteur Dr. Hävernick von der kal. .Leipziger Zeitung", welcher bei Besprechung eines Prozesses den Ausdruck gebraucht hatte: ״der jüdisch« Rechtsanwalt hatte bescheidener Weise drei Monate Gefängniß beantragt." Auch da» bezog sich auf Herr«, Dr. Werthauer. DaS Gericht fand indeß in dieser Aus- > drucksweise keine Beleidigung und sprach Dr. Hävernick frei. . ES ist sehr anerkennenswerth, daß Herr Rechtsanwalt.. Dr. Werthauer, der Sohn de« 1. Vorsteher» der jüd. Gemeinde, den Redakteuren der in Leidig erscheinenden An--. - tisemitenblätter auf den Fersen sitzt. ES wäre zu wünsche«, daß dies in Berlin auch der Fall wäre. Da leistet z- B. in der jüngsten SonntagS-Nummer (Beilage) da« Slöckerbiettt .Volk" folgende Stilblüthe: '" * .Was der Beter dem armen Lastthter, ist der Jude de» sich plagende« Bol. Dieser Abschaum der Menschheit u. s. ».* Jüngst wurde eine Zeitung in Nordhausen de-balb apgeklagt, weil sie eine Anzeige (im Jnseratentheil) brachte:As ״Ueber den Segen de» Unglauben»." Einige Bürger hattet^ erklärt, daß sie darin ein Aergerniß gefunden und da erh ~ der Staatsanwalt die Anklage, die zu einer Berurtheilu de» Redakteur» führte. Uno ein Antisemitenblatt, daß in Berlin erscheint, bat den traurigen Muth, tagtäglich die.'! Juden zu beschimpfen, sie den ״Abschaum der Menschheitzu nennen, und kein Staats- oder Rechtsanwalt nimmt daran ein Aergerniß? Kein Vorsteher, Rabbiner oder eia Mitglied Z des Ausschusses dedeutsch - israelitischen Gemeindebundes■ erhebt die Anklage! Vielleicht nimmt sich der Berein zur AbH^ wehr des AntisemitiSmu« der Sache an. S־ Gegei Artikel, .die Einrichtung eine» besonderen JugendgotttDU.. dicnsteS" (in Nr. 6 d. Bl.) so ausführlich behandelte wolle % der freundliche Leser auch einer stimme auS einer kleine« Gemeinde Gehör schenke». Denn auch in diesen giebt es^ jetzt höhere Lehranstalten und die jüd. Jugend wird zu allem Möglichen, nur nicht zum Besuch der Synagoge augehalten. Die Väter sind hier noch geplagter als die der der großen Städte, denn sie thun in der Regel das, waskein Jude und kein Christ thut, sie können weder Eabboth noch Sonntag halten. Wie soll nun ein JugendgotteSd« an welchem auch Erwachsene Theil nehmen sollen, nach guten Rache de« Herrn Dr. R. eiageführt »erde»?.

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