Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 8 (19.2.1891)
- Date
- 1891-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r «wSbleiben kann, sich bemerkbar) machen wird. Zweiten» abtr wird eine jüdische Zeitung, sobald sie unfern Gegnern tüchtig auf den Fersen sitzt, auch ohne Zweifel an Abonnenten tzunehmen. ES werden sich schon in vom Antisemitismus verseuchten Gegenden Leute finden, welclie mehrere Exemplare kaufen und sie in christlichen Ikreisen verbreiten. Der jüdische Leserkreis wird sich erweitern, und dieser wird schon selbst auch für einen christlichen Leserkreis sorgen, welcher dann seinerseits die Antisemitenblätter zwingen wird, von den jüdischen Zeitungen Notiz zu nehmen. Aber freilich: mit akademischen Auseinandersetzungen allein wird man das nicht zu Wege bringen. Hier heißt eS: der Lüge auf den Kopf treten, unnachsichtig, unablässig, defensiv und offensiv. Oderint dnm metaant ,mögen unsere Gegner hassen, wenn sie nur fürchten.' Wenn sie zu fürchten anfangen, wird der künstlich großgezogenc Haß sich anch lcg.11, den» er kan» vor der wiedrrholt. mit Feuer und Uebcrzcugung vorgetragencn :Wahrheit nicht bestehen, weil er aus der Lüge geboren ist. Und ist denn die Verbreitung der Wahrheit nicht auch Lehre und Aufklärung? Ist eS ein Kleines, die Schlangenbrut, welche der Antisemitismus gezeugt hat, zu vernichten und aus der Welt zu schaffen? Aber das kann nicht in ruhigem Tone geschehen, das muß mit Feuer und Energie geschehen, deren unsere Gegner mit so viel Erfolg sich bedienen. Limilia •imilibua! Lasset nur euer eigenes But kochen und geht nur geradezu euren Gegner auf den Leib, dann wird auch das Blut in den Adern der Leser kochen. Sie werden nach euch greifen zunächst au» Neugierde, dann aus aufrichtiger Theilnahme. und sie werden für eine Verbreitung sorgen. Erfaßt Eure Aufgabe, und ihr macht auch ei» Geschäft, {oweit eine jüdische Zeitung rin Geschäft sein darf und ein muß. Früher fragte man in Betreff einer jüdischen Zeitung, ob sie ,links״ oder ,recht»- sei. Darum handelt eS sich Heute gar nicht. Ob links oder recht», ist gegenwärtig einerlei. Die jüdischen Zeitungen müssen heule alllsammt eine Richtung verfolgen: geradeaus gegen den ge- «einsamen Feind! Getrennt marschiren und vereint schlagen — diese bewährte deutsche Devise muß auch für unser« Zeitungen gelten, sonst werden wir, rechts wie links, von unseren vereinten Gegnern geschlagen werden , A»tis«mite«spiegel." Unter diesem Titel erscheint seit kurzem im Berlage Von A. W. Kafemann in Danzig in zwang'osen Lieferungen eine Serie von handlichen Schriften, die dem Abgeordneten Rickert ihr Entstehen verdanken und die Tendenz verfolgen, in streng objektiver Weise, an der Hand feststehender Q._ THatsachen, die antisemitischen Verdächtigungen und Vorwürfe, die fort und fort gegen das Judenthum geschleudert ,’ werden, zu widerlegen. Wem da» Gefühl für Wahrheit y und Recht noch nicht erstorben, wird bei auch nur ober»!^.sllchlicher Vergleichung deS ״Antisemitenspiegelsmit den M antisemitischen Zeitschriften, Broschüren und Flugblättern leicht herauSfindcn, auf welcher Seite die Wohlanständigkeit!?' »nb die gute Sitte gewahrt wird. Fast durch jede Nummer der ,deutsch-sozialen Blätter-, deS Hauptorgans deroHerren Antisemiten, wird der Herausgeber in Beleidigungsprozesse 'Verwickelt, die einen ungünstigen Verlauf für denselben nehmen. Man dentt dabei an Klopstock'S Epigramme: ,Unbeleidigst Du mich. WaS brachte so sehr denn gegen ch selber Dich auf. daß Du so hart Dich bestrafst?- Bei diesem wüsten Treiben, diesen Wuthausbrüchen k la Lleon, ן, diesem widerwärtigen Schauspiel, daS wir nun schon über fl- «in Jahrzehnt erleben, war man zu Beginn dieser schwach- ^vollen Orgien in dem folgenschweren Jrrthum befangen, "daß die Bewegung bald im Sande verlaufen würde und «an war ja auch gewifsernrahen nach kulturhistorischen Er- $u dieser Annahme berechtigt, denn alles swlternde ׳ sit-eS aus politischem oder religiösem Gebiets» »ersinkt in Letbe'S Fluthen der Vergessenheit.*!Diese optimistische Auffaffung hegen wir allerdings noch heute, doch erheffcht jeder Kampf— Gegenwehr. Die Antisemiten und ihre Preßorgane befolgen unausgesetzt den Grundsatz: Oalnrnniars aadaotar (•emp*r aliqaid baeret (,nur immer tüchtig verleumden, etwa» bleibt immer kleben-), nach dieser Richtung hin können sie stolz auf ihre Erfolge sein. ES summt mir noch die Apostroph« in den Ohren, die ich so manchmal in christlichem j Freundeskreise hören mußte: .Der Inhalt dieser antise- > mitischen Flugschrift kann doch nicht auf Wahrheit beruhen!"! — eii» Ausruf, der bei dem Zweifel an der Rid)tigkeit der antisemitischen Behauptungen doch wiederum auch ein leises Zügeständniß enthielt. Unsererseits dagegen wegtc man sich in Lethargie, man stellte sich ans den Opportunität-- Punkt, pochte auf das gute Recht, die Wahrheit, die doch schließlich zum Siege gelangen müsse. Diese Taktik hat sich als grundfalsch erwiesen. Man mußte vom Gegner lernen und Flugschriften — dieses Kampfmittel bewährte sich auf jener Seite vortrefflich — in Tausenden von Exemplaren unter das Volk verbreiten, Flugschriften, die in prägnanter Weise die Lügen der Gegner auf^edeckt hätten, das ist die schweie Unterlassungssünde, deren wir uns anzuklagen haben. Wir müssen aber zur Steuer der Wahrheit allerdings es hervorhcben, daß die .Jsr. Wochenschriftgleich in der ersten Zeit des auftauchenden Antisemitismus die Abfassung und Verbreitung von Flugschriften als dringend geboten liezeichnet hat.*) Auch die 11113 vorliegende 2. Lieferung de» AnrisemitrnspiegelS hält diese Idee für richtig und bemerkt mit vollem Rechte, indem auf die Nolhwendigkeit der Herausgäbe des Antisemitenspiegels hingewicsen wird: ,Man soll das Eine und das Andere thun.- lieber die Bortrefflichkeit dieser Schrift, die da» an sich bekannte Material vorzüglich zusanimengeslellt hat. wollen wir uns nicht in weitschweifige Redensarten, die den Werth des Buches abschwächen künnttn, ergehen, auch nicht grüße, e Excerpte den Lesern der.Wochenschriftvorführen, sondern dringend auf die Schrift selbst Hinweisen und vor allem unfern Glaubensgenossen empfehlen, daß sie.sich selbst in dieselbe vertiefen und daraus lernen, waS sie den Gegnern zu erwidern haben. Nicht eindringlich genug können wir der Verbreitung des Antisemitenspiegels das Wort reden Der billig: Vreis (20 Pfg. das Heft) und bei größeren Bestellungen oedeutende Ermäßigung ermöglicht die weiteste Verbreitung.**) Wer einen Antisemiten eine» Besseren belehren, mit der Waffe der Wahrheit bekämpfen will, der halte ihm den Antisemitenspiegel vor. Darum gehet hin, kaufet und verbreitet diese Hefte en muMt Zum Schluß möge hier die Inhaltsangabe der beiden bis jetzt erschienenen Lieferungen folgen: 1. Heft: Vorwort. Die Zahl der Juden In Deutschland. Dt« slaalsbürgerlichen Rechte der Juden. Die Entwicklung des Antisemititmus. Kaiser Friedrich III. als Kronprinz und Katserta Augusta über die antisemitische Agitation. DI« Lügen über dt« Alliance israeiite. Die Juden im Heere Der Juden Antheil an Berbrechen. 3 Heft: Borwort. Die neueste Statistik über den Antheil der Juden an Verbrechen. Die dunklen Pläne des Juden Moatesiore. Di« Autoritäten der Antisemiten. Di« Antisemiten und di« Schul«. Di« Antisemiten und das llhristenlhum. Der Jude als Handwerk«! und Ackerbauer. dl. 3p. zuugen Lr. «ehe«»«» vrüll. Zu den über den Vorstorbenen in vor. Nr. vcröffentlichte« Mittheilungen habe ich nur wenig hinzuzusagen; vor allem ist zu berichtigen, daß er 1843 (nicht 42) in Neu- Roßnitz (nicht Kojelein) geboren ist. — Bei seiner Berufung Man vergleiche di« Jahrgänge 1879—81. Der damalige Borsitzende des D. I. G. B , der sel. Rachod, hat östrrs Artikel au» d«r .Wocheaschris«- in Separatabzügen großen TagesbläUern b«Ura«n uud »ervrrtt«»» laffen. (Red ) •*) 1090 S». — 100 000 2t.—«ü M., 100 St. — 10 « oo St. — 8 10 r». — 1 «. SO Ps.